Der holprige Weg zur gültigen Sommerfahrkarte

Startbeitrag von AAW am 03.09.2016 18:44

Dobrý den,

(wenn's mal nicht so ganz glatt geht, dann aber richtig ...)

Wir schreiben den 20.08.2016, 13:21 Uhr. Ein Fahrschein entfleucht dem Duckgerät im hl. n. zu Děčín. Ich halte eine Jizdenka na léto gültig bis zum 31.8. in den Händen. Noch glaube ich, die letzten beiden (für mich verlängerten) Augustwochenenden unbeschwert in tschechischen Zügen verweilen zu, ohne mir Gedanken über Fahrscheine machen zu müssen. Noch ...

Das erste der beiden Wochenenden geht es nach Südböhmen, um die Woche darauf dann nach Südmähren unsicher zu machen. Kurzfristig war Budweis komplett ausgebucht, daher nächtigte ich in Tábor, bevor es am nächsten Morgen zu den olympischen Paddelzügen gehen sollte. Es ist Sonnabend, wie ich sehe gibt es Sonderzüge zum Tetschener Hafen auf der anderen Elbseite. Hätte ich wohl eher aufstehen sollen ...

Der junge Schaffner (nur echt mit Azubi-Binde) malt ohne zu Murren seinen Stempel mit Kugelschreiber auf die Sommerfahrkarte. Generell fahren auf der Strecke viele Azubis. Das war schon das 3. oder 4. Mal innerhalb vlt. eines halben Jahres, daß mir ein solcher auf der Strecke begegnet ist. Da dauert es schon mal etwas länger, bis die Kontrolle durch den Zug ist.

Aber im nächsten Zug zum Zwischenstopp in Čerčany dann die Überraschung. Da wurde mir doch glatt eine Fahrkarte mit Inkarta-Ermäßigung verkauft. Da hat die Bedienung wohl vergessen erneut den als Standard eíngestellten Rabatt herauszunehmen, als ich mokierte, doch bitte die volle Ausgabe à 14 Tage (wegen des endenden August nur 12 Tage gültig) statt der einwöchigen Variante beziehen zu wollen. Da ich ausnahmsweise den Zuschlag für bargeldlosen Auslandskauf „in Anspruch“ zu nehmen bereit war und per Karte zahlte, fiel mir das Malheur leider nicht auf. Der Rychlík nach Prag sollte ja schon 3' nach Fahrscheindruck abfahren – und die Pokladna versteckt sich ja nun schon länger (nicht nur in Bodenbach) am Ende des Korridors ...

Der Schaffner ließ es bei einem Hinweis der Fahrschein sei „spatný“ gut sein und ich wendete mich an die Kasse am Zwischenziel. Dort verstand man mein Anliegen, telefonierte herum (sowohl die Dame vor, als auch ihre Kollegin nach Ablöse) und holte noch einen etwas englisch sprechenden Schaffner hinzu. Ich wollte schon eine neue Sommerfahrkarte zum korrekten Preis nachlösen und die falsche Karte einschicken – vielleicht zahlt man die günstigere dann auch wieder aus.

Mehrausgaben? Das wäre aber gegen die Ehre der tschechischen Eisenbahner gewesen. Irgendwie schien es den Anwesenden unangenehm zu sein, daß man einem ausländischen Gast einen falschen Fahrschein verkauft hatte. Ich solle doch eine IN25 Start für 3 Monate zu 190 Kč dazu kaufen, dann wäre der Preis derselbe. Aber woher zum Sonnabendnachmittag ein Paßbild o.ä. nehmen? Ich solle doch im ČD Centrum zu Tábor meinen Ausweis fotokopieren lassen, so der Ratschlag ...

Bis dorthin wußten dann alle noch anzutreffenden Schaffner von dem „Vorgang“ bescheid. Der vom nächsten Os wurde vom engagierten Schaffner vor Ort direkt informiert, die Schaffnerin des Schnellzugs ward wohl fernmündlich instruiert. Die Schalterdame in Tábor war auch im Bilde, konnte mir aber nur mitteilen, daß das ČD Centrum schon geschlossen sei. Eine im Hostel erstellte Ausweiskopie wollte sie später indes nicht zum Inkartakauf akzeptieren. Auch am nächsten Morgen im ČD Centrum zu Budweis, bestand man (genauer gesagt zwei Schalterdamen und der junge wiederum Englisch sprechende Herr am Infoschalter) auf ein Originalfoto und wollte mich in irgendeinen Tesco am Stadtrand mit „Fotomaschinka“ schicken. Aber ich hatte ja eh schon eine südmährische Netzfahrkarte erworben – man will ja nicht „grau“ umherfahren ...

Den nächsten Tag kennt ihr schon aus dem Bericht über die Paddler an der Teufelswand ...

Die darauffolgende Nacht verbrachte ich in einer etwas besseren Unterkunft als üblich in der hl. m. Praha. „Spätbucherschnäpchen“ sei Dank. Und es gab sogar Ausblick auf alle Straßenbahnen von/zum Vozovna Žižkov + li. 16 (wegen T3M). So konnte ich früh noch vor dem Aufstehen sehen, welche Kurse „beschildert“ daherkommen. Leider neben li. 1+9 nur 1x Linie 5. Später sah ich noch ein unfotogenes Doppel auf der 3, daß demnach schon vor 5 Uhr ausgerückt war. Danach hatte ich mir den Wecker zu jedem Kandidaten gestellt. Auffällig waren neben den Geräuschen von Lüftern, Beschleunigern und Thyristoren auch die unangenehmen Begleiterscheinungen der sich immer noch vermehrenden „Klapperschlangen“. Nach spätem Frühstück war leider mehr Wolke als Blau am Firmament zu sehen. Naja, ein paar nette Bilder sind entstanden: Z.B. zum letzten Mal Schilderwagen auf der 5 (u.a. bei den ÚD DP) oder das letzte T3M-Schilderduo ...

Am folgenden Freitag abends in Děčín setzte ich dann zum Erwerb der IN Start an. Foto hatte ich dabei. Nein, daß könne sie nicht aktzeptieren, das sei zu groß. (Déja-Vu: Bei einem Versuch eine Inkarta zu erwerben einige Jahre zuvor war das Foto zu klein und ich mußte unerledigter Dinge von dannen ziehen und es später mit größerem Bild nochmal probieren.) Meine Bitte, doch einfach ringsherum was abzuschneiden, wurde mit dem (laut Reiseberichten in einem verwandten Forum) in einem anderen Land wohl gängigem Auf-und-ab der Schultern quittiert und der Ansage, daß die Leute hinter mir jetzt an der Reihe seien. Manchmal kommt es mir so vor, daß man genau in diesem einen Bahnhof eine gewisse abweisende Haltung gegen Leute von jenseits der Grenze hegt, die mir in anderen Bf noch nie untergekommen ist.

Nun gut, dann eben 400 km von der Kilometerbank abziehen lassen. An diesem Abend kommt vor Prag auch im internationalen Paradenachtzug der MÁV/ČD eine Azubinka zur Fahrscheinkontrolle: KMB, wie wurde mir das beigebracht? Muß ich dieses und jenes beachten. Aber bevor sie ihre Eintragungen begann, stolperte sie darüber, daß bei den letzten beiden Fahrten die nun überflüssigen Kilometeraufkleber vorn nicht entfernt wurden. Ob ich einverstanden sei, daß sie diesen, diesen, ... und diesen Aufkleber entnähme? Na klar (die gehen mir als Kunden irgendwo hinten vorbei, dachte ich so bei mir). Und schwupp-die-wupp, vollbracht. Meine erste(?) Abbuchung von der Kilometerbank, juchhu! (oder so etwas in der Art wird sie wohl gedacht haben)
(Ob sie dazu ihre Popka als Taschenrechner benutzte, weil sie so viel arauf herumgetippt hatte? 400 abzihen ist ganz schön schwer ... ;))

Nächster Versuch in Břeclav, nachdem ich erst nach Abschluß der Wagenumstellung ausgestiegen war: Foto kein Problem – ohne zu fragen, wurde die Schere gezückt und zurechtgeschnippelt. Aber das schon auf der Fahrt nach Deutschland zurück vor einigen Tagen ausgefüllte Antragsformular müsse ich nochmal ausfüllen, die Telefonnummer könne man nicht lesen! (da hatte ich mich verschrieben und extra dick drübergemalt ;)) Und nach in paar Minuten hatte ich meine vorläufige IN 25 Start in Händen – Schweißperlen von der Stirn wisch. (+)

Jippieh! Fast eine Woche nach Kauf der Sommerfahrkarte (also genauer gesagt ca. 159 h :)) ist diese nun gültig. Der Seelenfrieden eines passionierten Eisenbahnreisenden ist wieder hergestellt!

Und die Moral von der Geschicht: Prüfe deinen Fahrschein sofort nach dem Kauf, ob er für dich gültig ist!
(Und führe für den Notfall ein Paßbild bei dir ... ;))

Es grüßt
AAW

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