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Forum zu den Eisenbahnen in Tschechien
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Strojmistr, awp, J.N., streckenbummler, Joachim Piephans, HFR, Lothar Hülsmann, Gastleser, Der Muldentalbahner

Samstag in Glucholazy

Startbeitrag von J.N. am 12.02.2007 15:17

Wie blöd muss man eigentlich sein, um um 20 nach 4 einen Nachtzug zu verlassen? - nur um eine wiedereröffnete Güst zu bereisen...

Hallo,

diese Frage stellten sich HFR und meine Wenigkeit am vorgestrigen Samstag (10.02.) angesichts einer sehr kurzen Nacht, als wir frühmorgens in Ostrava-Svinov aus dem "Excelsior" fielen. Ziel unseres Unterfangens sollten die "neuen" grenzüberschreitenden Züge zwischen Tschechien und Polen via Glucholazy sein. Nach zunächst äußerst flotter Fahrt über die Ausbaustrecke nach Opava und dortigem Umstieg von Sarg zu Sarg, war das ehemalige Ziegenhals gegen viertel nach 7 erreicht.

Die anschließende Passkontrolle vollzog sich schnell und ohne Probleme. Auf Nachfrage gab man uns sogar noch einen Stempel ins Dokument. Die Jungs freuten sich wohl über diese kleine Abwechslung in ihrer sonst eher monotonen Arbeit - wir waren übrigens die einzigen Aussteiger. Kurz vor Ankunft der internationalen Züge gesellte sich noch ein dritter Fuzzy hinzu.

Recht pünktlich erreichte dann der aus Oppeln kommende Zug 1800 mit SM42 an der Spitze den Bahnhof. An Bord der zwei Schachteln immerhin knapp 30 Beförderungsfälle! Wenngleich dieses Verkehrsaufkommen noch lange nicht den Aufwand dieser Fahrten rechtfertigt, so waren wir doch hierüber positiv überrascht.

Weitaus unpünktlicher und lange nicht so gut besetzt kam 20 Minuten nach Plan der Zug aus Jesenik in Glucholazy an. Tfz: 749. Fahrgäste: An einer Hand abzählbar... Sonne: Fehlanzeige. Wir blickten fast so finsterdrein wie die CD-Lok.

Immerhin vollzog sich das Rangiergeschäft ziemlich schnell und mit abgebauter Verspätung verließen wir Ziegenhals Richtung Nysa/Neiße. Dort angekommen demonstrierte uns gleich einmal den Unterschied zwischen CD und PKP: Die Polen hatten den Zug, mit dem wir eigentlich weiter nach Kamieniec Zab. wollten, kurzerhand aus dem Fahrplan gestrichen. "Poprawka?" - "Nie ma!" hieß es lapidar am Schalter.

Kein Wunder dass der Zug aus Jesenik so schlecht besetzt war: Wer außer ein paar Blöden fährt unter solchen Umständen auch schon mit der Eisenbahn nach Polen?

Grüße,
Julian

Antworten:

Fahrgastzahlen

Da wird der Zug wohl nicht allzu lange fahren, schätze ich. Wäre vielleicht noch anders, wenn richtig Schnee im Gebirge liegen würde, so wie die letzten Jahre, dann kämen noch paar Skitouris dazu.

Habt ihr Notizen gemacht, welche Loks am Zug waren?

von Strojmistr - am 12.02.2007 15:46

Hier der komplette Bericht

... da ist Julian mir etwas zuvor gekommen.

Glucholazy und das Land der leeren Züge

...nein, nicht Tschechien. Vielmehr war die Öffnung des zuletzt nur von CD-Korridorzügen befahrenen Bahnhofes Glucholazy für den internationalen Reiseverkehr Anlass, eine Reise in das schlesische Grenzland (und darüber hinaus) vorzunehmen.

Doch von Anfang an: Der ICE von Leipzig nach Dresden hatte stolze 25 Minuten Verspätung – ziemlich heikel bei einem 6-min-Übergang auf den D 377 nach Bratislava und seinen Kurswagen nach Wien, Budapest und Kosice. Und im mitternächtlichen Prag wollte Julian Nolte zusteigen, der schon tagsüber aus Nordwest ins Land eingereist ist. Doch der D-Zug wartet brav, der Anschluss klappt, und die DB lässt den ICE in Dresden Hbf statt unten in der Halle extra oben auf dem Nachbarbahnsteig ankommen, sodass kurze Umsteigewege garantiert sind.
Der auf dem Außenbahnsteig 4 (früher 5a) wartende D 377, der ab der Grenze (nicht aber bei der DB) den „Galileo Galilei“ tragen darf, besteht aus einem slowakischen Neubauschlafwagen der RZD-Bauart, einem ungarischen Neubauschlafwagen, einen tschechischen Reko-Schlafwagen und zwei slowakischen Neubau-Sitzwagen. Die Traktion obliegt einer Railion-Knödelpresse. Ich nehme zunächst in einem der beiden Sitzwagen Platz, die etwa zu 50% gefüllt sind.

Hinter der Grenze wird flugs bei der CD-Schaffnerein die Anschlusskarte nach Ostrava-Svinov erworben. Dann begebe ich mich in den Kurs-Schlafwagen nach Kosice, um nach freien Plätzen zu fragen. Ab Deutschland sollte der Aufpreis im Double 30 Euro kosten, und die Buchung von Bettplätzen auf innertschechischen Strecken zum CD-Binnentarif bei der DB geht offenbar nicht mehr. Das war jedenfalls das Ergebnis, nachdem ich die Platzkartenstelle in Stuttgart Hbf rund 20 min ohne Erfolg konsultiert habe. Der Betreuer der „Wagon Slovakia“ kämpft gerade mit der Elektronik seines immer wieder in tiefe Dunkelheit fallenden Wagens. Dann bietet er mit ein freies Abteil an. Was es kostet? Laut aushängender Liste pro Nase irgendwas mit 200 Kronen pro Platz im T3, aber schließlich einigen wir uns auf 400 Kronen + 3 Euro cash auf die Kralle, und ich habe das ganze Abteil, womit Julians Platz ab Prag auch gesichert wäre.

In Praha hl.n. schnell raus zum Fotomachen, denn wer weiß, ob die 180 auch noch längerfristig diesen Bahnhof erreicht. Julian steht schon mit Stativ auf dem Nachbarbahnsteig, den ich dann unter den Augen des CD-Personals über mehrere Gleise hinweg erreiche. Anschließend nehmen wir in unserem inzwischen an den rappelvollen Schnellzug „Excelsior“ umrangierten Schlafwagen Platz. Julian hat noch keine Fahrkarte.

Die Nacht ist kurz, denn Ostrava-Svinov ist schon um 4:20 Uhr erreicht. Rechtzeitig weckt uns der Betreuer, und nach einem Tee/Kaffee und der obligatorischen Frühstückswaffel steigen wir aus. Es ist mild, dunkel, und im tiptop restaurierten Bahnhof haben schon um diese frühe Wochenendstunde selbstverständlich Fahrkartenschalter, Buchhandlung und Imbisskiosk geöffnet. Am internationalen Schalter kann man leider keine durchgehende Karte nach Nysa ausstellen, also wird über Glucholazy gestückelt. Dann decken wir uns mit Krokodilen und Getränken für die kommende Fahrt ein und besteigen den Eilzug nach Opava..
Bis Opava rollen wir um 5:07 mit 843 001 über die frisch sanierte und elektrifizierte Strecke. Angenehm: im fast leeren Sarg kann man auch im Großraumbereich das Licht individuell fast vollständig abdunkeln. Das wünsche ich mir bei der DB auch manchmal, wenn man zu früher oder später unter grellem Neonlicht durch die Nacht gefahren wird.

Der Anschlusszug nach Jesenik ist auch ein 843, der dann aber schon besser besetzt ist. In Tremesna, wo jenseits des Empfangsgebäudes die Kleinbahn mit ihrem einen Wagen auf drei Umsteiger wartet, wird es langsam hell, dann erreichen wir Polen. Während das Gemisch aus österreichischen und deutschen Formsignalen in Tremesna gefallen ist, ist in Jindrichov noch ein preußisches Relikt aktiv.

In Glucholazy, wo man dem Bahnhof sogar neue Dachrinnen und eine neu geteerte Bahnsteigüberdachung spendierte, sind wir die einzigen Aussteiger. Auf dem Bahnsteig nehmen uns ein polnischer und ein tschechischer Grenzer in Empfang. Auf Bitte erhalten wir sogar einen Stempel in unsere Pässe. Offenbar sind wir die ersten internationalen Reisenden dieses Tages, denn der Tscheche muss erst einmal seinen Stempel richtig einstellen. Dann gehen wir Richtung Stadt.

Glucholazy am Samstag morgen ist ziemlich tot, da kann man einen (Ziegen-)Hals bekommen. Nur die Tanke an der Ausfallstraße nach Nysa hat offen. So sind wir um 8:15 Uhr wieder am Bahnhof und begrüßen unsere Grenzer, die aus ihren neuen Räumlichkeiten im Empfangsgebäude auf den Bahnsteig treten. auch ein Fuzzy belebt die triste Szene. Außerdem ist aus Nysa zwischenzeitlich eine SU42 mit ein paar Teleskop-Haubenwagen angekommen und rangiert auf den Gütergleisen hin und her. Inzwischen ist es so hell geworden, dass man erkennen kann, dass die Sonne sich wohl nicht blicken lässt. So schauen wir uns den aus Opole – Nysa ankommenen 2-Wagen-PKP-Zug und ihrem SM42-„Vibrator“ im Bahnhof auch nur an. Immerhin 28 Fahrgäste wollen ins böhmische Altvatergebirge reisen. Für den Gegenzug mit einer „Finsterdreinblickenden“ hat die CD ihr letztes Aufgebot an Wagen aufgefahren, nämlich zwei ziemlich abgewarzte Großraumwagen. Einschließlich uns, die nun zusteigen, sind wir sage & schreibe 4 Fahrgäste im Zug.

Über das schwankende Gleis 1 laufen die Lokomotiven nacheinander um. Als sich der Vibrator im Leerlauf vor unsere Wagen setzt, gibt es ein Dröhnen und Vibrieren, dass man glaubt, Jemand würde mit dem Presslufthammer den Wagen bearbeiten. Dann fahren die Lokomotiven mit den jeweils fremden Wagen in ihr Heimatland zurück.
Zügig rollen wir bis Nowy Swietow auf der Nebenbahn, um dann auf der zweigleisigen Hauptbahn 235 in rascher Fahrt nach Nysa zu fahren. Auf der parallelen Landstraße überholen wir sogar einen Linienbus. Auf der KBS 235 hat man allerdings sämtliche Doppeltelegrafenmasten gefällt, die vor kurzem noch als hölzerne Armee die Gleise säumten.

In Nysa stellen wir fest, dass sich die PKP noch immer auf Platz 1 der miesesten Bahnverwaltungen behauptet. Zunächst müssen wir erkennen, dass der Anschlusszug um 10:32 Uhr nach Kamieniec Zab. über die KBS 235 nicht fährt. Kein Aushang, keine Info – nichts! Es gibt ihn einfach nicht. Kein wunder, dass da Niemand mit der Bahn nach Polen will... Immerhin ist zu lesen, dass auch noch keine Züge nach Brzeg fahren, aber da wollnwa auch nicht hin. Dann versuchen wir, die Berichtigungsblätter für das Kursbuch am Schalter zu erhalten, die man ab 1. Feb. 2007 gegen einen Coupon aus dem Kursbuch erhalten soll. Nachdem sich die Schalterdame endlich bequemt, uns zu bedienen, schaut sie auf den Coupon wie ein Schwein ins Uhrwerk. Das hat sie ja noch nie gesehen! Schließlich stört sie sogar noch ihre Zeitung-lesende Kollegin am Nachbarschalter bei der Lektüre, um uns nach aufgeregter Beratschlagung mit hektischen „niemam, niemam“ zu verstehen zu geben, so etwas habe man nicht.
Leicht angesäuert begeben wir uns in die Stadt und besichtigen eine gotische Backsteinkirche, die nach eigenen Aussagen das größte Dach Europas trägt. Außerdem ist Nysa offenbar die Stadt mit den meisten Tauben und der größten Blumengeschäftsdichte einer Innenstadt in Europa. Statt des nicht verkehrenden Zuges wird dann die Gummikonkurrenz konsultiert. PKS schickt um 10:25 Uhr den Eilbus von Czestochowa nach Klodzko auf die Reise. Auf den Fahrtstücken entlag der Bahnstrecke ist auch hier festzustellen, dass die PKP Netz AG mit den Doppelmasten auch nördlich von Nysa tabula rasa gemacht hat. In Glatz besichtigen wir in den kommenden Stunden die Stadt, genießen die polnische Haute Cuisine (Schnitzel mit Kartoffel und Krautsalat), ärgern uns über den aufziehenden Nebel und besteigen um 14:08 am Bahnhof Klodzko Miasto den Bummelzug hinauf nach Kudowa Zdroj. Eine SM32 und zwei Mitteleinstiegswagen macht sich mit etwa 20 Fahrgästen auf die Fahrt in die Berge, die ja temporär schon einmal SPNV-frei gewesen sind – und das, wie wir nun feststellen, durchaus zu Recht:

Fast geschlagene 2 Stunden benötigt der Zug für die 40 Kilometer nach Kudowa. Aufreizend langsam kriecht der Zug den Berg hinauf und wird dabei immer leerer. Dann wird der Scheiteltunnel durchfahren. Und als wäre die langsame Fahrt im Radfahrer-Tempo nicht schon genug, windet sich die Strecke auf der anderen Bergseite mit diversen Schleifen ins Tal hinab, wodurch man Luftlinie in einer halben Stunde vielleicht gerade einmal 5 Kilometer zurück legt. 1.000 PS, über 100 Tonnen Stahl und drei Personen Personal dokumentieren uns vier verbliebenen Fahrgästen, die sich das antun, die ökonomische und ökologische Überlegenheit der Eisenbahn. PKS braucht für Klodzko – Kudowa Zdroj auf der gut ausgebauten Landstraße ohne Schleifen weniger als eine Stunde. Außerdem fährt der Bus bis ins Zentrum, während wir um 15:56 Uhr am östlichen Ortsrand aus dem Zug geworfen werden. Auf dem Nachbargleis des kleinen Bahnhofes steht ein Vibrator, der sich nun von der anderen Seite unserer zwei Wagen für die Rückfahrt bemächtigt. Die SM32 wird sich nach menschlichem Ermessen gleich vor die immerhin sechs Schnellzugwagen setzen, die um 19:32 Uhr als „Karkonose“ den Weg nach Warschau antreten werden. Das gibt sicher einen guten Sound oben in den Schleifen am Berg.

So lange haben wir aber keine Zeit, denn um 17:04 Uhr soll in Nachod, jenseits der Grenze, der tschechische Eilzug abfahren. Auf dem Stadtplan unterhalb des Bahnhofes sieht das allerdings ziemlich weit aus. Zu Fuß ist das in einer Stunde kaum zu schaffen, und einen Linienbus gibt es von hier nicht. Taxen vor dem Bahnhof: auch Fehlanzeige. So laufen wir in Richtung Zentrum los. Doch wir haben Glück und können ein gerade vorüber fahrendes Taxi heran winken. Schnell rein, bitte einmal Nachod Nadrazi, äh,Dworzec, und los geht´s. Wir fahren weder zum Nadrazi noch zum Dwozec, sondern zum Bahnhof, denn der Fahrer spricht deutsch: er hat mal zwei Jahre in Bad Vilbel gearbeitet. Etwa 4 Kilometer fahren wir alleine bis zur Grenze – das wäre zu Fuß wirklich unmöglich. Problemlos geht es über die Grenze. Direkt dahinter passieren wir den Hp. Nachod-Beloves. Der bringt uns aber nichts, denn unser Eilzug hält hier nicht. Am Hauptbahnhof wechseln 30 Zloty den Besitzer, und wir haben sogar noch etwas Zeit zum Einkaufen. Nur Krokodile gibt es weit und breit nicht.

Der 17:04-Eilzug nach Starkoc besteht aus der unvermeidlichen Brotbüchse. VT und VB bilden den Zug. Nach dem Gezockel auf polnischer Seite geht es erfrischend zügig voran. In Vaclavice wird für die wenigen Kilometer hinab nach Starkoc die Fahrtrichtung geändert. Dazu stellt sich der Schaffner mit einem Funkgerät in den Beiwagen und dirigiert den Lokführer hinten im Motorwagen. Hallo, deutsches EBA, schau mal, was so alles möglich ist!
Der Anschluss nach Jaromer ist ein bebriller Schnellzug mit 5 oder 6 Wagen. Die Taucherbrille gibt alles und braust mit einem Affenzahn durch die Dämmerung. Dabei passieren wir einen großen See, durch den mitten hindurch ein halb überfluteter Damm verläuft. Was das wohl ist?

Der Fluch der kurzen Anschlüsse bei der CD lässt einen Krokodilkauf in Jaromer leider nicht zu. Mit knurrenden Mägen besteigen wir den Schnelltriebwagen nach Liberec. In der Wärme des teilabgedunkelten 842 werden wir sanft in den Schlaf geschaukelt.

Zweieinhalb Stunden später haben wir in Liberec 5 min Umsteigezeit auf den 612 nach Dresden. Schnell einen Sprint in die Bahnhofshalle, wo noch einer der Kioske geöffnet hat. Endlich Krokodile bzw. ein Krokodil-Plagiat. Tatsächlich sind wir pünktlich zur Abfahrt um 20:03 auf Gleis 1. Dort steht aber kein 612, sondern nur eine Brotbüchse nach Frydlant. Auch anderswo ist kein 612 zu erkennen. Es wird später, die Abfahrtszeit verstreicht. Kein 612. Dann verschwindet der Zug nach Dresden kommentarlos von der Abfahrtstafel. Was nun? In unserer Not besteigen wir den Connex-Desiro, der zum Glück am Samstag Abend noch eine Verbindung nach Zittau herstellt. In Zittau ist der RE nach Dresden natürlich weg, was für Julian bedeutet, dass er den „Johannes Kepler“ in seine hessische Heimat dort auch nicht mehr erreichen wird. Immerhin kommen wir noch zu Nachtaufnahmen vom Akku-VT der Mandaubahn. Dann fahren wir mit dem letzten Desiro nach Dresden zurück. Auf der ganzen Fahrt sitzen nie mehr als 5 Fahrgäste im Zug, und vor meinem geistigen Auge sehe ich diese im kommenden Jahr in einem Großraum-Linientaxi sitzen. Der Zugbegleiter, den wir wegen der Sache aus Liberec befragen, erkundigt sich beim Lokführer. Der sagt, der Zug aus Liberec sei pünktlich in Zittau angekommen... Komisch! Ist der einfach zu früh abgefahren? Wie auch immer: Irgendwann gegen 0:30 Uhr beziehen wir in meinem Komfortschließfach im Bahnhof Radebeul Ost Quartier und holen den Schlaf der vergangenen Nacht nach. Nur was mit dem 20:03-Zug ab Liberec gewesen ist, werden wir wohl nie erfahren.

Heiko



von HFR - am 12.02.2007 17:00

Antwort + Fragen

Sehr intertessanter Bericht, vielen Dank dafür!

Also der große See südwestlich von Náchod ist der Stausee "Rozko¨", auch bekannt als "Ostböhmisches Meer" bei Česká Skalice. Bisher leider noch nicht die Zeit gehabt, dort in die Fluten zu springen. Gespeist wird der von der "Úpa/Aupa", die zumindest teilweise an den Hängen des "Obří Důl/Riesengrund" entspringt.

Aber im 842 nach Liberec? Das dürfte eher auch ein Sarg gewesen sein. Denn alle Liberecer 842 wurden 2005 nach Plzeň abgegeben.

Wenn ich gewußt hätte, dass ihr hier in 30 Meter Entfernung an mir vorbei fahrt, hätte ich mich auf den Balkon gestellt und Euch gewunken. :vlak:

Ahoj!

Michael

von Strojmistr - am 12.02.2007 17:51

Re: Hier der komplette Bericht

Servus Heiko,

danke für den ausführlichen Bericht aus seltsamen Gegenden Europas!
Habt Ihr denn außer den Nachtaufnahmen überhaupt irgendwo fotografiert?

Gruß,
Joachim



PS: "abgewarzt" klingt ja fast wie "Eiterbeule" ;) - ich kann's mir richtig vorstellen.

von Joachim Piephans - am 12.02.2007 18:15

Nummern

...weder aufgeschrieben, noch gemerkt - sondern nur chemisch festgehalten. Können nach Rückkehr aus den Entwicklungsländern natürlich nachgereicht werden (- soviel auch zu Joachims Frage. ;-)) Vielleicht weiß Heiko sie noch? Mir war nicht mal mehr der 001-Sarg in Erinnerung. Und das nächste Mal halte ich still, bevor er in epischer Breite ausgeholt hat. :-)

Julian

von J.N. - am 12.02.2007 19:01

Re: Hier der komplette Bericht

Hallo Heiko!

Der Bericht hat mir richtig gut gefallen! Er hat mich an so manche eigene Reise über die Grenzen zwischen Polen und Tschechien bzw. der Slowakei erinnert.
Gähnende Leere in den Zügen war die Regel, außer zwischen Cernousy und Zawidow, aber das war ja auch ein Sonderzug :-)
Bei aller Sympathie für solche Züge im vereinten Europa muss man aber wohl eingestehen, dass kein rechter Bedarf für solche Verbindungen besteht.
Auch in Nachod habt ihr sicher den recht starken Straßenverkehr bemerkt.
Leider hat Euch Euere Taxifahrt aber wohl um ein Stück Eisenbahnarchäologie gebracht. Mit etwas mehr Zeit hättet ihr die Reste (inkl. einem Zwischenbahnhof) der Strecke Kudowa - Nachod gut erkennen können. Die soll ja 1945 noch kurz in Betrieb gewesen sein.
Ob es zwischen Kralovec und Lubawka jemals was mit grenzüberschreitenden Zügen wird? Einen echten Bedarf sehe ich nicht und ab Lubawka ist bei der PKP ja ohnehin schon länger Feierabend.

Auf alle Fälle hat mir der Bericht so richtig Laune auf meine eigene Reise am kommenden Wochenende gemacht, bei der die letzten fehlenden Strecken im Westen Tschechiens der Bereisung harren.

Inter-nette Grüße

Der Streckenbummler Herbert


von streckenbummler - am 12.02.2007 19:47

Nysa-Kamieniec

Zur Poprawka auf der KBS 235: Die tat not... Der Zug wurde nicht gestrichen sondern fruehergelegt. Der Zug faehrt jetzt frueh um 7. Da kann den eher jemand gebrauchen als mittags um 11 wo das Fahrgastaufkommen zwischen Nysa und Kamieniec doch immer recht ueberschaubar war.

Gruesse aus Ostrava
Thomas

von Der Muldentalbahner - am 12.02.2007 21:24

Fotoausbeute und Kudowa - Nachod

"Habt Ihr denn außer den Nachtaufnahmen überhaupt irgendwo fotografiert?"


*Grübel*

Ja, doch, da war was. Eine Nebel-Alibi-Aufnahme in Glucholazy und ein Fast-Sonnen-Bild in Kudowa Zdroj. Ansonsten haben wir uns bei dem Wetter die Eisenbahnwelt ausschließlich durch das Zugfenster statt durch den Sucher der Kamera angeschaut. Aber das kann man ja vielleicht noch irgendwann nachholen - Ideen gäbe es genug.

Der Schnellzug nach Liberec kann auch ein 843 statt eines 842 gewesen sein. War halt schon dunkel, da habe ich den Unterschied nicht erkennen können und bin dann auch eingeschlafen (

von HFR - am 14.02.2007 09:19

Schlaney (Schnellau) - Nachod

.

von awp - am 14.02.2007 10:44

Re: Schlaney (Schnellau) - Nachod

Hallo!

Zum Thema Kudowa - Schnellau - Nachod ein kurzer Nachtrag:

Da ich vor zwei Jahren etwas mehr Zeit für den Fußweg hatte und einen Zug ab Nachod-Beloves genutzt habe, konnte ich den Streckenverlauf teilweise auf der alten Trasse abwandern. Er führt hinter dem Gleisende als "Schotterweg" quer durch ein Neubaugebiet. Dann geht es in einigem Abstand entlang der Straße zum Grenzübergang durch Wiesen und an einigen Fischteichen vorbei. Da braucht es schon etwas Fantasie.
Dann ist der Damm jedoch wieder erkennbar und führt über einige gemauerte Durchlässe. Nach einem Waldstück wird der ehemalige Bahnhof Schnellau erreicht. Eine Straßenbrücke (nur die Widerlager stehen noch) habe ich dort allerdings nur in Richtung Kudowa gesehen und von dort das Bahnhofsgebäude fotografiert. Dann führt die Strecke in ein dichteres Waldstück und auf einem hohen Damm bis zum Grenzübergang an der Mettau. Auf der anderen Seite (Tschechien) geht es etwas flacher weiter, offenbar fehlt dort ein Stück aufgeschütteter Bahndamm. Dann schiebt sich ein großer Supermarkt ins Blickfeld.
Bei der Fahrt von Nachod-Beloves nach Nachod konnte ich keine Anzeichen der Einmündung mehr erkennen, allerdings fand just in diesem Bereich die Kontrolle durch den Schaffner statt.
Die Fertigstellung der Strecke stand mit großer Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit Flüchtlingsströmen.
Nach Karneval schaue ich mal nach ein paar begleitenden Bildern für das Forum.

Grüße Herbert

von streckenbummler - am 14.02.2007 19:08

Re: Schlaney (Schnellau) - Nachod

Schlaney (Schnellau) = Słone lt. tschechischem Atlas 1: 100.000

Verstehe ich das also richtig, die KPEV und später die PKP fuhren (mit dünnem Angebot) bis Schlaney / Słone ("in Richtung Grenze"?), die Verbindung nach Nachod war geplant, aber von KPEV / PKP nie gebaut; sie existierte lediglich 1945 als "provisorische" Verbindung?

Joachim

von Joachim Piephans - am 15.02.2007 10:39

Słone lt. tschechischem Atlas 1: 100.000

.

von awp - am 15.02.2007 11:12

H-W.Scharf: Eisenbahnen zwischen Oder und Weichsel

(Erschienen 1981 beim EK-Verlag, Freiburg)

Daraus zitiert, aus dem Kapitel "Rückzug, Räumung, Auflösung und Abwicklung der RBD Breslau", auf Seite 283:

Über die Verbindung der Strecke Glatz - Bad Kudowa-Sackisch - Schnellau mit den Strecken der BMB bei Nachod wurde bisher in der Literatur widersprüchliches behauptet. Inzwischen konnte geklärt werden, daß diese Verbindung zustande kam. Auf der schlesischen Seite endete der planmäßige Verkehr aus Richtung Glatz stets in Bad Kudowa-Sackisch. Auf dem 3km langen Abschnitt bis Schnellau verkehrte einmal wertags ein Nahgüterzug. Der Gleiskörper fürhte jedoch 2km weiter bis zur Grenze, die hier von dem Fluß Mettau gebildet wird, und endete an deren Steilufer, etwa 40m über dem Wasserspiegel. Von hier aus waren es nur etwa 400m bis zur Haltestelle Beloves der Strecke Chocen - Halbstadt. Erst infolge der Frontsituation im Frühjahr 1945 wurde durch Kriegsgefangene der Damm von Beloves aus steil ansteigend bis zu einer neuen hölzernen Grenzbrücke über die Mettau aufgeschüttet und die Verbindung hergestellt. Am 20.April 1945 war die Verbindung fertiggestellt; es konnte nicht geklärt werden, inwieweit seitens der RBD Breslau hier Züge geführt wurden. Im Herbst 1945 befuhren gelegentlich russische Militär- und Transportzüge die Strecke. Wegen der starken Steigungen zwischen Glatz und Kudowa (bis 25%o in beiden Richtungen) konnten keine höheren Zuggewichte befördert werden; jeder Güterzug benötigte zwei bis drei Dampflok. Es wurdern ausschließlich Lokomotiven des Bw Glatz mit damals noch deutschem Personal eingesetzt, die zum Teil auch ins tschechische Hinterland fahren mußten, obwohl ihr Achsdruck dies eigentlich gar nicht zuließ. Beobachtet wurden die Lok 38 2448, 55 5019 und 57 1904. Am 10.September 1948 wurde diese Strecke aufgelassen.




von Gastleser - am 15.02.2007 14:24

Licht ins Dunkel

Danke! Das klärt die (kurze) Geschichte der Strecke über die Grenze. Jetzt ist nur noch offen, ob die PKP nach 1948 noch bis Slone fuhr oder ob der Betrieb fortan in Kudowa Zdroj endete. Ich gehe mal von Letzterem aus.

Grüße,
Julian

von J.N. - am 15.02.2007 15:06

es bleibt noch etwas dämmrig

.

von awp - am 15.02.2007 16:30

Noch ein interessanter Link für alle Historiker

Hat zwar jetzt nicht unmittelbar mit der Gegend um Nachod zu tun, habe aber eben einen interessanten Link zu digitalisierten alten Militärkarten gefunden. Schaut einfach mal rein: [oldmaps.geolab.cz]

von Strojmistr - am 15.02.2007 19:01

Der beste Link der letzten Zeit (zumindest für mich)

Wie findet man so etwas nur?

von Lothar Hülsmann - am 16.02.2007 04:33

Zufall

Den Link hab ich durch Zufall beim surfen auf diversen tschechischen Internetseiten gefunden. Bei 100 Links die man anklickt, ist auch mal ein interessanter dabei.

Kleiner Hinweis noch, wem das Kartenfensterchen zu klein ist: Unten im Menü findet man noch die Rubrik "Einstellungen", dort kann man seine ganz persönlichen Bildausschnitt festlegen.

Grüße aus ´itava

von Strojmistr - am 16.02.2007 13:30
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