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Forum zu den Eisenbahnen in Tschechien
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 1 Jahr, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 1 Jahr, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
EC Vindobona, AAW, wxdf, Strojmistr, Niels K., Joachim Piephans

Im nördlichsten Zipfel Tschechiens ...Fukov ( 8 B.)

Startbeitrag von EC Vindobona am 04.06.2016 17:56

Hallo Eisenbahnfreunde,

Gestern war zwar nicht wirklich Fahrradwetter, aber irgendwie zog es mich dann doch hinaus.
Erst in den Zug und dann mit dem Fahrrad über eine ziemliche Piste in das einst nördlichste Dorf Böhmens, nach


Fukov

Ich fuhr mit dem Regionalexpress der Linie 3 zunächst nach Dresden, um von dort über Bad Schandau nach
Šluknov zu gelangen. Dort verließ ich die allseits beliebte U 28 und radelte über die schon erwähnte Piste.


Um 14.16 Uhr wurde der 642 009 als Os 5447 nach Rumburk in Šluknov verlassen.

Beschildert war der Weg nach Fukov leider nicht, doch die Karte war mit an Bord. Somit konnte das ehemalige
Dorf im nördlichsten Winkel Böhmens schnell gefunden werden. Geradelt wurde allerdings mit äußerster
Vorsicht, da der Schotter ziemlich spitz daher kam.

Nun ein kleiner Abriss aus der Geschichte und Lage dieses Ortes:

Fukov( dt.Fugau) war ein böhmisches Dorf an der Spree in Tschechien.

Fukov lag im Fugauer Zipfel, einem böhmischen Landstreifen, der in sächsisches Territorium hineinragt und von der Eisenbahnstrecke Dresden-Zittau sowie der Spree durchquert wird. Die Eisenbahnstrecke führt zwischen den Stationen Taubenheim (Spree) und Neusalza-Spremberg hier für ca. einen Kilometer durch Tschechien. Fugau war der einzige Ort, in dem die Spree auf böhmischem Gebiet verläuft. Nachbarorte waren Oppach im Norden, Neusalza-Spremberg im Osten und Taubenheim/Spree im Westen.

Es wurde oft versucht das Dorf, wegen seiner besonderen Lage dem Königreich Sachsen anzugliedern. Die Idee wurde jedoch immer wieder verworfen, da die Bevölkerung sich mehrfach und mehrheitlich dagegen entschied.

Nach dem 2.Weltkrieg wurde der Ort größtenteils entvölkert, da die deutsche Bevölkerung gehen musste.
1950 sollte der nördlichste Zipfel Böhmens an die DDR angegliedert werden, doch auch dieses Mal scheiterte der Versuch.

Danach wurde das Dorf seitens Tschechoslowakei dem Erdboden gleich gemacht. Zuletzt wurde 1960 die Kirche und die Schule gesprengt und von
der "böhmischen Halbinsel" Fugau war nun fast nichts mehr übrig.

Seit einiger Zeit ist man jedoch bemüht diese Gegend wieder ins Bewusstsein von Deutschen und Tschechen zu rücken und hat einige Denkmäler
des einstigen Dorfes wieder freigelegt und restauriert.

Übrigens ist jeder Reisende von Dresden nach Zittau schon einmal, wahrscheinlich unbemerkt, durch Fukov gefahren :-).


Am Eingang des Dorfes wurde das einstige Wasserwerk am Hopfenberg wieder ansehnlich hergerichtet.

Fährt man wieder die Piste hinunter in den Winkel hinein, findet man einen Wegweiser zum Märtyrerdenkmal, dem ich folgte.


Durch fleißige Hände wiederauferstandenes Märtyrerdenkmal zu Fukov.


Um 14.52 Uhr fuhr TL 74871 durch Fukov nach Zittau.

Danach fuhr ich zurück zur Fukover Hauptpiste, um auf die Feldwegbrücke zu gelangen, die die Bahnstrecke
Wilthen-Ebersbach überquert.


Um 15.10 Uhr unterquerte TL 74870 nach Dresden diese Brücke und grüßte fröhlich
mit einem Pfeifen! Gruß zurück!

Schließlich wurde gänzlich über die Brücke geradelt.
In einem Wäldchen lagen immer noch die Reste der 1960 gesprengten Kirche und gaben ein trauriges Bild ab.


Daneben befindet sich der wieder freigelegte Friedhof von Fugau. Dieser wurde bei der Sprengung der Kirche stark beschädigt.

Nachdem ich mich noch etwas in dieser interessanten Gegend umgeschaut hatte, radelte ich über Neusalza-Spremberg und Neugersdorf-Ebersbach nach
Rumburk, um von der wieder mit der U 28 Richtung Bad Schandau zu gelangen.


In Rumburk stand schon ein DB Desiro als Os 5452 nach Děčín bereit, der gegen 17.20 Uhr für die Rückreise genutzt werden sollte.
Wegen Bauarbeiten war die Route über Sebnitz und Bad Schandau der einzige Weg, von Rumburk aus, Děčín ohne Schienenersatzverkehr zu erreichen.
Auch der Rychlik nach Kolin verkehrte nicht.

Ich hoffe die nächsten Tage werden weniger regnerisch, damit das Radeln wieder etwas mehr Spaß macht.


Auch bei dem Fallrohr der Dachrinne war der Kanal voll :-).

Viele Grüße und Fahrt frei!
EC Vindobona

Antworten:

Re: Neues aus der Fuge

Danke für Bericht und Bilder! Vor acht Jahren gab's schon mal einen Bildbericht von Meister schumlau (Bilder allerdings nicht mehr sichtbar) - interessant, was sich in Sachen Bewahrung der Reste getan hat. Die Wasserreserve ist ja wunderhübsch, der Friedhof bedenkenswert, und das Marterl gleich an der Bahn ein schöner Platz. Mit dem farbig geteilten 642 hattest Du außerdem noch Glück dazu.

War der Fußweg über Grenze und Spréva begehbar bzw. zeigte Spuren von Benutzung?

Die äußersten Ausläufer Nordostböhmens bieten doch immer wieder Überraschungen, selbst dem, der meint, dort schon alles gesehen zu haben ;-)

Gruß,
Joachim

von Joachim Piephans - am 04.06.2016 18:24

Re: Neues aus der Fuge

Hallo Joachim,

Gern geschehen!
Die Wege im ehemaligen Dorf Fukov waren sichtbar im hohen Gras.
Ab und zu scheinen dort ein paar wenige Menschen unterwegs zu sein.

Verlassen habe ich die Fuge in Richtung Neusalza-Spremberg über einen gemähten Pfad.
Zur Spreebrücke kann ich leider nichts sagen.

Viele Grüße
Micha

von EC Vindobona - am 04.06.2016 18:48

Re: Neues aus der Fuge

Fugau
Zitat
Joachim Piephans
Mit dem farbig geteilten 642 hattest Du außerdem noch Glück dazu.


Dreiländereck: Deutscher Triebwagen mit teils polnischer Verkleidung in Tschechien ...

Zitat

War der Fußweg über Grenze und Spréva begehbar bzw. zeigte Spuren von Benutzung?


Meines Wissens ist die Brücke schon länger ein offizieller Wanderübergang.

Als ich noch vor Tschechiens Schengenbeitritt dort war (ich bekenne mich des zweifachen, damals illegalen Grenzübertritts für schuldig) sah nur die "Hauptstraße" wirklich genutzt aus - dem Anschein nach ein paar mal im Jahr vom Bauern o.ä.

Leider hatte ich gerade nicht den Film gewechselt, als eine ITL-V60 mit ihrem Güterzug zu meinen Fußen unter der Brücke durchbrummte ... :mad: Es gibt so Augenblicke, da könnte man sich auch Jahre später noch drüber schwarz ärgern ... ;-)

Edit(h) hat noch ein offizielles EU-Dokument gefunden, in dem der Übergang Šluknov (Fukov) - Oppach als einer von 85 Grenzübergangsstellen für Touristen genannt wird (davon allein 5 von Schluckenau aus) ...

von AAW - am 04.06.2016 22:20

Re: Neues aus der Fuge

Zitat
Joachim Piephans
War der Fußweg über Grenze und Spréva begehbar bzw. zeigte Spuren von Benutzung?


Hallo Joachim, die Spuren sind zwar inzwischen bestimmt verwischt, aber vor ca. 2 Monaten bin ich da rüber.

Gruß aus ca. 500 Meter Entfernung zum "Zipfel". Und Gratulation an EC Vindobona, mir fährt der zweifarbige Desastro konsequent aus dem Weg.

von Niels K. - am 05.06.2016 19:52

Desiro im dualen Lack

Zitat
Niels K.

mir fährt der zweifarbige Desastro konsequent aus dem Weg.


Das mag wohl auch daran liegen, dass die "zweckentfremdeten" Trilexe aus der Oberpfalz fast komplett verschwunden sind. Der vermutlich letzte dürfte der VT12 bzw. 642.312 sein.

Gruß
Michael

von Strojmistr - am 05.06.2016 20:11

Es gibt da übrigens eine Seite im Internet ...

"zaniklé obce" (untergegangene Orte) , wo man auch viel Bildmaterial findet : [www.zanikleobce.cz]
Ehemalige Einwohner treffen sich übrigens zuweilen an dem Ort und erinnern an frühere Zeiten. Laut obigem Link begaben sich auch regelmäßig Tramper dort hin, setzten sich noch vor Inkrafttreten des Schengener Abkommens an die Spree und unterhielten sich mit den Einwohnern auf deutscher Seite ...

Interessant z.B. auch, dass die Genossen trotz Geschwätz über brüderlich verbundene sozialistische Länder in den 50er Jahren meinten, alles was zu nahe an der Grenze war, vernichten zu müssen.
So traf es auch einen Teil von Dolní Grund, das man wegen des deutschen Namensteils nach 1949 in Dolní Žleb umbenannte : [www.zanikleobce.cz]

von wxdf - am 06.06.2016 06:03

Re: An der Grenze ...

Hallo Helmut,

neulich in der Elbe-Labe-Nationalparkbahn war eine Dresdner Eisenbanergruppe auf Ausflug. Und da erzählte jemand, daß irgendein pensionierter Kollege im letzten Niedergrunder Haus vor der Grenze aufgewachsen sei. Ob damit das heute oder damals letzte Haus gemeint war?

Ahoj

von AAW - am 10.06.2016 21:12
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