LMSaar und Politik kritisiert Privatfernsehen

Startbeitrag von Dampfradio am 15.07.2009 16:29

Medienrat und Saar-Politiker kritisieren Privatsender
Der Medienrat der Landesmedienanstalt kritisiert das private Fernsehen. Durch fragwürdige Formate gefährdeten die Sender ihre Legitimität. Eine Meinung, die die Politik im Land teilt.

Bei RTL leihen sich Teenager fremder Leute Kleinkinder aus, um mal auszuprobieren, wie das so ist mit dem Elternsein.
Auf RTL II geht – der Zuschauer erahnt es schemenhaft – ein Pärchen im Big-Brother-Haus zwischenmenschlichen Urtrieben nach. Auch ProSieben kümmert sich um das Liebesleben, und zwar um das von C-Promi Giulia Siegel: Sie sucht per TV-Casting den Mann fürs Leben. Sat1 handelt sich derweil gleich für drei Sendungen Beanstandungen wegen Schleichwerbung ein.

Diese Triebe und Umtriebe im deutschen Privatfernsehen gehen dem Medienrat der Landesmedienanstalt (LMS) für das Saarland zu weit. Er hat nun eine „Resolution zur Programmentwicklung im privaten Fernsehen“ verabschiedet. Darin prangert er an, dass „erhebliche Teile des Privatfernsehens in Deutschland ihrer öffentlichen Aufgabe (...) nicht sachangemessen genügen“. Programme wie die oben genannten gefährdeten dessen Legitimität. Eine Auffassung, die die im saarländischen Landtag vertretenen Parteien teilen. „Mit Sendungen wie ,Erwachsen auf Probe', bei denen wehrlose Kinder benutzt werden, um mit immer absurderen Formaten Quote zu machen, stellen die Privaten ihre Legitimation selbst in Frage“, heißt es etwa aus der CDU-Fraktion.
Quelle: Saarland Online
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Resolution zur Programmentwicklung im privaten Fernsehen
Medienrat der LMS erinnert private Veranstalter an ihre öffentliche Aufgabe

Saarbrücken, 14. Juli 2009: 25 Jahre nach dem Start von Privatfernsehen in Deutschland stellt der Medienrat der LMS fest, dass erhebliche Teile des Privatfernsehens in Deutschland ihrer öffentlichen Aufgabe nicht genügen.

In einer Resolution zur Programmentwicklung im privaten Fernsehen bemängelt der Medienrat Formate wie „Big Brother“, „Erwachsen auf Probe“ oder „UFC (Ultimate Fighting Championship)“, die die Legitimität des Privatfernsehens in Deutschland gefährden, und spricht sich in diesem Zusammenhang nicht zuletzt auch aus ethischen Gründen gegen eine mediale Instrumentalisierung von Babys, Kindern und Jugendlichen aus.

Zudem kritisiert er die stark rückläufige politische Berichterstattung in den privaten Vollprogrammen, die selbst bei den reichweitenstärksten Programmen, RTL und Sat.1, zu beobachten ist, wo z. B. 2008 der Anteil der Politikberichterstattung in den Hauptnachrichtensendungen nicht mehr als vier bzw. drei Minuten betrug. Der Medienrat spricht sich daher für eine Präzisierung des Begriffs des „Vollprogramms“ im Hinblick auf den erforderlichen Nachrichtenanteil aus.

Darüberhinaus bedauert der Medienrat der LMS, dass die privaten Veranstalter bislang zu wenig Sendeformate entwickeln, die helfen, die Medienkompetenz der Zuschauerinnen und Zuschauer zu fördern.

Der Medienrat kritisiert Positionen der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen e. V. (FSF), die auf ein Austesten von Wertvorstellungen gerichtet sind.

Weiterhin fordert er eine Kontrollmöglichkeit der Gremienvorsitzendenkonferenz der Landesmedienanstalten gegenüber Entscheidungen der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) und der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) in Fällen, in denen eine Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe unter Rückgriff auf gesamtgesellschaftliche Überzeugungen in Rede steht.

Der Direktor der LMS, Dr. Gerd Bauer, wird gebeten, die Resolution an die saarländische Landesregierung und den Landtag des Saarlandes weiterzuleiten.

Quelle LMSaar

Antworten:

Zitat
Dampfradio
Saarbrücken, 14. Juli 2009: 25 Jahre nach dem Start von Privatfernsehen in Deutschland stellt der Medienrat der LMS fest, dass erhebliche Teile des Privatfernsehens in Deutschland ihrer öffentlichen Aufgabe nicht genügen.


Dieser Satz ist für sich allen genommen schon sehr bezeichnend.

von Ex-Trierer - am 16.07.2009 19:57
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