Ärger mit Nürnberger S-Bahnnetz

Startbeitrag von Neuenmarkt am 19.04.2009 08:08

4 Berichte aus den NN:

Streit um S-Bahn Nürnberg–Forchheim
Stein des Anstoßes: Station im Niemandsland
Stein des Anstoßes: Station im Niemandsland
FÜRTH/ELTERSDORF - Der Streit zwischen der Stadt Fürth und der Deutschen Bahn (DB) AG über die Trassenführung der S-Bahn-Strecke Nürnberg–Forchheim könnte deren Fertigstellung weiter verzögern.

Käme es zum Rechtsstreit und bliebe Fürth darin Sieger, müsste ein neues Planfeststellungsverfahren für die von der Stadt gewünschte Trasse eingeleitet werden. Aber nur, wenn deren volkswirtschaftlicher Nutzen/Kosten-Faktor als Messlatte für staatliche Zuschüsse über Eins läge, wäre das Projekt realisierungswürdig. Andernfalls bliebe die Bahn «Sieger«.

Ganz und gar nicht teilen mögen die Fürther Einschätzung die S-Bahn-Planer bei DBProjektbau und ihrer federführenden Niederlassung Nürnberg. Rainer Gubitz, Ingenieur im Dienst der Bahntochter stellt klar: «Es ist unsinnig, zu behaupten, der Schwenk weg von der bestehenden Bahntrasse ab der Erlanger Straße nach Osten bringe nichts. Das Gegenteil ist der Fall, denn die bestehende Wohnbebauung wird so vom Lärm entlastet. Außerdem wird sich die Fahrzeit aus dem Fürther Norden ins Zentrum und nach Nürnberg durch die künftige siedlungsnahe S-Bahn-Station Stadeln und die zusätzliche in Steinach deutlich verkürzen.«

Einen weiteren Vorteil für Nahverkehrskunden sehen Gubitz und seine Kollegen darin, dass der S-Bahn-Halt Steinach – er liegt exakt auf der Stadtgrenze Nürnberg/Fürth – neue Fahrgastpotenziale erschließe. Die nötige Verknüpfung mit den Buslinien erfordere nur insofern Fingerspitzengefühl, als infra fürth verkehr und Nürnbergs VAG «grenzüberschreitende« Buslinien planen müssten. Dass ihre Kollegen vom Bus damit kein Problem haben werden, steht für Gubitz und seine Kollegen außer Frage. Auch Fürths Stadtbaurat Joachim Krauße ist überzeugt davon, dass die Busverbindungen von Steinach aus wesentlich besser die verstreuten Siedlungsschwerpunkte erschließen, als vom alten, ortsfernen Bahnhof Vach aus.

Deshalb aber gleich eine Bahn durchs Niemandsland zu bauen, hält er weiterhin für fragwürdig. Und als gänzlich unredlich mutet Krauße die Argumentation der Bahn beim Lärmschutz an der Altstrecke in Stadeln an: «Die Stadt Fürth hat dem gesamten Projekt S-Bahn und ICE-Ausbaustrecke von je her nur unter der Bedingung zugestimmt, dass der Güterverkehr aus dem Stadtgebiet weg kommt! Dies geht aber nur mit dem Pegnitztal-Tunnel, von dem keiner exakt sagen kann, wann er kommen wird.«

Technisch aufwändiger, aber keineswegs unlösbar ist die Aufgabe für die S-Bahn-Planer im südlichen Vorfeld von Gemeinde und Bahnhof Eltersdorf auf Gemarkung der Stadt Erlangen. Dort schwingt sich die neue S-Bahn-Trasse in weitem Bogen von Osten her wieder an die bestehende Strecke heran, um mit dieser verknüpft zu werden. Weil hier einst aber auch die Güterzuggleise aus dem Pegnitztaltunnel aus einem viergleisigen Wartebahnhof ohne ebenerdige Kreuzungen «eingefädelt« werden sollen, geht es auch hier nicht ohne einige Gleis-Provisorien ab.

Auch der Lärmschutz kann dort daher erst nach Fertigstellung des Endzustands gebaut werden, betonen die DB-Projektbauer. Wann dieser Zustand jedoch erreicht sein könnte, darüber wollen Planer von Bahn und Stadt heute weniger denn je spekulieren. Eine Stellungnahme des Eisenbahn-Bundesamts lag der NZ zunächst nicht vor.

Rolf Syrigos

S-Bahn-Bau Nürnberg–Forchheim
Stadt Fürth und Bahn streiten um die Trasse
Stadt Fürth und Bahn streiten um die Trasse
FÜRTH/ELTERSDORF - Die Bauarbeiten für die S-Bahn-Strecke Nürnberg–Forchheim sind in großen Teilen des Stadtgebiets von Fürth in vollem Gang. Doch es ist noch nicht klar, welchen Verlauf die Strecke im Norden der Stadt nehmen wird: Stadt und Bahn liegen darüber im Streit.

Der Traum vom «Gewerbepark Knoblauchsland« der Städte Fürth, Erlangen und Nürnberg nördlich des Fürther Stadtzentrums an der A73 ist seit gut 15 Jahren Illusion, nicht so die S-Bahnstation an seiner Stelle. Der geplante Haltepunkt Fürth-Steinach, auf einem künstlich geschütteten Damm und direkt am Frankenschnellweg gelegen, hat das Zeug zum Sprengsatz für das mittlerweile im Bau befindliche S-Bahn-Projekt Nürnberg–Fürth–Forchheim: Für den Planungsabschnitt Fürth-Nord, wie diese Baustrecke bezeichnet wird, hat das zuständige Eisenbahn-Bundesamt (EBA) in Bonn die Genehmigung bisher nicht erteilt.

Den Bürgern in den Fürther Stadtteilen Stadeln, Kronach, Bislohe und Steinach, aber auch den Stadtvätern treibt es bei diesem Thema die Zornesröte ins Gesicht. «Wir halten den Schwenk weg von der alten Bahnlinie nach Osten über die Erlanger Straße und die A73 hinweg für eine unsinnige, teure Fehlplanung. Dafür fehlt uns jegliches Verständnis, denn es gibt dort – selbst mit dem geplanten Möbelkaufhaus – kein ausreichend großes Fahrgastaufkommen«, betont Stadtbaurat Joachim Krauße.

Der Mann und seine Abteilung fürs Planen, Buddeln und Bauen im Stadtgebiet hat seit Jahren fast nichts mehr anderes zu tun, als Planungsvarianten der Bahn auf ihre Fürth-Verträglichkeit hin zu prüfen, deren Änderung zu verlangen oder ihnen zuzustimmen – und wenn es noch so schwer fällt. «Wir waren immer kooperativ, haben aber stets betont, dass wir diese Linienführung ablehnen«, beschreibt Krauße den Schwebezustand.

Beenden kann diesen nur das EBA per Feststellungsbeschluss. Wann der kommt, steht aber in den Sternen. Auf Anfrage der NZ erklärt EBA-Sprecherin Bettina Baader betont zurückhaltend: «Die Planung obliegt dem Vorhabenträger (das ist die Bahn, d.Red.) und ist zurzeit in einem Änderungsverfahren. Dieses wurde zwar ausgelegt, aber noch nicht erörtert. Weitere Änderungen sind bis zu einem Abschluss des Planfeststellungsverfahrens nie ausgeschlossen«.

Die Einwände der Stadt Fürth sind für das EBA laut Baader «sicherlich beachtenswert«. Inwieweit sie jedoch schon zu Umplanungen geführt hätten, sei wiederum Sache der Planer der Bahn. Im Klartext heißt das: Sanktioniert die Bonner Behörde die Bahn-Pläne und bleibt die Stadt im Falle der Zustimmung konsequent, muss sie gegen den Beschluss vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig klagen – bei Großprojekten dieser Art die einzige Instanz. Ob der Fürther Stadtrat diesen Schritt tun wird, lässt Krauße offen: «Darüber können und wollen wir nicht öffentlich spekulieren, solange die Entscheidung nicht gefallen ist. In jedem Fall sind wir uns darüber im Klaren, dass es teuer würde, wenn wir unterlägen«.

Doch selbst ein Erfolg der Stadt vor Gericht wäre alles andere als billig: Die Deutsche Bahn als Projektträger müsste dann ein komplett neues Planverfahren für die S-Bahn entlang der bestehenden Gleise östlich Stadeln und durch den Bahnhof Vach einleiten. Das Projekt würde dadurch auch deutlich über das geplante Zweit-

Eröffnungsjahr 2011 hinaus verzögert. Darüber hinaus birgt eine solche Neuplanung aber weitere Risiken.

Rolf Syrigos

NÜRNBERG/FORCHHEIM - Pünktliche und exakte Realisierung aller Pläne vorausgesetzt, kann die S-Bahn-Linie Nürnberg–Forchheim Ende 2010 in Betrieb gehen – jedoch nur im sogenannten Vorlaufbetrieb.

Darunter verstehen die Verkehrsplaner den eingeschränkten Betrieb, den die bis dahin fertiggestellten Gleis- und Bahnhofsbauten zulassen. Wie der für die Infrastrukturplanung zuständige VGN-Geschäftsführer Willi Weißkopf vor dem politischen Gremium des VGN, dem Zweckverband, darlegte, wird es zwischen Nürnberg, vor allem aber Fürth und Forchheim noch etliche Provisorien geben: In Nürnberg kann die Station Steinbühl noch nicht bedient werden und im Fürther Norden wird der Schwenk ins Knoblauchsland fehlen.

Als Übergangsregelung wird an der bestehenden Strecke eine Behelfsstation Stadeln errichtet, der bisherige Bahnhof Vach dafür auf Dauer stillgelegt. Auf Erlanger Stadtgebiet wird erst bis zum Jahr 2012 die neue Station Paul-Gossen-Straße fertiggestellt werden. Der S-Bahn-Vollbetrieb, so Weißkopf, sei erst dann möglich, wenn die ICE-Ausbaustrecke Fürth–Bamberg(–Ebensfeld) viergleisig ausgebaut ist. Nach heutiger Schätzung sei damit wohl irgendwann zwischen 2017 und 2024 zu rechnen.

Als weiterer Problemfall hat sich die Strecke Nürnberg–Ansbach herausgestellt, so Weißkopf. Wegen Anpassungen des Gleisplans im Bahnhof Stein an die Bedürfnisse des Güterverkehrs seien dort Umplanungen nötig, weshalb diese S-Bahn-Linie «am zeitkritischsten» sei. Auch die Verlängerung von Ansbach weiter über Leutershausen-Wiedersbach bis nach Dombühl (beide Kreis Ansbach) an der Strecke nach Stuttgart werde sich mindestens um ein Jahr verspäten. Ursache dafür seien Probleme, welche die Bahn-Tochter Station und Service als Bahnhofsbetreiber habe. Eine Planungsvereinbarung wird laut Weißkopf noch in diesem Jahr erwartet.

Uneingeschränkt positiv sind dagegen die Meldungen über den Baufortgang auf der S-Bahn-Trasse entlang der historischen «Ostbahn»: Die Verlängerung von Lauf li. Peg. über Hersbruck bis nach Hartmannshof (Kreis Nürnberger Land) werde zeitgerecht fertig werden, alle Arbeiten seien derzeit im Plan. «Relativ sicher» ist laut Weißkopf auch der Fertigstellungstermin 2010 für die S-Bahn-Verlängerung von Nürnberg-Fischbach (ab hier neues zweites Gleis bis Feucht) nach Neumarkt. Rolf Syrigos
18.4.2009

«Barrierefrei» bleibt Traum
Minister Zeil: Keine Chance für schnellen Bahnhof-Umbau
«Barrierefrei» bleibt Traum
Der Bahnhof in Forchheim barrierefrei? Das bleibt eine Zukunftsvision, deren Verwirklichung in den Sternen steht. So ist es einem Schreiben des bayerischen Wirtschaftsministers Martin Zeil an MdL Eduard Nöth zu entnehmen.

FORCHHEIM (dik) - Der Forchheimer Abgeordnete hatte in einem Schreiben im Februar 2009 den Wirtschaftsminister «inständig» gebeten, sich für eine Verbesserung der Situation einzusetzen. Denn, zitierte Nöth, die NN hätten zurecht getitelt «Bahnhof bleibt für Behinderte eine Zumutung».

Die Bahn, so Nöth in dem Brief an Zeil, vertröste auf die Zeit, wenn das Bahnprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 in Angriff genommen wird. Kurz: der viergleisige Ausbau der Strecke München-Berlin. Vor 2017 wird sich hier jedoch nichts tun. «Es wird wohl eine Verbesserung für Reisende von Forchheim nach Nürnberg geben», schrieb Nöth im Februar, «da der Bahnsteig 1 als Haltepunkt der nach Nürnberg abfahrenden Züge ohne weiteres auch für Behinderte einen bequemen Einstieg ermöglicht.» Menschen mit Behinderung, die nach Bamberg wollen, müssten jedoch noch mindestens acht Jahre auf einen barrierefreien Zugang zu den Zügen warten. Nöth wies dabei auch darauf hin, dass der barrierefreie Bahnhofausbau im Bereich des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV) sehr viel flotter vonstatten gehe. Hier dürfe nicht mit zweierlei Maß gemessen werden.

Minister Zeil betonte in seiner Antwort, ihm seien die Belange behinderter Menschen wichtig. Aber im Zuge des Ausbaus der ICE-Strecke München-Berlin ab 2017 werde eine Umgestaltung der Bahnsteige am Forchheimer Bahnhof nötig. Würde man jetzt den Bahnhof barrierefrei umgestalten, würde das viel Geld kosten. Das wäre eine verlorene Investition, wenn in wenigen Jahren wieder komplett erneuert werden müsste. Die Gleise 2/3 und 4 könnten also nicht zeitnah barrierefrei ausgebaut werden.

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