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Revolutionäre Gewerkschaftsstrategien
Beiträge im Thema:
2
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 10 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
Rudolf Mühland, Dominik

FAU - Alternative zum DGB?

Startbeitrag von Dominik am 20.01.2007 15:04

Hallo,
ich suche schon länger eine Alternative zu DGB-Gewerkschaften. Die FAU klingt sehr interessant für mich. Wie sieht es rechtlich aus: Gelten auch die Tarifverträge der DGB-Gewerkschaften für Mitglieder, die in der FAU organisiert sind? Ich habe gelernt, dass rein rechtlich nur Gewerkschaftmitglieder Anspruch auf die Leistungen der Tarifverträge haben. Aber dass es die jeweilige DGB-Branchengewerkschaft sein muss, davon weiß ich nichts?
Momentan bin ich eh arbeitslos und habe auch keine große Lust mehr auf Lohnsklaverei... wenn da nicht die ökonomischen Sachzwänge wären... und das Armutsamt will mich in Zeitarbeit zwängen... am liebsten würde ich ja studieren, aber das scheidet für mich finanziell total aus...
Zahle momentan 1,50EUR IGM-Beitrag als Erwerbsloser. Ein Mitgliedsbeitrag von 5EUR, wie es auf fau.org zu lesen ist, find ich für Erwerbslose schon ziemlich happig - aber egal. Ich will nur vom DGB weg! Habe eigentlich schon seit Jahren die Schnauze voll.
Wie sieht es in der FAU mit Leistungen wie Rechtsschutz aus? Beim DGB habe ich ja in Arbeits- und Sozialrechtsangelegenheiten einen Rechtsschutz. Als Arbeitsloser heutzutuge würde ich das ungern missen, gerade bei Problemen mit der Arbeitsagentur. Eine zusätzliche Rechtsschutzversicherung kann ich mir als Arbeitsloser wirklich nicht leisten. Und mit den zuständigen Stellen für Armenrecht habe ich von Bekannten nur schlechte Erfahrungen gehört in Rechtsangelegenheiten.

Egal, selbst wenn ich auf den Rechtsschutz verzichten müsste: Ich will aus dem DGB raus! Kann das nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren. Und mit Religion habe ich erst rechts nichts am Hut, den CGM finde ich noch übler...
Der FAU ist jetzt meine letzte Hoffnung. Ich kann mich nicht wirklich mit Anarchismus identifizieren (schon gar mit dem klassischen um Proudhon und Bakunin), sondern sehe mich eher als Universallinker, bzw. (wenn ich mich unbedingt irgendwo einordnen muss) als Rätekommunist. Vom DGB habe ich aber endgültig die Schnauze voll!

Was ist der FAU nun wirklich? Auf mich macht diese mehr den Eindruck eines Vereins als einer Gewerkschaft?
Wenn, dann würde ich eher stilles Mitglied sein, vielleicht kriege ich auch irgendwann mal das Bedürfnis nach mehr. Bin selber recht aktiv, und bei vielen Demos dabei (dort habe ich, meine ich, schon öfters Fahnen vom FAU gesehen). Lasse mich aber nicht als Werbemittel für irgendeinen (linken) Verein instrumentalisieren wie so manche ideologisch verstrahlte Mitglieder bestimmter Parteien/Vereine (will keine beim Namen nennen).

Antworten:

Salud!

In aller Kürze ein paar Antworten:

Zitat

Gelten auch die Tarifverträge der DGB-Gewerkschaften für Mitglieder, die in der FAU organisiert sind?


Das kommt ganz darauf an ob die Tarifverträge allgemeingültig sind und/oder ob es im Arbeitsvertrag einen Bezug zum Tarfifvertrag gibt.

Zitat

Ein Mitgliedsbeitrag von 5EUR, wie es auf fau.org zu lesen ist, find ich für Erwerbslose schon ziemlich happig - aber egal.


Der Beitrag ist sogar auf 7¤ erhöht worden. Trotzdem sollte dich das nicht schrecken. Wir funktionieren etwas anders und das Syndikat/die Ortsgruppe in deiner Nähe wird dir sicherlich genau erzählen was möglich ist.

Zitat

Wie sieht es in der FAU mit Leistungen wie Rechtsschutz aus?


Die FAU ist keine Versicherungsanstalt. Anfallende Kosten müssen durch die Syndikate aufgebracht werden. Auch hier gilt: Wir funktionieren etwas anders und das Syndikat/die Ortsgruppe in deiner Nähe wird dir sicherlich genau erzählen was möglich ist.

Zitat

Der FAU ist jetzt meine letzte Hoffnung. Ich kann mich nicht wirklich mit Anarchismus identifizieren (schon gar mit dem klassischen um Proudhon und Bakunin), sondern sehe mich eher als Universallinker, bzw. (wenn ich mich unbedingt irgendwo einordnen muss) als Rätekommunist. Vom DGB habe ich aber endgültig die Schnauze voll!


Folgende Voraussetzungen solltest Du erfüllen, damit wir zusammen passen:

# Du bist Arbeiter, Arbeiterin, angestellt, freiberuflich, erwerbslos, gehst zur Schule oder studierst und machst keinen Job, in dem Du andere Menschen einstellst oder feuerst (kein Arbeitgeber).
# Du arbeitest nicht bei staatlichen Repressionsorganen.
# Du hast unsere Statuten und unsere Prinzipienerklärung gelesen und kannst ihnen zustimmen.

Melde dich bei der nächstgelegenen Ortsgruppe oder dem zuständigen Syndikat, dort kannst Du in die FAU eintreten.

Zitat

Was ist der FAU nun wirklich? Auf mich macht diese mehr den Eindruck eines Vereins als einer Gewerkschaft?


Vorne weg: noch sind wir eine kleine Gewerkschaft, aber das kann sich ändern!

Die Freie ArbeiterInnen Union ist eine Selbstorganisation von ArbeiterInnen. Wobei nach unserem Verständnis Arbeiter nicht nur weiße männliche Fabrikarbeiter sind, sondern die große Masse derjenigen, denen nichts übrig bleibt, als täglich ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Dazu gehören FabrikarbeiterInnen ebenso wie die MigrantInnen, die für zwei Mark in der Stunde den Wohlstandsmüll recyclen, ArbeiterInnen im Dienstleistungssektor, Scheinselbständige, Lohnarbeitslose und Leute die sich in der Berufsausbildung befinden.

Nichts zu suchen haben bei uns Leute, die die Arbeitskraft anderer ausbeuten. Ebensowenig wie Militärs, Polizisten oder Mitglieder sonstiger Unterdrückungsorgane.

Manche von uns bezeichnen die FAU als eine Gewerkschaft, andere sagen, dass dieser Begriff durch den DGB und seine Einzelgewerkschaften so auf den Hund gebracht wurde, dass die Verwendung des Wortes nur zu Missverständnissen führen kann. Deshalb ist bei uns der Begriff «Freie Vereinigung» recht gebräuchlich; er bringt besser rüber, worum es uns geht.

Als Anarcho-SyndikalistInnen halten wir jedenfalls nichts von sozialpartnerschaftlichem «Bündnis für Arbeit»-Gejammer und verfilzten und undemokratischen Funktionärsapparaten. Wir denken, dass wir selber wissen, was für uns gut ist und dass wir prima ohne Chefs, Pfaffen, Staat und Funktionäre auskommen können. In einer basisdemokratischen Gesellschaft mit einer Wirtschaft, die auf der Selbstverwaltung der ProduzentInnen (also der ArbeiterInnen) beruht, lebt es sich für uns alle besser. Und genau da wollen wir hin.

Was will die FAU?

Die Freie ArbeiterInnen Union (FAU-IAA) ist eine anarcho-syndikalistische Selbstorganisation von ArbeiterInnen mit dem Ziel einer herrschaftsfreien, auf Selbstverwaltung begründeten Gesellschaft. Wir Anarcho-SyndikalistInnen haben die herrschaftsfreie, auf Selbstverwaltung begründete Gesellschaft als Ziel. Die Selbstbestimmung in allen Lebensbereichen ist die grundlegende Idee des Anarcho-Syndikalismus.

Daher lehnen wir die Organisation unserer Interessen in zentralistisch aufgebauten Organisationen ab, da diese stets Machtkonzentration und Hierarchie bedeuten. Weder soll, noch kann mensch mit StellvertreterInnen- Politik wie sie z.B. von reformistischen Gewerkschaften, Parteien und Kirchen betrieben wird, unsere Interessen durchsetzen.

Dagegen sind wir direkt und indirekt lohnabhängigen Menschen für Selbstorganisation in unabhängigen Betriebs-, Branchen und Ortsgruppen. Diese sind bundesweit (in der FAU - Freie ArbeiterInnen Union) und international (in der IAA - Internationale ArbeiterInnen Assoziation zusammengeschlossen.

Zur Durchsetzung unserer Ziele und Forderungen dienen uns sämtliche Mittel der Direkten Aktion, wie z. B. Besetzungen, Boykotts, Streiks etc. Im Gegensatz dazu lehnen wir die parlamentarische Tätigkeit in jeglicher Form ab. Mit dieser Art von Organisation verbinden wir die Möglichkeit, Vereinzelung und Perspektivlosigkeit aufzuheben und so für eine revolutionäre Veränderung auf freiheitlicher Grundlage zu kämpfen.

Da die Macht und die Stärke des kapitalistischen Systems in der privaten bzw. staatlichen Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel und in der tagtäglichen Ausbeutung der arbeitenden Klasse begründet sind, ist der ökonomische Bereich der Hauptansatzpunkt für den antikapitalistischen Kampf.

Revolutionäre Arbeit in den Betrieben trifft den Kapitalismus nicht nur in seinen Erscheinungsformen, sondern an seiner Wurzel. Diese Arbeit kann nur erfolgreich sein, wenn in allen gesellschaftlichen Bereichen gleichzeitig revolutionäre Arbeit geleistet wird, da alle Kämpfe in einer Wechselbeziehung zueinander stehen.

Alle Menschen, die in diesem Sinne mit uns zusammenarbeiten wollen, sind uns willkommen.

Ich hoffe ich habe ein paar deiner Fragen zumindest im Ansatz beantworten können.
Schau doch bitte auch auf

www.fau.org
www.fau-duesseldorf.org
[www.fau-bonn.de]
[faudu.fightcapitalism.net]
[www.fau.org]
[www.fau.org]

nach und informiere dich wann und wo das nächste offene/öffentliche Treffen der FAU in deiner Nähe ist. Komm vorbei und rede mit den Leuten, wir freuen uns .-)



von Rudolf Mühland - am 24.01.2007 17:05
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