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Forum zu den Eisenbahnen in Tschechien
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AAW, extirschenreuther, albatros1965, Joachim Piephans, awp, Niels K., Der Bimmelbahner

[CZ] Zweimal bis ans Äußerste (m12B)

Startbeitrag von Der Bimmelbahner am 17.11.2017 14:21

[CZ] Zweimal bis ans Äußerste (m12B)

Prolog
Eigentlich wollte ich mich am 30. August wieder einmal fotografisch der letzten verbliebenen Zugleistung zwischen Aš město und Hranice v Čechách widmen und dabei bis ans äußerste nordwestliche Ende der Tschechischen Republik gelangen. Schon bei der Anreise war erkennbar, dass ganz viel Schlonz von Westen heranzog und ich eben genau in dieser Richtung fuhr. Laut Wettervorhersage hätte das zwar ein paar Stunden später passieren sollen, aber augenscheinlich war es eben nun schon eher soweit. Am eigentlich angedachten Anlaufpunkt kurz hinter Aš předměstí beim Sportplatz stand ich immer wieder im ziemlichen Hellen und dann auch wieder nur im Halbhellen. Drei Minuten haderte ich noch mit mir und dann gings direkt zum Stadtbahnhof, denn mitgefahren war ich auf diesem Abschnitt bisher auch noch nie. Wenig später betrat der Protagonist pünktlich die Bühne das Ascher Stadtbahnhofs und die Reise konnte beginnen.

Eine Bahnreise im äußersten Nordwesten der Tschechischen Republik


Der Protagonist betritt die Bühne: 814 034 | MOs 17220 (Aš - Hranice v Čechách) | Aš město

Außer mir war noch ein weiterer Reisender im Zug verblieben, der bis zum Endbahnhof mitfuhr, und natürlich Lokführer und Schaffner. Bei letzterem wurde auch die Fahrkarte zu 41 Kronen erworben. Da ich eine Rückfahrkarte nahm, erhielt ich auch noch den Hinweis, dass ich genau mit diesem Zug wieder zurückfahren müsse, wenn es denn heute sein sollte. Wenig später fahren wir schon am Sportplatz vorbei, vielleicht wäre noch Licht gewesen. Wir rumpeln weiter, biegen auf die Gerade am Haltepunkt Štítary ein. Immer wieder rückt auch der Bismarckturm auf dem 758 m hohen Háj, dem Hausberg Aschs, ins Blickfeld.

Der kleine Weiler Štítary - das ist der Bahnsteig dazu


Kurz hinter Štítary lässt sich in Fahrrichtung rechts wieder der Bismarckturm blicken

Überhaupt ist der Bismarckturm einen Großteil der Fahrt treuer Begleiter. Erst nördlich Podhradí ist er nicht mehr zu sehen. Ab eben dort schließen sich einige lange Walddurchfahrten an, nur kurz unterbrochen von der Haltestelle Studánka, direkt am Badeweiher. In Studánka gibt es sogar noch ein Abstellgleis, welches im Güterverkehr nutzbar wäre. Die Betonung liegt natürlich auf wäre. In der nächsten Walddurchfahrt steht ein kleines Knusperknäuschen, deren Bewohner mit dem Zugpersonal Grüße austauschen. Bald darauf verlassen wir den Wald und schweben überpünktlich in am Zielbahnhof ein.

MOs 17220 Aš město 16:19 - 16:42 (-1) Hranice v Čechách
MOs 17221 Hranice v Čechách 17:13 - 17:37 Aš město (-1)



Das stattliche Aufnahmsgebäude von Hranice

Im reichlich bemessenen Empfangsgebäude von Hranice, dessen Größe die vormalige Bedeutung der Strecke spiegelt und gleichzeitig Platz für die Zug-, Zoll- und Grenzabfertigung ließ, werde ich mir nun einen Instantkaffee ziehen und anschließend das Kursbuch 2018 besorgen. Der letzte Satz ist pure Ironie. Kenner wissen, dass das beschriebene Gebäude nie derart groß war und vor kurzem aufgrund Baufälligkeit abgetragen wurde. Als Ersatz wurde aber ein kunstvoller Zweckbau der Moderne geschaffen, der sich zumindest hinsichtlich Robustheit deutlich von deutschen Pendants unterscheidet. Wie auch immer, die Idee mit dem Instantkaffee schied schon mal aus (siehe Bild oberhalb; ich glaube, zumindest in Kraslice bekommt man einen). In den 31 (heute 32) Minuten Standzeit wollte ich mir mal die verbliebenen Bahngebäude anschauen. Vorher lief ich noch paar Meter auf der ehemaligen Strecke Richtung Adorf/Vogtland, die es aber seit 1945 nicht mehr gibt. Kurz hinter dem Bahnhof beschreibt die Strecke eine Rechtskurve und verschwindet dann wieder mal in einer Walddurchfahrt.


Bahnhofsausfahrt Richtung Adorf


Hinter der Kurve im Wald (jetzt wieder Blickrichtung Hranice)

Nun aber zu den sonstigen baulichen Anlagen. Es existiert noch ein Gerippe einer größeren Lagerhalle, zudem auch der ehemalige Güterschuppen, welcher sogar etwas vorgerichtet und mit Videoüberwachung ausgestattet wurde. Es wirkt so als wäre der Schuppen etwas verkürzt und mit einer neuen Lieferrampe versehen worden.


Eine Lagerhalle mit kleinen Belüftungsschlitzen


Der alte Güterschuppen

Bei den Gleisanlagen gibt es neben dem Hauptgleis, ein kurzes Umfahrgleis und ein weiteres kurz Abstell- bzw. Ladegleis. Außer dem Hauptgleis wird keines der anderen beiden Gleise planmäßig benötigt. Das Hauptgleis liegt noch bis zirka auf Höhe des Lagerhallenfragments, wir aber im Normalfall auch nur bis zum Bahnsteig (aus Richtung Aš ) benutzt.


Der Gleisendabschluss in Fahrtrichtung Adorf


Kurz hinter dem Kilometer 15,6 befindet sich der Bahnsteig


814 034 wartet auf Fahrgast(!) | MOs 17221 (Hranice v Čechách - Aš) | Hranice

So sieht es also aus am äußersten nordwestlichen Ende der Tschechischen Republik. Meine Zeit dort war vorbei und ich bestiegt den Zug zur Rückfahrt als einziger Fahrgast - vorerst. Kurz bevor wir wieder im Wald abtauchten, schweift der Blick noch einmal über die beschauliche Landschaft.


Wiesen kurz hinter Hranice

Auf der Rückfahrt nahm ich die Westseite zum Ausguck. Am BÜ kurz vor Podhradí durfte ich einem kleinen Jungen zuwinken, der sich sichtlich über den Zug freute. Kurz darauf wurde etwas abrupt der Zug knapp hinter dem Bahnsteig zum Stehen gebracht um einen weiteren Reisewilligen aufzusammeln. Sonst gab es keine weiteren Ereignisse. In Aš předměstí wurde noch eine Frau aufgenommen, sodass wir nun im Nordabschnitt stellenweise sogar zu dritt im Zug waren. Ob dieser Füllgrad für ein dauerhaftes betreiben dieses Zugpaares und damit dieses Streckenabschnittes ausreicht, ist fraglich. Immerhin scheint aber die Stadt Hranice relativ deutliches Interesse daran zu haben, was sehr positiv zu bewerten ist. In Aš město war meine Fahrt vorbei, wir erreichten den Bahnhof trotz zweimaligen Haltes wiederum leicht verfrüht.

Epilog
Die Sonne gab jetzt noch einmal alles und so wollte ich die Rückleistung zum Stadtbahnhof doch noch fotografieren. Das kleine blaue Loch war schneller entschwunden als gedacht und ich wollte noch etwas Joggen gehen. Vom (heutigen) Horní Paseky gings zuerst auf den 717 m hohen Stráž und auf den alten Turm und dann über den Parkblick (Gasthof) Richtung Bad Brambach bis auf Höhe der Wettinquelle. Die Steigung zurück zum Ausgangspunkt brachte mich dann auch nochmal ganz schön ans Äußerste und so hatte ich auch eine Verschnaufpause kurz vor der Grenze eingelegt, wo es eine kleine Infotafel zum eigentlichen Ort Horní Paseky bzw. Oberreuth gab. Dieser Ort wurde nämlich nach 1945 im Zug der Grenzziehungen erst geräumt und später dann komplett planiert. Der eigentliche Ortskern befand sich ca. 1 km östlich des heutigen Horní Paseky, wo links und rechts des Weges ein kleines Wäldchen ist. (Wer diese Ecke und den Turm auf dem Stráž einmal zu Fuß erkunden will, kann sich z.B. auch den werktäglich dreimal nach Horní Paseky verkehrenden Bus des Stadtverkehrs Aš der Linie 3 zu Nutze machen.)

Vielen Dank für’s Mitkommen auf diese ganz kleine Reise
Tobias alias Der Bimmelbahner

Antworten:

Re: [CZ] Zweimal bis ans Äußerste

Hallo Tobias,

besten Dank für diese "äußerst" lesenswerte Streckenkenntnis.

Du schriebst: "Als Ersatz wurde aber ein kunstvoller Zweckbau der Moderne geschaffen, der sich zumindest hinsichtlich Robustheit deutlich von deutschen Pendants unterscheidet."
Man beachte bei diesem ganz besonders die Mäuselöcher für deren barrierefreien Zugang zum EG. :spos:

von Niels K. - am 17.11.2017 16:25

Re: [CZ] Zweimal bis ans Äußerste

Zitat
Niels K.
Hallo Tobias,

besten Dank für diese "äußerst" lesenswerte Streckenkenntnis.

Du schriebst: "Als Ersatz wurde aber ein kunstvoller Zweckbau der Moderne geschaffen, der sich zumindest hinsichtlich Robustheit deutlich von deutschen Pendants unterscheidet."
Man beachte bei diesem ganz besonders die Mäuselöcher für deren barrierefreien Zugang zum EG. :spos:


Aber Niels, daß sind doch die Abzugslöcher für die Fußgerüche der im Sitzen wartenden Reisenden ... ;)

Ist das Gebäude nicht schon "Postmoderne" (i.S.v. nicht dem modernen "Chic" folgend)? Jedenfalls kommt es ohne sichtbare Glas- und Stahlelemente aus - ganz im Gegensatz zu den in Deutschland üblichen "Buswartehäuschen".

Vlt. könnte man es auch einer Art Mini-Brutalismus zuschreiben, dessen Bezeichnung von frz. Béton brut ("brüh") = roher Beton kommt. Na gut, dann fiele es wieder unter die Moderne. :)

Tobias war an einem Ferienmittwoch da. Da ist die Nachfrage naturgemäß nicht groß. Zumal ja für den lokalen Verkehr hinzu ziemlich parallel bzw. rückzu etwa 30' eher ein Bus fährt.
Ab Fahrplanwechsel soll der Zug - so wie auch das "Ašské kyvadélko" (= Ascher Pendelzug) derzeit schon - unbegleitet fahren ...

Bei meinem letzten Besuch in Hranice vor einigen Jahren (sonntags außerhalb der Ferien) war die (damals noch Ur-)Büchse auf der Rückfahrt jedenfalls kuschelig gefüllt.
Ob sich die Fahrten am Freitag hin und Sonntag zurück weiterhin einer Nachfrage der Wochenendpendler (Schüler, Studenten etc.) erfreut, weiß ich aber nicht ...

Ahoj

PS: Bei der Recherche für meinen Beitrag bin ich über diese Geschichte im Ascher Bahnhof gestolpert, der von einer Flucht mit der Eisenbahn im Jahre 1951 mit einem gekarperten "Zug der Freiheit" berichtet: [epochaplus.cz]

von AAW - am 18.11.2017 11:05

nur für kurze Zeit wieder sichtbar

Servus,

die Frage des lesenden Werktätigen AAW nach reisenden Sonntagskindern hatte ich schon mal thematisiert:

Drück mich


Und dem Bähnchen gar ein ganzes Buch mit vielen Seiten gegönnt. ;)


Glückauf!

von awp - am 18.11.2017 12:18

Re: Stationsgebäude zu Roßbach

Zitat
Der Bimmelbahner


Das stattliche Aufnahmsgebäude von Hranice


Man mechte sich schon fragen, bittascheen, wofür man auf der Grenz' einen zweiteiligen Brutalismus braucht, während man am temporären Prager Kopfbahnhof "Bubny Vltavská" mit dem Minimum des Einteilers auszukommen meint ... :-(


Danke für den kleinen Bericht aus dem wunderlichen Winkel!

Gruß,
Joachim

von Joachim Piephans - am 18.11.2017 17:44

Re: Ist wohl noch so ...

Zitat
awp
Servus,

die Frage des lesenden Werktätigen AAW nach reisenden Sonntagskindern hatte ich schon mal thematisiert:
Drück mich

Und dem Bähnchen gar ein ganzes Buch mit vielen Seiten gegönnt. ;)

Glückauf!


Zdař Bůh!

Und da ich nach Lektüre im hiesigen Forum noch beim Nachbarn vorbeischaute, ward' mir die sonntägliche Auslastung für den Vormonat bestätigt:

Zitat: "Denn bei mir war es am 15.10.2017 810 425 (bei dem ab Hranice alle Sitzplätze belegt waren und bei der Ankunft in Aš platzte die Büchse aus allen Nähten)!"

Glück auf! >> ...

von AAW - am 18.11.2017 22:30

Re: Stationsgebäude zu Roßbach

So sahs wohl früher aus in Rossbach
[upload.wikimedia.org]
Gruss
extirschenreuther

von extirschenreuther - am 19.11.2017 02:42

Am 1. Dezember 2014 war da nur ein Hai

Ahoj,
am 1. Dezember 2014 war ich auf der spätabendlichen Strecke unterwegs. In Hranice war's schon dunkel. Das alte Stationsgebäude war schon weg, das Betonteil noch nicht da. Also wenigstens den Hai festgehalten, der mich und zwei andere Fahrgäste gebracht hatte....



Christian

von albatros1965 - am 19.11.2017 10:44
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