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Forum zu den Eisenbahnen in Tschechien
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nix mehr, HFR

Viiiiiiieeeelllll zum lesen..... Tagesausflug Most, Chomutov, Decin

Startbeitrag von nix mehr am 04.01.2006 20:49

Hallo,

nach 12 Jahren fand sich endlich mal Zeit, drei schon lange auf der Wunschliste zu befahrender Strecken, unter die Räder zu nehmen. 12 Jahre! Warum das? Weil ich bereits 1994 zu aktiven IBSE-Zeiten auch beim Tschechen mit einer systematischen Streckenbereisung beginnen wollte. Der damalige Aufmacher war für mich Protivec – Bochov! Zwar mußte ich dazu das Taxi ab Karlovy Vary bis Bochov benutzen, weil schon damals keine ganztägig vernünftige Zugfahrt ab/bis zu diesem Streckenendpunkt möglich gewesen war. Im Frühsommer 1994 sollte es dann das Netz um Teplice, Most und Litvinov sein. Doch ich hatte damals viel „Glück“. Der Schaffner plärrte in den Triebwagen bei Most-Kopisty „Autobusova... blablabla...“. Na toll! Damit fielen Louka – Litvinov und Louka – Oldrichov aus. Moldava v KH war dagegen genial. Seit 1994 verschwand ich dann immer öfter im Egertal bei den 781... und die Strecken mußten bis heute warten ;-)
Lange Vorrede, kurzer Sinn, hier die Erlebnisse des heutigen Tages:
Die Einreise vom Heimatkaff nach Cheb war um 4.15 Uhr an der „Güst“ Schirnding Landstraße. Das mit dem „schöneren“ Fahrrad sparte ich mir aus. Der PKW ist und bleibt bequemer  Zumal ich mitten in der Nacht dran war, bei leichtem Schneetreiben und –1°C. Wer das kolo dabei bevorzugen möchte, bitte sehr... 
Abfahrt in Cheb war 4.40 Uhr mit Sp 1697, Lok 363 131 zieht, Schlußlok 242 279. Der Train bestand aus 8 Schachteln. Trennung zu gleichen Teilen erfolgt dabei in Karlovy Vary. Die 242 rollt dabei als Osobni retour nach Cheb. Auf einem Stutzen in Cheb stand noch 363 114 umher. So langsam werden sich die Egertaler Stamm-363 heraus kristallisieren. Bei der Abfahrt sehe ich noch DB 234 278, die den R353 aus Frankfurt na Mainuem gebracht hatte. Bis Sokolov kommt mir ein Bunkerzug mit 242 entgegen. Und eine 363 mit drei Güterwagen. Im Rbf Citice gibt es immer noch ein blaues Bügeleisen 210. Warum? Die Kiste war wieder völlig verschneit, also schon lange unbenutzt. Was macht man noch für wichtige Aufgaben in diesem Bahnhof, um das Ding vorhalten zu müssen? In Sokolov döste 771 085. In Nove Sedlo hat der 810 077 den Dient nach Loket. Sichtung Karlovy Vary: 742 294, 810 406. Mein Spesny fährt mit Hurra durch Hájek, und ebenso das Gefälle nach Ostrov hinunter. Was war das zu Dieselzeiten für ein Gezuckel und Gerumpel über die Weichen in diesem Bahnhof. Ostrov: Kreuzung mit einem Os mit 242! Was ist das? Abfahrt wäre laut Jizdni rad um 6.09 Uhr nach KV. Des Rätsels Lösung kommt mir auf dem Wege nach Vojkovice in Form eines Os 810+010 daher! Oha, da muß wohl umgestiegen werden? Wird ja immer abstruser hier... Wir bremsen ein in Wickwitz. Aus dem Bahnhof kommt kein Vypravci Heinz Brückner heraus. Innen im Büro brennt kein Licht. Nur der Bahnsteig ist grell erleuchtet. Totenstill ist es. Nur leichtes Gegrummel am Waggonboden. Puff! Der Hauptschalter der Ellok fliegt. Er scheint bis hinten in die Talecke von Jakubov zu fliegen, so kommt das Echo retour Und ein Rangierer tritt plötzlich aus der Nacht ins Geschehen. In Richtung Straz sehe ich eine Lok. Eine Brille wird uns also weiter nach Kadan bringen. Und schon geht es weiter. In Kadan steht 742 191. Nachdem wir weiter gen Chomutov fahren, sehe ich 750 013 durch den Bahnhof umsetzen. Das war meine Zuglok. Diesen Brillenmethusalem gibt es also auch noch hier. Chomutov: 749 140 hat einen Containerzug im Personenbahnhof in Richtung KV am Hacken. Aus Vejprty rollt der Os 16803 ein: 742 mit einem 020. Aber ach Gott, wie sieht das Ding aus? Kommt der aus Sibirien? Da oben auf der Hochfläche muß es ja hübsch zugehen, weil an der Lok keine Nummer unter dem Eispanzer zu erkennen ist. Die Fahrt geht weiter Richtung Decin. In Usti n L zapad steht Viamont-Hektor 720 567 und werkelt vor sich hin. Laubfrosch 710 722 steht im Halbdunkel umher. Decin ist erreicht: das Begrüßungskommitee am Depot ist Bobina! 140 089 und der rangierende 831 159. Ich sehe auf die schnelle noch 843 008, 122 047 und 034. Die Ellok geht von meinem nun heißenden R697 (nach Liberec) herunter und Berta 749 213 setzt sich blubbernd davor. Am Außenbahnsteig hat den Pendel nach Strekov 830 224 inne! Ein ex Brno´er Tw. Da ich erst 9.38 Uhr nach Oldrichov u Duchcova weiter fahre, erlebe ich noch 830 152 von Strekov kommend. Ich dagegen fahre mit 810 165 nach Oldrichov weiter. Das Anfangsstück der Strecke ist unbedingt zu empfehlen. Bitte während der laublosen Jahreszeit abfahren, da kann man so schön ins Tal der „Jilovsky potok“ runter guggen. Gesäumt von schönen alten Häusern und Fabriken. Zur Obstbaumblüte sicher herrlich zu betrachten. Der Tw ist bis Jilove u D recht gut besetzt. Ab hier nur mehr mit sechs Personen. In Male Chvojno ist Kreuzung mit 810 667. In Teplice lesni brana gab es gar mal einen Ablaufberg! Auf einer Nebenbahn... Was mag hier früher wohl los gewesen sein? Acht Bahnhofsgleise liegen noch. In Oldrichov begrüßt mich 742 372. Recht charmant ist das EG. Zwei Unterführungstreppen sind zugemauert. Keine Ahnung, wohin die führten. Das sehe ich dann vom drüberen Bahnsteig, als mein 810 420 für die Weiterfahrt nach Litvinov eintrifft. Das EG Oldrichov hat noch im hinteren Bereich eine große Glaskuppel. Sicher eine fetzen Halle sozialistischer Prägung. Doch heute? Die nur noch großteils intakten Glasscheiben sind so blind wie die Eisenkonstruktion rundum rostig  Eines schönen Tages kracht das Ding dann in sich zusammen. Fix geht es nach Litvinov über die elektrifizierte Nebenstrecke weiter. Sicher wurde der Fahrdraht vor 15 Jahren noch öfters von Pantografen abgekehrt, weil zu jener Zeit in der Chemifabrik garantiert noch mehr produziert wurde als heute. Doch jetzt fährt man bestimmt alles gleich „unten herum“ via Most-Kopisty. Das Kopfmachen in Litvinov ist schnell passiert, und das Foto dazu schenke ich mir. Nun muß ich in Louka u Litvinov raus. Au wei, hoffentlich ist da wo was offen. Bei der Witterung muß ich nun von 11.51 Uhr bis 12.44 Uhr zur Weiterfahrt nach Most warten. Ein sehr großes Empfangsgebäude ist hier. Doch für wem war das? Die einst durchgehende Strecke in Richtung Chomutov via Jirkov wurde dem Tagebau geopfert. Jirkov kommt später dran. Jetzt brauche ich wieder einen Anschlußfahrschein. Doch wo ist hier die Fk-Ausgabe? Ich stehe direkt davor: ein etwa 1,50 Meter im Quadrat großer Anbau auf den Bahnsteig hinein ragend ist das. Wo anders sind das die Vorbauten für den Vypravci. Hier ist sogar noch Personal. Zwar muß man mir die Fk bis Chomutov per Hand ausstellen. Doch immerhin, Freund Computer ist hier noch nicht eingezogen. Ein Restaurace im Bf gibt es nicht. Hier ist gar nichts! Nicht mal ein Klo. Nur gegenüber ein etwas seltsam allein stehendes und besetztes Stellwerk. Sicher aus alter Zeit. Doch nur warum gegenüber des EGs, und nicht vorne und hinten an den Ein- und Ausfahrten wie üblich? Mich laust der Affe! Ich finde hier gar einen feinen Warteraum. Was habe ich Glück. Service! Frisch getüncht, mit PVC-Boden, zwei Tischen mit Decken darauf!!! und acht Stühlen daran. Und einer funktionierenden Heizung!!! Das sage mal einer zu H.M. in Berlin in seinem ollen Sony-Center! Mit so was könnte er Pluspunkte bei seinen Beförderungsfällen machen. Und nicht mit seinen scheiß DB-Pluspunkten!!! In diesem Raum mit Fenster und Gardinen! hat es an den weißen Wänden die aktuellen Fahrpläne. So ist Kurzweil mit der Betrachtung der Streckenkarte angesagt. Schön im sitzen, unmittelbar neben der Heizung. Meine letzte Semmel wird verdrückt. Schade, jetzt ein Pivo oder ein Turka kavu, das wär es gewesen. Zufriedenheit in Louka u Litvinov.
Von Moldava v KH kommt pünktlich 810 039 zur Weiterfahrt nach Most daher. Wir passieren die Chemopetrol. Einst unter Onkel Adi ein wichtiger Betrieb in schlimmer Zeit. Doch heute brummt es hier auch. Über all raucht und dampft es. Und drinnen im Werksdepot sehe ich zwei Unipetrol-Brillen stehen. Und haltet euch fest: den nun in aktuellen werksfarben der Unipetrol lackieren 820er! Ei, was es nicht alles gibt auf der Welt. Allerhand Gleise außerhalb des Werksgeländes hat man wohl erst nach der Wende entfernt. Am Ende des Depot Most der CD stehen die Dampfspender K7-39 und -40. Der Zustand der 556er-Stocker ist jämmerlich. An der Rotunde grüßt noch immer die grüne Cmelak 770 063, nebst einer unerkannt gebliebenen roten Schwester. In einem umzäunten Gelände zwischen Chemiebude und Depot stehen zwei 740 von der Firma mit den Nilpferden (Chladek & Tintera). Bahnhof Most umseigen: 810 149 steht drüben in den Stutzen. 163 091 bringt mich und eine Schar Schulkinder nach 5 Minuten Übergang nach Chomutov weiter. Nun kommt das von heute früh in Ostrov: 742 384 steht mit zwei 010er-Schachteln als ausgeschilderter Os , ab 13.46 Uhr, nach Ostrov n O bereit. Also doch planmäßiges Umsteigen in Ostrov.... 810 039 rangiert umher. Drüben im Gbf steht die dunkelrote Eminenz 771 061 und Transistor 742 308. Dann sehe ich, das der allseits beliebte Imbiß neben dem Bahnhof (hin zur Poststelle) weg ist  Sicher mußte das im Zuge der EU-Harmonisierung sein... Dafür findet sich der Obcerstvereni am andern Ende des EG im Bahnhof drinnen. Mit selbigen Personal des einstigen Imbiß. Ich stopfe mir hier schnell ein „chlebicek“ für 10 Kc hinein. Mahlzeit! Nun folgt mein drittes und letztes Hauptziel dieses Tages: die Reststrecke Richtung Oldrichov. Von hier aus nur bis Jirkov führend. 810 319 + 010er + 810 601 ist mein Zug. Er trifft gut besetzt aus Kadan mesto ein. Kaum einer steigt aus. 50% der Fahrgäste finden Chomutov mesto als Ausstieg gut. Der Rest kommt mit mir bis Jirkov. Das muß sich also doch noch lohnen bis da raus. Man könnte ja auch mit Bussen... Wir schwenken ab von der Hauptstrecke Richtung Most. Zuerst mal am „Kaufland“ vorbei. Unmittelbar an dessen PKW-Parkplatz. Frage an die Experten: ist das 100% der originale Bahndamm bis Jirkov? Oder wurde da schon früher mal leicht umtrassiert? In Jirkov selbst fahren wir auf einem neuen Betonschwellengleis ein (UIC-Schwellen). Einen Fabrik-Anschluß hat man gekappt. Ein weiterer ist zu einem Baulager sicher noch aktiv. In Richtung Streckenende scheint man auch noch ab und an Waggons zu stellen. Retour nach Chomutov sind es gerade mal drei Reisende geworden. Dafür stürmen zig Kinder den nach Kadan mesto weiterfahrenden Tw. Ich verziehe mich bis zur Abfahrt um 15.04 Uhr für ca. 50 Minuten in das Restaurace. „Brambourak, Parek v Rohliku a turka kavu“ sind meine Brotzeit. Um kurz vor 15 Uhr wackel ich in die Haupthalle zum Ausgang vor. Volltreffer! Diese slowakische Wanze von R 240 aus Zilina hat 60 Minuten plus! „Jeschasch Maaria!“ Um 15.46 Uhr ginge ein Os nach Cheb. Aber das ist ein dreiteiliger 810. Mit Umsteigen in Ostrov. Und das Ding ist nun ob der Verspätung des R zum bersten voll. Schönen Dank. Das schenke ich mir. Also Truppenrückzug ins Restaurace. „Jeden cerny caj prosim“, daran halte ich mich bis kurz vor 16 Uhr fest.
Draußen auf den Gleisen kommen noch die Unzertrennlichen in Form von 751 209+210 vorbei. 111 021 bügelt die Bahnhofsgleise ab. 123 004 durchrollt die Pbf-Seite mit einem ellenlangen leeren Containertragwagen-Zug in Richtung Most. 854 006 tritt zum Vorschein und 363 065 will von Cheb nach Usti. 810 337 und 410 mitsamt 010er fahren nach Jirkov raus. Und mein Zug? Kommt nicht! „Ja Kreizdunnerwetter!“ Er steht nun mit +80 drin! Mir stinkt es allmählich. Endlich, mit +85 rollt 363 078! (Olympia-Reklame) und den verdreckten CD-Wanzen ein. Keine Sau im Zug. Wie auch, bei der Verspätung. Und mit will auch keine fahren (ich bin keine !) Los geht es. In Kadan ist das Ansetzen der Vorspannlok. Dem Krawall nach könnte es 749 140 sein. Bei der Durchfahrt in Vojkovice steht eine 242 an einem vollen Bunkerzug. Na die wird auf Bardoten warten müssen. In Ostrov dann Absetzen der Vorspannlok. 810 150 steht als Osobni abfahrbereit nach Karlovy Vary. Was mag da aus Chomutov folgen, wenn ich nun dauernd 810 mit „Chomutov – Ostrov“-Beschilderung sah? Recht seltsame Betriebspraktiken hat man hier entwickelt. Drüben im Dunkel steht noch immer die 703 549 des Elektrifizierungszuges. Bei dem Winter wird die hier noch lange stehen können. Und da rauscht meine Vorspannlok vorbei: 749 140. Die hört man unter allen Bardotkas sofort heraus. Die Weiterfahrt nach Cheb ist recht unspektakulär. Nach der Ankunft verziehe mich dagegen zum Kaderznictvi „Klier“ (Friseur) im Tesco und lasse mir die Murmel für umgerechnet 3 Euro abdrehen  Die Karre wird noch voll getankt und 20 Kilo gute Triumpf-Briketty für meinen Allesbrenner daheim eingeladen. Und schon geht es heim ins Obere Egertal.

Gruß,
malo

Antworten:

Jirkov

Hallo Markus (und alle Anderen),

die (Rest-)Strecke Chomutov - Jirkov ist nach einer längeren Totzeit um 1997 (?) überhaupt erst wieder zum Leben erweckt worden. Also eine klassische Reaktivierung. Anfangs nur mit einigen wenigen Zügen, die heute inzwischen - mit Ausnahme des Vormittagslochs - mitunter sogar stündlich verkehren.

Im Bereich des Supermarktes kurz vor dem Endpunkt sieht die Strecke allerdings wirklich nach einer Neutrassierung aus. Ob der Atlas Ceskych drah (oder wie der heitß) dazu etwas weiß?

Gruß

Heiko

von HFR - am 09.01.2006 12:49

Gute Idee mit dem Atlas Drah

Hallo Heiko,

zu was hat man das Ding im Bücherschrank stehen ;-)
Jedoch: nichts von Bedeutung für den Bereich nach Jirkov. Vielleicht auch nur, weil es unbedeutend ist. Dagegen nach Litvinov sieht es schon wesentlich interessanter aus. Auch das alte Stück bis "Duchcova stary n" ist eingezeichnet.
Lediglich -1990- und -2004- sind in der einen Übersichtskarte zur Stilllegung (?) eingezeichnet. Warum erst der Abschnitt westlich Litvinov 2004? Lag da vorher, zumindest im G-Verkehr, noch etwas? Und wirklich erst seit 1990 wurde der fetzen Krater am unteren Gebirgsrand gegraben? Na da haben es die Tschechen aber krachen lassen, so ein Loch in so kurzer Zeit zu buddeln. Respekt.

Gruß,
malo

von nix mehr - am 09.01.2006 21:12
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