Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Forum zu den Eisenbahnen in Tschechien
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 2 Monaten, 3 Wochen
Letzter Beitrag:
vor 2 Monaten, 3 Wochen
Beteiligte Autoren:
Joachim Piephans, Niels K., Martin L., Strojmistr, Sören Heise, awp

Radio Prag ...

Startbeitrag von awp am 22.07.2017 12:19

... mit einem Lesetip zur Geschichte der Eisenbahn in der Ersten Republik.

Glückauf!

Antworten:

Guten Morgen,

ein hochinteressanter Link, besten Dank. Die erwähnte Doktorarbeit ist auf Englisch, [discovery.ucl.ac.uk] öffnet das PDF mit 300 Seiten.

Viele Grüße
Sören

von Sören Heise - am 23.07.2017 06:50

Der "völkische Bahnhof im Heimatstil" (m3B)

Hallo AW, auch von mir ein herzliches Dankschön für diesen Lesetipp jenseits der sonst üblichen Beiträge.
Radio Prag ist immer gut für etwas tiefgründigere Sendungen.

Ich frage mich, ob die auf dem Schwarz-Weiß-Foto zu sehende Brücke an der Strecke Handlová - Horná Štubňa eventuell diese hier sein könnte: [mapy.cz] ?


Und hier noch drei Bilder aus dem Bahnhof im völkischen Heimatstil:


Uherské Hradište / Ungarisch Hradisch / Magyarhradis am Abend des 18.V.2017. Zu unserer Ankunft stand die Sonne schon elend tief,
aber ein Feierabend-Foto mußte noch sein. Bevor es auf eine ziemlich lange Suche nach Abend- und Flüssig-Brot ging...
Ob die Hochhäuser im Hintergrund auch in einem Stil oder gar stillos sind mag ein Jeder selbst beurteilen... ;)



Volles Haus in U.H. hieß es am nächsten Morgen. Was dort auf vier Gleisen für ein Programm abgespult wird ist schon beeindruckend. Verstärken, Köpfen, Schwächen, Flügeln, alles mit dabei...

Aus der "Vogelperspektive"* sieht das dann so aus:


* In Wirklichkeit war das übrigens der frühmorgendliche Blick aus dem Pensionszimmer. [www.nastavidle.cz] [mapy.cz]

von Niels K. - am 23.07.2017 13:11

"Mezinárodní spoje ČSR" 1937/38 in kleiner Auswahl (m. 6 B.)

Verehrte Freunde,

vielen Dank an awp für den Hinweis auf den Radiobeitrag und auf die Dissertation samt Link an Sören! Es war ja durchaus bekannt, daß die junge Republik dringend weiterer, neuer Verbindungen zwischen den zwei (drei) so ungleichen Teilen (aus verschiedener, nämlich k.k. und m.k. Herkunft resultierend) bedurfte und diese auch schuf. Daß mit den verkehrsgeographischen Notwendigkeiten auch eine handfeste Integrationspolitik Hand in Hand ging, dafür bietet Jeschkes Arbeit nun einen ausführlichen Beweis. Also das verstaubte Englisch hervorkramen und lesen ...

Der "Slowakische Pfeil" bildet einen Hauptpfeiler der Thesen von Jeschke, und er führt auch die aufwendige Werbebroschüre Mezinárodní spoje ČSR an, die auf dem Titel der 1937/38er Ausgabe gleich beide Exemplare 001 und 002 des M290, des "Pfeils", trägt. Ich konnte letztes Jahr ein Exemplar der Broschüre (unter mittelschweren finanziellen Bauchschmerzen) erwerben. Weil die Dissertation nur den Titel klein abdruckt, hier ein paar Auszüge. Ich habe ausnahmsweise eine 1024er Breite als Ansicht gewählt, um auch Inhaltliches erkennbar zu lassen:




Im 4°-Format gedruckt, dient die 114-seitige Broschüre der Werbung für das Land, für Reisen nach der "Čechoslovakischen Republik". Der Titel bietet das Modernste auf, was die ČSD vorzuweisen hatten: die beiden (einzigen) Exemplare der Reihe M290, wohl anläßlich einer Präsentation im Herstellungsjahr 1936 aufgenommen.




Rudolf Bechyně (6.4.1881 Nymburk – 1.1.1948 Prag) war Sozialdemokrat und Eisenbahnminister in der Ersten Republik 1925/26 und von 1932 bis 1938. Bis 1941 gehörte er auch der Exilregierung in London an. Sein Vorwort ist auf der folgenden Seite auch in deutsch, französisch und englisch abgedruckt:
"Das Eisenbahnministerium will durch diese Publikation auf die čechoslovakischen Staatsbahnen als auf ein angenehmes, billiges und rasches Verkehrsmittel aufmerksam machen und will gleichzeitig die in- und ausländische Öffentlichkeit über die Schönheiten, den Reichtum und das Leben der gereiften demokratischen Čechoslovakischen Republik übersichtlich informieren. Die Čechoslovakei ist ein Staat mit großen touristischen und Erholungsmöglichkeiten, die von der Welt bisher nicht voll gewertet und erkannt worden sind. Ein Kranz schöner Berge und Bergriesen, Urwälder, Forste und Haine, fruchtbare Ebenen, urwüchsige Dörfer, altehrwürdige Städte, Burgen und Schlösser, reizende Sommerfrischen und Badeorte mit Heilwässern, alte und moderne Architektur, eine reiche Geschichte, ein lebendiges Volkstum und ein frisches, modernes Leben - das alles ist die Čechoslovakei, die die Tradition der Vergangenheit mit der reichen Fülle des Heute glücklich vereinigt. Und inmitten dieses Ganzen verkehren die Züge auf dem dichten Netz der Eisenbahnen. Sie dröhnen durch die Finsternis der Gebirgstunnels, sie winden sich durch das grüne Dämmerlicht der Wälder und sausen durch die von der Sonne vergoldeten Ebenen. Sie klimmen empor in die Berge auf zahlreichen Serpentinen, über kühne Brücken und Viadukte, welche Flüsse und tiefe Täler überqueren, sie verbinden lebhafte Städte mit verlassenen Dörfchen, und dort, wohin sie bisher noch nicht gelangt sind, werden sie durch die zweckmäßig gewählten Linien der staatlichen Autobusse ergänzt.
Die Čechoslovakei ist heute den Touristen der ganzen Welt zugänglich, die sich bei uns in Ruhe und vollkommener Freiheit ausruhen und hier ihren Urlaub verbringen können. Unsere Staatsbahnen sorgen dafür, daß jeder bequem, sicher und billig unser schönes Vaterland kennenlernen kann."


Dem stimmen wir, acht Jahrzehnte später und trotz der erfolgten Teilungen des damaligen čs. Gebietes, doch auch heute noch zu!




Schema der umsteigefreien Verbindungen (Direktzüge oder Kurswagen) mit der ČSR.




Ein Beispiel für die Seiten der Fahrpläne von Direktverbindungen, angereichert mit werbenden Photographien für das Land.




Weiteres Beispiel dafür.




Und als Leckerbissen zum Schluß: ganzseitige Anzeige von Českomoravská-Kolben-Daněk, unter deren Signum ČKD zwei, drei Jahrzehnte später die uns so begeisternden Dieselschönheiten entstanden. Die Firma war in langer Geschichte aus der První Českomoravská továrna na stroje v Praze / Ersten Böhmisch-Mährischen Maschinenfabrik, Prag (BMMF), der 1896 von Emil Kolben in Wysotschan gegründeten Kolben a spol. und der auf Čeněk Daněk zurückgehenden Akciová společnost strojírny, dříve Breitfeld, Daněk i spol in Slany fusioniert. Die Werbung verweist auf die wohl auch bei den ČSD in den Dreißiger Jahren erfolgte, konsequente Ausrüstung der Hauptbahnen mit Vorsignalen im verlängerten - den erhöhten Geschwindigkeiten angepaßten - Bremswegabstand. Und zeigt dynamisch eine Maschine der damals noch in Auslieferung befindlichen Reihe 464.0, die in 76 Exemplaren gebaute 2'D2' h2t.



Wir freuen uns heute, wenn wir in die Tschechische Republik, in die Slowakei oder in den Zakarpatskaja Oblast der Ukraine reisen, genießen die Schönheiten dort. Daß dies einmal ein gemeinsamer Staat war, in dem vieles entstand, was uns heute freut, ist immer wieder einmal des Wachrufens wert. Danke also dem Autor der Dissertation, Felix Jeschke, danke an Radio Prag und den Hinweis darauf, und ein Dank denen, die diese wunderschöne Broschüre von damals nicht weggeworfen haben.
Wenn auch das fantastische Plakat zum "Slovenská strela" einmal im Original auftauchen und angeboten würde ...


Grüße zum Sonntagabend,
Joachim

von Joachim Piephans - am 23.07.2017 17:07

Re: "Mezinárodní spoje ČSR" 1937/38

Zitat
Joachim Piephans
Wenn auch das fantastische Plakat zum "Slovenská strela" einmal im Original auftauchen und angeboten würde


Hallo Joachim,

also im Original würde es Dir vermutlich noch viel ärgere "Bauchschmerzen" bescheren. Da möchte ich nicht Dein Doktor sein.
Aber schau mal hier: https://goo.gl! Vielleicht der erste Schritt hin zu einem dekorativen Nachdruck zur Ausschmückung der Schreibstube?

Ansonsten auch Dir Dank für diese blitzschnelle Reaktion auf den von AW empfohlenen Beitrag.
Wo nehmt ihr diesen riesigen historischen Wissensstand so schnell abrufbar her? Meine "Festplatte" ist bei diesen Themen immer ein wenig defragmentiert... :-(

Dafür gleich hier noch ein kleiner "pfeilschneller" Reisehinweis: [tipynacestu.cd.cz] (Zu öffnen mit einem PDF-Betrachter!) Gewiße Ähnlichkeiten der Fahrzeuge sind bestimmt nicht zufällig.

Sonnige Grüße (trotz Unwetterwarnungen) aus Oschatz.
Ab morgen geht es dann mit der sommerlichen Fahrkarte u.a. kreuz und quer durchs (böhmische) Paradies...

von Niels K. - am 23.07.2017 17:33

Interessantes Thema

Vielen Dank Allen für dieses Thema und die vielen interessanten Ergänzungen. Plakat ist schon mal gespeichert, behutsam restauriert und auf Druckgröße gebracht. Wenn´s klappt werde ich morgen mal ein Testdruck machen.

von Strojmistr - am 23.07.2017 19:08

Re: "Mezinárodní spoje ČSR" 1937/38 in kleiner Auswahl (m. 6 B.)

Guten Abend zusammen,

habe mir das in Joachims Beitrag wiedergegebe Vorwort des Eisenbahnministers Rudolf Bechyně mal auf der Zunge zergehen lassen.

Was würde ich mir wünschen, dass ein heutiger (Eisenbahn) Verkehrsminister in Deutschland mal solche Worte im Sinne des Verkehrsmittels Eisenbahn in Umlauf bringen würde.
Heute habe ich den Eindruck, das durchaus auch von der Politik geschürt, die Vorzüge der Eisenbahn in der Öffentlichkeit gar nicht mehr in das Bewusstsein der Bürger vordringen. Diejenigen, welche mit der Bahn fahren (müssen), könnten Bücher über unpünktliche Züge, verpasste Anschlüsse, teure Fahrkarten und sonstige Unannehmlichkeiten schreiben, die, die sowieso nur Auto fahren (müssen), sehen die Bahn als unnötiges kostenverursachendes Relikt früherer Zeiten.

Der Ruf der Bahn in Deutschland ist m.M. nach derzeit in einem Maße ruiniert, wo ich mir nicht sicher bin, es zu noch erleben, dass sich dieser Ruf wieder bessert.
Und der Ruf ist ja nicht mal zu Unrecht so schlecht, ich erlebe es ja fast täglich. Heute würde ich es als der Eisenbahn zugewandter Mensch gar nicht mehr mit gutem Gewissen einem bisherigen nicht Bahnfahrer empfehlen, auch einmal den Zug zu benutzen. Denn gerade dann geht dabei dann bestimmt etwas schief.

Leider ist es wohl nur Wunschdenken, dass die Position des Verkehrsministers in diesem unseren Land mal von einem der Eisenbahn wohlgesonnen, fachkompetenten und durchsetzungsfähigen Menschen bekleidet würde, der nicht vor den Lobbyisten der Autoindustrie einknickt. Wobei, ein Minister alleine würde da wohl auch nichts ausrichten, wenn sich die Lobbygesteuerte Politik im allgemeinen nicht ändert.

So, bin jetzt aber doch ein wenig vom eigentlichen Themenbereich unseres Forums abgewichen, deshalb ist jetzt auch gut mit Lamentieren.

Habt dank für die interessanten Verlinkungen und Kopien aus der Werbebroschüre.
Für die 300 Seiten in englischer Sprache reichen meine reichlich verschütt gegangenen Schulenglischkenntnisse leider wohl nicht aus, trotzdem Danke.


Zitat
Joachim Piephans
Dem stimmen wir, acht Jahrzehnte später und trotz der erfolgten Teilungen des damaligen čs. Gebietes, doch auch heute noch zu!


Aber sicher doch!


Schöne Grüße, Martin

von Martin L. - am 23.07.2017 19:26

Slovenská strela >> Stříbrný šíp

Zitat
Niels K.
Gewiße Ähnlichkeiten der Fahrzeuge sind bestimmt nicht zufällig.


Gewiß nicht. Der Stříbrný šíp M260.001 (ČKD) beruhte auf den Erfahrungen mit den beiden M290 (Tatra). Er wäre vielleicht der Beginn einer ganzen Serie geworden. Doch über Testfahrten kam er nicht hinaus, Das Baujahr 1939 sprich hier für sich. Die ČMD-BMB dienten unter dem Protektorat fremden Herren und anderen Zwecken als schnellen Tagesverbindungen. Nach dem Krieg wurde der Wagen zu Sonderfahrten herangezogen, **soll** lt. Wikipedia auch Dienste im Lokalbahnnetz um Straškov verrichtet haben. Doch 1951 war bereits Schluß. Eigentlich kann der Silberpfeil erst jetzt so richtig zeigen, wofür er in der Dämmerung der ČSR erdacht und gebaut wurde.

Gruß,
Joachim

von Joachim Piephans - am 23.07.2017 19:26
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.