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Forum zu den Eisenbahnen in Tschechien
Beiträge im Thema:
9
Erster Beitrag:
vor 5 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 5 Jahren, 1 Monat
Beteiligte Autoren:
wxdf, 217 055, awp, Joachim Piephans

Güter gehören auf die Bahn

Startbeitrag von awp am 07.05.2013 16:47

Schotterwahnsinn nennen es meine Bekannnten, Polenreisende, und meinen damit Züge mit Wagenschlangen bis zum Horizont, Dutzende am Tage, die über meist im Reiseverkehr stillgelegte Strecken zu Steinbrüchen rumpeln. So etwas gibt es derzeit auch quasi vor der Haustür. Nun ist Böhmen um ein Vielfaches kleiner als Polen, deshalb sind die Züge auch nicht ganz so lang – aber interessant ist das Ganze schon. Wie an anderer Stelle hier im Forum schon berichtet, wird derzeit der rund 6 km lange Abschnitt Krásný Jez – Ležnice (Schönwehr – Leßnitz) reaktiviert. Das heißt de facto: neugebaut. Die relative Unwegigkeit der Trasse im Gelände an dieser Flanke des Tepltales hinauf kann nicht mit einer Baustraße als Materialzufuhr gelöst werden. Deshalb ist es so wie früher, die Bahn baut sich selbst. Ende April sahen wir, wie in Bečov (Petschau) ein Platowkran für die Gleisjochverlegung montiert wurde. Mittlerweile sind die Arbeiten soweit gediehen, daß es Schotter braucht und somit schließt sich der Kreis: am Sonntag berichteten zwei vogtländische Besucher doch tatsächlich von Bauzügen. Damit hätte ich, zur gleichen Stunde auf der Terasse des Bahnhofshotels in Tepl ein vorzügliches Kotelett verspeisend, nicht im entferntesten gerechnet. Sonntags! Krach und Lärm, Staubwolken entlang der Neubautrasse! Hierzulande hätte sich mit Sicherheit unverzüglich eine BI gebildet.



Weil die Prognose für Montagvormittag doch recht brauchbar klang und diese Arbeiten zugleich in einem neuen Projekt dokumentiert werden sollen, wurde ich rechtzeitig gegen halb Fünfe wach. Bei der Gelegenheit sah der Plan außerdem vor, einige neu entstandene Motive mit den 813 zu lichteln. Um 7.14 Uhr läutete zum ersten Mal die Motivklingel. Hinter dem Bf. Březová (Pirkenhammer) stehen zwei prächtige Villen, die mir schon länger aufgefallen waren. Fertig beladen stand auch ein Schotterzug, aber nix Hektor, Genosse Gang! 741.505 hieß das Teil. Vom Personal dennoch im Land der Frühaufsteher keine Spur. Dann nach Kfely (Gfell), der schöne Bogen mit dem Wärterhaus und Hp. im Hintergrund, für die erste Pendelfahrt (MOs 7123) um 7.58 Uhr. Theoretisch hätten sie danach kommen können ... Als Baguette zurück, war die erste Wolke da. Nun spekulierte ich auf die Fahrplanlage des Mn. Damit lag ich zwar richtig, aber die Wolkenfront doch schneller, so daß ich zum Datenvernichter griff. Den hatte ich wegen der durchwachsenen Aussichten mal vorsorglich mitgenommen. Um das Blaue überm Berghang auszublenden, half nur Brennweite. Als 813.101 gut 10 Minuten danach erneut vorkam, war Sonne natürlich wieder draußen ...





Weiter nach Krásný Jez. Kaum angekommen, rollte 741.702 von der Lokalbahn herab. Links die (einzige) Zufahrtstraße zum Bahnhof, vorn deren BÜ/EK. Rechts die Bäderbahn. Immer drei Wagen werden nach oben geschoben und entladen. Die 705 hatte sich inzwischen bereits vor einen Leerpark gesetzt. Der rollte auch sogleich wieder in Richtung Karlsbad raus, als ich auf dem Weg zur Baustelle war. Die 702 hatte sich inzwischen nämlich auch schon die nächsten Wagen geschnappt und machte sich auf den Weg.





Sofort nach der Streckentrennung schraubt sich die Lokalbahn in die Berge hoch. 140 Höhenmeter sind zu überwinden und es wird mit 615 m über See zugleich der höchste Punkt der Strecke insgesamt erreicht.



Nach einer geraumen Weile kamen sie zurück. Bei dem Aufwand wäre es gewiß mehr als recht und billig, wenn die Bürgermeisterin ihre Reisezüge bekäme. Nur: nimmt jemand, der von Ležnice nach Karlsbad will, 15 Min. Fahrt nach KJ, umsteigen, und dann nochmals 30 Minuten bis zum Ziel in Kauf – also fast eine Stunde Reisezeit? Aber für Fotozwecke befahren werden muß diese Piste ganz gewiß ...



Um halb Zwölfe wird ja in Bečov gekreuzt, sonst immer hier. 813.102 nach Karlsbad. In den Containern gibt es auch Kaffee, aber nur für die Bauarbeiter. Ein ordentlicher Gemeinschaftsbahnhof besaß auch eine Wasserstation. Heute ist er mit Rückfallweichen ausgerüstet. Örtliches Personal ist nicht mehr vorhanden.



Máme čas! Dann tat sich nämlich eine gefühlte Stunde nix. Ich nahm an, daß sie auf den Schotterzug warteten, wäre nett gewesen, beide Maschinen nebeneinander. Doch irgendwann fuhren sie davon. Dieser Schnappschuß ist jedenfalls in der Auswertung besser gelungen, als vor Ort auf dem Minibildschirm erkennbar. Werde ich mir diese Datei als Dia ausbelichten lassen, damit das Bild erhalten bleibt.



Auf dem Rückweg wollte ich nochmals in Pirkenhammer gucken. In Höhe Talsperre nahm an diesem Morgen eine Bauampel ihren Betrieb auf, sorgte für nette Stauerscheinungen. Im Bahnhof standen sie derweil immer noch beim Beladen. Mit einem Straßenbagger auf Tatrabasis brauchen sie für die 6 Wagen ja über drei Stunden! Also auch hier noch die entsprechenden Belege angefertigt.



War mir schon morgens aufgefallen: die Ladestraße ist nur noch einseitig angebunden und solche Sattelzüge können keinesfalls wenden. Deshalb müssen die Wagenlenker rückwärts, dazu um zwei Kurven, hinab bugsieren.



Eisenbahn gucken. Habe ich früher als Bub' auch gern gemacht. Inzwischen waren sie doch mal fertig geworden und der Rangierleiter schreitet zum Telefon.



Aus Marienbad kommt MOs 7106. Erschreckend allerdings, wie sehr die Elektronik Schwierigkeiten mit der Wiedergabe von Wolkenstrukturen am Himmel hat, wenn das Licht nicht genau von hinten kommt.



Sofort nach dessen Ausfahrt beginnt das Rangieren. Zwei weitere Kollegen verfolgen gleichfalls das Geschehen.



Auf den vorherigen Aufnahmen bereits schön zu sehen: der gesamte Hang ist vom Bewuchs befreit worden. Deshalb sah ich mich schon erneut heraufsteigen, denn dieser Bahnhofsblick gehört sonnig portraitiert. Tja, und wie ich so sinniere, öffnet sich die Wolkendecke für drei, vier Minuten ... Diese Einstellungen gingen natürlich alle auf Film, doch einmal drückte ich die Elektronische, um eine (Dankes-) Datei für Wolfgang zu erzeugen, der tags zuvor hier wohl Sonnenpech hatte.



Die folgende Überholung durch den 7125 ging ebenfalls auf Film ab. Auch hier, der 813 war kaum über Weiche, setzte der Schotterzug bereits um. Wie zu erwarten, blieb man natürlich gleich vorn an der Ausfahrt stehen.

Wie lange noch Schotter bewegt werden muß, ist schwer abzuschätzen. Sie haben insgesamt drei Fahrten mit insgesamt 9 Wagen auf die Baustelle absolviert. Nach der Fahrzeit zu urteilen, ging es noch ganz schön weit hoch. Beladen ist man zweimal (etwa 9 und 14 Uhr) abgefahren. Gleichfalls gibt es wohl zwei Leerfahrten, damit der Train morgens abfahrbereit in Březova steht. Die Kollegen im Zirkelbereich könnten ja nochmals einen Sonnentag nutzen – so er denn kommt ... Zumal alles jetzt gerade schön blüht.

LG

Antworten:

Dienstgut auf die Bahn!!

Ja fein, Meister!! Blöd ist natürlich der weiße Pkw auf dem ersten Bild, aber wenn's mit 813 auf Diafilm bei Sonne ohne vorhanden ist - was wollen wir mehr!?

Gruß,
Joachim

von Joachim Piephans - am 07.05.2013 17:20

aktuell am 21.05.2013

Hallo allerseits,

angeregt durch obige Meldung und geführt durch unberechenbares Wetter wollte ich mir auf der Rückreise vom Erzgebirge nach Bayern die wieder erstehende Strecke mal ansehen - und gegen Schotterzüge hätte ich auch nichts gehabt.
Aber: es wird wohl damit schon vorbei sein. Die Inaugenscheinnahme ergab ein vollständig geschottertes und gestopftes Gleis bis zum Brechpunkt der Strecke. Kleine Restarbeiten an Brücken, Bahnübergängen und ggf. km-Steinen (liegen aktuell oft zwischen den Schienen) (müssen noch) erfolgen. Clever hat man mit altbrauchbarem Material gebaut, Betonschwellen mit geringen Schäden und halb abgefahrene Schienen (ausgewechselt aus Gleisbögen) verwendet.
Direkt hinter dem Brechpunkt am oberen Ende der Reaktivierung zweigt ein totes Gleis in einen Werkanschluß ab, das Streckengleis endet mit dieser Weiche - es folgt Altschotter ohne Gleis. Diesen Zustand habe ich nicht verstanden, wo soll denn da verladen werden? Doch sicher nicht auf freier Strecke innerhalb der immensen Neigung?! Bin dankbar für die Mitteilung von Wissenden.

Freundliche Grüße
217 055

Nachtrag: K. V. - M. L. wurde mit einem 813 und dem gemischten 810er-Gespann (499 und 226) bedient. Der Mn hatte in Becov n. T. Richtung K. V. nur die Ofenklasse dabei. 3 Eas standen am Holzplatz.

von 217 055 - am 21.05.2013 20:32

LEGIOS soll (will) das Anschlußgleis im Werksgelände selbst erneuern

Sie wollen auch einer Steinruchfirma erlauben, in ihrem Werksgelände zu verladen.
Indes gibt die Bürgermeisterin von Horní Slavkov ihre Bemühungen nicht auf, ab Ležnice auch Personenverkehr zu bestellen: [www.ceskatelevize.cz]
Der sozialdemokratische stellvertretende Landeshauptmann soll der Idee positiv gegenüber stehen.

von wxdf - am 22.05.2013 12:16

Pv

Als Grünin ist das auch recht von ihr getan. Der Landeshauptmann-Stellvertreter soll dazu gleich mal daran denken, mehr Züge nach Roßbach zu bestellen!

Für das Befahren verweist SZDC auf das Vorliegen einer Erlaubnis durch Legios. Eine Ahnung, wie man das anstellt? Und einen Triebtäter benötigt man dazu noch. Doch die gibt es ja noch in der näheren Umgebung.

Danke auch für die ergänzenden Infos von 217 055. Welcher 813 ist gefahren? Im K-Report spottet man ja, der 101 sei besser nach Zvolen zurückzugeben ... Jedenfalls werden die Einsätze von 226+499 immer häufiger. Am Sonntag standen in Tepl keine Güterwagen.

LG

von awp - am 22.05.2013 14:12

Muttu mal bei slavkov@legios.eu nachfragen ;-)

Ansonste wird in dem Link gesagt, die Jana Vildumetzová sei nicht grün, sondern ODS.
[www.horni-slavkov.cz]

von wxdf - am 22.05.2013 15:22

Re: LEGIOS soll (will) das Anschlußgleis im Werksgelände selbst erneuern

Guten Abend,

vielen Dank für die prompte Bedienung und das Zuschütten meiner Wissenslücke (oder Faulheit zur Recherche?).
Da bleibt dann aber auf der Werksseite bis zur Betriebsaufnahme noch Einiges zu tun. Bisher sieht es nicht nach überhaupt angefangen aus!

Grüße
217 055

von 217 055 - am 22.05.2013 19:41

Re: Pv

Grüße an awp und alle Interessierten,

mit der Nummer des gefahrenen 813 kann ich nicht dienen. Habe den "Gelben" nur in Becov bei der Kreuzung stehen sehen, für mein weiteres Tun aber die beiden 810er ausgewählt. Und weil ich an der Schranke die Einfahrt der Beiden abwarten mußte, war zum Gucken erst recht keine Zeit mehr.
Aber was man kaum zu träumen wagt - hier wurde die Zeit bis auf die Lackierung doch wirklich nach etwa 10 Jahren(?) zurückgedreht und südlich Becov fuhr nach einem Triebwagenzug mit zwei Wagen (früher 810+010) Richtung Tepla dann zwei Minuten später noch ein Solo-Tw nach Rakovnik (810 320) vorbei.

Wo gibt es so was schon? Außer vielleicht in Polen, wo ja bekanntlich fast nichts von Anfang an endgültig ist und schon so oft die Vergangenheit zurückkehrte. Nur eben auch von außen überhaupt nicht berechenbar. In halb Polen konnten ich in den vergangenen 14 Jahren nach dem Ende von gewissen Verkehren oder Fahrzeugeinsätzen von einem Wiederaufleben der einen oder anderen Strecke oder einer Rückkehr bestimmter Fahrzeuge (oder auch nur einer völlig geänderten Fahrplanlage) profitieren, was neben all dem Frust über die verkehrspolitische, die finanzielle und die Fahrplan-Situationen durchaus zum "am Ball bleiben" nötigte. Nur jetzt ist wohl bis auf ein paar Nischen im Güter- und Fernverkehr (TLK) der Ofen wohl oft endgültig aus. Abgebaute Strecken kommen nicht wieder und zerschnittene Fahrzeuge gehen auch nicht mehr in Betrieb!

Gute Nacht
217 055

von 217 055 - am 22.05.2013 20:00

Bereisung mit Draisine

Hier haben ein paar Schelme gefilmt, wie sie mit einer selbst gebauten Draisine auf der Strecke gefahren sind: [www.youtube.com]
In Deutschland hätte sicher jemand zum Telefon gegriffen und die Polizei angerufen, wie es vor einiger Zeit in Thürigen passiert ist :D

(gibt auch noch weitere Links auf youTube)

von wxdf - am 30.05.2013 11:18
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