Nachtrag Fritz 7 - Junior 7

Startbeitrag von Harald Faber am 28.11.2001 07:25

Das Match Fritz 7 gegen Junior 7 verlief ziemlich ausgeglichen. Die ersten 4 Parien gewann jeweils Weiß, dann landete Junior 2 Siege in Folge, kassierte sofort danach eine Niederlage und konnte den knappen Vorsprung trotz klarer Vorteile nicht weiter ausbauen.
In der ersten Partie spielte Junior ein interessantes Figurenopfer (für 3 Bauern). Danach lässt Junior 2 Gelegenheiten aus, das Remis anzusteuern, doch der Mut wird nicht belohnt. Irgendwann verflacht das Spiel, Junior kommt nicht mehr weiter und steht letztendlich mit der Minusfigur auf verlorenem Posten.
1r1r2k1/5pp1/p4q1p/3p1P2/2p3P1/Q7/P1P5/1NKRR3 b - - 0 33
Hier hätte 33...Da1 34.Kd2 35.Dd4+ Kc1 36.Da1 zum remis gereicht, doch Junior sah sich im Vorteil.
1r4k1/5pp1/pq4Pp/3r1P2/2p5/Q1Pp4/P2N4/2KRR3 b - - 0 37
Und hier war 37...Ta5 38.gxf7+ Kxf7 39.De7+ Kg8 40.Sxc4 Db1+ 41.Kd2 Dxa2+ 42.Kxd3 Td5+ 43.Ke3 Txd1 44.De6+ Kf8 45.Txd1 Te8 46.Td8 Txd8 47.f6! vermutlich auch die bessere Wahl, selbst wenn sowohl 47...gxf6 als auch 47...Te8 48.fxg7+ Kxg7 49.Dxe8 zum Remis durch Dauerschach führen.
In der zweiten Runde konnte Junior in einem ausgelatschten Spanier einen zweifelhaften Versuch Fritzchens, das Kommando zu übernehmen, ziemlich deutlich widerlegen. Ich kann mir nicht helfen, aber in dieser Stellung
r2qrbk1/1b1n1pp1/p2p3p/1ppP4/Pn2P3/R4N1P/1P1N1PP1/1BBQR1K1 b - - 0 17
kommt mir der Zug 17...f7-f5 (aus dem Buch heraus gespielt) irgendwie bekannt vor, und ich meine, damals hatte auch Weiß recht einfach gewonnen. Diese Schwächung ist einfach nicht nötig. Und hier
q3rbk1/1b1n2p1/3p3p/1pp2P2/4Nn2/P6P/1B1N1PP1/1B1QR1K1 b - - 0 23
gab es schon Probleme, als Schwarz zu 23...d5 griff. Nach 24.Dg4! Sxh3 25.gxh3 dxe4 ist natürlich 26.f6! ziemlich unangenehm für Schwarz (1-0/46).
Zu einem zweifelhaften Bauerntausch "lockte" Fritz Junior in der dritten Partie:
r1b1r1k1/pq2ppb1/2p3p1/3pP1Bp/3P3Q/P4N2/1P3PPP/R3R1K1 w - - 0 17
17.b3!?, und Junior griff tatsächlich auf b3 zu. Ein Schnapszug, denn dadurch geht e7 verloren und d6 wird zum Tummelplatz für weiße Figuren. Später greift Fritz am Damenflügel an, Junior muss ein bisschen abtauschen und landet in einem Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern. Doch jeder hatte noch einen Turm, was die Sache erschwerte. Fritz schaffte sich den entfernten Freibauern auf der a-Linie, der das Spiel entschied.
Etwas zu optimistisch griff Fritz mit Schwarz in der vierten Partie an. Dabei schwächte Fritz den Bauernschild des eigenen Königs, was ohne Figurenunterstützung nicht sonderlich klug war. Junior brachte dann ein vermutlich zweifelhaftes positionelles Bauernopfer, was Fritz jedoch genug beschäftigte, um zumindest materiellen Ausgleich zu erzielen. Denn den Qualitätsgewinn bezahlte Junior mit 3 Bauern. Als sich dieser Bauernvorsprung auf einen reduzierte, ging der Vorteil an Junior über, der "irgendwann" das Endspiel gewann.
2r3k1/pp1rppb1/2np3p/4P2q/2P2R2/2N4P/PPNQ2P1/3R2K1 w - - 0 23
23.e6!? (1-0/78)
Partie 5 gab einen forschen Keres-Angriff, doch nach der Eröffnung stand Weiß nicht beneidenswert da:
r2qkb1r/5p2/p2pp3/4nPPP/1p6/1N2B3/PPP1N1BP/R3K2R b KQkq - 0 16
Zwei Bauern, Springer und Läufer gegen Dame sind sehr gewagt, auch wenn der schwarze König etwas locker steht. Bereits im 23. Zug ist die Partie zu Gunsten von Schwarz=Junior entschieden.
In der 6. Partie spielte Junior mit Weiß schnell auf Angriff, und bei heterogenen Rochaden ging der Angriff bereits nach 15 Zügen los:
r4rk1/pbq2pp1/1ppbpn1p/8/3P3P/3B1N2/PPPBQPP1/2KR3R w - - 0 15
15.g4!? Sxg4 16.Thg1 h5 17.Sg5 c5 18.Txg4! hxg4 19.Dxg4 (1-0/39)
Erneut liess sich Junior zu einem Figurenopfer hinreissen und spielte in dieser Stellung der 7. Partie
r3brk1/1pp3pp/2nnq3/p2pNp2/3PP3/PP1B1P2/1BQ3PP/R3R1K1 b - - 0 18
18...Sxe5?! 19.dxe5 Sxe4, was jedoch nur 2 Bauern für die Figur gab. Es wurde zwar noch ein langer Kampf, aber Figur ist Figur und (1-0/93).
Runde 8 brachte das erste Remis dieses Matches. Fritz mit Schwarz musste nach der zweifelhaften Eröffnungswahl (Französisch) auch ordentlich darum kämpfen und lief eine ganze Weile im Turmendspiel zeitweise zwei Minusbauern hinterher. Junior konnte sie nciht verwerten, remis.
Die 9. Partie spielte Junior erneut auf Gewinn, das Endspiel mit Dame gegen Turm plus Läufer und Bauer ist aber nicht zu gewinnen.
6k1/1bp2pp1/4p3/1P2P2Q/3B3P/4PP1K/1R4P1/5rq1 b - - 0 52
52...Lxf3! 53.gxf3 g6 54.Dg4 Dh1+ 55.Kg3 Tg1 (0.5/100)
Die letzte Runde brachte noch mal richtig Feuer, einen offenen Schlagabtausch. Fritz opferte mit Schwarz eine Figur für heftigen Königsangriff.
r2q1rk1/pp3pp1/2pb1n1p/6Nb/2BP1P2/2PQ3P/P5P1/R1B2RK1 w - - 0 16
Hier begann Junior zu rechnen. 16.g4 hxg5 (aus dem Buch) 17.fxg5 b5!? errechnet 18.Lb3 Sxg4! 19.hxg4 Dd7!? 20.gxh5 Dg4+ 21.Kf2 Tae8 22.Tg1 Dh4+ 23.Kg2 Dh2+ 24.Kf1 Lf4 25.Df3 Te1+ 26.Kxe1 Dxg1+ 27.Ke2 Lxc1 28.Txc1 Dxc1 29.g6 Te8+ 30.Kd3 Db1+ 31.Kd2 De1+ 32.Kd3 Te7 33.a3 a6 34.Lxf7+ Kh8 35.Lb3 Te8 36.h6 c5 37.hxg7+ Kxg7 38.Df7+ Kh6 39.Df4+ ½-½

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Junior nur minimale Vorteile hatte, das Match hätte genauso gut anders herum ausgehen können. Diese minimalen Vorteile bestehen aus einem Sieg mehr (was nun wirklich minimal ist) und einen kleinen 2:1 Vorteil bei den Remis-Partien. Es war also sowohl ein 6.5-3.5 (wenn Junior die beiden Remispartien 8+9 gewonnen hätte) drin als auch ein 5.0-5.0 (wenn Fritz die 10. Partie gewonnen hätte).
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