Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Forum zu den Eisenbahnen in Tschechien
Beiträge im Thema:
14
Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 4 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 4 Monaten
Beteiligte Autoren:
nix mehr, tobtilo, Harald S, Andi F, JisBjoern, Strojmistr, LVT 771, JFHf, Frankenland, Ragulin

Davle und Berta

Startbeitrag von nix mehr am 15.12.2013 16:36

DAVLE

oder meine ehern ungeplante, nicht vorhersehbare Teilnahme am Abschied zu den planmäßigen Reisezugleistungen der Bardotkas Reihe 749.

Wie viele wissen, besorge ich gen Jahresende Kursbücher zu Preisen, wie sie kaum ein anderer anbietet. Das CFR stand noch aus. Zur letzten Börse am 30.November war das rumänische Kursbuch noch nicht da. Also bliebe der Termin 21.Dezember. Oder die Postzusendung nach Cheb und eine Abholung dort. Dummerweise muß ich grad an jenem 21.Dezember arbeiten. Also wurde daraus mein überhaupt dritter Besuch der kleinen Börse, am Samstag 14.12., im Hauptbahnhof Prag.

Nach pünktlicher Ankunft in der Moldaustadt gings erst mal runter in die östliche Unterführung, wo es bei so einem Backfritzen tatsächlich turecka kava gibt, und nicht nur dieses greuliche Maschinengesöff. Hinzu was kleines zu essen und das Frühstück war perfekt.

Die „kavarna Fantova“ (nettes Spielzeug -> [www.virtualtravel.cz]
ist fertig saniert, nun müht man sich noch in der wohl zukünftigen Küche, bzw. in den seitlichen Ladengeschäften mit Abschlußarbeiten ab. Mal sehen was aus diesem Jugendstilort wird.
Die burza setkani ist im linken Flügel im kulturni-sal im zweiten Stock. 30 Kc Eintritt und man findet inzwischen viele leere Tische vor. Wohl vor 15 Jahren war ich hier das erste mal. Das Angebot quoll damals über von alten Kursbüchern, Antikvariat, Edmondsonschen Fahrkarten und Spittel zum Thema Eisenbahn. Nur mehr wenige Sammler der alten Garde sind heute noch vor Ort. Zwei Modellbahnfritzen, wie sie stets auf der großen Börse der menza jednota zugegen sind, waren auch mit Tischen vertreten. Und sonst gibt das Angebot hier dvd, cd und ein paar neuere Bücher her.
Ich bekomme mein Päckel 20 Stück CFR von Freund Zdenek. Für diejenigen, die bei mir bestellt haben: damit bin ich kommende Woche lieferfähig. CD, ZSR, MAV, CFR hab ich nun. Der Balkan, sofern mein Liberecer Freund etwas an Land zieht, folgt im Februar, Bulgarien im März.

Gegen neun Uhr wackelte ich runter zu den Bahnsteigen. Da dachte ich mir, ach fährst mal raus nach Davle, mit Glück ist die Bierschwemme im Bahnhof auf, ansonsten gäbe es auf der anderen Flußseite noch die Davelsky pivovar mit gutem Hotelrestaurace. Deren halbdunkles Bier ist auch so ein geniales Gebräu!

749 121 hatte die geschmückte Ehre ins Sazavatal zu fahren.


Man nahm Platz im Oberdeck des ersten Waggons, derweil die Kiste mit ordentlicher Drehzahl und einem Stackato ihrer schalldämpferlosen Auspuffabgase die Fans am Bahnsteig in ihren Bann zog. Nur Jungfuzzys! Wie auch. Alte Hasen haben längst fotografisch Abschied genommen. In den Jahren zuvor. Aber nun kommen die und greifen nach diesem letzten Zipfel. Oder: das Pech des zu spät geboren, bzw. jetzt das Glück haben, gerade noch im alltäglichen Einsatz zu erleben. Wie man es sehen will.
Unterwegs in den Bahnhöfen und Haltestellen überall Jungfuzzyvolk. In Branik guter Auflauf. In Davle bin nur ich raus, und hab nicht mal ein Foto gemacht. Ich sah ihr zu, wie sie von dannen zog hinten rein ins Tal der Sazava. Einige Minuten war sie noch zu hören und es war Ruhe auf dem Bahnsteige. Die Kneipe hatte seit 9.00 geöffnet, nun war es 10.10 Uhr. Um 12.22 ist Rückfahrt mit Berta.
Drin sitzend war abschalten angesagt. Zwar lief am örtlichen Propaganda-Großbildschirm irgendeine nordische SuperG-Veranstaltung. Aber das kümmerte die vier tschechischen Kampftrinker nicht. Da lief der Wirt! Kozel, Gambrinus und Plsner vom Faße war zu haben. Letzteres meine Wahl. Später noch einen Kaffee der türkischen Sorte. Die Wirtsstube wurde vor nicht all zu langer Zeit geschmackvoll renoviert. Grobschlächtige Wirtshaustische, wie sie gut brauchbar zum Kartenspiel sind, dazu Bänke an den Wänden und einfache Stühle. Ein Tresen. Und eine Verkaufswand dahinter. Die Wände farblich gut zur Nikotinaufnahme für folgenden Jahre abgetönt. Ein helleres ocker, und darunter ein dunkles beigegrau. Zu Essen hätte es eine polevka (Suppe), topinka und den üblichen nakladove hermelin gegeben. Ich ließ es aber mit der festen Nahrungsaufnahme sein, denn war doch später in Beroun die medved geplant.

Davle? Dieser Bahnhof ist noch eines der wenigen Refugien, was aus der uns der letzten 20 Jahre bekannten CeskyDrahy geblieben ist. Eine Oase! Wie viel solcher heimeliger Stätten wird es davon heute noch in Böhmen, Mähren, oder auf der „vychodni draha“ in der Slowakei geben? Oder gar über Ungarn, Rumänien bis runter an das Schwarze Meer? K&k…

Es ist ein bissel wie daheim. Irgendwo wohnlich. Beschaulich ruhig vom Krach dieser Welt. Und der aggressive kalte glatte Beton hat es hier noch nicht zur Effizienzsteigerung gebracht.


Eine Winterstatt für Kübelpflanzen, die im Sommer draußen am Bahnsteig ihren Dienst tun und dort für Verschönerung sorgen.

Man kann bei den Bildern nun denken, ob das Personal vor Ort zu wenig Arbeit und damit zu viel Zeit zur „Ausschmückung“ und Unterhaltung des Areales hat.

Oder passiert bei einem den Dienste nicht notwendigen Vorganges ein Unfall, wer ist zuständig und zahlt dann (nicht)?
Und wohl hat der Dienstherr mit unmöglichen Vorgaben, Vorschriften, Dienstzeiten, Regelungen etc. die Mitarbeiter noch nicht in Resignation gebracht, und man macht noch nicht nur ! Dienst nach Vorschrift...


Hier identifiziert man sich noch. Man hat noch ! Stolz.


Der örtliche Kohlenhandel wie eh und je. Noch kommt CDcargo. Noch gibt es hier Einnahmen. Aber die nur scheinbare! billigere Gummikonkurrenz wird auch dies demnächst beseitigen. Möge zwar der Kohlenhof von der Straße her beliefert werden, aber so manche Fahrt mit 742 und Ofenklasse wird sich in Luft auflösen.

Dazu, ganz klar, der obligatorische "Weimar"-Bagger.


Der Wanderweg, breit und ausgelatscht, schnurstracks quer rüber über die Gleise. Undenkbar hierzulande. Keine Sau würde sich in Böhmen oder Mähren Gedanken darüber machen, ob sowas gefährlich, oder EU-konform ist.


Irgendwann wird’s im Erker des Fahrdienstleiters ein paar neue Spanplatten brauchen. Da kann die Maus schon raus und rein. Doch hoffentlich ersetzt man das nur. Eine marginale Investition. Aber man könnte ja barrierefrei (bezbarierova…) einen „modernen“ Betonbahnsteig hinklotzen und alles andere gleich mit entsorgen.


Das Dienstfahrrad und der Dienstweihnachtsbaum. Vanocny stromek… Oder hier nur ein kleines "stromky".



Und dann kam mein Zug für die Rückfahrt. 107 hatte die Ehre.


Und die Jungfuzzys im Zug? Ein großer Teil noch keine 18 Jahre, wenn nicht gar 90% der Mitreisenden.
War da was bei mir selbst, genau im gleichen Alter? Damals 1984, Erwachen im Hobby bei der damaligen Deutschen Bundesbahn? Ja, 30 Jahre zurück… Z. B. Säurekübel 515 in Schwaben, die letzten 118 in Nürnberg und Bamberg, 144 im Coburger Land, fränkische Nebenbahnen mit 211-Einsatz… Da war das nicht anders. Den Kopf raus strecken vom Fenster, um vorne dran das Idol bei der Arbeit zu erleben. Den Bremsstaub in den Haaren und den Geruch von Eisen, den Gestank blauer Dieselschwaden. Nichts war damals anders.




Das Verkehrsmittel, Waggonbau Görlitz, kerngesund! So als wäre es 1990, damals die erste Bekanntschaft für mich mit diesem Waggontyp, Deutsche Reichsbahn!

Ich mach mir während der Rückfahrt in die hlavni mesto so meine Gedanken. Werden die Jungs zukünftig noch recht groß Idole haben, haben können? Gut, ein paar Cargobrillen, die Najbrt-Varianten der 750, all die noch bunten 754. Man hat 842, 843, 854. Den Zwitter Regionova und versprengte 810er. Doch Sechsachser, ob diesel oder E-Betrieb? Der E-Betrieb wird noch lange was bieten, wenn auch absehbar nicht mehr in den gewohnten Farben. Doch die Seuche eines gefräßigen Haifisches breitet sich aus. Ein Panther und was weiß ich, was all die alten Hobbygenossen ebenso nicht mehr beobachten.


Da hängen sie draußen, wider den nicht gerade günstigen Temperaturen, und lauschen dem Genagele der 749, den Schienenstößen, dem Scheppern der klotzgebremsten Drehgestelle in den Ecken der Kurven. Trotzdem lassen dabei die Jungs nicht vom Gefummel am iphone ab, das Mitteilen über whatsapp.
Sowas erleben wie hier, das Klima an sich von draußen im Zuge, Feuchtigkeit und kalte Luft, in einem klimatisierten Dosto heutiger Zeit, einem modernen Triebwagen? Ja, und nochmals ja für den Reisenden, dem täglichen Pendler.
Aber hier und jetzt sind das Fans, findet das in der Ausübung des Hobbys statt. Wie wird das zukünftig werden?
Fahrzeuge ohne Fans, oder Hobby ohne Perspektive? Ob der Nachwuchs später hinter dem modernen Zeugs her rennt, weiß man heute noch nicht.

In Prag hatte ich sieben Minuten Übergang zum Rychlik in Richtung Beroun und Plzen, München. Fast eine Stunde Aufenthalt in der Medved in Beroun versüßten mir die Heimfahrt bei „pivovarska basta“ und einem 14° Klepacek, polodmave. Ein köstliches Bier.
Um 17.27 Uhr war ich in Cheb wieder zurück.


malo

Antworten:

Zitat
malo
Wie wird das zukünftig werden? Fahrzeuge ohne Fans, oder Hobby ohne Perspektive?


Auch wenn gestern sozusagen eine Ära zu Ende gegangen ist, ist die Welt (nicht nur) im Sazavatal gestern nicht untergegangen. Wenn man vielleicht möglichst viele Fahrzeuge sammelt, geht einem freilich irgendwann das Material aus. Wenn man Motive "sammelt", ist es einem letzten Endes fast egal, ob die Züge von Bertas oder Brillen gezogen werden. Letzteres wird wieder zu neuen Fotoeinsätzen motivieren.

Wenn nicht deine spätere Erklärung "War da was bei mir selbst, genau im gleichen Alter?" gekommen wäre, hätte ich beim erwähnen des "Jungfuzzivolkes" den Eindruck gewonnen, dass auf diese Gruppe herablassend geschaut wird. Seien wir froh, dass sie sich dafür interessieren und nicht anderweitig Blödsinn machen.

Und gestern endete ja auch nur der turnusmäßige Einsatz der Baureihe 749 im Personenverkehr. Man wird sicher an so manchen Tagen die hoffentlich verbleibenden Fahrzeuge einen Auslauf schenken.

von Strojmistr - am 15.12.2013 17:48

Berta 2

Hallo!

Da war ich gestern auf dem Weg zum EC 110, der leider zum letzten Mal fuhr. Leider war das Hochdruckwetter für Böhmen typisch.
Überraschend kam bei der Kreuzung in Mnichovo Hradiste, 749 039 entgegen. Dann die Baustelle Usti n.O. inspiziert. Interessante Züge gab es auch. Aber bei bescheidenen Bedingungen.
-Sp nach Klodzko mit 163 042
-ZSSK 363 106 mit Kewa Ri Osten
-AWT mit Getreidezug Ri Kolin
-122 055 mit Kohle (Ceskymoravsky Cement-Fal-- Ziel wsl. Praha Radotin)
-363 506 mit Containern
-130 009+130 011 Lv Polen--C.T.
-4xUnido 741 Lv C.T.--Polen, beide Lv standen in Usti n.O. nebeneinander
-ein Reisezug mit 380 017+380 019
-ein RJ Zug hielt sogar wg. Problemen in Usti n.O.
Der beste Zug kam im dunkeln: 15x(beige/grün)+15x(najbrt 2)+151 019 Ri C.T..
Der EC 110 war wieder mit EP09 bespannt. Habe ihn nie mit Taurus fahren sehen, die 4x, als ich ihn fotografiert habe.


Unser R wurde von 854 021 gezogen.

Gruß Jörg

von JFHf - am 15.12.2013 19:00

Genau so sehe ich es auch

Servus,

klar dreht die Kugel (Welt) sich weiter.
Auf was werden sie (Jungfuzzys) herunter schauen, bzw. wir wissen nicht, hinter was sie zukünftig her rennen werden?
Und das macht das Hobby aus.

Irgendwo verliere ich, oder gar wir?, den Faden darin.
Wird man zum RegioShark-Fan? Kann man das?


Ehern fahre ich wohl nur noch zur Degustation feiner, familiär gebrauter Gerstensäfte nach Böhmen ;-)

malo

von nix mehr - am 15.12.2013 19:11

Heute etwas anders geworden :

Ich fand diesen Bildbericht sehr gut . Weil er wunderbar Stimmungen eingefangen hat . Den gemütlichen Wartesaal , den kleinen Kohlenhändler , den Wanderweg über die Gleise , den Görlitzer Wagen , die begeisterten Jugendlichen die ihre Köpfe in den Fahrtwind hängen . Bisher warst Du immer mit dem Auto von Lok zu Lok gerast und von Bahnhof zu Bahnhof und geguckt ob Loks da sind . Primär war das Lokbild von Bedeutung . Das Umfeld zweitrangig . Ich freue mich über weitere Berichte . Mach Dir doch keine Gedanken darüber wie die Züge von morgen aussehen . Das ist doch egal , oder ???

von Ragulin - am 15.12.2013 20:25

Davle und Berta und Hai

Jung war ich auch mal. Glücklicherweise habe ich nie die Kamera vor einer "modernen" Lok verschlossen. Allerweltloks wie 110, 140, 141, viermal pro Stunde schon wieder eine 103!

Ich kann mich daran erinnern, dass im Saaletal die Fotografen enttäuscht die Kamera weggepackt haben, als statt der 41 schon wieder eine blöde Taiga ange-trommelt kam.

Und meinen ersten Hai habe ich neulich gesehen und geknipst. Selbstverständlich!
Gute Fahrt
Harald

von Harald S - am 15.12.2013 21:09
Malo,

tolle Stimmungen von einer mindestens ebenso tollen Strecke. Da wird die einzelne Lokomotive schon eher zum Nebenprodukt. Die Strecke wird daher auch in Zukunft nicht minder intersssant sein.

Grüße vom
Karlheinz

der vor allem der Bahnhofskneipe in Vrane n.V. nachtrauert.

von Frankenland - am 16.12.2013 09:43
aber ich kann mich auch so jetzt anfreunden



von LVT 771 - am 16.12.2013 17:33

Re: Genau so sehe ich es auch

Hallo Markus,

schöner und nachdenklicher Bericht!

Zitat

Irgendwo verliere ich, oder gar wir?, den Faden darin.
Wird man zum RegioShark-Fan? Kann man das?


Ich fing anfang der 90er Jahre an, Eisenbahn zu fotografieren. Das war die Zeit, wo es immer mal wieder Plandampfveranstaltungen gab. Damals stand ich als Jungfuzzi (den häßlichen Begriff des Fuzzis gab es damals noch nicht) mit an der Strecke. Neben mir die 'alten Hasen', die, die die Dampflokzeit noch komplett miterlebt haben. Meist kam vor dem Dampfzug noch irgendwas normales... das war für mich natürlich fast interessanter und so habe ich eben das auch fotografiert. Die Alten haben mich immer nur angeschaut, wie kann man eine V100 mit Bghws fotografieren, oder eine Ferkeltaxe? Ne qualmende 50er muß es sein! Alles andere ist keine Eisenbahn. Aber die 50er war nett anzusehen, klang auch gut. Aber das war nicht die Eisenbahn meiner Zeit! Ich bin mit der V100, Ferkeltaxen & 228 groß geworden.
Und so ists auch heute - Generationenwechsel. Lokbespannte Züge werden bzw. sind Relikte einer vergangenen Epoche. Regio-Shark/Shuttle/Sprinter/Nova sind jetzt angesagt!

Markus - du hast mal zu mir gesagt, jede Zeit hat ihre Helden! Ich glaub, der Zeitenwechsel steht gerade an!


Viele Grüße,

Tilo

von tobtilo - am 16.12.2013 21:16

Wird so sein

Servus Tilo,

das es Dich noch gibt :-)

Also für alle: klar wird das Sazava-Tal 2014 mit Brille bereist werden. Vielleicht auch eine Übernachtung in Sternberk, vor Saisonbeginn.

Ich sag mal so: die Fans der Eisenbahn werden weniger.

Gründe:
-weniger Eisenbahn (Züge, Strecken), also ganze abgehängte Regionen
-modernes Gelump was nicht zischt, raucht, wackelt, rumpelt, poltert und nicht rostig und eckig ist (das runde Zeug flutscht "aus den Händen")
-Demografie der Bevölkerungsentwicklung

Ob das prozentual auf die Abnahme der Zahl der Eisenbahnfans dann hinkommt? Irgendwo schlägt es sich auch in der Modellbahnindustrie nieder.
Am meisten sehe ich aber, das sich viele nicht mehr mit ihrem Knecht identifizieren können...

Was mich für 2014 freut: Züge nach Schlaggenwald. Hab ich doch das Streckenstück heuer bewußt ausgeblendet. Nur drunten in Krasny Jez und am Endpunkt wurde was gemacht.


malo

von nix mehr - am 16.12.2013 21:25

Re: Wird so sein

Servus Markus,

ja, mich gibt es noch. :-)

Aber meine aktive Zeit beim Eisenbahn-Fotografieren wird immer weniger. Prioritäten ändern sich - Job, Familie, fehlendes Motiv etc.

Der Aufwand für ne gute Tour wird immer höher, so dass es meist nur noch 1-2 Touren pro Jahr sind. Letztes Jahr Slowakei, dieses Jahr Bulgarien, nächstes Jahr ist mal wieder Baltikum dran. Die Eisenbahn vor Ort (ich wohne mittlerweile wieder in Sachsen, nicht mehr Franken) ist praktisch uninteressant. So dass ich mittlerweile im Vergleich zu vor 10-15 Jahren nur noch 10% an Eisenbahnfotos mache... Mit dem neuen Geraffel kann ich mich nicht so recht anfreunden.

Aber einen Versuch will ich noch starten - seit gestern fahren silberne Talente mit grünen Türen vor meiner Haustür. Mal sehen, ob ich damit was anfangen kann. Ich glaubs nicht. Mal sehen, ob es mehr als 10 Fotos werden.... :-)

Werden die Fans der Eisenbahn wirklich weniger? Ich denke, gleiches hat die Generation vor uns auch gesagt. Schau die mal bei DSO das Sichtungsforum an - da gibt es Fotos, da würd ich nicht mal ansatzweise dran denken, abzudrücken. Aber dennoch fotografieren viele das neumodische Zeugs - X-fach am gleichen Standort. Es muß also interessant sein. Und jetzt denke ich schon wieder wie die Generation vor uns...

Achja, es gibt natürlich auch noch den Typ Eisenbahnfan/fuzzi, der immer fotografiert. Angefangen mit der Dampflokzeit und steht jetzt immernoch an der Strecke, wenn ein Talent vorbeikommt.
Aus Sicht des Fahrgastes ist die Weiterentwicklung sicherlich auch gut.


Viele Grüße,

Tilo

von tobtilo - am 16.12.2013 22:07

Den wichtigsten Abtörner hattu vergessen:

Die Lärmschutzwand.

von Harald S - am 16.12.2013 23:12

Gestern, heute, morgen.

Zitat
Ragulin
[...] Mach Dir doch keine Gedanken darüber wie die Züge von morgen aussehen . Das ist doch egal , oder ???


Wirklich?

von Andi F - am 16.12.2013 23:43
Hallo malo!

Erst einmal "verneig", wegen des Berichts :-) Hast mit Deinen Bildern ganz tolle Stimmungen eingefangen! War ein Vergnügen ihn zu schauen und zu lesen.

Ja, was wird aus uns, die wir schon zu Zeiten auf die Jagd gegangen sind, als es noch qualmte, röhrte, brüllte? Als Züge fast ausschliesslich noch aus Loks und Wagen bestanden. Jede Garnitur anders zusammen gestellt war. Es noch Kurswagen und Heckeneilzüge gab. Und, und, und .....

Ich muss zugeben, dieser Tage kommt schon Wehmut auf, nach der "guten, alten Zeit". Und bei diesem Gedanken ist mir durchaus bewußt, dass ein Großteil der Reisenden dieser nicht im mindesten nachttrauert!

Das Thema ist so alt wie die Eisenbahnfotografie. Es war nicht anders als die letzten "Preußen" von den Schienen verschwanden. Oder als die letzten Dampfloks ihr Leben ausgehaucht hatten, haben unzählige Fotografen ihre Apparate für immer weggelegt, nur um an den Strecken denen Platz zu machen, die für die voher so verschmähten V200 oder V160ff. auszogen. Altbauelloks, Einheitselloks, die letzten Schienenbusse ...... es lässt sich unendlich fortführen.

Ich bleibe auf alle Fälle dabei. Auch wenn vieles von dem was ich liebe Schritt für Schritt verschwindet. Aber es gibt sie noch, die Inseln der Glückseeligkeit, wo das Ambiente und die Fahrzeuge stimmen. Auch wenn sie seltener werden und im Zweifelsfall, etwas weiter entfernt liegen.
Und ja, ich nehme auch einen Hai vor die Linse. Stellt er doch das jetzt und hier der Eisenbahnwelt dar. Zudem kann es ein fotografischer Anreiz sein, diese Fahrzeuge interessant in Szene zu setzen. Vielleicht genau in dem Spannungsverhältnis von alt und neu. So freue ich mich auch schon auf Vertreter dieser Spezies im Naabtal.
Nur bei Beton und Co., da ist es auch bei mir vorbei. Bequem mögen sie ja sein, die Hochbahnsteige mit Glasaufzug und auch so manchen Lärmschutzwall gönne ich den Anwohnern von Herzen. Nur auf dem Bild muss ich sie nicht unbedingt haben, oder eher selten, denn da stört es die Estetik.

Was die Jungfuzzys betrifft, um die mach ich mir keine Sorgen. Sie leben im hier und jetzt und Hai und Panther sind ihr täglich Brot, Büchsen und Brillen ihre Helden. Und bei einer außerplanmäßig eingesetzten Bardotka hyperventilieren sie so, wie wir zu vergangenen Zeiten, wenn sich in Hof ins Ludmilla-Einerlei mal noch eine dicke Babelsberger verirrt hat.

Und schön, dass es soviele junge Fotografen gibt, die sich für die heutige Zeit begeistern. So stirbt unsere Spezies, die der "Eisenbahn-Fotografen", nicht aus. Sie wird nur irgendwann durch modernere Vertreter ersetzt, und die alten Modelle, schon etwas angestaubt und äußerlich abgeblättert, mit ihrer nicht mehr ganz modernen und funktionsfähigen Technik, mit ihren markanten Gesichter mit Ecken und Kanten, gezeichnet vom jahrelangen Einsatz "an den Schienen", werden von den Strecken dieser Welt verschwinden.

Ob man uns dann auch vermissen wird? ;-)

Grüße an alle Foto-Kollegen, die alten, die mittelalten und die jungen!

Chris

von JisBjoern - am 17.12.2013 12:24
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.