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Forum zu den Eisenbahnen in Tschechien
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vor 1 Jahr, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 1 Jahr, 5 Monaten
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HgE, Strojmistr, Joachim Piephans, brejlovec750, Martin L., RR, LVT771, AAW, 217 055, LVT 771, HTH

Mangelnde Pflege und deren Folgen

Startbeitrag von Strojmistr am 23.05.2016 10:00

Hallo,

gestern war es wieder mal (wie auch schon in den letzten Jahren) soweit und eine der beiden Brillen hauchte auf der Böhmerwaldstrecke aus.


Trať 197 | Číčenice - Nové Údolí (a zpět)
Úsek: Nové Údolí - Černý Kříž
Počátek: 22.05.2016 15:12
Příčina: porucha vozidla
Plánovaný konec: 22.05.2016 18:12

Opatření v regionální dopravě:
Os 8112 je v úseku Nové Údolí- České Budějovice veden náhradní autobusové dopravy.
Ve stanici Český Krumlov bude přistaven druhý autobus na čas pravidelného odjezdu Os 8112 dle jízdního řádu.

Poznámka:
porucha vozidla Os 8112 ve stanici Nové Údolí


Das macht nachdenklich. Ein verloren geganges Motiv bei den Fotografen ist das eine, schlimmer die Unannehmlichkeiten bei den Reisenden. Der Ausfall beim 8112 immerhin relativ rasch mit NAD kompensiert (der Bus rauschte bei Ovesná mit +60' über den Nationalpark-Radweg) aber der Os 8114 wurde mit Abschleppfunktion betraut. In Ovesná waren es schon +15' und da man offensichtlich mit der geschleppten Lok nicht so schnell fahren konnte, war die Verspätung in Horice schon auf +22' gewachsen. Und bis zum Ziel C.B. waren noch über 40 km zu fahren ...

Man hat den Eindruck, dass die ČD mittlerweile ziemlich sorglos mit ihrem Kapital, dem rollenden Material umgeht. Wenn eine Lokomotive ohne Unterbrechung 10 Tage ihren Umlauf mit täglich knapp 400 km Laufleistung fährt, bedeutet das, dass da Null Wartungsarbeit gemacht wird. Geht auch kaum, denn wenn teilweise die "optimierten" Dienstpläne einen Dienstantritt zwischen 15 und 3 Minuten vor Abfahrt vorsehen, kann der Lokführer auch nicht mehr machen, als den Motor anzulassen und loszufahren. Maximal noch das Ergänzen der Betriebsvorräte, was aber aus Zeitgründen auch nicht im heimatlichen Depo erfolgt.
Apropos losfahren: Die optimierten Dienstzeiten lassen ein ab- und ankuppeln und das Unterstellen der Lok im Lokschuppen einfach nicht zu - also übernachtet die Lok am Zug im Freien. Bei Nacht- und Frühtemperaturen um die 2, 3° C, wie dieses Wochende in Volary, kann das auf Dauer keinesfalls gut für die Betriebstauglichkeit sein. Und wer muss die "Effizienzsteigerung" am Ende ausbaden? Der Reisende vor allem und der betroffene Lokführer, dessen Feierabend mal schnell 2, 3 Stunden später endet.

Dementsprechend sind die Züge im Vergleich zu früher trotz schönstem Wetter ziemlich leer, schon fast erschreckend. Offenbar zeigen solche Unzuverlässigkeiten und die laufenden Streckensperrungen (z.B. wurde auch mal ohne vorherige Ankündigung am Feiertag am 8.5. *)) ihre Wirkung und man fährt doch lieber mit dem Auto, statt dem Zug in den Wald. Da nützt es auch nichts, die Züge außen mit neuer Farbe anzustreichen oder neue hohe Betonbahnsteige in den Wald zu knallen, die das Einsteigen erleichtern.

Leider war das gestern kein Einzelfall, denn schon am 17.5. hauchte die Zuglok des Os 8106 in Nova Pec aus und wie eben aktuell zu lesen ist, heute die Zuglok des Os 8103 ... :mad:

*) In Polecnice hingen am Bahnhofsgebäude nicht weniger als 4 (abgelaufene) Vyluky-Mitteilungen, drei vom Mai, eine noch vom April.

Antworten:

Was spricht dagegen, als - vermutlich ortsansässige - Maschinisten gemeinsame Verantwortung zu übernehmen und die Lok trotzdem ins Heizhaus zu stellen? Macht zehn Minuten späteren Feierabend und kostet dasselbe an früherem Aufstehen. Umfahren werden muß ja sowieso.
Man kann doch nicht alles auf das ferne DKV schieben. Eigeninitiative?

Andererseits: in Jesenik gibts kein Heizhaus, da übernachten die Brillen das ganze Jahr über in klar-kalter Gebirgsluft. Was kennt man da von Ausfällen? Also doch eine DKV-spezifische Sache?

Gruß,
Joachim

von Joachim Piephans - am 23.05.2016 16:38
Guten Abend,

zu diesem Thema auch ein paar - ich betone es gleich - laienhafte Ansichten meinerseits. Zunächst ist mein persönlicher Eindruck, dass die Qualität der Fahrzeugpflege - wie es doch eigentlich immer mit der Qualitätsarbeit in großen Betrieben ist - je nach Dienststelle der ČD durchaus sichtbar schwankt. Ob das nun an mehr Eigeninitiative oder besserer Planung liegt - wer weiß?

Instandhaltungsdefizite sind auch kein neues Problem: Ein Lehrstück zu diesem Thema ist der Brand der 242 264 vor dem R 766 zwischen Pňovany und Vranov u Stříbra am 30. Juli 2008. Nicht nur, dass der Laufkilometergrenzwert, nach dem die nächste Untersuchung der Stufe EH fällig gewesen wäre, erheblich überschritten wurde. Die Brandursache lag auch in einem Konstruktionsfehler, für welchen seit 1989(!) eine Umbauanweisung vorlag...

Aber es gibt auch einiges, was man zugunsten der ČD und ihrer Eisenbahner sagen muss: Zuverlässigkeitsdefizite bei der Bauriehe 754 waren schon früher zu beobachten, im Mittelpunkt stand der Dieselmotor. Der zähere 6-Zylinder-Reihenmotor dürfe auch der Grund sein, warum - trotz aller sonstigen Defizite - die letzten 749er so lange im Bestand blieben bzw. bleiben. Die Dienststelle in Volary ist hier insofern benachteiligt, als dass man stets die abgenutztesten Maschinen des DKV, welche im Winter auch fast nur herumstehen, bekommt. Man vergleiche doch nur mit den ebenfalls intensiv genutzten Lokomotiven, die üblicherweise auf der 180 und 183 fahren. (Der Anblick dieser Maschinen dürfte auch als Beweis dafür dienen, dass es durchaus Engagement bei der Fahrzeugpflege im DKV Plzeň gibt.)

Unabhängig davon muss man sich auch fragen, wie die Zukunft der Eisenbahner in Volary aussieht. Werden sie von GW Train Regio übernommen? Zu den gleichen Konditionen? Werden sie versetzt oder gar entlassen? Der anstehende Betreiberwechsel könnte unter Umständen die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Arbeitsgeber und/oder zumindest ihrem Arbeitsgerät durchaus negativ beeinflussen. Auch das ist - selbst wenn es für den Reisenenden wie auch für den Fotografen vielleicht unschön erscheint - doch keineswegs unverständlich.

Gruß,
Hans-Georg

von HgE - am 23.05.2016 17:24
Zitat
HgE

Man vergleiche doch nur mit den ebenfalls intensiv genutzten Lokomotiven, die üblicherweise auf der 180 und 183 fahren. (Der Anblick dieser Maschinen dürfte auch als Beweis dafür dienen, dass es durchaus Engagement bei der Fahrzeugpflege im DKV Plzeň gibt.)

Unabhängig davon muss man sich auch fragen, wie die Zukunft der Eisenbahner in Volary aussieht. Werden sie von GW Train Regio übernommen? Zu den gleichen Konditionen? Werden sie versetzt oder gar entlassen? Der anstehende Betreiberwechsel könnte unter Umständen die Identifikation der Mitarbeiter mit ihrem Arbeitsgeber und/oder zumindest ihrem Arbeitsgerät durchaus negativ beeinflussen. Auch das ist - selbst wenn es für den Reisenenden wie auch für den Fotografen vielleicht unschön erscheint - doch keineswegs unverständlich.


Klar bekommen die Maschinen, die auf der Strecke 180 und 183 eingesetzt werden, mehr Pflege. Aber z.B. auf der 180 fahren die Loks nur 120 km am Tag. Und sie übernachten im Heizhaus. Am Wochenende im Normalfall Schonzeit. Die Beanspruchung ist also schon mal physikalisch viel geringer, abgesehen vom Streckenprofil. Und 29 Mal anfahren, teilweise in Steigungen, muss man auf diesen Strecken auch nicht.

Dazu kommt auch, dass man den Bestand in Tabor, Budweis oder Volary (so genau weiß man das doch eigentlich nicht und das Heimat DKV Plzen ist ja noch weiter) seinerzeit mit Abgaben vom PJ Bohumin aufgebaut hat. Und ich denke - soweit ich das ebenso laienhaft beurteilen kann - dass man nicht die besten Pferde im Stall abgeben haben wird, sondern die, die eher unbeliebt sind. Und so fiel 754.039 schon am 4. Einsatztag aus. Und das Herumreichen der Loks in den letzten beiden Jahren hat auch nicht die zuverlässigsten Maschinen ins Haus gebracht. Siehe 754.045. Sieht zwar schön aus, war aber in Brno schon selten zu erleben, in Plzen nicht anders, in Tabor/Volary hatte sie auch mal ganze Monate keinen Einsatz und neurdings in Prag auch 0.

Auch physisch ist Lok nicht gleich Lok, auch bei gleicher Baureihe. Da gibt es "Dauerbrenner", die unverwüstlich sind und "Werkstattlieblinge", die sich lieber dort aufhalten, als auf der Strecke. Und dann hat man die Fahrten, die sich früher 3 Loks teilten, auf 2 verteilt. Der intensivere Turnustag sah damals aber nur 2 Berg- und Talfahrten vor, die anderen beiden fuhren nur 1x hoch und runter. Und die Loks werden ja auch nicht jünger.

Und zur Motivation des Personals. Es wäre nachvollziehbar, dass sich der Betreiberwechsel negativ auswirkt. Ich denke aber nicht, dass es allein in der Entscheidungsgewalt des Maschinenführers liegt, ob er nach vollbrachtem Tagewerk ins Heizhaus fährt. Da standen z.B. auch andere Fahrzeuge vor den Toren. Der Maschinist war aber am Freitag, dem 20. so schnell wie der Blitz im Feirabend. Ich hatte mir noch die Einfahrt des letzten Zuges in Volary angesehen. 20.55 Uhr war das, da man mit +10' unterwegs war. Keine 5 Minuten später war "vorn" im Bahnhof alles verwaist. Die Lok blieb am Zug, war aber schon verlassen. Getankt wurde dann erst am nächsten Morgen vor der Abfahrt.

Knapp bemessene Wendezeiten lassen auch kaum Zeit, dass ein (früher oft zu beobachtender) Kontrollgang um die Maschine gemacht werden kann. Oder Personalwechsel um 12.14 Uhr, Abfahrt um 12.19 Uhr. Was will man da noch kontrollieren? Da kann man nicht mal Scheiben putzen. Und die Wendezeit in Nové Údolí wird durch ein - aufgrund der sinnlosen und wenig realitätsnah angelegten Infrastruktur - aufdiktiertes Rangiermanöver verbraucht.

Wie dem auch sei: Auf der Strecke bleibt letztendlich die Zuverlässigkeit. Ein Familienausflug mit Kindern muss mit dem Zug schon mal intensiver geplant werden, als mit dem eigenen Fahrzeug. Wenn man dann nicht wie geplant zurück fahren kann und die Kinder nervig werden ... Mit Bus-Ersatzverkehr wird alles noch schlimmer. Man wird so eien Ausflug nicht so schnell wiederholen.

von Strojmistr - am 24.05.2016 10:41
Zitat
Joachim Piephans
Was spricht dagegen, als - vermutlich ortsansässige - Maschinisten gemeinsame Verantwortung zu übernehmen und die Lok trotzdem ins Heizhaus zu stellen? Macht zehn Minuten späteren Feierabend und kostet dasselbe an früherem Aufstehen. Umfahren werden muß ja sowieso.
Man kann doch nicht alles auf das ferne DKV schieben. Eigeninitiative?

Andererseits: in Jesenik gibts kein Heizhaus, da übernachten die Brillen das ganze Jahr über in klar-kalter Gebirgsluft. Was kennt man da von Ausfällen? Also doch eine DKV-spezifische Sache?

Gruß,
Joachim


Hallo,

so einen Schwachsinn habe ich hier noch nie gelesen wie in diesen Beitrag.

Der Plan schreibt vor was zu machen ist und was passiert wen die Lok in den Dreck fährt. Der Lokführer ist dran weil er ja eigentlich da gar nichts zu tun hat und das Fahrzeug nicht an seinen Platz steht.

Eigeninitiative hin oder her, solang alles gut geht.

Heizhaus darf es genutzt werden zum Abstellen
Dienstbeginn des nächsten Tf
Gleismiete

und und und

Gruß Volker

von LVT 771 - am 24.05.2016 11:20
Hallo,

Zitat
Strojmistr
Klar bekommen die Maschinen, die auf der Strecke 180 und 183 eingesetzt werden, mehr Pflege. Aber z.B. auf der 180 fahren die Loks nur 120 km am Tag. Und sie übernachten im Heizhaus. Am Wochenende im Normalfall Schonzeit. Die Beanspruchung ist also schon mal physikalisch viel geringer, abgesehen vom Streckenprofil. Und 29 Mal anfahren, teilweise in Steigungen, muss man auf diesen Strecken auch nicht.

wenn man bedenkt, was im Lastenheft der Maschinen angedacht war, würde ich das nicht als extrem anspruchsvoll sehen. Die Züge sind leicht, die Höchstgeschwindigkeit wird nie erreicht.
Ich gebe zu, die Laufleistungen sind auf der 180 und 183 geringer. Dafür gibt es aber in Klatovy nur eine Reservelok für drei Plantage und in Domažlice
keine Reservelok. Für die zwei Plantage des TS 755 sind vier (zeitweise fünf) Lokomotiven vorhanden. Mehr waren es auch für die früheren drei Plantage nicht.

Der Umlaufplan TS 755 hat aber m. E. ein ganz grundsätzliches Problem: Das sind eigentlich zwei eintägige Umlaufpläne, einer von České Budějovice (Tag 1) aus und einer von Volary (Tag 2) aus. Warum jetzt Volary für Maschinen verantwortlich sein soll, die man nie zu Gesicht bekommt, entzieht sich meinem Verständnis, das scheint aber eine Spezialität der PJ České Budějovice zu sein, wo auch die PP Tábor offiziell für das Rangier-Bügeleisen von České Budějovice zuständig ist. Man könnte aus dem TS 755 einen schönen dreitägigen Plan ab/an České Budějovice machen und würde keine Lokomotive mehr benötigen. Mit Rationalisierung hat das nichts zu tun.

Gleichwohl kann man aus der Ferne und ohne Detailkenntnis nicht bewerten, was so einer 754er am Meisten schadet: Langes Stehen, häufiges Anfahren, schwere Züge? Die Leistungen auf der 194 und 197 lassen wenig Raum für Instandhaltung, andererseits sind die Laufleistungen an sich sind (wegen der geringen Streckenhöchstgeschwindigkeit, aber der zahlreichen Halte) gering und die Züge eher leicht. Da in Tschechien die Instandhaltungsfristen für die großen Untersuchungen nur von der Laufleistung, nicht aber von der seit der letzten Untersuchung vergangenen Zeit ab. Gerade die Einsatzsituation in der PJ České Budějovice kann vielleicht hohen Instandhaltungsbedarf bei nur langsam verstreichenden Fristen erzeugen, wer weiß?

Zitat
Strojmistr
Siehe 754.045. Sieht zwar schön aus, war aber in Brno schon selten zu erleben, in Plzen nicht anders, in Tabor/Volary hatte sie auch mal ganze Monate keinen Einsatz und neurdings in Prag auch 0.

Die 045 ist zwar offiziell in Prag beheimatet, aber bisher dokumentieren die Einsatzsichtungen keine Überführung von ihrem alten Heimat-DKV. Natürlich kann das geschehen sein, ohne dass es an der Stelle beobachtet wurde. Vielleicht wird sie aber auch erst auf die Reise geschickt, wenn die versprochene 754 064 von CZ Loko zurückkommt. Oder sie leidet an Reiseübelkeit...

Gruß,
Hans-Georg

von HgE - am 24.05.2016 12:31

Bitte angemessen bleiben!

Hallo Volker,

auch wenn man nicht der gleichen Meinung ist, bitte ich doch um angemesse Ausdrucksweise!

von Strojmistr - am 24.05.2016 16:27

Re: Bitte angemessen bleiben!

Zitat
Strojmistr
Hallo Volker,

auch wenn man nicht der gleichen Meinung ist, bitte ich doch um angemesse Ausdrucksweise!

Bezüglich der Ausdrucksweise ist zuzustimmen, inhaltlich allerdings ist der Beitrag absolut richtig.
LG
HTH

von HTH - am 24.05.2016 19:19
Ja aber jeder soll vor seiner Haustür kehren und nicht andere Berufsgruppen kritisieren .

Ein Kollege von CDC erzählte mir das sie ab sofort nur noch in einen Gleis abstellen dürfen und dazu sind 3 Sägefahrten notwendig

von LVT771 - am 25.05.2016 06:20

Wohldurchdachte Antwort, ganz ohne Schwachsinn

Werter Volker,

als LOK Report-Kollegen, die wir mal waren oder noch sind, sollten wir anders miteinander umgehen, als den größten "Schwachsinn", der in diesem doch schon einige Jahre bestehenden Forum verzapft worden sein soll, an den Kopf geworfen zu bekommen.

Zitat
LVT 771
Der Plan schreibt vor was zu machen ist und was passiert wen die Lok in den Dreck fährt.


Satzzeichen wären gut, dann wäre deine Aussage besser verständlich. "Der Plan schreibt vor ... was passiert wen (sic!) die Lok in den Dreck fährt". Was genau schreibt der Plan für einen solchen Fall vor?

Ich habe einen einzigen Aspekt der ganzen Fragestellung angesprochen, nämlich - wenn es um die Abstellung im Haus als maschinenschonende Maßnahme geht - ein mögliches Engagement über ein minutengenaues Dienstplanende hinaus. Verschiedene Lokführer mögen diese Frage sicher verschieden beantworten. Aber es darf doch wohl erlaubt sein, bei einer so kleinen Einsatzstelle ein solches gemeinsames Tun anzusprechen. Verantwortung läßt sich nicht immer nur auf andere schieben. Gab es nicht bei der Reichsbahn sowas wie Dienstplangemeinschaften, und heute "Teams" bei der DB? Gehts da nur um das bestmögliche Durchkommen durch den Plan oder auch um die anvertraute Aufgabe und Betriebsmittel?

Das Heizhaus gehört doch zum DKV, also zum eigenen Betrieb. Welche Miete etc. sollte da anfallen?

Ich hatte die technische Frage mit Hinweis auf die (ganzjährige) Praxis in Jesenik ja schon relativiert.
Aber die persönliche Veranwortung und das Einbringen über einen Plan hinaus, für das Ganze der Eisenbahn, das bekräftige ich hiermit. Und das gilt nicht nur für Eisenbahner geschweige denn eine Berufsgruppe, sondern für alle Teile einer Gesellschaft.

Ich meine auch, daß es in diesem Forum nicht nur um gegenseitiges Daumenheben bei Bildern geht, sondern auch um Diskurs und Debatte.

Gruß aus Broumov,
Joachim

von Joachim Piephans - am 25.05.2016 07:55

Re: Wohldurchdachte Antwort, ganz ohne Schwachsinn

Hallo in die Runde

Wir hatten das Thema der Umgangsformen vor einiger Zeit schon einmal in diesem Forum, was dann sogar zu dessen vorübergehender Schließung führte.
Ich hoffe daher, dass sich die Wogen auch dieses mal wieder glätten und dass jeder Teilnehmer hier seine Wortwahl vor dem Drücken des „Senden“ Buttons nochmals überdenkt.



Zitat

Der Plan schreibt vor ... was passiert wen (sic!) die Lok in den Dreck fährt.


Ich denke, LVT 771 meint mit seinen Ausführungen, dass Tätigkeiten, welche nicht im Dienstplan vorgegeben sind bei möglichen Fehlhandlungen Schäden an Menschen, Fahrzeugen und Anlagen und somit Kosten verursachen können. Solche Kosten könnten dann vom Unternehmen womöglich an den Mitarbeiter weitergereicht werden. Daher macht mancher Eisenbahner in der heutigen Zeit vielleicht lediglich Dienst nach Vorschrift.

Ich kann dazu mal ein Beispiel aus dem Bereich der DB AG nennen, auch wenn dies bereits etliche Jahre zurückliegt. Es war irgendwann in einem Winter nach der Aufteilung in die verschiedenen Geschäftsbereiche. Ich wollte in Limburg/Lahn während der Wochenendruhe die zahlreich auf den Freigleisen hinter der Drehscheibe abgestellten Lokomotiven Fotografieren, als ein Lokführer im Rahmen der Frostwache die Maschinen kontrollierte. Jetzt war dieser Lokomotivführer dem Geschäftsbereich Cargo zugeteilt, daher kontrollierte er lediglich die Cargo-Maschinen. Man kann solch ein Verhalten natürlich kritisch sehen, doch was passiert, wenn der Tf von einer Lok des „fremden“ Geschäftsbereich fällt, und sich dabei das Bein bricht?



Zitat

Aber die persönliche Verantwortung und das Einbringen über einen Plan hinaus, für das Ganze der Eisenbahn, das bekräftige ich hiermit.


In Zeiten, wo der Mitarbeiter für das Unternehmen häufig nur als Kostenfaktor gesehen wird und jede dienstliche Tätigkeit durch genaueste Zeitmessungen hinterfragt bzw. optimiert wird, wirkt es vielleicht etwas naiv zu Glauben, ein Mitarbeiter kommt früher zum Dienst, um zusätzliche vom Eisenbahnunternehmen aus Kostengründen bereits wegrationalisierte Tätigkeiten in seiner Freizeit zu erbringen. Das mag es wohl vereinzelt noch geben, oft aber sicher nicht.
Um die Stimmung der Eisenbahner bei den tschechischen Nachbarn zu Beurteilen, fehlt mir natürlich der Einblick in die dortigen Befindlichkeiten und Mentalitäten, daher beziehe ich meine obigen Worte ausdrücklich nur auf den Bereich in Deutschland, welchen ich selbst beurteilen kann.

In Tschechien fällt mir spontan ein Beispiel ein, dass es dort zumindest manchmal noch anders gehandhabt wird. Man denke an die letztjährige Initiative der örtlichen Eisenbahner, wo nach meinem Kenntnisstand die pilsener 754 066 während der Wochenendruhe in Domažlice in Eigenregie optisch aufgepeppt wurde. Kann ich mir für den heimischen Bereich leider inzwischen so gar nicht mehr vorstellen, da wird ein solches Engagement aus Freude und Verbundenheit der Eisenbahn gegenüber lieber bei einer Museumsbahn gezeigt.



Zitat

Und das gilt nicht nur für Eisenbahner geschweige denn eine Berufsgruppe, sondern für alle Teile einer Gesellschaft.


Lieber Joachim, ich fürchte, das ist zu manchen Teilen leider nur Wunschdenken. Wobei ich die von dir genannte persönliche Verantwortung für eigenes tun ausdrücklich begrüße und für wünschenswert halte!
Die zwischenzeitliche Mentalität vieler Menschen geht da wohl eher in eine andere Richtung.
Viele Menschen versuchen doch, für eigene Fehlhandlungen andere Verantwortlich zu machen. Da lebt wohl sicher mancher Anwalt nicht schlecht davon?

Würde mich da gerne vom Gegenteil Überzeugen lassen, aber so lange auf einem Kaffeebecher aus Haftungsgründen der Hinweis steht,
man könnte sich den Mund verbrennen, glaube ich nicht an die gewünschte Eigenverantworlichkeit!

Vielleicht sehe ich das aber auch nur zu Negativ?


Beste Grüße,

Martin

von Martin L. - am 25.05.2016 14:02

Re: Wohldurchdachte Antwort, ganz ohne Schwachsinn

Zitat
Martin L.
Viele Menschen versuchen doch, für eigene Fehlhandlungen andere Verantwortlich zu machen. Da lebt wohl sicher mancher Anwalt nicht schlecht davon?


Martin, das ist Quatsch, denn derjenige, der mit dieser Einstellung zum Anwalt geht, will auch selbst nichts zahlen ....

Im Endeffekt hat Joachim Recht, ist aber tatsächlich nur Wunschdenken. Eigenverantwortliches Verhalten gibt es kaum noch, zum Teil sicherlich unserer Globalisierung mit damit zusammenhängendem Profitdenken der beteiligten Unternehmen geschuldet ( muss ich alles um jeden Preis privatisieren ? ), zum anderen Teil aber der Entwicklung unserer immer egozentrischeren Gesellschaft. Das sehe ich täglich im Betrieb und kann das nach über 17 Jahren Selbständigkeit ganz gut verfolgen, heute kommt man gerne früh mal eine halbe Stunde zu spät ( merkt ja der Vorgesetzte nicht, weil der ja eh später kommt ;) ), ist aber am Nachmittag nicht bereit mal 5 Minuten länger zu bleiben. Das war schon mal anders. Zu diesem Thema könnte man ein Buch schreiben, viele Kollegen auch, auch aus anderen Branchen.

Wir sind uns ja einer Meinung, aber kann man dieses Phänomen stoppen ? ich weiß nicht wie.

Gruß Robert

von RR - am 25.05.2016 20:59

Re: Wohldurchdachte Antwort, ganz ohne Schwachsinn

Zitat
RR
Martin, das ist Quatsch, denn derjenige, der mit dieser Einstellung zum Anwalt geht, will auch selbst nichts zahlen ....



Oh je Robert,

dabei hatte ich natürlich gar nicht an dich gedacht.

Aber kann es nicht sein, dass mancher gerade dann zum Anwalt geht, weil man bei einem selbst verschuldeten Schadensfall eben möglichst günstig davon kommen will?
Kann ich natürlich nicht belegen, ist jetzt eher ein Eindruck von mir. Siehe da mein Beispiel mit dem heißen Kaffee.
Aber das geht jetzt sicher auch ziemlich am Themenspektrum dieses Forums vorbei, daher lasse ich das Thema an dieser Stelle jetzt auch gut sein.
Wenn wir uns mal wieder in einer tschechischen Bahnhofsbeize treffen, können wir den Faden ja gerne nochmal aufnehmen.
Es sei denn, es kommt wieder eine wichtige Fotomöglichkeit so wie in Domažlice mit den Brillen dazwischen ;)

Viele Grüße,
Martin

von Martin L. - am 26.05.2016 08:40

Re: Wohldurchdachte Antwort, ganz ohne Schwachsinn

Hallo zusammen,

durchaus besänftigt, daß dieser Diskussionsfaden jetzt weitgehend auf einem vernünftigen Niveau gesponnen wird, brauche ich nur noch relativ kurz meinen Senf dazugeben. Martin und Robert haben ja bereits das Für und Wider bezüglich Joachims Einwürfen dargelegt und ich möchte den meisten Inhalt gern so auch unterschreiben.

Ich denke, daß man beim Einsatz über die geplante Arbeitszeit oder den Arbeitsauftrag hinaus zwischen außerplanmäßigen Ereignissen und regulär wiederkehrenden Arbeitsschritten einen klaren Trennstrich ziehen sollte. Mal unabhängig davon, daß ein verspäteter Dienstantritt bei mir sofort zu Konsequenzen (weniger arbeitsrechtlich, aber betrieblich sehr wohl, bis hin zum Zugausfall) führt, stellt "angeordnete" (eher angefragte) Mehrarbeit innerhalb der Schicht oder über das planmäßige Arbeitsende hinaus vor dem Hintergrund des Gebens und Nehmens in aller Regel kein Problem dar. Beispielsweise können Bereitschaftsschichten schon mal über eine halbe Stunde früher enden - oder eben auch mal eine Stunde über das Ziel hinausschießen. Doch hierbei handelt es sich um den kleinen Dienstweg, namentlich zwischen Personaldisponent und mir als Lokführer. Zudem es dafür angerechnete Arbeitszeit gibt. Zehn Minuten Verspätung zum Dienstende? Gleicht sich schon aus, kannste glauben. Ein ähnliches Beispiel wäre auch ein zusätzlicher Dienstantritt unter Verzicht auf den Ersatzruhetag, wenn da am Ende nicht der berühmt-berüchtigte Spießrutenlauf wäre, um sein überlaufendes Überzeitkonto spürbar abzubauen. Allein diese erniedrigende Bittstellerei hat schon beträchtlichen Schaden an meinem Selbstverständnis für ein gewisses Entgegenkommen angerichtet. Das Prinzip "Geben und Nehmen" ist diesbezüglich dank betriebswirtschaftlicher Selbstherrlichkeit (immer weniger MA erbringen immer mehr Leistung) und persönlicher Animositäten zwischen den Beteiligten bereits beeinträchtigt.

Was allerdings für meine Person vollkommen ausscheidet, ist die Vorstellung, dauerhaft über meinen Dienstauftrag hinaus Tätigkeiten in meiner Freizeit auszuführen. Ich kann mir beim allerbesten Willen nicht vorstellen, wie sich eine Angelegenheit des durch Joachim geschilderten Ausmaßes auf dem kleinen Dienstweg regulieren läßt. Da muß man mir schon einen riesigen Batzen an überzeugenden Argumenten auftischen, daß ich betriebswirtschaftliche (Fehl-)Entscheidungen durch tagtäglichen Subotnik auszugleichen versuche. Und wenn ich Betriebswirtschaftler unserer Zeit meine, sehe ich da nicht so freundliche Leute, wie den altgedienten Fleks, Karel, sondern die frisch studierte, vollkommen betriebsblinde und unter Umständen auch noch unnahbare (der freundlichste Ausdruck, der mir dazu einfällt) Beilova, Bohuslava. Und wer wird sich letztendlich auf die Schulter klopfen, wenn der Laden trotz jahrzehntelanger Roßkur noch funktioniert? Und wer streicht sich die Prämien ein? Der gutgläubige Maschinist fährt jeden Abend in seiner Freizeit die Brille in den Schuppen, der Kollege holt sie am Morgen in seiner Freizeit wieder heraus (muß unter Umständen auch noch einen kufr aus dem Weg räumen etc.) und im fernen Plzeň oder gar im versnobten Praha feiern sie beim Anblick der supertollen Statistiken zu jedem Jahresende hin "rauschende" Feste.

Dies geschilderte Konstrukt der Bürodiktatur hat jenseits der Nordwest- und Westgrenze bestens funktioniert, genau solange, bis andere Wettbewerbsteilnehmer mit einem weitaus schlankeren Wasserkopf, aber noch kreativeren BWLern, den Markt überrollten. Da denke ich an GWTR mit den gefühlt selbstzerstörerischen Margen, was nun sogar noch vom Verkehrsministerium aktiv gefördert werden soll. Und mit dem hierzulande Erlebten im Hinterkopf dürfte klar sein, wer diese Rechnung der Billigheimer am Ende wird begleichen müssen. Liebe Freunde, nicht die betonizace wird "unsere" böhmisch-mährische Eisenbahn in ihren Grundfesten zerstören. Es wird die spiralförmige Unendlichkeit einer aus den Fugen geratenen rationalizace sein, welche Eisenbahner nicht mehr an ihre Arbeit glauben läßt, jede Motivation vernichtet, Technik unter (billigender?) Inkaufnahme tagtäglicher Zugausfälle kaputtspart, entnervten Reisenden den Verkehrsträgerwechsel schmackhaft macht. usw. usf.

Ein schönes Wochenende wünscht
Daniel

von brejlovec750 - am 26.05.2016 10:24

Ja, ja, in Domažlice ...

... da werden die Brillen nicht nur abends in den Schuppen gefahren und morgens wieder rausgeholt, da haben uns damals die engagierten Eisenbahner trotz Dienstende die Schmuckstücke extra noch mal vor die Tore gefahren zum :--P

Allseits einen schönen Feiertag

Robert

von RR - am 26.05.2016 10:44

Rationalisierung - überall?

Hallo,

anlässlich dieser nun wieder erfreulich sachorientierten Diskussion habe ich mir nochmals die Dienstpläne 701 (BR 754 Domažlice) und 718 (Klatovy) angesehen. Da sind anständige Vor- und Nachbereitungszeiten (wenn ich mich recht entsinne Klatovy 20 Minuten vor Abfahrt und 10 Minuten nach Ankunft) drin. Es ist also Zeit für eine kurze Inspektion und das Fahren ins bzw. aus dem Schuppen vorhanden. Umso verwunderlicher wäre es, wenn der TS 755 (BR 754 Volary) nun keine Vor- und Nachbereitungszeit enthielte. Leider ist in der aktuelle Dienstplan in den zur Zeit verfügbaren pomůcky nicht hinterlegt, sodass alles weitere Spekulation bleibt.

Gruß,
Hans-Georg

von HgE - am 26.05.2016 12:25

Re: Rationalisierung - überall?

Hallo,

es wird - und soweit darf man spekulieren - auch bei den Tschechischen Bahnen in den Lokführer-Schichten ein für jede Reihe individueller Zeitwert für Vorbereitungs- und Abschlußdienste hinterlegt sein. Der minimale Zeitwert für diese Arbeiten ergibt sich hierzulande aus einem Teilarbeitenverzeichnis, welches die auszuführenden Tätigkeiten im Rahmen eines Vorbereitungs- und Abschlußdienstes eindeutig regelt. Die einzelnen Zeitwerte werden nicht (mehr) geschätzt, man hantiert da vielmehr tatsächlich mit einer Stoppuhr. Im Falle meiner Dienststelle hat man im Rahmen der Qualitätssicherung nachträglich drei (oder fünf, weiß es gerade nicht so genau) Minuten draufgeschlagen, da kann man dann schon mal eine kleine Störung beheben. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß zuvor äußerst großzügige Zeitwerte im Rahmen von Optimierungsmaßnahmen erstmal kräftig zusammengestrichen wurden.

Nicht ausgeführte bzw. auszuführende Vorbereitungs- und Abschlußdienste waren auch nicht unbedingt der Stein des Anstoßes zu unserer Auseinandersetzung, sondern die unangepaßte Außenabstellung eines Kaltstarters bei niedrigen Temperaturen. Die Äußerung zum "fluchtartigen" Verlassen der Maschine nach Ankunft in Volary möchte ich nicht überbewerten, schließlich sehen meine Schichtenblätter auch ganze zwei Minuten für diese Arbeiten im Endbahnhof (bei einem ET) vor. Diese zwei Minuten beinhalten - grob skizziert - die Sicherung gegen Wegrollen und die Eingabe einer Zeit zum Anstoß des V-Dienstes. Alle anderen Arbeiten werden im V-Dienst ausgeführt. Rangierzeiten sind stets extra ausgewiesen. Der beste A/V-Dienst wird aber nicht verhindern können, daß ein unangepaßter Abstellort, ein schlecht geschulter Lokführer und/oder eine - naja - übersichtliche Wartung zu Störungen führen kann. Um zum Pfad des Spekulatius zurückzukehren, sehe ich im Fall Südböhmen gefühlsmäßig bei letztem Punkt Defizite. Bei den 749 konnte man vielleicht noch vom langjährig angesammelten Wissen profitieren, bei den erst seit wenigen Jahren dort heimischen 754 gucken Elektriker und Mechaniker unter Umständen wie Schweinchen ins Uhrwerk oder machen mangels Schulung mangels Personal mangels anständiger Bezahlung gleich einen großen Bogen um die Fahrzeuge. Solcherlei zustandserklärende Erzählungen werden mir immer mal wieder zuteil, seit im heimischen Bw wie aus dem Nichts wieder ET älterer Provenienz heimisch sind.

Beste Grüße
Daniel

von brejlovec750 - am 26.05.2016 13:44

Re: Ja, ja, in Domažlice ...

Hallo,

kann man durchaus mal machen. Steht ja sicher auch nicht jeden Abend ein Genosse am Schuppentor. Und wenn im Anschluß eine Gastfahrt in die Heimat vorgesehen ist, ist die Wartezeit sinnvoll genutzt und gleichzeitig eine Freude gemacht. Unabhängig von meiner inneren Gefühlslage bezüglich dieser Diskussion lade ich beim Otto Normalreisenden und bei Eisenbahnfreunden nicht den Dienstfrust ab. Wenn dieser Vorsatz mal nicht ganz gelingt, ist es als Ausnahme zu verbuchen.

Beste Grüße
Daniel

von brejlovec750 - am 26.05.2016 14:01
Hallo,

nach geruhsamer Durcharbeitung des Beitrags und aller Antworten sei mir auch noch ein Kommentar erlaubt.

@Michael: im Allgemeinen stimme ich Dir mehrheitlich zu. Allerdings hast Du durch die allgemeine Form der Darlegung Deiner Gedanken (man statt ich) und die etwas fehlende Eindeutigkeit bei der Schilderung als Beobachtung, eigene Schlüsse, (Teil-)Wissen durch Erzählungen oder gar Wissen durch Zugang zu "amtlichen Informationen" Raum für Deutungsvarianten gelassen - und damit Widerspruch gewissermaßen befördert.
Schriebst Du nun mehrheitlich über die Dienste im Böhmerwald oder stecken da noch Beobachtungen aus anderen Gegenden mit drin? Du bist da an einigen Punkten leicht angreifbar. Dienstbeginn 15 bis 3 min vor Abfahrt ist für mich in Bezug auf Volary eher nicht vorstellbar - außer das Fahrzeug ist durch einen anderen Kollegen abfahrbereit an den Bahnsteig gestellt worden. Jede Art von Vorbereitungsdienst (auch bei modernsten Fahrzeugen) benötigt mehr als 3 min. Bei einem lokbespannten Zug ist das noch erheblich länger, neben der Lok muß auch der Wagenpark geprüft und vorbereitet werden (Luft auffüllen, Bremsprobe, vorheizen). Auch der Dieselmotor (bzw. der Kühlkreislauf) der Lok sollte wenigstens auf Mindest-Temperatur warmlaufen, wenn schon knallhart kalt gestartet wird. Meine überschlägige Rechnung würde einen Dienstbeginn des Lokführers in Volary für einen lokbespannten Zug mindestens 60 min vor Abfahrtszeit bedeuten, wenn noch Tanken oder so was anfällt auch noch früher. Das nur mal als Beispiel dafür, wo angreifbare Punkte liegen.

Zu der Pflege der 754er-Loks in Südböhmen würde ich investigativ auch mangelnde Wartung unterstellen. Es ist aber eine Unterstellung, schon weil ich nicht mal weiß, welche Werkstatt offiziell die Loks betreut. Sollte das doch die Cargo-Werkstatt in C. B. sein, dann sind die Nachtstunden auch bei täglichem Einsatz für jede normale Wartung außerhalb großer Fristarbeiten ausreichend. Im Fall der unterstellten "Intensiv-Wartung" rächte sich ja schon mal die ein oder andere Lok mit der Gegenmaßnahme "Požár". Damals als die 078 und die 020 ihren heißen Abschied nahmen, gab es zu den Bildern tschechische Kommentare und Bilder von völlig verdreckten Loks (natürlich in Form von Brandlast, nicht unbedingt äußerlich) in Südböhmen. Ansonsten gilt natürlich für Lokomotiven, daß die zum Fahren gebaut wurden, somit sollten auch täglich 16 Stunden Einsatz keine Gefährdung der Zuverlässigkeit bedeuten. Die nötigen Kontrollen müssen natürlich gemacht werden. Eine Fahrt mit zu wenig Kühlwasser (oder ähnliches) wird auch ein optimierter Dienstplan nicht vorsehen.
Selbst wenn jetzt mehrfach kurz hintereinander Züge auf dieser Strecke liegen geblieben sind und Du wenig Nachfrage beobachten konntest, glaube ich eher an die Wirkung vielfältiger Bauarbeiten über lange Zeiträume (auch auf Nachbar- oder Zubringerstrecken). Meistens beobachte ich bei der CD ein gutes und schnelles Reagieren auf alle möglichen Maleure. Das macht das Maleur natürlich nie ungeschehen, mindert aber den schlechten Eindruck. Ein Vergleich mit anderen Ländern ist meist nicht so einfach, aber immer interessant.

@alle:
Auch wenn Michael vielleicht weniger deutlich die Anteile von Wissen und jene von Spekulation oder allgemeiner Betrachtung deutlich gemacht hat, könnte man doch auch durch Rückfrage über diese Sachverhalte Klarheit erhalten; es muß doch nicht gleich "gebellt" werden. Anschließend folgte ja noch ein durchaus ausgewogener Blick in die Verhältnisse der heutigen Zeit und die Begleitumstände und Wirkung auf die Gesellschaft und das Verhalten ihrer Mitglieder sowie deren Argumente.


Gruß
217 055

von 217 055 - am 26.05.2016 17:13

Re: Rationalisierung - überall?

Hallo,

für meinen laienhaften Blick gibt es aber einen Zusammenhang. Wenn es in Klatovy und Domažlice sehr viel Zeit fürs Vor- und Nachbereiten gibt, warum dann nicht in Volary? Wenn es in Klatovy und Domažlice Zeit zum Abstellen der Fahrzeuge im Schuppen gibt, warum dann nicht Volary?
Ich habe mal einige Beispiele aus den Dienstplänen zusammengestellt:
Planmäßige Ankunft 15:30 mit dem 7412 in Domažlice, 16:15 Feierabend.
Planmäßige Abfahrt 10:04 Klatovy mit dem 778, 8:57 Dienstbeginn.
Planmäßige Ankunft mit dem 1240 um 20:43 in České Budějovice, bereits 20:55 Feierabend.
Planmäßige Abfahrt 5:10 mit dem 1241, 5:03 Dienstbeginn (egal ob 842 oder 754).
Da gibt es zwei Erklärungen: Separater Vorbereitungs-/Bereitstellungsdienst oder doch andere Parameter. Ich vermute dann doch Ersteres.
Und abschließend Volary: 5:07 Dienstbeginn, Abfahrt des 842 als Os 8101 6:07. Die Daten für die 754 liegen noch nicht vor, sollten aber nicht anders sein. Bei mir entsteht der Eindruck, dass beim morgendlichen Aufrüsten durchaus eine Fahrzeugkontrolle vorgesehen und eingeplant ist.


Gruß,
Hans-Georg

von HgE - am 26.05.2016 17:36

Forum at its Best!

Freunde Böhmens!

Wie hier im Diskussionsfaden die Ereignisse nach und nach auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt wurden, einmal in technologischer Hinsicht, zum zweiten hinsichtlich der gesellschaftlichen und unternehmensinternen Realitäten, ist eine Sternstunde der Diskussionskultur an diesem virtuellen Stammtisch!
Schön auch das Sortieren von Vermutungen und Fakten.
Daß ich mit meinem Leitbild von Gemeinschaftsbezogenheit nicht bei jedem auf ungeteilte Zustimmung stoße, ist mir klar. Daß ich darin nicht nachgebe, freilich auch. Die ernsthafte Diskussion bestätigt aber auch, daß unter uns mehrheitlich nicht egoistisch, sondern gemeinschaftsdienlich gedacht wird. Sonst hätte man sich nicht um Verständnis und Erklärung bemüht. Ist doch klasse!

Schluß. Mit dem Mobiltelefon dank hoteleigenem W-LAN im Internet hantieren zu können, ist zwar toll, aber das Schreiben auf der winzigen Wisch-Tastatur total anstrengend.

Gruß aus Broumov,
Joachim

von Joachim Piephans - am 26.05.2016 18:59

Re: Wohldurchdachte Antwort, ganz ohne Schwachsinn

Zitat
brejlovec750
Hallo zusammen,

durchaus besänftigt, daß dieser Diskussionsfaden jetzt weitgehend auf einem vernünftigen Niveau gesponnen wird, brauche ich

Ein schönes Wochenende wünscht
Daniel



1000 Punkte für den Beitrag, das ist was genau den Nagel auf den Kopf trifft

Auch gibt es in D auch Tf die das ein oder andere für Fotografen machen

von LVT771 - am 27.05.2016 09:00

Re: Wohldurchdacht

Zitat

Liebe Freunde, nicht die betonizace wird "unsere" böhmisch-mährische Eisenbahn in ihren Grundfesten zerstören. Es wird die spiralförmige Unendlichkeit einer aus den Fugen geratenen rationalizace sein, welche Eisenbahner nicht mehr an ihre Arbeit glauben läßt, jede Motivation vernichtet, Technik unter (billigender?) Inkaufnahme tagtäglicher Zugausfälle kaputtspart, entnervten Reisenden den Verkehrsträgerwechsel schmackhaft macht. ...


Ahoj Daniel,

diese Worte sollten alle Forenmitglieder als Merksätze auswendig lernen, denn sie treffen es auf den Punkt! ;)

Und so erheben sich wohltuend hervor aus dem Geächze über die "Betonorgien", was ich langsam nicht mehr lesen mag.

André

von AAW - am 28.05.2016 22:07
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