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Eisenbahnforum Nordostbayern
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Noricus, Stilllegungskandidat, Cargonaut, Guliver, Wunsiedel-Holenbrunn Hbf, fahr-gast, Martin Pfeifer, Bahnwärter1848

Offenbar absehbarer NE-Fernverkehr auch wieder im Forumgebiet.

Startbeitrag von Noricus am 06.06.2009 12:56

Entgegen diversen, der "Mehdorn'schen"-Ablehnungsphilosophie folgenden pseudofachlichen Prognostikern und ihren "Weissagungen", "Fernverkehr wird nicht wieder kommen", wurde in den Monaten Februar / März d. Js. von Dritten das "verkehrliche Interesse" für einen privatwirtschaftlichen Fernverkehr (Zürich-Bregenz-München-Ingolstadt-Nürnberg-Marktredwitz-Cheb-Pilsen-Prag-v.v.) beim BayStMWIVT bekundet.
Ab 2016 im 2-Stunden-Takt mit neuen und TSI-konformen 7-teiligen Dreifrequenz-HGV-Neigetechnik-Elektrotriebwagen mit V/max 275 km/h.
Beruhend auf den vertraglich und finanziell abgesicherten, bis 2015 beendeten Neigetechnik-Vollausbau und die Elektrifizierung des Korridors Bregenz-München. Und des Ausbauabschlusses in Tschechien (Cheb-Pilsen-Prag) bis 2016 für V/max. 140 km/h.
Erfolgt kein Elektrifizierungslückenschluss zwischen Nürnberg-Schirnding ist eingeplant, notfalls ab Nürnberg bis Schirnding/Cheb mit DE-Vorspann - nach französischem Vorbild - zu fahren. Mit Halt nur in Marktredwitz.
Der Einbezug der Oberregion Regensburg wird dem Aufkommenspotenzial aus der Metropolregion Nürnberg betreiberseitig geopfert.
Die Relation Karlsruhe-Stuttgart-Nürnberg-Hof-Chemnitz-Dresden wird interessentenseitig geprüft.
Notorische Schwarzseher werden offenbar eines Besseren belehrt.

Antworten:

zeige mir bitte ein Posting....

... im gesamten NOBF, wo einem NE-Fernverkehr auf der Relation oder von mir aus auch der Relation Nürnberg-Dresden keine Chance eingeräumt wird!
Es ging immer nur um den DB-Fernverkehr und auch dem würde ich eine Chance einräumen. Nur ist dieser eben nicht gewollt. Das sind immernoch zwei verschiedene Paar Schuhe.

Grüße vom Schwarzseher

von Cargonaut - am 06.06.2009 22:26
Also ich glaubs erst wenn es wirklich so weit ist, es wurde schon viel angekündigt. Ändert nichts daran dass es hier eine vernünftige Bahnverbindung braucht und ich wage zu bezweifeln dass Vmax160 bis Marktredwitz und dann lächerliche 140 bis Pilsen wirklich attraktive Fahrzeiten zulassen.
Nürnberg - Prag muss man in weit unter 3 Stunden schaffen, optimalerweise 2,5 Stunden.

Es gibt hier auch keine Schwarzseher, sondern Realisten und ich bin nebenbei Pessimist, warum sollte sich beim Streckenausbau was tun? Deutschland ist Eisenbahntechnisch am Rande der Lächerlichkeit, wenn man nur mal sieht wie lange man schon an wichtigen Strecken wie Karlsruhe - Basel baut bzw. plant.

von Stilllegungskandidat - am 06.06.2009 22:46
Servus,

sehen wir das erst einmal positiv: es macht sich überhaupt einer Gedanken, wie man den Ausbau der Strecke über Marktredwitz nutzen kann. Von der Idee her kein schlechter Ansatz, gehe ich Recht in der Annahme, das auch die SFS Nürnberg - Ingolstadt befahren soll? Dann würden ja auch die Potentiale der Teilstrecken mit abgeschöpft werden, was die Auslastung steigert.

Allerdings, und da schließe ich mich meinen Vorrednern an: ohne den vollendeten Ausbau macht das keinen Sinn. Und an den Ausbau glaube ich erst dann, wenn die erste Baustelle läuft.

von Martin Pfeifer - am 07.06.2009 07:47

Wir werden sehen.

Ich persönlich sehe in der Relation mehrere Knackpunkte:

München - Zürich soll nach der Elektrifizierung bereits von DB/SBB im 2-Stundentakt bedient. Sicherlich besteht ein höherer Bedarf als die heutigen 4 Züge, aber einen überlagernden 1 Stundentakt? An der Strecke liegen jetzt nicht gerade die Metropolen. Ein 2 Stundentakt würde in meinen Augen ausreichen.

Die Schweiz ist kein EU-Mitglied. Ist sie daran gebunden, ihren Fernverkehr für private Anbieter zu öffnen? Dadurch würden ja praktisch die Hälfte der Züge Zürich - Winterthur - St. Gallen - St. Magarethen durch die DB bzw. dieses private Unternehmen gefahren. Ob das der SBB schmeckt? Dazu kommt noch das Risiko für den Schweizer Taktverkehr. Eine so lange internationale Verbindung dürfte nicht unbedingt immer absolut pünktlich sein.

Die Strecke dürfte in mehrere Teilstrecken zerfallen: Zürich - München, München-Nürnberg, Nürnberg-Prag.
Sicherlich gibt es zwischen diesen Verbindungen einzelne Fahrgäste die durchfahren. Aber man riskiert hier mit einem sehr langen Umlauf (932 km einfache Fahrt) Folgeverspätungen, so das ich es sinnvoller halten würde, die einzlenen Läufe zu trennen da zwischen ihnen keine großen Verkehrsströme verlaufen.

Ich zweifel insgesamt nicht daran, das zwischen München und Zürich sowie zwischen Nürnberg und Prag (ebenso München und Prag) ein gewinnbringender Fernverkehr im 2 Stundentakt durchzuführen ist. Nur denke ich das oben genannte Knackpunkte durchaus mit bedacht werden sollten. Das es aktuell keinen Fernverkehr gibt, liegt für mich eher am Quasi-Monopol und nicht an der verkehrlichen Realitäten.

Grüße,
Peter

der sich durchaus mehr Privatinitiativen auf dem Fernverkehrsmarkt wünschen würde.

von Guliver - am 07.06.2009 09:37

Diskriminierungsfreiheit in CH gewährleistet

Durch Trasse Schweiz AG und das Bundesamt für Verkehr (BAV) ist auch für ausländische EVU's die Diskriminierungsfreiheit in der Trassenvergabe gewährleistet. Hinzu gesellt sich, daß die EU darauf drängt, in der CH eine SBB-unabhängige Vergabeinstitution einzurichten; dem das BAV offenbar nicht negativ gegenüber steht.

von Noricus - am 07.06.2009 18:48

Abhängig von Gegebenheiten der Strecke

Die aktuelle "Express"-Fahrzeit Nürnberg - Prag, von - mindest! - 5 Stunden 10 Minuten entspricht Bahnzeitmittelalter; eine der Umwelt und der Mobilität abträgliche Rückständigkeit par excelance.

Die Topografie der CZ-Bahnstrecke Cheb-Pilzen-Prag läßt - ohne komplette und extrem kostenträchige Neutrassierung mit unabsehbaren Zeitspannen für Raumordnungsverfahren, etc. - keinen Ausbau für mehr als 140 km/h bogenschnelles Fahren zu. - Immer noch besser 140 km/h, statt den bisherigen 80 km/h.

Die Zielverfolgung einer Fahrzeit von 3 Stunden 15 Minuten mit Dreifrequenz-Neigetechnik ist realistisch.

von Noricus - am 07.06.2009 19:11

Re: Offenbar absehbarer NE-Fernverkehr mit Dampf?


"notfalls ab Nürnberg bis Schirnding/Cheb mit DE-Vorspann" -

wenn DE-Vorspann 'Dampfexpreß' heißt, erklärt sich, warum jetzt schon die 50 3690 hergerichtet wird - ob sie grün-weiß-blau wird, ist leider noch nicht erkennbar ...

von Bahnwärter1848 - am 07.06.2009 19:15

Interessant.

Gut wäre die Frage geklärt.

Die andere Frage ist halt: Kriegt man genügend Menschen in den Zug zwischen MüncheN und Zürich, wenn die DB einen 2 Stundentakt einführt.

Zusätzlich frag ich mich: Passt zwischen Buchloe und Leutkirch überhaupt soviele Züge rein? Mit Fernverkehr und Regionalverkehr?

von Guliver - am 07.06.2009 19:18

Re: Interessant.

Auf der vorher von DB als Elektrifizierungsgegner vernachlässigten Strecke im 2-Stunden-Takt zu fahren ist bislang nur eine Absichtserklärung der DB. Muß abgewartet werden, wie die einzig streckentauglichen und achstechnisch sich neuerdings negativ darstellenden ICE 411er und 415er weiterhin im Einsatz bewähren.

Die Streckenkapazität für eine Expresstrasse zu bemessen obliegt zu gegebener Zeit bei der DB Netz AG NL Süd.

von Noricus - am 07.06.2009 20:14

Witzbold ... (grins)

Wäre schade um die Optik der vom Dampfross verrusten E-Triebwagen. - "DE" für dieselelektrischen Vorspann.

Gott behüte, daß es dazu noch im Jahr 2016 kommen muß.

von Noricus - am 07.06.2009 20:19

Re: Abhängig von Gegebenheiten der Strecke

Zitat
Noricus
Die Topografie der CZ-Bahnstrecke Cheb-Pilzen-Prag läßt - ohne komplette und extrem kostenträchige Neutrassierung mit unabsehbaren Zeitspannen für Raumordnungsverfahren, etc. - keinen Ausbau für mehr als 140 km/h bogenschnelles Fahren zu. - Immer noch besser 140 km/h, statt den bisherigen 80 km/h.


Man kann die Strecke Plzen - Cheb ja nur für 140 ausbauen, für den innertschechischen Verkehr taugt es, aber doch nicht für eine internationale Fernverbindung. Frankreich doktert auch nicht an topografisch schwierigen Strecken rum, da kommt eine NBS hin und fertig.
Nürnberg - Cheb könnte man für einen möglichen Fernverkehr nach Liberec (mit Anschluss nach Dresden und Prag nutzen oder nach Schlesien, denn auch hierhin besteht ein Verkehrsbedarf, der heute fast nur mit Bussen und Autos abgedeckt wird).
Bei einer NBS Praha - Plzen müsste man nur noch Plzen - Furth tw. neutrassieren und dann im dt. Abschnitt auch einige Abschnitte ausbauen und neu trassieren, hier wäre immer noch der Vorteil der Bündelung der Verkehre nach Nürnberg und München.
Bedarf wäre genug vorhanden, der Verkehr nach Osteuropa wird immer weiter zunehmen und das muss man weder DB-Bus (wie auch immer), Touring, Student-Agency noch den Fluggesellschaften oder diesen Kleinbus-Fahrgemeinschaften überlassen.

Zitat
Noricus
Die Zielverfolgung einer Fahrzeit von 3 Stunden 15 Minuten mit Dreifrequenz-Neigetechnik ist realistisch.


Das ist immer noch viel zu viel und dafür wird man noch durchgeschüttelt und hat eine störungsanfällige Neigetechnik bei einer europaweit wichtigen Verbindung. Was ist wenn die Neigetechnik ausfällt? Lieber ohne und dafür richtige NBS-Abschnitte und dann eine Fahrzeit von deutlich unter 3 Stunden.
Nürnberg - Praha über 3 Stunden ist alles andere als konkurrenzfähig gegenüber dem Straßenverkehr.

von Stilllegungskandidat - am 07.06.2009 21:08

Re: ...... und die erforderlichen Milliarden Euro?

Die Entscheidungshirarchie in Frankreich ist eben flexibler; notfalls kann der Präsident ein anordnendes Machtwort sprechen und es wird danach gehandelt. - In D wird politisch palavert und palavert und nichts geschieht; außer Selbstdarstellungen.

Die vorgeschlagenen Trassenneubauten würden Milliarden an Euros verschlingen; wer soll die Euros verfügbar stellen?

Natürlich, Zuggarnituren auf der Basis des RailJet sind für Verkehre in den genannten Relationen optimal; vom Gestehungspreis und Reisekomfort. Doch ist mit konventionellen Zugkompositionen auf diesen Strecken keine Fahrzeitverkürzung zu realisieren..

Die HGV-Neuentwicklung mit aktiver Neigetechnik System Pendolino läßt optimalere Einsatzfestigkeit erwarten.

N.B.

Gedankenspiele sind erlaubt, doch die Realitäten dürfen dabei nicht außen vor bleiben.

von Noricus - am 07.06.2009 21:44

Re: ...... und die erforderlichen Milliarden Euro?

Zitat
Noricus
Die vorgeschlagenen Trassenneubauten würden Milliarden an Euros verschlingen; wer soll die Euros verfügbar stellen?


Wäre schön wenn man sich beim Straßenbau mal diese Fragen stellen würde.

Zitat
Noricus
Gedankenspiele sind erlaubt, doch die Realitäten dürfen dabei nicht außen vor bleiben.


Die Realität ist aber dass in Deutschland die Eisenbahn keinen Cent wert ist, das kann man immer mit parallelen Straßenprojekten vergleichen.
Zwei Autobahnen werden im Rekordtempo durch den Thüringer Wald gebaut, egal was es kostet und die Bahnlinie (über Trassierung und bessere Alternativen kann man streiten, aber ist ja leider zu spät) kommt nicht voran.
Die A94 wird auch schneller fertig sein als die Bahnlinie ausgebaut ist und damit viel Fahrgastpotenzial abziehen und wieder auf die Straße verlagern.
Die A6 ist komplett fertig, aber auf eine vernünftige Bahnanbindung nach Tschechien darf man noch lange warten und eine ausgebaute Altstrecke über Marktredwitz (die ja auch noch laaaaaaaange auf sich warten lässt) ist keine vernünftige Bahnverbindung die konkurrenzfähig ist.

Geld ist aber bald keins mehr da, denn die Steuern kann man nicht unbegrenzt erhöhen um das Versagen von Politik und Wirtschaft weiter auszubaden. Opel wird z. B. ein teuerer Spaß für die Steuerzahler, alles wegen dem Wahlkampf.

von Stilllegungskandidat - am 07.06.2009 22:36

Re: Abhängig von Gegebenheiten der Strecke

Zitat
Regnerischer Stilllegungstag
Das ist immer noch viel zu viel und dafür wird man noch durchgeschüttelt und hat eine störungsanfällige Neigetechnik bei einer europaweit wichtigen Verbindung. Was ist wenn die Neigetechnik ausfällt? Lieber ohne und dafür richtige NBS-Abschnitte und dann eine Fahrzeit von deutlich unter 3 Stunden.


Also bevor ich in "Rekordzeit" durchgeschüttelt mit immer wieder vesagender Neigetechnik in Rekordzeit in Praha ankomme, wähle ich den bequemeren Weg über die A6.
Lieber in nicht so ganz rekordverdächtiger Zeit in Praha angekommen,dafür mit vernünftigen Reisezugwagen. Wer so ein fanatischer Minutenhascher ist, der wird sowieso immer fliegen, egal, wie schnell die Bahn unterwegs ist.

MfG Cargonaut

von Cargonaut - am 07.06.2009 23:27

Re: ...... einseitige Verkehrspolitik seit Jahrzenten

Die bundesdeutsche Verkehrspolitik richtet sich nach der Lobby des Straßenverkehrs (ADAC, Pkw-/Nfz-Fahrzeughersteller mit der Drohung von Arbeitsplatzverlusten, Speditionsgewerbe, Omnibusunternehmen, Strassenbauwirtschaft, etc. etc.).

Die Bahnnutzer haben eine nur schwache Lobby für ihre berechtigten Interessen.

Der Monopolist DB interessiert sich primär für den Ausbau des ICE-Netzes, Rückbau von Trassen und Überholgleisen und läßt die Infrastruktur in unliebsamen Regionen verkommen oder zumindest am "Armutstropf" hängen. - Es sei denn, die Aufgabenträger des SPNV sind bereit, aufgabenfremd sich finanziell an der Infrastruktur zu "beteiligen" und die DB kassiert auch dafür wieder Nutzungsgelder.

Die Bahnindustrie zur Kritiklosigkeit verurteilt, durch ihre Orderabhängigkeit vom Monopolisten DB.

Nach dem Motto, im Glaspalast in Berlin schwelgen und die aufmüpfige Provinz ignorieren.

Die maßgeblichen Politiker in Bund und Land sich dem Getöse der DB-Lobby unterordnen, oder nur vertröstend palavern und nicht konkret aktiv werden, um ihre eigenen Worte in die Tat umzusetzen.

Wenn dann noch "Einer", als ehemaliger Landesminister nach außen hin und wieder gegen die Bahn wetterte, dann den Regionalverkehr wettbewerbeverzerrend mehrheitlich an die DB verhöckerte - sich dann in den DB-Vorstand hat hieven lassen, dann ist für einen Blinden erkennbar, wohin in Deutschland für die Bahn der Hase läuft.

Die expansive Mauschel-Republik läßt grüßen!

von Noricus - am 08.06.2009 08:29

"120" sind genug!

Genau.
Und zumindest auf mittleren Fernverkehrs-Distanzen kann ich die Geschwindigkeits-Erhöhungs-Phantasien sowieso nicht nachvollziehen, egal ob durch Strecken Aus/Neubau oder Neigetechnik.
Ein Fernverkehrszug, der wirklich konsequent nur auf großen Bahnhöfen halt macht, braucht keine 140 oder 160 km/h, die ja - und da brauchen wir uns nichts vormachen - sowieso nur punktuell auch mit Neigetechnik oder auf ausgebauten Strecken auf einigen wenigen kurzen abschnitten erreichbar sind/wären!
Stattdessen ein gleichmäßiges, entspanntes, energiesparendes "dahingleiten" mit Vmax 120 und nur wenigen Zwischenhalten - wäre das nicht sinnvoller?

Auf der Autobahn fahr ich im übrigen genauso:
Die Tachonadel ist in der Regel bei "110" festgewachsen, wenns sein muß ab und zu mal "120" - das wars.
Unterm Strich gerechnet komme ich aber trotzdem auf Durchschnittsfahzeiten, die mit vielen fahrplanmäßigen ICE (Vmax 250plusX) vergleichbar sind.



von fahr-gast - am 08.06.2009 10:07

Auch in Tschechien ist man stark Straßenorientiert.

Nicht nur Deutschland, auch Tschechien ist sehr stark auf die Straße fokusiert.

Wenn man sich ansieht, wie dort gerade die Autobahnen und Schnellstraßen aus den Boden wachsen. Die D5/A6-Linie dürfte den meisten der Region ja sehr bewusst sein. Ähnliches gilt für Dresden-Prag die D8/A17 die sehr schnell und mit hohem Aufwand an Brücken und Tunneln vorangetrieben wurde. Auch nach Süden wird etwa die R4 nach Deutschland (dort evtl. in Zukunft Anschluss an die A 94) und die D3 mit Anschluss an die S10 nach Linz wachsen immer weiter.

Es ist also nicht nur so, das die deutsche Verkehrspolitik Autovernarrt ist. Auch unser östlicher Nachbar versucht kräftig seine Straßen auszubauen. Im Bericht der Straßenverwaltung 2009 [www.rsd.cz] steht, das jedes Jahr ca. 42 Mrd. Kronen, also 1,7 Mrd. Euro in Neubau und Instandhaltung des Autobahnnetz gesteckt werden. Die Streckenentwicklung ist auch deutlich. Hatte Tschechien 1990 nur 338 km Autobahn sind es 2008 mit 768 km gut doppelt soviel. Bis 2011 werden weitere 198 km Autobahnen in Angriff genommen.

Entsprechend schaut auch die Entwicklung der Verkehrsverteilung aus:
Personenverkehr:
1993 Eisenbahn 12,4 %, Straßenverkehr 71,3%
1998 Eisenbahn 9,0% Straßenverkehr 78,5%
2003 Eisenbahn 7,2%, Straßenverkehr 74,5%
2008 Eisenbahn 6,9% Straßenverkehr 81%

Im Güterverkehr eine ähnliche Entwicklung:
1993 Eisenbahn 48,7 %, Straßenverkehr 48,9%
1998 Eisenbahn 35,0% Straßenverkehr 63,3%
2003 Eisenbahn 25,2%, Straßenverkehr 73,9%
2008 Eisenbahn 23,1% Straßenverkehr 75,6%



von Guliver - am 10.06.2009 18:37

Re: Kann man nicht vergleichen

Zitat
Peter_Wolf
Nicht nur Deutschland, auch Tschechien ist sehr stark auf die Straße fokusiert.

Wenn man sich ansieht, wie dort gerade die Autobahnen und Schnellstraßen aus den Boden wachsen. Die D5/A6-Linie dürfte den meisten der Region ja sehr bewusst sein. Ähnliches gilt für Dresden-Prag die D8/A17 die sehr schnell und mit hohem Aufwand an Brücken und Tunneln vorangetrieben wurde. Auch nach Süden wird etwa die R4 nach Deutschland (dort evtl. in Zukunft Anschluss an die A 94) und die D3 mit Anschluss an die S10 nach Linz wachsen immer weiter.


Wieso ist man in Tschechien denn Straßenorientiert? Dort hat man doch einen gewaltigen Nachholbedarf und baut Autobahnen die es bei uns längst gibt. Ohne Autobahnen gehts nun mal nicht und Tschechien muss das eben nochholen. Bei uns ist das was anderes, im Grunde ist das Autobahnnetz ziemlich vollständig und müsste nur punktuell erneuert werden, während man beim Schienennetz kräft spart, obwohl hier ein großer Nachholbedarf wäre.

von Stilllegungskandidat - am 10.06.2009 23:06

Anteil Schienenverkehrs binnen 15 Jahren halbiert!

Also nun ja, wenn binnen 15 Jahren sich der Anteil des Personen- und des Güterverkehrs auf der Schiene um die Hälfte abnimmt, während der Anteil des Straßenverkehrs um 15 bzw. 55% zunimmt, dann spricht das in meinen Augen nicht unbedingt für eine stark schienenorientierte Politik. Besonders im Güterverkehr sind die Zahlen in meinen Augen dramatisch eingebrochen für die Bahn.

Sicherlich hat die Tschechische Republik einen Nachholbedarf im Verkehrssektor. Allerdings wird dieser eben einseitig auf dem Straßennetz vollzogen. Sicherlich hat man mit 10 m Autobahn / 1 km² Landesfläche deutlich weniger Autobahnen als in der Bundesrepublik (36 m / 1km²). Allerdings nimmt eben dieses Straßennetz mit rasanter Geschwindigkeit zu, während auf der anderen Seite das (heute noch durchaus sehr dichte) Schiennetz immer mehr ausgedünnt. Deutschland ist eine Autofahrerrepublik (Personenverkehr: Schiene 3,3%/Straße 83%; Güterverkehr Schiene 17%/Straße 70%), keine Frage, aber Tschechien (PV: Schiene 7%/Straße 81%, GV Schiene 23%/Straße 75%) ist auf den besten Weg die Deutschen nachzumachen und auch zu einer zu werden.

Grüße,
Peter

von Guliver - am 11.06.2009 10:00

Re: Anteil Schienenverkehrs binnen 15 Jahren halbiert!

Zitat
Peter_Wolf
Sicherlich hat die Tschechische Republik einen Nachholbedarf im Verkehrssektor. Allerdings wird dieser eben einseitig auf dem Straßennetz vollzogen. Sicherlich hat man mit 10 m Autobahn / 1 km² Landesfläche deutlich weniger Autobahnen als in der Bundesrepublik (36 m / 1km²). Allerdings nimmt eben dieses Straßennetz mit rasanter Geschwindigkeit zu, während auf der anderen Seite das (heute noch durchaus sehr dichte) Schiennetz immer mehr ausgedünnt. Deutschland ist eine Autofahrerrepublik (Personenverkehr: Schiene 3,3%/Straße 83%; Güterverkehr Schiene 17%/Straße 70%), keine Frage, aber Tschechien (PV: Schiene 7%/Straße 81%, GV Schiene 23%/Straße 75%) ist auf den besten Weg die Deutschen nachzumachen und auch zu einer zu werden.


Man wird sich damit abfinden müssen dass einige Nebenstrecken in Tschechien die nächsten Jahre sterben werden. Dort gibts aber viele noch gut genutzte und die wird man kaum einstellen.

Die Tschechen werden sicher auch Neubaustrecken vorantreiben, da bin ich mir sicher, gerade Dresden - Praha - Wien wäre eine feine Sache und der Freistaat Sachsen scheint da auch daran interessiert zu sein.
Auch war ja von tschechischer Seite mal eine NBS gen Nürnberg geplant gewesen, so wie es in der Skizze aussah an der A6-Trasse entlang, nur hat da unsere Republik wohl nicht mitgespielt. Marktredwitz/Eger ist jedenfalls keine Alternative.
Aber eine NBS Praha - Plzen wird über kurz oder lang sicher kommen und von Plzen bis Furth kann man durchaus begradigen und zweigleisig ausbauen und von dort dann sowohl nach Nürnberg als auch gen München fahren (über eine DMB).

von Stilllegungskandidat - am 11.06.2009 21:49

Re: Posting....

Im 1. Quart. '09 haben sich auch im NOBF einige "prognostizierende" Zitate "gegen Fernverkehr" befunden.

Ohne große Blätterei im NOBF kann ich auf Drehscheibe-Forum verweisen - Fahrplanschreiber vom 20/05/09, 22:00 - "Der Fernverkehr kommt nicht zurück ......".

Die oftmaligen Fragen, mit denen die prognostizierende negative Meinung begründet werden soll, "was verkehrt denn an Fernverkehr und Güterverkehr auf der Strecke" gehen am Kern vorbei.

Fernverkehr kommt generell erst wieder zurück, wenn die Strecken durch den Ausbau Wirtschaftlichkeit für den Fernverkehr erwarten lassen; d.h. mittels erzielbarer und mit dem automobilen Individualverkehr wettbewerbsfähige Fahrzeitreduzierung, wieder Reisende generierbar sind.

Wobei allerdings eine V/max.120 km/h für bogenschnelles Fahren mit Gewißheit die minimalste und nur noch mit Kopfschmerzen hinnehmbare Alternative ist. In Anbetracht der Beschaffungs-, Betriebs- und Unterhaltskosten für neue TSI-conforme NeiTech-Elektrotriebwagen, im Verhältnis zu neuen lokbespannten Wagenzügen.



von Noricus - am 12.06.2009 23:39

Re: Posting....

Im 1. Quart. '09 haben sich auch im NOBF einige "prognostizierende" Zitate "gegen Fernverkehr" befunden.[/quote]

Ja, gegen den DB-Fernverkehr, weil der definitiv nicht gewollt ist. Hier geht es jedoch uim privatwirtschaftlichen!!!!

Zitat
Noricus
Ohne große Blätterei im NOBF kann ich auf Drehscheibe-Forum verweisen - Fahrplanschreiber vom 20/05/09, 22:00 - "Der Fernverkehr kommt nicht zurück ......".


1. DSO ist nicht das NOBF, von dem die Rede war und zweitens auch da ging es um den Fernverkehr der DB!

Zitat
Noricus
Die oftmaligen Fragen, mit denen die prognostizierende negative Meinung begründet werden soll, "was verkehrt denn an Fernverkehr und Güterverkehr auf der Strecke" gehen am Kern vorbei.


Am Kern bzw mit sachlichen Argumenten gehen einige vorbei am eigentlichen Thema

Zitat
Noricus
Fernverkehr kommt generell erst wieder zurück, wenn die Strecken durch den Ausbau Wirtschaftlichkeit für den Fernverkehr erwarten lassen; 8/quote]

Blödsinn! Es muß nur Fernverkehr angeboten werden und dann wird er auch angenommen, auch auf nicht ausgebauten Strecken! Es muß eben nur der Preis zum angebotenen stimmen und der nötige Comfort angeboten werden. Die IC's waren doch recihlich besetzt zwischen Nürnberg und Dresden. erst die Aufstockung des Wagenparks auf 7 oder 8 Wagen mit der irrwitzigen Durchbindung nach Stuttgart/Karlsruhe haben doch die Statistiker auf den Plan gerufen und die mangelnde Auslastung hervorgebracht. Bleiben die Reisenden widererwarten nicht zu Hause, verlängern wir einfach die Züge, um die Fernverkehrsverbindung Nünberg-Dresden unwirtschaftlich erscheinen zu lassen.

Zitat
Noricus
Wobei allerdings eine V/max.120 km/h für bogenschnelles Fahren mit Gewißheit die minimalste und nur noch mit Kopfschmerzen hinnehmbare Alternative ist. In Anbetracht der Beschaffungs-, Betriebs- und Unterhaltskosten für neue TSI-conforme NeiTech-Elektrotriebwagen, im Verhältnis zu neuen lokbespannten Wagenzügen.


Deine Neigetechnik ist auch kein Allheilmittel und schon gar nicht das Non plus Ultra, bei den ganzen Problemen, die diese Winter für Winter mit sich bringt... im Sommer übrigens auch...

Ansonsten im ersten Teil deines Postings die gewohnt schwammige Argumentation ohne richtige Fakten zu bringen. Man kennt es nicht anders.


Freundliche Grüße vom Praktiker an der Front, jenseits der Bürostühle und Reißbretter.


von Cargonaut - am 13.06.2009 14:50

Re: "120" sind genug!

Zitat
fahr-gast
Genau.
Und zumindest auf mittleren Fernverkehrs-Distanzen kann ich die Geschwindigkeits-Erhöhungs-Phantasien sowieso nicht nachvollziehen, egal ob durch Strecken Aus/Neubau oder Neigetechnik.
Ein Fernverkehrszug, der wirklich konsequent nur auf großen Bahnhöfen halt macht, braucht keine 140 oder 160 km/h, die ja - und da brauchen wir uns nichts vormachen - sowieso nur punktuell auch mit Neigetechnik oder auf ausgebauten Strecken auf einigen wenigen kurzen abschnitten erreichbar sind/wären!
Stattdessen ein gleichmäßiges, entspanntes, energiesparendes "dahingleiten" mit Vmax 120 und nur wenigen Zwischenhalten - wäre das nicht sinnvoller?


Sinnvoller vielleicht schon, nur verkauft sich das nicht so gut in unserer Welt der Minutenhascherei und Kurzlebigkeit. Geschwindigkeit ist doch alles, der Rest ist egal. Da fahren wir doch lieber mit 160km/h, so Gott will, daß die Neigetechnik überhaupt geht, mit dem 612 von Nürnberg nach Hof, anstatt mit einem konventionellen lokbespannten und bequemen Zug mit zuverlässigen 120km/h, der vielleicht 5-7min länger für die Strecke braucht.
Das wollen doch die Fahrgäste oder sollen sie das bloß wollen, von den Herren der Bürostühle und Reißbretter "verordnet"?! Man weiß es nicht genau....

MfG Cargonaut

von Cargonaut - am 13.06.2009 14:55

Zwangs-Umerziehung mittels Einheits-Angebot

Servus,

dem Fahrgast ist es definitiv egal, ob jetzt 120 oder 160 km/h gefahren werden, die Leute nehmen auch durchaus wahr, dass dies spätestens durch die Kuppelei in Pegnitz keine Vorteile mehr bringt.

Ebenso ist es dem Fahrgast wurscht, ob "sein" ICE auf der Neubaustrecke jetzt mit 230, 250, 280 oder 300 km/h fahren wird.

Bezogen auf Nürnberg-Hof haben die Fahrgäste schlichtweg keine andere Wahlmöglichkeit mehr. Dies wird die chronischen Billig-Ticket-User nicht stören, diese kaufen sowieso keinen FV-Fahrschein.

Beste Grüße,
Michael




von Wunsiedel-Holenbrunn Hbf - am 13.06.2009 15:39

Re: ...... wenn dann auch weitgehendst mit 120 gefahren werden könnte

Statt mit NeiTech bis 160, mit lokbespanntem Wagenzug - wie wärs' mit "Viaggio Comfort" / der RailJet-Generation? - nur bis 120, könnte für die Korridore noch eine vertretbare Alternative sein. - Doch dafür seitens des NE-EVU von DB Netz eine bevorrechtigte Express-Trasse zugeteilt zu bekommen, ist mehr als nur fraglich.

Es muß ja nicht immer die in Deutschland festgefahrene und betriebstechnisch anfällige aktive Neigetechnik sein. Es gibt auch die bewährtere passive Neigetechnik. Wenn auch mit ihr nicht gleichschnell bogenschnell gefahren werden kann.

von Noricus - am 13.06.2009 18:42

Re: NE-Fernverkehr ist kein "Milchkannensammler"

Ein NE-Fernverkehr, worum es hier geht, wird auch mit Sicherheit nicht an jedem "Milchkannenbahnhof" einen Halt einlegen; dafür frequentieren die Regios.

Zwischen Nürnberg und Cheb ist als Takthalt nur Marktredwitz interessant; für Anschlüsse nach/aus Richtungen Hof und Regensburg.

von Noricus - am 13.06.2009 18:49

Re: ...... wenn dann auch weitgehendst mit 120 gefahren werden könnte

Zitat
Noricus
Es muß ja nicht immer die in Deutschland festgefahrene und betriebstechnisch anfällige aktive Neigetechnik sein. Es gibt auch die bewährtere passive Neigetechnik. Wenn auch mit ihr nicht gleichschnell bogenschnell gefahren werden kann.


Wofür brauch ich die dann?

MfG

von Cargonaut - am 14.06.2009 08:03

Re: ...... sind 5 Stunden 11 Minuten zeitgemäß für Nürnberg-Praha, oder 4 Stunden 20 Minuten für Nürnberg-Dresden???

...... absolut nein! - Wird eben "geduldig hingenommen" weil kein alternatives Angebot vorhanden ist.

Passive Neigetechnik, um zumindest eine merkbare Fahrzeitreduzierung zu erzielen.

Bei 3,5° passiver Neigung dürfte immer noch etwa 15% bis 20% bogenschneller gefahren werden können, als mit lokbespannten Wagenzügen. Für passive Neigetechnik müßten wohl die Balisen entsprechend programmiert werden, oder? - hallo Praktiker "Cargonaut", trifft das zu?

Kein Investor gibt einen Cent aus für die Entwicklung und Beschaffung neuen Fernverkehr-Rollmaterials, wenn dieses das gegebene und zukünftige Streckenpotential nicht fahrzeitreduzierend nutzt.

Sind doch für einen neuen siebenteiligen und TSI-konformen NeiTech-Elektrotriebwagen (V/max. 250 km/h) etwa ¤ 24 Million und für einen interoperablen 7-teiligen Wagenzug (V/max. 230-250 km/h) circa ¤ 17 Million anzusetzen.

von Noricus - am 14.06.2009 10:12
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