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Forum zu den Eisenbahnen in Tschechien
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7
Erster Beitrag:
vor 8 Monaten, 2 Wochen
Letzter Beitrag:
vor 8 Monaten, 2 Wochen
Beteiligte Autoren:
wxdf, awp, schumlau, Strojmistr, Niels K., Joachim Piephans

Firma plant Reisezüge mit Bildschirmen anstelle der Fenster

Startbeitrag von Joachim Piephans am 30.01.2017 13:53

[ekonomika.idnes.cz]

Die tschechische Firma UniControls rüstet im Rahmen der Rekonstruktion Reisezugwagen der Tschechischen Eisenbahnen mit Fahrgastinformationssystemen aus (Bildschirme an den Stirnseiten). Nun plant man Größeres: im Zusammenwirken mit einem chinesischen Konzern will man Bildschirmsysteme entwickeln, die an den Seitenwänden anstelle der Fenster Informationen vermitteln sollen. Auf der Fotostrecke dazu sind auch Filme der durchfahrenen Landschaften zu erkennen ... Ein Argument contra Fenster, pro Bildschirm: es sei teuer, Öffnungen in Fahrzeughüllen zu schneiden, Fenster zu bauen und in die Öffnungen einzubauen. "Fahrende Röhren" mit digitaler Information statt direktem Ausblick seien also wirtschaftlicher.

Im k-report wird schon gelästert, daß diese Idee eine neue Chance für die M27-Kisten der JHMD sei ...

Im Vergleich der "Windows"-Idee zum Design der "Haschischkisten" frage ich mich, in welcher der kreativen Firmen Tschechiens wohl das stärkere Gras geraucht wird. :cool:


Kopfschüttelnde Grüße,
Joachim

Antworten:

Zitat
Joachim Piephans
Im Vergleich der "Windows"-Idee zum Design der "Haschischkisten" frage ich mich, in welcher der kreativen Firmen Tschechiens wohl das stärkere Gras geraucht wird. :cool:

Kopfschüttelnde Grüße,
Joachim


Joachim, sind wir froh einer Generation anzugehören, die noch über solche Ideen den Kopf schüttelt!

So sich die Menschheit nicht in den nächsten fünfzig Jahren bereits auf kriegerischem Wege selbst abschafft wird sie ganz bestimmt nur noch mit solch aus heutiger Sicht hirnrissigen Ideen "durchs Leben gehen". Oder hättest Du vor zwanzig Jahren daran geglaubt, daß einmal Menschen mit ständig gesenktem Blick durchs Leben rasen, nur um keinesfalls den nächsten Pups aus irgend einem der sogenannten sozialen Netzwerke zu verpassen? Diese Netzwerke, die die Menschen immer unsozialer werden lassen.

Dass diese "Fensteridee" nun auch in Tschechien Fuß fasst wundert mich nicht. Einzig verwundert mich der Abstand, in dem sie dem Auftauchen dieser Idee in Deutschland folgt. Die Tschechen sind also (leider) drauf und dran diesen Abstand der gesellschaftlichen Fehlentwicklungen im Vergleich mit Deutschland immer weiter zu verringern.

Nutzen wir also noch jede Minute und jeden der immer weniger werdenden Züge, aus denen man ganz real und ohne Werbeeinblendungen heraus schauen kann! Wer weiß wie lange es sie noch gibt?
In diesem Sinne: Šťastnou cesta vlakem!

von Niels K. - am 30.01.2017 16:37
Hallo,

der Unsinn wird auch in Tschechien weiter Fuß fassen und überhand nehmen. Und damit einhergehend die Volksverdummung auch dort fortschreiten.

Andererseits: wenn man in Hochgeschwindigkeitszügen an kilometerlangen Schallschutzwänden vorbei brettert - da gibt´s auch nichts (mehr) zu sehen. Und so relativiert sich die Bildschirmlösung wieder. Da kommt doch schön das heutige Wirtschaftsmodell zum tragen: die Wände lasse ich mir von der EU finanzieren - kosten mich also nix oder wenig. Und wenn ich den Reisenden dafür Bildschirme als "Alternative" hinhänge, kann ich noch Werbeeinnahmen verbuchen. So wird heute Gewinn gemacht.

Gruß
Michael

von Strojmistr - am 30.01.2017 17:16

Da beschäftigt man sich noch mit viel größerem Unsinn :

Es gibt noch nicht einmal Hochgeschwindigkeitsstrecken und 160 km/h kann man auch noch nicht überall fahren, aber man denkt schon über so was nach : [ekonomika.idnes.cz]

von wxdf - am 30.01.2017 17:59

Bildschirme anstelle der Fenster

Es ist aber so, jegliche Lust zum Herausschauen, bzw. die Möglichkeit an sich, wird durch die Betonwände genommen. Als ich von Prag auf der 170 nach Eger zurückfuhr – ich sah weitgehend nichts mehr außer einer senkrechten Betonfahrbahn. Da wendet man sich mit Grausen ab.

Und ich haue noch einen drauf: man achte mal, mit welchem Bedacht in unseliger Zeit (heute ist ja der 30. Jänner) die Autobahnen in die Landschaften geschmiegt worden sind. Eine Fahrt auf der A72 nach Z in die Druckerei wird so - mit Blick über das Erzgebirgsvorland bis hin zum Fichtelberg - zu einem Fest der Sinne, der Entspannung vor einem Arbeitstag.

Entschleunigung heißt mein Gebot.

Glückauf!

von awp - am 30.01.2017 18:06
Naja, neue Gedanken sind das nicht. Zumindest in Westeuropa und/oder USA, Japan muss man solche Planspiele in den 70er Jahren - vielleicht auch schon etwas früher - diskutiert haben - unter Verkehrspsycho-Leuten, Eisenbahnplanern und Fahrzeugentwicklern. Ausgangspunkt waren tatsächlich perspektivisch entstehende Neubaunetze mit Hochgeschwindigkeit, langen Tunnelstrecken oder Einschnitten, wo dem Fahrgast zunehmend die Möglichkeit des Landschaftseindrucks abhanden kommen würde. Für diese Fälle sollten dem Fahrgast per Filmvorführung via Fernsehgerät die nicht zu sehende, aber irgendwo vorbeiflutende Landschaft nahe gebracht werden. Also, man dachte daran dem Fahrgast das zu zeigen, was ihm aus technischen Gründen vorenthalten sein könnte und nicht den heute üblichen Käse zur Zerstreuung, Verdummung oder Werbung.

von schumlau - am 30.01.2017 20:05

... und mit der Hochgeschwindigkeitsstrecke Dresden - Prag geht es auch nicht voran

[ekonomika.idnes.cz]

Das traditionelle tschechische Projektierungsbüro SUDOP hatte mit einem inzwischen abgewiesenen Einspruch für Verzögerungen gesorgt und nun traut sich die SŽDC gleich nicht mehr, eine Firma für eine Machbarkeitsstudie auszuwählen.
Nach dem auch bei uns bekannten Spruch "Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründe ich einen Arbeitskreis" soll nun eine Kommission untersuchen, warum es mit der Planung nicht voran geht und der SŽDC-Chef soll nächste Woche beim Ministerpräsidenten antanzen und dazu Stellung nehmen.

von wxdf - am 04.02.2017 16:40
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