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"Das Internet macht alles kaputt"

Startbeitrag von FM100 am 24.10.2008 13:39

"Das Internet macht alles kaputt"
Wie sich Radiostationen auf ihre äußerst ungewisse Zukunft einstellen
VON DANIEL BOUHS

Es gibt Tage, an denen man Erwin Linnenbach besser nicht auf die Zukunft ansprechen sollte. Neulich war wieder so einer. Da gab sich der Chef der Regiocast, die mit Anteilen an zig Radiosendern eines der wichtigsten Hörfunkunternehmen der Republik ist, auf einer Tagung in Berlin äußert depressiv. In der Britischen Botschaft wurde zum 75-jährigen Bestehen des BBC World Service über die Perspektive der Branche diskutiert. Und Linnenbach klagte: "Das Internet schafft keine neuen Werte, sondern macht alles kaputt."

Tatsächlich blicken die Sender in eine äußerst ungewisse Zukunft. Denn auch wenn die 14- bis 29-Jährigen pro Tag noch mehr als zwei Stunden das Radio anknipsen, droht ihre Abwanderung ins Netz. Dort können sie sich ihr Programm selbst zusammenstellen. Und gehen sie aus dem Haus, stecken sie es einfach in ihre Tasche. Abspielgeräte haben sie ja immer dabei: Längst dröhnt aus Handys auf Knopfdruck Musik.

Weil viele Entwickler ihre Modelle aber auch mit Radioempfängern versehen haben, müssten diese Technikwunder für die Hörfunkbranche eigentlich sogar eine Chance sein. Linnenbach nennt Nokia gar "den größten Radiogerätehersteller der Welt". Gleichzeitig räumt er aber auch ein: "Wir haben damit bei den jungen Leuten bisher nicht punkten können."

Im Netz, so die Bedrohung, kommen Trends viel schneller auf, als die Moderatoren in den Funkhäusern ihre Regler hochziehen können. Kein Wunder, dass die Branche, die mal Trendsetter just bei jungen Leuten war, nun schon mal in Kummer verfällt.

Das heißt natürlich nicht, dass Radiomacher wie Linnenbach die Hände in den Schoß legen. Im Gegenteil: Seine Gruppe hat sich vor einem Jahr die Radiorechte an der Fußball-Bundesliga gesichert und im Sommer das Programm "90elf" gestartet. Seitdem strahlen sie im Netz alle Spiele aus. Live und für die Hörer ohne zusätzliche Kosten.

Von solchen Spartensendern verspricht sich die Szene viel. Spannend wird das aber erst, wenn per digitalem Funk statt UKW gesendet wird. Dann werden die Hörer zwar einerseits neue Geräte kaufen müssen. Sie werden aber andererseits mit mehr Programmen berieselt. Das soll gar nicht mehr lange hin sein: Die Branche rechnet schon für 2009 mit der flächendeckenden Ausschreibung der Frequenzen.

Regiocast ist mit Angeboten wie "90elf" nur einer von vielen Anwärtern. Alle Funkhäuser überlegen, wie sie möglichst viele der neuen Plätze belegen können. Auch neue ARD-Programme sind im Gespräch.

Um gerüstet zu sein, haben mehrere große Privatsender wie die Antenne Bayern um den hessischen Kanal FFH die Gruppe Digital 5 gegründet. Sie wollen sich die Kosten für neue Programme teilen. Das Prinzip: Einer zieht einen Spartenkanal zu Musik, Comedy oder Service auf, und die anderen übernehmen ihn einfach. Individuelle Werbemelodien sorgen dafür, dass der Hörer glaubt, es würde um die Ecke produziert.

Dabei geht es für die Sender gar nicht darum, neue Kundschaft anzulocken. FFH-Chef Hans-Dieter Hillmoth sieht die Stationen vielmehr in einem "Verteidigungskampf", wie er sagt. Im Kern gehe es zunächst "nicht darum, mehr Hörer zu gewinnen, sondern die zu halten, die wir haben".

Dafür hat FFH schon 16 Spartensender gestartet, die bisher nur ins Netz strahlen. Es sollen noch mehr werden. In Bad Vilbel bei Frankfurt experimentieren sie etwa mit einem hessischen News-Kanal, der Beiträge aus dem Hauptprogramm wiederholt. Nach demselben Muster hat Hillmoth auch dem jungen Ableger Planet Radio neue Kanäle verpasst. Die gebührenfinanzierte Konkurrenz vom HR ist nachgezogen. Auch die öffentlich-rechtlichen Stationen müssen sich eben rüsten.

Die Statistik zeigt: Zwischen 65 und 75 Prozent aller Nutzer der Web-Radios von FFH kommen aus dem Sendegebiet. "Die Hörer orientieren sich also auch im Netz an den regionalen Marken", sagt Hillmoth. Und auch das macht ihm Mut: Mit Werbung auf den Internetkanälen wird FFH in diesem Jahr einen mittleren sechsstelligen Betrag einfahren.

"Radio wird mehr investieren müssen als bisher", glaubt Hillmoth. Und weil das nur große Sender könnten, sieht der FFH-Chef auf die Szene eine Bereinigung zukommen. Er ist sich sicher: "Es wird künftig weniger Anbieter geben als bisher, die gleichzeitig aber deutlich mehr Sender produzieren."

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/medien/1615725_Das-Internet-macht-alles-kaputt.html

Antworten:

Zitat

Spannend wird das aber erst, wenn per digitalem Funk statt UKW gesendet wird. Dann werden die Hörer zwar einerseits neue Geräte kaufen müssen. Sie werden aber andererseits mit mehr Programmen berieselt


Der war gut! Ich wohne in Hessen, genau wie Hillmoth. Via DVB-T gibts kein Radio und via DAB kann ich in erschreckend mieser Qualität harmony und planet neben DLF und DLR hören, und das noch nicht mal in ganz Hessen...

Erstmal brauchen wir für ein terrestrisches Digitalradio Sender. In der Rhön, im Vogelsberg, im Spessart, jenseits des Meißners gibt es wahnsinnig dicke Löcher. Während man schon seit Ewigkeiten analog zig-KW verbrät, wird digital Sparflamme gefahren.

Egal welches terr. Digitalsystem. Wir brauchen bevor irgendjemand außer Freaks neue Radios in Blödmärkten kauft, Heidelstein, Hoherrodskopf, Meißner, Rimberg, Eisenberg, Gelnhausen digital.

von m83 - am 24.10.2008 14:14
"Das Internet macht alles kaputt"
Mammaaaa, der hot mei Eimerle kaputtgmaaaacht!!! ....tönte es früher aus dem Sandkasten.
Jammerjammerjammer...

glaubt Hillmoth. Und weil das nur große Sender könnten, sieht der FFH-Chef auf die Szene eine Bereinigung zukommen. Er ist sich sicher: "Es wird künftig weniger Anbieter geben als bisher, die gleichzeitig aber deutlich mehr Sender produzieren."

Hättste wohl gerne! Ich sehe im Internet sogar eher Chancen für kleine, unabhängige Spartenkanäle...allerdings eher weniger provitorientierte!


von Peter Schwarz - am 24.10.2008 14:27
Mit "Der beste Mix der 70er/80er/90er und die Superhits von heute" "Mega-Hits" "Abwechslung" (die keine ist...) usw. - also: echter Langeweile
ist doch klar, daß die jetzt vorhandenen Ausweichmöglichkeiten genutzt werden.
Aufkommende Trends=> dürfen im Radio doch gar nicht gespielt werden, da sie (noch) nicht ins Format passen. Wo sind die "nicht-Superhits der 70/80/90er" im (nicht nur Privat-)Radio tagsüber zu hören?
Wo ist der Wortanteil, der nicht aus dümmlichen Gewinnspielen besteht. Es interessiert mich auch nicht, mit wem Madonna ins Bett geht oder in welchem Lokal Sternchen XY den Fussboden vollgekotzt hat. Da gäbe es doch sicher auch noch anderes zu berichten...
Sender mit Claims wie den oben genannten sind mich als Hörer los (außer DXenderweise...), ich picke mir lieber die Rosinen bei DLF/DLRKultur/NDRinfo heraus und höre ansonsten mp3!
Ein Sender muss überraschen (auch musikalisch) um von mir eingeschaltet werden. Bei ffn/Antenne/FFH/usw. weiß ich schon vor dem Einschalten, was mich erwartet. Und das langweilt mich. Und Langeweile kann für einen Radiosender tödlich werden... auch wenn sie versechzehnfacht im Internet fortgeführt wird!

von iro - am 24.10.2008 14:32
Ich seh' das ähnlich wie Peter Schwarz. Wenn man im Radio überall die selbe einfältige Sch***e hört, warum sollte man dann vorhandene Alternativen nicht nutzen?
Die Regiocast ist für mich einer der Hauptschuldigen die das deutsche Radio zu dem gemacht haben was es heute ist.... Einfallsloser, unkreativer Dudelfunk.
Und anstatt die Chancen die das Internet bietet zu nutzen jammert man rum, dass das Internet alles kaputt macht. Um Firmen die dabei so denken wie die Regiocast tut's mir nicht leid. Vielleicht wird das Radio dann wieder hörbar.

von Sebastian Dohrmann - am 24.10.2008 14:47
geschieht den Privaten und einigen öffis recht, Viele wurden schon längst vom Radio welches immer die ewige grütze spielt vergrault. Irgendwann läßt sich das keiner mehr gefallen weil die leute vom Dudelfunk dauernd verar... werden und irgendwann merkt es der letzte dumme aber das wurde schon zigfach vor jahren gesagt.

von DJ DAREK - am 24.10.2008 16:00
Ich bin da auch der Meinung, dass das Radioprogramm die Hörerzahlen macht.
Ich kenne meine Programme und schalte die entsprechenden Sender zur entsprechenden Zeit ein.
Und wenn ich zu der Zeit nicht da sein kann, nimmt meine Technk allein auf.
Dann kann ich das Programm auch "auf Knopfdruck" hören.

Zitat

Weil viele Entwickler ihre Modelle aber auch mit Radioempfängern versehen haben, müssten diese Technikwunder für die Hörfunkbranche eigentlich sogar eine Chance sein.

Welch ein Wunder an Technik...
...ein Rauschgenerator mit der Schaltung eines Radios.

Mal ehrlich, die Radioteile sind doch das letzte.
Das tue ich mir nicht an!

Zitat

Spannend wird das aber erst, wenn per digitalem Funk statt UKW gesendet wird. Dann werden die Hörer zwar einerseits neue Geräte kaufen müssen. Sie werden aber andererseits mit mehr Programmen berieselt.

1. Wenn das ebensolche Technikwunder sind, ist der Empfang ja noch schlechter.
2. Was macht digital besser als analog?? (wohl das übliche "digital ist besser"-Gesülze...)
3. Mehr Programme mit dem selben Inhalt helfen da auch nicht, sondern verschlechtern eher die Übersicht.
Weniger kann mehr sein.

Zitat

Einer zieht einen Spartenkanal zu Musik, Comedy oder Service auf, und die anderen übernehmen ihn einfach. Individuelle Werbemelodien sorgen dafür, dass der Hörer glaubt, es würde um die Ecke produziert.

Ähm, das machen die öffentlich-rechtlichen Anstalten doch schon lange so?
Oder verstehe ich da etwas falsch?

von shianne - am 24.10.2008 16:04
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