Zeitungsartikel 14.12.00

Startbeitrag von Goal Lämpli am 14.12.2000 07:55

Geschrieben von Goal Lämpli am 14. Dezember 2000 08:55:07:
SC Herisau - ein Verein im freien Fall


Der Appenzeller NLB-Eishockey-Klub kommt nicht zur Ruhe - Präsident Rudolf Frehner tritt Ende Saison ab


Beim SC Herisau werden Eklats zur Gewohnheit. Seit einigen Tagen besteht die Klubführung nur noch aus zwei Personen: Präsident Frehner und Marketingchef Schnetzer. Nun haben auch diese ihren Rücktritt per Ende Saison angekündigt.



Jürg Roggenbauch


Bald vier Jahre sind es her, seit der SC Herisau seinen grössten Erfolg feierte: den NLA-Aufstieg im März 1997. Just im Moment des Triumphes aber begann der Niedergang eines Traditionsklubs. Zwölf Saisons hatte Herisau davor in der NLB gespielt. Selten ohne finanzielle Sorgen, aber mit Vernunft.



Es war ein wirtschaftlich und sportlich funktionierendes Gefüge, das mit dem Aufstieg aus dem Lot geriet. Am Ende der NLA-Saison 1997/98 standen die Relegation und vor allem grosse finanzielle Probleme. Schwierigkeiten, die kurz vor Schluss der darauf folgenden NLB-Saison im Konkurs mündeten. Zum Glück für den Klub bewiesen die Verantwortlichen unter dem damals neuen Präsidenten Michael Seidl Anfang 1999 viel Geschick am Verhandlungstisch. Seidl hatte den Verein kurz vor dem Kollaps übernommen, zog ihn aus der Meisterschaft zurück, gründete ihn neu in der Form einer AG und sicherte Herisau immerhin einen Platz in der 1. Liga.




Ein folgenschwerer Entscheid


In vergleichbaren Fällen wurden die konkursiten Vereine um zwei Ligen relegiert. So aber stand Trainer Roger Nater mit seiner Mannschaft wenigstens vor einer Saison in der höchsten Amateurliga. Und er und sein Assistent Reto Roveda behaupteten Herisau nicht nur in der 1. Liga, sondern führten das Team auf den ersten Platz, der zur Rückkehr in die NLB berechtigte. Derweil präsentierte der Verwaltungsrat auch finanziell eine positive Bilanz aus dem ersten Jahr nach dem Konkurs. Der Klub hatte sich erstaunlich schnell gefangen. Nun lag es an den Aktionären der SC Herisau AG, über die Rückkehr des Vereins in die NLB zu bestimmen. Die sportlichen Kriterien waren erfüllt.

Es war ein schlechter Entscheid, den sie vergangenen April trafen. Die Mehrheit entschied sich für die NLB. Die meisten Mitglieder des Verwaltungsrats traten zurück. Mit dem Entscheid der Aktionäre habe das nichts zu tun, sagten sie. Seidl und Kollegen aber wussten, wie aussichtslos es war, den Verein kurz nach einem Konkurs sportlich und wirtschaftlich in der NLB zu etablieren. Der Entscheid der Aktionäre machte ihre Wiederaufbau-Arbeit im Nachhinein wertlos. Die Aktionäre wollten das Beste für den Klub und brockten ihm das Schlechteste ein. Weil sie eben nur zu einem kleinen Teil Aktionäre im eigentlichen Sinn sind, zum grösseren aber Fans. Es war ein emotionaler Entscheid, kein sachlicher. Wieder herrschte Euphorie, wie 1997. Und wieder begann dabei der Niedergang.

Der neue Präsident Rudolf Frehner und sein Verwaltungsrat unterschätzten die Situation genauso wie die Aktionäre. Die Substanz im Team reicht nicht für mehr als den letzten Platz in der NLB. Dabei stellt sich das Problem, dass Siege in der 1. Liga allemal attraktiver als Niederlagen eine Klasse höher sind. Eine Zuschauermisere war die Folge sportlicher Enttäuschungen. Vergangene Saison kamen wesentlich mehr Leute ins Sportzentrum, um ein erfolgreiches 1.-Liga-Team zu sehen, statt wie in diesem Winter ein schlechtes in der NLB. Der budgetierte Zuschauerschnitt liegt weit ausser Reichweite, die Finanzen im Argen. Ausländer und ein Trainerwechsel verursachten weitere, nicht kalkulierte Kosten.




Der Mangel an Sachverstand


Den meisten Aktionären und dem Verwaltungsrat fehlte der Sachverstand. Wem nicht, der hätte unter den jetzigen Voraussetzungen nie Ja zur NLB gesagt. Denn schon grundsätzlich braucht ein Klub, der Konkurs erklärt, erfahrungsgemäss Jahre, um das Vertrauen in der Öffentlichkeit zurückzugewinnen. In der NLB, die ohnehin als Pleiteliga gilt, ein doppelt grosses Handicap. Und als Unternehmen führen, wie Frehner gerne betont, lässt sich ein Sportklub ohnehin nicht. Bald nach Saisonstart entmachtete er TK-Chef Kaiser. Später mussten Trainer Nater und Assistent Roveda gehen, Jack Holmes kam. Die Spieler Grauwiler und Krapf traten zurück. Die Resultate sind kaum besser geworden, die Misstöne im Umfeld umso grösser. Schliesslich tat Frehner seinen Unmut über fehlenden Rückhalt bei Zuschauern und Sponsoren in einem offenen Brief kund. Ein Rundumschlag über eine Situation, die jeder Kenner vorausgesehen hatte, er nicht. Weitere Rücktritte aus der Klubführung waren die Folge.

Frehner hat das Sagen, weil er die Löcher in der Rechnung stopft. Und zumindest die grundsätzliche Schuld an der Situation trägt ohnehin nicht er, sondern die Aktionäre. Jene, die für die NLB votierten. Nur können die nicht in die Pflicht genommen werden. Fest steht: Dreht Frehner den Geldhahn zu, folgt der zweite Konkurs. Ein Konkurs, den das Ansehen eines einst gesunden Vereins längst erlitten hat. Und damit jedoch stehen Frehner und seine Handlungen in engem Zusammenhang.





Aus dem Tagblatt vom 14.12.2000 © St. Galler Tagblatt AG
















Antworten:

Re: Zeitungsartikel 14.12.00 Nr. 2

Geschrieben von Goal Lämpli am 14. Dezember 2000 09:00:40:
Als Antwort auf: Zeitungsartikel 14.12.00 geschrieben von Goal Lämpli am 14. Dezember 2000 08:55:07:
SCH-Präsident Frehner tritt Ende Saison ab


Die SC Herisau braucht im Frühjahr 2001 einen neuen Präsidenten. Der erst im Juni 2000 gewählte SCH-Verwaltungsratspräsident Rudolf Frehner tritt auf Ende Saison zurück. Auf den gleichen Zeitpunkt hin wird auch Natal Schnetzer als Marketingchef und interimistischer TK-Chef des SC Herisau demissionieren.



Jürg Bühler


Seinen Rücktrittentscheid begründete Rudolf Frehner gestern am Telefon damit, dass er die Bereitschaft der Region vermisse, den SC Herisau mitzutragen. Dazu komme, dass mit dem Sportzentrum keine vernünftige Partnerschaft möglich sei, «und darum setzte ich meine Energie lieber für etwas anderes, Schöneres ein».




Schuldenfrei übergeben


In der gestern versandten Mitteilung über die Rücktritte von Rudolf Frehner und Natal Schnetzer auf die Generalversammlung vom April 2001 wird einleitend betont, dass Rudolf Frehner den Verein schuldenfrei übergeben werde. Dies unabhängig davon, ob budgetierte Beiträge eines Skateathon-Festes und des Donnerstags-Club wie vereinbart dem SC Herisau zur Verfügung gestellt würden. «Auch überlässt man es dem Sportzentrum, ob die Verantwortlichen ihren vertraglich vereinbarten Verpflichtungen gegenüber dem Club nachkommen wollen. Auch wenn weiterhin rechtswidrig Zahlungen zurückbehalten und dem Club nicht ausbezahlt werden, will man den Club den Nachfolgern schuldenfrei übertragen», heisst es in der gestrigen Mitteilung wörtlich.




Dean Seymour bleibt


Im Weiteren wird in der Pressemitteilung festgehalten, dass Dean Seymour, Key-Player der ersten Mannschaft, der nur bis zum Spenglercup bei Herisau unter Vertrag stand, dank einem Zusatz-engagement von Rudolf Frehner, Natal Schnetzer und Peter Haltiner jetzt bis Ende Saison verpflichtet worden sei. Man hoffe weiterhin, dass die erste Mannschaft die NLB-Playoffs erreiche. Das Managementteam werde noch bis Ende Saison von den zurückgetretenen Verwaltungsräten Peter Haltiner und Walter Hautle beratend begleitet. Das Management werde zudem durch die vier, bei der Frehner-Gruppe teilzeitangestellten, Spieler des Clubs im Rahmen ihrer Anstellung verstärkt.




Offener Brief mit Folgen


Der SC Herisau und vor allem dessen Präsident Rudolf Frehner standen in den letzten Tagen stark im Rampenlicht. Dies nachdem Rudolf Frehner in einem ganzseitigen offenen Brief in der Appenzeller Zeitung (Ausgabe vom Donnerstag, 7. Dezember) andere Verwaltungsratsmitglieder hart angegriffen und gefordert hatte, dass der SC Herisau AG nicht wie ein Verein sondern wie eine Firma geführt werden müsse. In der Folge erklärten die Verwaltungsratsmitglieder Peter Haltiner und Walter Hautle ihren sofortigen Rücktritt.





Aus dem Tagblatt vom 14.12.2000 © St. Galler Tagblatt AG


















von Goal Lämpli - am 14.12.2000 08:00
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.