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Forum zu den Eisenbahnen in Tschechien
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Joachim Piephans, schumlau, 810 600-7

Vom Suchen und Finden im Böhmerwald, oder: Plandiesel na ¦umavě

Startbeitrag von Joachim Piephans am 10.12.2007 20:56

Vom Suchen und Finden im Böhmerwald, oder: Plandiesel na ¦umavě
Ein kleines Reisetelegramm


Zweierlei sollte sich verbinden lassen: endlich einmal mit einer RegioNova fahren, und sich noch einmal schöne Grenzstempel in den Paß drücken lassen. Ein Blick auf den neuen 814-Plan von Klatovy genügte: Mittags mit der einen Garnitur von Doma¸lice nach Klatovy, dann nach einer Stunde Pause mit der anderen hinauf auf den Grenzkamm. Ideal! Also ergab sich die Tour wie von selbst, die nur im Zeitfenster vom 9.12. bis 21.12. (Ende der Grenzkontrollen und damit der Stempelmöglichkeiten) zu machen war: Anreise ab Pleinfeld frühmorgens, wieder mal mit einem 610er durchgehend bis Furth, rüber mit der Dienstbüchse, dann die beiden RegioNova-Fahrten, in Eisenstein über die Grenz', runter nach Plattling, dann über Nürnberg wieder heim. Abgesehen vom ersten Teilstück bis Schwandorf alles mit dem Bayern-Böhmen-Ticket zu machen. 6.48 Uhr bis 21.13 Uhr. Aber es kam anders.

In Furth im Wald Bindfadenregen. Das Klosett mußte einer Sparda-Automatenfiliale weichen. Die Grenzer drückten mir in ihrem warmen Büro den ersten Stempel ins Papier. Zum Jahresende ziehen sie aus dem Bahnhofsbau aus. Das Zollamt ist schon weg. Das Riesengebäude wird noch leerer ... und nicht mal mehr ein Bahnhofsklosett.
Einziger Lichtblick: 754 059 stand auf Gleis 3 und wartete auf den Schnellzug. Ich fuhr mit der Büchse voraus.



Doma¸lice: Überraschung – der Stellwerksturm mußte seine Fliesen lassen und hat eine neue orangene Fassade bekommen. Nicht schlecht! Von einem 814 weit und breit nichts zu sehen. Müßte längst dastehen. Es wurde ein bißchen rangiert, der Grenzkufr fuhr ins Depo – und aus diesem näherte sich wahrhaftig eine Nähmaschine. Nicht irgendeine. Flachdach, rot-beige: 831 043 kam an den Hausbahnsteig. Tock – tock – tock – tock – tock: „Do Klatov?“ - „Ano, Klatovy!“ - „Ah, Regionova kaputt!?“ - „Ano, ano (breites Grinsen des Maschinisten), kapuuut!“.




So wurde es nichts mit der ersten Testfahrt, dafür aber gab es ein Dejavu der Sonderklasse. Im Winter 1993/94 war es, als ich hier mit einem Kollegen stand, mit Brillen und Nähmaschinen waren wir über Eisenstein eingereist. Und nun die Rolle rückwärts, 14 Jahre später. Und ich dachte vor zwei Jahren im Novemberschnee, ich hätte meine letzte Mitfahrt im 831 hinter mir ... (kann man übrigens jetzt nachlesen, kleine Werbung in eigener Sache zwischendurch ;)). Als dann nebenan 749 241 (!) mit einem Os aus Plzeň zum Stehen kam, wurden zwei Fotografen ganz verrückt. Die haben mich aber nicht zu gleichem Tun verleitet. Licht war sowieso keines. Obwohl ich eine Bardotka auf der 180 noch nie gesehen habe. Nach den Aufnahmen des 831 043 ist ohnehin der Akku in der Digiknipse leer. Klasse! Diafilm und Leica freuen sich über ihre wiedererungene Alleinherrschaft.
Los gings (MOs 17547). Kout, Starec, Kdyně (im bekannten Hennengarten scharrte das Federvieh, alles beim Alten), der Fdl macht Fotos von unserem Oldie mit seinem Mobiltelefon, Chodska Lhota – und natürlich Loučim. Immer wieder Loučim. Obwohl: neuerdings werden hier die Halbwüchsigen mit japanischen Kleinwagen vom Feld- und Weisenbahnsteig abgeholt ... Der Diesel ist eingestellt, wie es besser nicht geht, er geht wie die alte Singer meiner Oma. Sie „näht“, die Maschine, sie näht die Kurven und Steigungen. Kreuzung in Pocinovice, 810er. In Klatovy: kein 814er zu sehen. Nur 831er im Depo!! Der 043 fuhr vom Bahnsteig vor. Wartete. Aus dem Depogleis knatterte es – 831 130. Wohin? An den Bahnsteig zum 17548 retour nach Dom! Verflixt aber auch! Wer weiß, was in einer Stunde hinauf nach Eisenstein fährt!? Womöglich keine RegioNova. Aber jetzt, in sieben Minuten, schnurrt der 130 über Loučim!! ins Chodenland. Verflixt aber auch. Eisensteiner Stempel oder Tock-tock-tock nach Doma¸lice? Für erstere meine letzte Chance für immer, für's letztere womöglich auch. Obwohl ich doch grad von dort kam. Und der 130 war nicht mal gewaschen, die Scheiben furchtbar angeschmutzt. Aber er hatte schon gesiegt. Schnell ins Bahnhofskabuff (ist auch schon verewigt), Bagety erworben (nix Krokodil, Heiko, selbergemacht!), runter in die Unterführung und rein ins Uboot. Nebenan kommt eine 263 mit einem der neuen Rychliks Praha - Eisenstein zum Stehen. Ob ich nicht doch gleich in einem bequemen Bt die 400 Höhenmeter hinauffahre? Stempel stempeln lassen? Könnte noch schnell den Zug wechseln. Verflixt. Aber da pfeift schon die Aufsicht. Ab geht’s wie ein alter Stadtbahner. In Janovice quer über die Weichenstraße, nebendran nerven drei Schüler mit elektronischem Mist. Von hier zu sehen: bedrohliche Wolken dräuen gen Spitzbergsattel. Wer weiß, wie's da droben ist (Selbstberuhigung). Schnee hat's auf jeden Fall, sieht man bis hierher. Hier, auf der Wasserscheide von Hluboka, hat's aufgeweichte Wiesen. Gehören für mich irgendwie zur 185. Kreuzung in Kdyně. Und was kommt? 814 015 ... Naja. Wird noch Gelegenheiten geben. Zurück in Doma¸lice. 831 130 fährt gleich wieder retour.
Dann einen kava in der unnachahmlichen Bahnhofsrestauration von Dom, vor der wir seinerzeit schon ehrfurchtsvoll standen. Man sieht nämlich nichts. Durch Rauchschwaden kämpfe man sich bis zum Tresen und verlange das Gewünschte. Eine Räucherkammer ist ein Dreck dagegen. Eine Runde von acht Lungen gibt auch heute wieder ihr Bestes. Man muß es einfach mal erlebt haben. Draußen rollt eine 754 mit dem Os herein. Und fünf Minuten später die 754 060 – in neuer Lackierung, grau-dunkelblau, steht ihr ausgezeichnet! - mit dem „Jan Hus“ nach Nürnberg. Mein Zug. Freies Abteil im Bimz, nochmal zwei Stempel auf die Seite, und ab. In Kubitzen Plankreuzung mit dem durchrauschenden „Prager“ - einem anderen halt. Und dann wird es Nacht.




Fazit: das Gesuchte nicht gefunden, längst Verlorengeglaubtes bekommen. Und eine neue Episode in der ganz persönlichen Geschichte mit Waldbahn und 185er, mit Loučim und „Singrovka“.
Stempel wird es keine mehr geben. Aber eine böhmische Eisenbahn!!


Joachim

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Stempel

Hallo,

danke für den schönen Bericht, aber mich macht bei den Stempeln doch irgendwie stutzig, daß Du als Deutscher (nehme ich an) deutsche Einreisestempel bekommen hast. Die wurden mir bisher immer verwehrt, bzw. ich hielt es für abwegig da Einreisestempel in das eigene Land ja sehr unfreiwillig an vergangene Zeiten erinnern würden...

Mein Stempelsammelsurium hat im Sommer auch fleißig Zuwachs bekommen, nur vor dem 21.12. wirds nur nochmal für Swinemünde reichen... Leider.

An der österreichisch-slowakischen Grenze wurde ein Stempel von einem Grenzer abgelehnt, da Deutschland Schengenland sei, Österreich auch, und deswegen... naja...

Viele Grüße
Martin

von 810 600-7 - am 11.12.2007 21:11

Re: Stempel

Hallo Martin,

ich habe halt gefragt, und der bayerische Grenzer hat mir im Zug ohne weiteres den Einreisestempel hineingedrückt: "Ach, Sie waren doch heut früh schon bei uns drin" (im Büro, für den Ausreisestempel) - damit war für ihn wohl alles klar. Vielleicht spielt auch schon die Abschiedswehmut ein bißchen mit, und wer weiß, auf welche möglichen und unmöglichen Papiere die Stempel intern am 21.12. noch verewigt werden.

Ich habe das, was Du beschreibst, aber auch schon erlebt: Fahrt im Schlafwagen Zagreb - München, also Einreise Österreich nachts um halb zwei (Grenzbahnhof Rosenbach) -

erste Variante (August 2006): der österreichische Grenzer verweigert mir kategorisch den Einreisestempel, da ich als EU-Bürger innerhalb der EU eine Grenze überschreite.

zweite Variante (Januar 2007): der Grenzer brummelt nur auf meine Bitte um den Stempel: "Den hob i ned mid!" und geht weiter.

dritte Variante (Juni 2007): sehr zuvorkommender Kollege "Aber bitte, das machen wir doch gern!" und gibt mir den Rosenbacher Einreisestempel.

Vielleicht wär's ja sonst langweilig ...

Gruß,
Joachim



von Joachim Piephans - am 12.12.2007 11:39

Re: Stempel

Ich war auch auf Jagd nach einem originellen Stempelabdruck. Nach viertägigem Aufenthalt in und um Sedlčany bei schönstem sonnig-frostigen Winterhochdruck mit wenig Schnee fuhr ich mit meinem Kommiliton am Sylvestermittag von S. via Čerčany - Prag-Braník nach Děčín weiter mit dem Bus nach Hřensko. Die leicht frustrierten Hundsköpfe gaben auf meine vorgetragene Bitte an, keinen Stempel mehr zu haben. Schade! Es war der 31.XII.1992. Auch Schade!

(Foto von anderer Gelegenheit)

von schumlau - am 12.12.2007 15:35
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