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Eisenbahnforum Nordostbayern
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 9 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 9 Jahren, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
Martin Pfeifer, Der Hofer, Schwandorfer, BR 44

Fa.Seltmann Lok(m.2B. und viel Text)

Startbeitrag von BR 44 am 24.01.2009 00:25

Hallo Miteinenader,
Zeitungsbericht über die Fa. Seltmann Lok

40 Jahre Liebe, Haß und Abenteuer

Oldtimer-Lok bei Fa. Seltmann im Einsatz- Fuhr früher auf Berlins Prachtstraßen
Josef Wagner (86) erinnert sich an alte Zeiten – Kein Gedanke an Lok – Museum

Weiden. (wr) Sie ist 63 Jahre alt, hat viel erlebt, überstand den zweiten Weltkrieg und ist heute ein geliebtes Sorgenkind: die Betriebslokomotive der Firma Seltmann. Im Normalfall stehen derartige technische Relikte vergangener Epochen auf Hochglanz poliert im Museum. In Weiden zieht die Oldtimer-Lok noch täglich ihre Waggons, verrichtet treu ihre Dienste. Das war nicht immer so.
Einer, der sie ein Leben lang begleitet, verflucht, geliebt und mit ihr kleine Abenteuer erlebt hat, ist der Weidner Josef Wagner. Mit seinen 86 Jahren weiß er einiges um die ehemals in Berlin eingesetzte Lok zu erzählen. Wir waren dabei, als er nach 20 Jahren“seine“ Lok wieder besuchte, sich gerührt nach ihrem Zustand erkundigte.

„Ja, da bin ich früher oft raufgeklettert.“ Man spürt wehmütige Erinnerungen aus den Worten von Josef Wagner. Er inspiziert „seine“ Lok, weist mit Stolz auf das Fabrikschild. Im Jahre 1924 baute die Firma Borsig in Berlin die Lokomotive. Vier Jahre lang zog sie Passierwaggons über die Prachtstraßen zwischen Berlin und Tegel. 14800 Reichsmark mußte 1928 die Firma Seltmann an die Berliner zahlen, damit die „preußische“ Lok von der Hauptstadt des Deutsches Reiches in einem Güterzug in die abgelegene Oberpfalz gebracht werden durfte. Hier wurde sie sehnlichst erwartet. Seit 1910 rangierten Brennhausarbeiter die schweren Eisenbahnwaggons von Hand.

Berliner schlief auf Lok

Wagner kann sich noch gut an die Ankunft der Lokomotive erinnern. Der Berliner Monteur hat während des Transports im Führerstand geschlafen und – weil es ihm pressierte, wieder nach Hause zu kommen – dann dem jungen Schlosser sogar seine Brotzeit überlassen. Nach dem Einsetzen der Pleuel- und Antriebsstangen konnte der riesige Vierzylinder-Schiffsmotor das erste mal losbullern.

Aus Führerstand gesprungen

Vor jetzt 60 Jahren war Wagner zur Firma Seltmann gegangen. Während seiner 40 Dienstjahre hat er einige Abenteuer mit der Lok erlebt. So auch, als er den Kolbengasgenerator anheizen wollte. Kurz nach dem Anzünden der Brikette gab es eine Verpuffung, es stank fürchterlich nach Gas. Vor Schreck brachte sich Wagner durch einen beherzten Sprung aus dem Führerstand der Lok in Sicherheit. Auch so gab es immer wieder mal Probleme mit der Technik. Vorsorglich stand im Führerhaus immer ein Feuerlöscher, der des öfteren auch zum Einsatz kam.

Am 16. April 1945 wäre es mit der kleinen grünen Rangierlok um ein Haar vorbeigewesen. Nur weil sie an diesem Tag zwischen den Firmengebäuden und nicht auf den Versorgungsgleis abgestellt war, „überlebte“ sie ohne Schaden die vernichtende Explosion eines Munitionszuges auf der Hauptstrecke Weiden – Bayreuth.

Abenteuer Kohletransport

Das größte Abenteuer bestand die kleine Rangierlok kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Die Firma Seltmann hatte damals mangels Kohlen den Brennofen mit Torf beschickt, der aus der Mooslohe stammte. Um mehr Leistung zu bekommen, mußten in dieser katastrophalen Zeit unbedingt Kohlen beschaft werden. In einer Zeit, in der die Amerikaner das Sagen hatten, alles kaputt und beschädigt war, starteten Schlossermeister Wagner und ein Lokführer der Reichsbahn eine Nacht-und Nebel-Aktion.

„Wir fuhren abends um 19 uhr im Schutz der Dunkelheit los. Ein provisorisches montierter Scheinwerfer erhellte die notdürftige reparierte Hauptstrecke, auf der wir uns langsam über Neustadt nach Norden schlichen“. Wagner schilderte, wie man über Reuth nach Krummennaab kam,
dort bereits die Arbeiter warteten um die in einem nicht mehr benutzten Ofen versteckten Kohlen in den mitgebrachten Waggon zu laden. Gegen drei Uhr kam der abenteuerliche Kohletransport wieder in Weiden bei der Firma an. Bejubelt von den Arbeitern, rumpelte die Lok mit ihrem einzigen Waggon in den Fabrikhof.

Bei der Visitation der Oldtimerlok vor wenigen Tagen traf Wagner auf seinen Nachfolger in der Schlosserei , Alios Voit „Ja mei“, jetzt bist auch schon ein Mann geworden „, so der Veteran zum 50 jährigen Werkstattmeister. Als dieser ihm dann die Flügeltüren zum Motorraum öffnetet, beginnt das Fachsimpeln. Viermal hat man das „Herz“ der Lok, den Motor, schon wechseln müssen, zuletzt 1985. Jetzt dieselt ein LKW – Motor vor sich hin. Das Getriebe, das zu Zeiten Wagners eingebaut wurde, verrichtet noch heute klaglos seine Dienste.

Seltmann-Chef auf dem „Bockl“

Kurz bevor die Reichsbahn der Lok ein Betriebsbuch und die maximale Geschwindigkeit von 12 km/h verpaßte, unternahm auch der damalige Chef Heinrich Seltmann eine Fahrt mit dem „Bockl“.
Voll Stolz, so berichtete Wagner, sei er damals mit Läuten und Pfeifen über die holprigen Geleise der Firma mit rund 40 km/h in den Fabrikhof gedonnert. Der Chef habe dabei die Hände über den Kopf zusammengeschlagen.
Gut zehn bis zwölf Waggons mußte die kleine Lok während der „guten alten Zeit“ täglich rangieren.
Heute ist es höchstens noch einer, der im Pendelbetrieb zum Abholen an die DB-Hauptstrecke gestellt wird.“Rund 90 Prozent der Fracht läuft heute über LKW auf der Straße“, so Voit

Statt Museum täglich 30 Minuten Arbeit

Es ist unglaublich, daß eine 64 Jahre alte Lokomotive heute noch so konstant ihre Leistung bringt, so Voit. Man habe schon nach Ausschau nach Alternativen gehalten, doch biete sich nichts Gleichwertiges. So wird die kleine, grüne Lok auch in den nächsten Jahren täglich eine halbe Stunde mit 12km/h über das Werkgelände dieseln, wird von der Schlosserei geliebt werden, wenn alles funktioniert, und verwunschen, sollte etwas kaputtgehen. Von einem Museum. Dem „Altersheim“ solch technische Relikte, spricht noch keiner. Vielleicht begeistern sich in absehbarer Zeit interessierte Eisenbahnfans für die Lok. Wert wäre sie es.

Quelle : Der neue Tag Weiden, Samstag, 31. Oktober 1987

Bilder vom Sommer 1980




Bilder hat freundlicherweise H.Büllesfeld zur Verfügung gestellt
Archivar im Eisenbahmuseum Weiden
www.eisenbahnmuseum-weiden.de

Antworten:

Danke! + Edit

Vielen Dank für diese interessanten Dokumente! Jetzt muß man also noch herausfinden, was mit der Maschine passiert ist. ;-)

Edit: Die Ausführungen von Martin Pfeifer vor einigen Tagen ([forum.mysnip.de]) könnten stimmen, denn ich habe noch folgendes gefunden: [www.miba.de]. Könnte also tatsächlich eine der beiden Maschinen sein.

Viele Grüße

Tobias

von Schwandorfer - am 24.01.2009 00:43

Danke!

Hallo!

Es läuft zur Zeit gut im NOBF!

Ich danke allen Lesern, welche sich Gedanken über die Werkslok bei Seltmann in Weiden gemacht haben. Was durch mich angestoßen wurde, konnte durch verschiedene Leser ausgebaut und erweitert werden!

So macht das NOBF Spass!

Manfred, der Hofer

von Der Hofer - am 24.01.2009 16:22
Servus,

das ist definitiv eine der beiden Bosig-Sauggas-Loks von 1924, wie ich in dem bereits verlinkten Beitrag geschrieben habe. Das passt von außen eins zu eins. Dem Hofer habe ich schon einen Scan der zitierten Bücher geschickt, ich glaube ich werde mich mal über Bedenken hinsichtlich des Urheber-Rechtes hinwegsetzen und das Bild noch mal als richtige Bilddatei einscannen. Ich komme leider frühestens am Dienstag dazu.

Zitat

...Vier Jahre lang zog sie Passierwaggons über die Prachtstraßen zwischen Berlin und Tegel.
...


Das ist herzlicher Quatsch, den nach diesem Text müsste sie bei der Berliner Strassenbahn gelaufen sein. Die waren damals schon längst elektrifiziert und ein Interesse an der Erprobung solch einer Lok kann ich nicht erkennen. Und Vorwohle - Emmerthal ist alles andere als auf "Prachtstraßen", das ist nichts anders als eine Lokalbahn.
Zitat

14800 Reichsmark mußte 1928 die Firma Seltmann an die Berliner zahlen, damit die „preußische“ Lok von der Hauptstadt des Deutsches Reiches in einem Güterzug in die abgelegene Oberpfalz gebracht werden durfte.
...


Die bereits zitierte Quelle sagt hierzu 1929 aus, aber nichts zum Umweg über Berlin. Ausschließen kann ich den Umweg nicht, eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür gibt es und hinsichtlich des Jahres kann sich der altgediente Mitarbeiter durchaus um plus minus 1 Jahr irren.

Danke für den Artikel!

von Martin Pfeifer - am 24.01.2009 16:36

Re: Danke! + Edit

Servus,

Frage an unsere Modelleisenbahner: hat jemand die MIBA 08 / 2001 zu Hause? Da ist der verlinkte Artikel drin, das Heft kann aber nicht mehr bestellt werden. Zum Stammtisch mitbringen (so ich den teilnehme) reicht aus oder bitte mich per Email kontaktieren wegen Kopien.

von Martin Pfeifer - am 25.01.2009 21:58
Servus,

so, jetzt bin einen Schritt näher an diversen Abmahnungs-Anwalt-Kanzleien, hier das Fabrik-Bild:



Die Ähnlichkeit zwischen dem Fabrik-Bild und den hier gezeigten Bildern - insbesondere mit dem ersten Bild - ist frappierend, insbesondere Anordnung der Fenster und Türen (trotz Umbau auf "oben offen") und Anordnung der 4 Belüftungsöffnungen. Ich glaube, das auf dem ersten Bild noch das original-Fabrikschild zu erkennen ist.

Vielleicht können hier mitlesende (zukünftige) Juristen mir mal sagen, ob das Bild mit der Quellenangabe einwandfrei ist oder ob es doch zu gewagt ist.


von Martin Pfeifer - am 28.01.2009 21:10
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