Was hat es damit auf sich? 27 Kanus stehen in Reih' und Glied an der Teufelswand ...

Startbeitrag von AAW am 22.08.2016 22:22

Ahoj zusammen,

solcherlei Fragen dürften dem einen oder anderen durch den Kopf gegangen sein, der zuletzt im Moldautale herumgeisterte. Ich tat dies am Sonntag und muß saen so viele schmunzelnde Menschen (Bahnpersonal, Zugfotografen, Fahrgäste oder anderweitig zufällig Anwesende) habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Wer da eine (oder 27) gepaddelt bekommen hat, später in diesem Beitrag.

Was war geschehen:
Da finden doch tatsächlich Sportwettkämpfe zum Abschluß der XXXI. Olympiade der Neuzeit im südamerikanischen Teil Tschechiens statt. Genauer gesagt, eine Art Freizeit-Hobby-Olympiade für hier Gebliebene . Auserkoren hatte das tschech. Olympische Komitee Rio Labios (tschech. Řeka Lipno), einen Stadtteil von Ledná Řeka. Irgendwelche spanischen Kolonialisten haben diese in Rio de Janeiro umbenannt. Unerhört! ;-)

Und wie es sich in Böhmisch-Amerika (hier Südameriböhmen) gehört gab es Zusatzverkehr auf Stahlrädern. Die Besonderheit: die moldauabwärts wasserbewegten Kanus inkl. ihrer Kanuten fahren bergwärts im Zug mit. Die Tschechische Bahn setzte dazu Gepäckwagen in den Zügen ein, welche am Wochenende nachmittags halbstündlich zwischen Rio Labios und Vado Grande Monasterio verkehrten. Und deren Kapazität reichte selbst am nicht gerade mit gutem Wetter gespickten letzten Betriebssonntag dieser Bootszüge aus, so daß auch in den Einstiegsbereichen des ebenso eingereihten Doppelstockwagens die Kanus gestapelt wurden.

Bespannt wurden die Bootszüge mit Bügeleisen im Sendvič. Die Züge waren zum Teil durchgebunden bis Budweis. Früh nach der Bereitstellung ebenda wurde der 1. Zug erstmal ordentlich „polnisch“ durchgefegt und gewischt. Polnisch, weil ich die Entsorgung von Schmutz und Staub über die Türen ins Gleis bis dato nur bei den Woodstockzügen in Krzyż beobachten konnte. Der erste Zug sollte der „Vorzeigezug“ werden. Altblaues Bügeleisen mit neuem Lokschild an den neublauen D und die Najbrt-Variante an den neufarbenen Bm(t)o. Der andere Zug für den Paddlerverkehr hingegen war dahingegen ein "Traditionszug" aus zwei altblauen Bügeleisen mit verranzten Lokschildern, einem altfarbenen Zweistöckigem und ein D, der (zwar übermalt) auch noch das S zwischen den Initialen der ČD trug.

Das Wetter begrüßte ich morgens in Tábor, wo ich nächtigte (Budweis war kurzfristig ausgebucht) mit Platzregen. Das kann ja heiter werden, dachte ich bei mir. Dort stand übrigens die eine Blitzbrille mit kurzem Wagenzug. Wird auf der 220 also noch gedieselt? Die andere Blitzbrille startete später am Os 1803 von Budweis in den Böhmerwald. Die Bespannung des Zusatzzuges nach Nová Pec war 15' vor Abfahrt, als sich mein Olympiazug in Bewegung setzte, leider noch nicht zugegen. Als "Zusatz"fahrschein für die Olympiazüge und -busse erhielt man ein gelbes Bändchen für den Arm. Wie lange das wohl bei den Paddlern im Wasser überlebt hat?

Aber am Zielort gab es dann nur ab und an wenige Tropfen. Weil es so abgekühlt hatte, bullerte im Wagen übrigens die Heizung mehr als ordentlich. Heizsaison Ende August – das gibt's wohl nur beim Tschechen, oder? Zusammen mit dem verdunstenden Wischwasser und der von außen durch undichte Fenster eindríngenden Flüssigkeit von oben ergab sich Saunafeeling pur. Oben saßen zwei Eisenbahnfotografen und unten eine junge Familie. Erst als in Vyŝŝí Brod dann die ersten Touris „eindrangen“ und alle Fenster aufrissen, legte sich bei mir der Tranmodus aufgrund der Luftverhältnisse im Wagen.

Und nun die Auflösung zum Beitragstitel: Die 27 Kanus warteten natürlich auf dem Bahnsteig des Hp Čertová Stená auf ihre zugige Beförderung talaufwärts. Und im Anblick der Massen an Kanus inkl. ihrer Herrchen (selten auch Frauchen) stellte sich den Beobachtern der Szenerie eine Art Grinsen im Gesicht ein, wie man es so geballt selten sieht. Entgegen meiner sonstigen Bodenhaftung trieb dieser Anblick mich dazu, für ein Foto einen Masten ein stückweit zu besteigen. Leider war sein grüner Antlitz nicht „abriebfest“. Zum Glück konnte an einem nahegelegenen, klaren Nebenbach der Moldau Sofortabhilfe geleistet und die Rückstände auf der Kleidung feucht abgerieben werden.

Und wieviele dieser Böötchen passen in den 2-Wagenzug? Ich denke in der Spitze waren sicher über 50 Kanus auf den Gepäck- und Doppelstockwagen verteilt im Zug. An einigen Wagen prangte auch der ensprechende Kanuten-Aufkleber. Übrigens auch an einem der Drückbeknopften Wagen des „Talpendels“ nach Rybnik ... ;-)

Und die Rückfahrt (bis Prag) antretend dachte ich schon man will mich ärgern. Der Doppelte-Dostozug („Talpendel“) stand nicht am Bahnsteig. Achso, da kommt noch ein Zug aus Budweis. Welche Lok da wohl dran hängt? Oh Schreck: Eine Tupper ohne Lok kam eingefahren. Diese kehrte zum Glück posthum als Sv zurück nach Rybnik. Aufatmen und die Fahrt im aufgehübschten Dosto (mit den Paddleraufklebern) genießen.

Weitere Reisetipps (u.a. tariflicher Natur) dann ggf. in einem gesonderten Beitrag ...

Wer bis hierhin durchgehalten hat, sei gegrüßt mit einem „Ahoj!“

Paddel frei,
AAW

Antworten:

Re: Was hat es damit auf sich? 27 Kanus ...

Zitat
AAW
Wer bis hierhin durchgehalten hat, sei gegrüßt mit einem „Ahoj!“


Ebenso Ahoj und Paddelfrei!
Und gern weitere solch launigen Beiträge von Dir. Egal ob mit oder ohne Bilder...

Schöne Grüße (heute noch aus Sachsen, übermorgen schon aus Südböhmen. Dann aber ohne Olympiazüge - leider...)

von Niels K. - am 23.08.2016 15:05

Re: Was hat es damit auf sich? 27 Kanus ...

Ahoj Niels,

dieses WE steht bei mir Südmähren auf dem Plan (morgen Jemnicka draha, die beiden Tage darauf Brünn).

Mal sehen, ob ich das Nichtvorhandensein des Wischomats großartig bemerke (Wasserschaden und der alte Drahtlosfernsprecher hält nur einen Bruchteil an Nummern etc. bereit ;-)) ...

Ahoj

von AAW - am 26.08.2016 16:12
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