Personalisierung im Computerschach

Startbeitrag von Wolfgang Stadik am 30.06.2001 16:43

Mich wundert, dass es im Computerschach wenige Versuche gibt, das "reale
Schachleben" zu simulieren. Ich schaetze Rebel und Chessmaster sehr, aber das kann nicht das Ende der Fahnenstnge sein.
Es ist doch heute ueblich, dass sich die Set-ups der verschiedenen Engines
veraendern lassen und somit neue "Persoenlichkeiten" entwickelt werden koennen.
Jetzt muesste man eigentlich nur noch diese Moeglichkeiten besser nuetzen:
es gibt eine grosse Bandbreite von Spielstaerke und Spielertypen - man muss Engines nicht (einzig und alleine) auf maximale Spielstaerke trimmen -
- ermoeglichen einer virtuellen Schachkarriere (wer von uns wollte nicht schon
Weltmeister werden?): soziale Komponente: vom Computer simulierte Schachkarieren lassen sich besser mit einer gereglten Arbeitszeit vereinbaren
;-)

wolfgang
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Antworten:

> man muss Engines nicht (einzig und alleine) auf maximale Spielstaerke trimmen

Stimmt, man muß es nicht - aber 99,5% der Anwender wollen nichts anderes. Fast niemand wird eine Einstellung interessieren, die von vornherein nicht als (mögliches) Spielstärke-Optimum in Frage kommt.

Zum Abschwächen bieten viele Programme genug Optionen ("schwache" Personalities, Handycap-Modus, Elo-Einstellung etc.), aber das sind m.o.w. nur Spaß-Optionen, die weder sonderlich beachtet noch ausführlich diskutiert werden.

Was nicht heißt, daß man nicht individuell sein Vergnügen daran haben kann. Ich erinnere mich z.B., beim Chessmaster 6000 einzelne dieser Persönlichkeiten im Personality-Editor genauer unter die Lupe genommen zu haben, um zu sehen gegen welche Schwäche ich spielen muß. Ein Spieler war dabei, der "nur" einen falschen Materialwert für die Türme eingebaut hat, aber sonst auf voller Stärke spielt. Gar nicht so leicht, so etwas auszunützen...

mfg.
M.Scheidl

von Michael Scheidl - am 30.06.2001 17:12
> Stimmt, man muß es nicht - aber 99,5% der Anwender wollen
> nichts anderes. Fast niemand wird eine Einstellung
> interessieren, die von vornherein nicht als (mögliches)
> Spielstärke-Optimum in Frage kommt.
>
Die Frage ist nur, was maximale Spielstärke bedeutet. Ich denke, dass maximale Spielstärke für die Analyse am interessantesten für die meisten Anwender ist. Und ich habe das Gefühl, dass teilweise sehr auf Computer-Computer-Spielstärke optimiert wird.

> Zum Abschwächen bieten viele Programme genug Optionen
> ("schwache" Personalities, Handycap-Modus, Elo-Einstellung
> etc.), aber das sind m.o.w. nur Spaß-Optionen, die weder
> sonderlich beachtet noch ausführlich diskutiert werden.
>
Ich gehe davon aus, dass die für den Anwender ziemlich wichtig sind.

>
> mfg.
> M.Scheidl

Gruß, Martin

von Martin Schubert - am 30.06.2001 17:17
Ich werde meine Vorstellungen praezisieren:

Ich finde, dass die Schachprogramme von heute einfach mehr bieten sollten
als das pure Schachspiel.
Schachprogramme von heute kommen mir vor wie:
- ein Film ohne Handlung
- jeden Tag das gleiche Essen (eventuell verschiedenstark gewuerzt) [dieser Vergleich hinkt etwas]
- ein Gespraech das ueber Formalitaet nicht hinausgeht (guten tag; wie geht's,
schoenes wetter heute;viel glueck; auf wiedersehen)

Dramaturgie findet so gut wie nicht statt (ausser am Schachbrett). Es gibt keine
höheren Ziele (ich kann zwar ein Turnier gewinnen, oder der compu rated mich höher - auf die Dauer ist das aber eine "verdammt" duenne Suppe)....
oder anders:
Ich wuerde gerne dem Wien der Jahrhundertwende einen Besuch abstatten -
in ein Lokal gehen - bei Partie zusehen - einen Komentar abgeben - zu einer
Partie aufgefordert werden, einer historischen Persoenlichkeit vorgestellt werden, etc.

Vielleicht verstehst Du jetzt besser, was ich meine

wolfgang
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von Wolfgang Stadik - am 30.06.2001 20:33

Kein Bedarf in der Computerschachgemeinde?

Vielleicht sind Computerschachfreaks einfach nur Asketen, die mit
Schach pur ihr Auslangen finden ? :confused:
(Dann wuerde ein Programm das mehr auf Entertainment setzt zum Ladenhueter)

MfG
Wolfgang
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von Wolfgang Stadik - am 01.07.2001 16:19
Ja, jetzt verstehe ich besser... es ist wahr, die allermeisten Programme haben eine recht technokratische Ausstrahlung; es fehlt an Atmosphäre. Obwohl sich manche irgendwie darum bemühen... der Chessmaster ist da vielleicht noch das beste Beispiel in dieser Hinsicht (er hat auch diese historischen Spieler-Personalities).

Atmosphärisch interessant war auch "Power Chess" von Sierra (m.W. mit Wchess-Engine), das allerdings ein recht unvollkommenes Produkt war. Aber mit sehr beachtlichen Ansätzen, wie z.B. ausführlicher akustischer (!) Kommentierung der eben gespielten Partie.

Weiß zufällig jemand, ob Power Chess II mit aktuellen DirectX-Versionen, und/oder WindowsME, kompatibel ist? Falls ich es einmal in einer Wühlkiste entdecke. Die erste Version funktioniert bei mir längst nicht mehr.

mfg.
M.Scheidl

von Michael Scheidl - am 01.07.2001 18:30
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