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Eisenbahnforum Nordostbayern
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Talent in Nürnberg: Neue Bahnsteige werden zu kurz und zu niedrig

Startbeitrag von Neuenmarkt am 03.07.2009 14:04

Bahnsteige sind für die neuen Züge zu kurz
Nagelneue Talent-2-Waggons liegen auch noch 20 Zentimeter zu tief
Bahnsteige sind für die neuen Züge zu kurz
Foto: Karlheinz Daut
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NÜRNBERG/GOSTENHOF - Planungsfehler sorgen für Kopfschütteln: Die neuen Züge für das Nürnberger S-Bahn-Netz sind vier Meter länger als die Bahnsteige. Zudem werden an manchen Bahnhöfen die Waggons nicht halten können, weil der Einstieg 20 Zentimeter unter der Bahnsteigkante liegt.

Talent 2 heißen die nagelneuen Züge der Firma Bombardier, die ab 2010 auf dem Schienennetz der regionalen S-Bahn rollen werden. Noch in diesem Jahr soll der Probebetrieb aufgenommen werden. Bombardier wirbt damit, dass die Züge komfortabler und flexibler sein sollen. Besonders auf die Belange von Menschen, die Probleme beim Sehen oder Hören haben oder nicht mehr so gut zu Fuß sind, will die Firma mit ihren neuen Zügen eingehen.

Euphorie hält sich in Grenzen

Doch die Euphorie über die neue Baureihe hält sich in Grenzen. Die Loks haben den Verkehrsverbund noch gar nicht erreicht, schon sickern erste Planungsfehler durch. Nach Informationen des Stadtanzeigers sind die Bahnsteige auf den neu ausgebauten oder noch im Bau befindlichen S-Bahn-Strecken (wie an der Rothenburger Straße) für die Talent-2-Züge zu kurz.

Während die Plattformen für die Fahrgäste die Standardlänge von 140 Metern haben werden, sind die neuen Züge um vier Meter länger. Betroffen sind die neuen Strecken Forchheim - Hartmannshof (S1), Nürnberg - Neumarkt (S3) und Nürnberg - Ansbach (S4).

«Die technischen Standards haben sich geändert»

Ein Schildbürgerstreich? Klar ist jedenfalls, dass die Bahn die neuen Bahnsteige nach den Richtlinien entwickelt hat, so ein Experte, der nicht mit Namen genannt werden will. «Die technischen Standards haben sich aber seit der Ausschreibung auf dem Markt geändert», sagt er. Während Bombardier abweichend vom Standardmaß die Züge mit einer «Knautschzone» ausgerüstet hat, änderte sich bei der Entwicklung der Bahnsteige nichts, ihre Standardlänge blieb.

«Irgendwann hat die Bahn die abweichenden Längen mitbekommen», berichtet der Fachmann. Doch sei es da zu spät gewesen, den Fehler rückgängig zu machen. Dennoch hat das Eisenbahnbundesamt nach einer Prüfung das Projekt freigegeben. Der Grund: Der Abstand zwischen der Zugspitze und der ersten Tür des neuen Talent-2-Zuges beträgt elf Meter - mehr als bei den alten Zügen.


Skepsis zieht weite Kreise

Doch zieht die Skepsis weitere Kreise. Ein Mitarbeiter der Stadt, der ebenfalls anonym bleiben will, den aber das Thema beruflich wie privat tangiert, fürchtet fatale Folgen für Kunden: «Ich fahre täglich mit der S-Bahn in den alten Zügen. Nicht selten fordert der Lokführer die Fahrgäste auf, die hinteren Türen des Zuges zu benutzen, weil er mit der Spitze über das Ende des Bahnsteigs hinausgeschossen ist.»

Da zahle die Bahn mehrere hunderttausend Euro für das neue S-Bahn-Netz und plane die Plattformen zu kurz. Für ihn steht fest: «ein klassischer Schildbürgerstreich».

Alles richtig

Gegen diesen Vorwurf wehrt sich Michael Baufeld, Leiter der Bahn-Abteilung Kommunikation Großprojekte in Berlin. «Mit der Länge von 140 Metern hat alles seine Richtigkeit», sagt er. Wer an diesem Punkt zweifle, gebe sich als Nicht-Kenner der Materie zu erkennen. Nach seinen Informationen halten alle Wagen des Talent 2 an den Bahnsteigen, keine Tür bleibt außerhalb. «Wie an jeder Station hat der Lokführer eine Haltetafel, die ihm anzeigt, wo er zu stoppen hat», sagt Baufeld.

Aber nicht nur die Länge der Bahnsteige sorgt für Ärger, auch das Höhenniveau der neuen Züge zu den alten Bahnsteigen steht in der Kritik. Weil die Waggons 20 Zentimeter darunter liegen, zwingt die neue S-Bahnlinie 3 etwa Club-Fans aus dem Raum Neumarkt zu ärgerlichen Umwegen - die Züge können nicht an den Bahnhöfen Frankenstadion und Dutzendteich halten.

Alexander Brock [www.nn-online.de]


DUTZENDTEICH/FISCHBACH - Fassungsloses Kopfschütteln bei Fachleuten und Stadträten im Verkehrsausschuss. Die neue S-Bahnlinie 3 zwingt Club-Fans aus dem Raum Neumarkt zu ärgerlichen Umwegen, weil die Züge nicht an den Bahnhöfen Frankenstadion und Dutzendteich halten können. Außerdem sind die neuen Züge länger als die Bahnsteige.

Erneuten Ärger gibt es auch um den zweiten Bahnsteigzugang in Fischbach, an dem sich nun die Stadt finanziell beteiligen soll. «Das ist doch Schilda pur und den Menschen einfach nicht mehr zu erklären», ereiferten sich die Stadträte aller Parteien über die Vorgänge im Rahmen des Neubaus der S-Bahnlinie 3 nach Neumarkt.

Technische Gründe

Frank Jülich, Leiter des Verkehrsplanungsamtes, versuchte die Gründe zu erklären. Die Bahnsteige auf der S-Bahn-Linie 2 von Altdorf nach Roth wurden mit einer Höhe von 96 Zentimetern an die eingesetzten Züge angepasst. Auf der neuen, im Bau befindlichen Strecke nach Neumarkt kommen aber neuartigere Fahrzeuge zum Einsatz, die eine Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern benötigen. Da sie einen Teil der Strecke der Linie 2 mit benutzen, können sie schon aus technischen Gründen an den urspünglichen Bahnhöfen keinen Stopp einlegen.

Das ist besonders ärgerlich für Club-Fans, Besucher von Veranstaltungen rund um den Dutzendteich oder Musikfreunde, die zu einem Konzert in die Arena wollen und aus dem Raum Neumarkt mit der neuen S-Bahn anreisen. Die Linie 3 fährt an den Bahnhöfen Frankenstadion und Dutzendteich vorbei und hält erst wieder im Hauptbahnhof. Von dort müssen die Fahrgäste mit der S-Bahn-Linie 2 wieder zurück in Richtung Stadion fahren. Die zweite Möglichkeit: Sie steigen in Feucht in die S-Bahn-Linie 2 um und nehmen auch hier ärgerliche Zeitverzögerungen in Kauf.

Völlig unverständlich

«Was hat das noch mit einem von allen gewünschten attraktiven Nahverkehrsangebot zu tun?», fragten sich die Stadträte verärgert. Eine S-Bahn sei gerade dazu da, kleinräumige Gebiete zu erschließen und so sei völlig unverständlich, warum die neue Linie 3 auf Nürnberger Stadtgebiet keine einzige Haltestelle außer am Hauptbahnhof habe. Auch Fischbach und Altenfurt, wo es Interesse gab, seien bei den Planungen außen vor geblieben.

Diese Diskussion wollte vonseiten der Stadtspitze niemand mehr anfangen. Mit Haltestellen in Nürnberg, so erinnerte Baureferent Wolfgang Baumann an vergangene Debatten, sei die Strecke nach Neumarkt nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben gewesen. Einstimmig beschlossen die Stadträte aber eine Aufforderung an die Bahn, sowohl an den Haltestellen Frankenstadion als auch am Dutzendteich Bedarfshaltestellen für Veranstaltungsbesucher einzurichten.

Totalsperre abgewendet

Für einhellige Ablehnung und völliges Unverständnis über die Haltung der Bahn sorgt auch die neue Entwicklung beim Bau des zweiten Bahnsteigzugangs in Fischbach. Hier sieht die Bahn plötzlich die Stadt als Mitverursacher der Wünsche. Was unterm Strich bedeutet, dass diese sich an den Kosten beteiligen müsste. Kommt gar nicht in die Tüte, so der Stadtrat einhellig. Für dieses Projekt sei einzig und allein die Bahn zuständig.

Nur eine gute Nachricht gab es vonseiten des Baureferats zum Abschluss: Die während der Bauzeit drohende Totalsperre der Löwenberger Straße in Höhe des Bahnhofs Fischbach konnte abgewendet werden. Baureferant Baumann: «Es wird zu tageweisen Sperrungen mit einspuriger Verkehrsführung kommen. Nur im September muss einmal für vier Tage total dicht gemacht werden.»

Vorwurf der Fehlplanung

Weiterer Ärger bahnt sich an, weil die neuen von Bombardier entwickelten Züge mit dem Namen Talent2 vier Meter länger sind als so manche Bahnhöfe auf der Strecke. Sie sollen ab 2010 auf dem Schienennetz der regionalen S-Bahn rollen. Noch in diesem Jahr soll der Probebetrieb aufgenommen werden.

Gegen diesen Vorwurf der Fehlplanung wehrt sich Michael Baufeld, Leiter der Bahn-Abteilung Kommunikation Großprojekte in Berlin. «Mit der Länge von 140 Metern hat alles seine Richtigkeit» sagt er.

Reinhard Schmolzi [www.nn-online.de]

Antworten:

typisch übertriebenes Großstadt-gejammere!

Kann es sein, daß man in und um die Weltmetropole Nürnberg gerne auf sehr hohem Niveau jammert?
Seit wann muß ein Bahnsteig so lange sein wie ein Zug? Es reicht doch aus, wenn die erste und die letzte Tür des Zuges noch im Bahnsteigbereich liegen.
Und der Unterschied auf einigen Stationen bei der Einstiegshöhe: NA UND?
Was soll das?
Draußen in der Provinz halten auch Niederflurfahrzeuge mit 55cm Niveau an 38cm (und niedrigeren)-Bahnsteigen. Dort gehts doch auch.Das wichtigste ist doch, daß im Fahrzeug hinter dern Türen keine Treppenstufen vorhanden sind.
Solche Probleme wie die offenbar übersättigten Nürnberger hätte man anderswo sehr gerne...



von fahr-gast - am 03.07.2009 16:28

Re: typisch übertriebenes Großstadt-gejammere!

Liebe Foristen,

meinem Vorredner kann ich mich nur anschließen. Wo ist da das Problem? Gerade habe ich die Treppenstufen in unserem Haus nachgemessen: 19cm. Und die läuft meine 85-jährige Oma spielend hinauf. Das kann ich von einem Clubfan/ Konzertbesucher auch erwarten. Im schlimmsten Falle ein Hinweis, dass Gehbehinderte zum Hauptbahnhof fahren sollen und dort umsteigen.

Viele Grüße

Daniel

von Ostbahner - am 03.07.2009 19:17

Re: typisch übertriebenes Großstadt-gejammere!

ja es geht hier aber um die barjerefreiheit der sbahn!!! da bringt es nichts wenn jeder bahnsteig nen aufzug hat aber man mim rollstuhl nicht vom bahnsteig in den zug kommt.

von R32chris - am 03.07.2009 19:24

Re: typisch übertriebenes Großstadt-gejammere!

Nuja, in Richtung Lauf ist dies im Moment auch so:

in Mögeldorf 72er Bahnsteige und z.B. in Lauf 96er Bahnsteige.

Eines kann ich aber schonmal sagen: die anderen Bahnsteige werden noch umgebaut werden.

Grüße,
Benedikt

von 330kW_Fan - am 03.07.2009 19:35

Re: typisch übertriebenes Großstadt-gejammere!

72er Bahnsteige sind mir neu.
Du meinst warscheinlich 76.

Richtig, auf der S1 gibt es seit Beginn ein Gemisch aus 76, 85 und 96cm-Bahnsteigen bei 100 cm-Zügen. Und es funktioniert seit 1987.

Und die Bahnsteiglänge:
Da hat die Presse wieder ein Fressen gefunden:
140 m Bahnsteige sind ausreichend, wenn auch nicht optimal.
Notwendig für und 442-Doppel (4-teilig) wären 125 m.

Also, Basst Scho, wie der Franke sagt.



von nvf - am 03.07.2009 21:31

also....

... das du diesem unsachlichen Gejammere hier noch eine Plattform bietest, ohne zumindest einen eigenen Kommentar dazuzuschreiben, wundert mich schon sehr. :-)

Man sieht wieder... jammern können alle am Besten, vorallem in der Metropolregion Nürnberg. Vielleicht nimmt man sich auch etwas zu wichtig. Nur wenn man sich Metropolregion nennt, wird man noch keine... :D

MfG Cargonaut

von Cargonaut - am 04.07.2009 05:40

"Basst ned"

Zitat
nvf
Richtig, auf der S1 gibt es seit Beginn ein Gemisch aus 76, 85 und 96cm-Bahnsteigen bei 100 cm-Zügen. Und es funktioniert seit 1987.

(...)

Also, Basst Scho, wie der Franke sagt.


Nun ja, ein "Passt schon" (wie auch der Niederbayer gerne sagt) ist mir persönlich zu wenig. Ein ebenerdiger Einstieg ist ein Komfortmerkmal. Es ist sicherlich nicht zwingen erforderlich. Aber er erschließt weitere Kundenkreise, deren Reise dadurch erleichtert wird.

Würde es auch nicht als gejammere Abtun, wenn statt 24 cm dann nur noch 10 cm übrig bleiben. Eine Infrastrukturmaßnahme wie der S-Bahnausbau ist eben etwas längerfristiges. Damit wird eben dieser Zustand über Jahre und teilweise Jahrzehnte festgelegt. Daher ist in meinen Augen die Forderung nach einem optimalen Zustand kein Gejammere, sondern ist ein Blick auf die Zukunft. Was uns heute als großer Fortschritt und Optimum erscheint, wird in 20 Jahren genauso veraltet sein, wie heutzutage Bahnsteige mit 10 cm über Schienenoberkante. Von daher sollte man bei Infrastrukturmaßnahmen nicht auf eine an heutige Minimalforderungen orientierte Bauweise achten, sondern eben sich nach oben orientieren.

Grüße,
Peter

von Guliver - am 04.07.2009 07:53

Re: "Basst ned"

Zitat

Von daher sollte man bei Infrastrukturmaßnahmen nicht auf eine an heutige Minimalforderungen orientierte Bauweise achten, sondern eben sich nach oben orientieren.


Oder nach unten. Ok, bei der S-Bahn ists ein abgegrenztes System, aber prinzipiell sind Niederflurfahrzeuge an hohen Bahnsteigen schlimmer, als Hochflurfahrzeuge an niedrigen Bahnsteigen.

Viele Grüße

Tobias

von Schwandorfer - am 04.07.2009 08:10

Re: "Basst ned"

Das "Basst scho" war auf die Bahnsteiglängen bezogen.

Das mit der Bahnsteighöhe ist natürlich - wie man heute so schön sagt - suboptimal, aber es würde auch gehen. Zumindest für die Übergangszeit, solange die x-Wagen noch fahren.

Auf der heutigen S1 werden die Bahnsteige ja angepasst durch Erhöhung der Gleislage. Da kann ja auch der S2 später auch folgen, wenn die Xies mal weg sind.

von nvf - am 04.07.2009 09:48

Das passt schon :-)

Klar, die Bahnsteiglänge sehe ich auch nicht als das Problem an. Im Artikel wird ja selbst geschrieben, das zwischen Puffer und 1. Türe 11 m liegen. Und das dürfte doch Toleranzbereich genug sein.

Grüße,
Peter

von Guliver - am 04.07.2009 11:12
Also ich persönlich sehe das ganze positiv - anstatt das Bahnsteighöhenchaos auf Dauer festzuzementieren, nutzt man in Nürnberg die Chance, das S-Bahn-Netz auf 76cm umzustellen. Das mag zwar zeitweise ärgerlich sein, aber anschließend hat man ein einheitliches Netz ohne Einschränkungen.

In München dagegen wird man das Bahnsteighöhenproblem wohl auf Dauer behalten, und es vermutlich wegen anderen Zwänge nie schaffen, alle Bahsteige barrierefrei auszubauen.

von BorisM - am 05.07.2009 23:05

wer sagt denn das ?

es läuft und und läuft und läuft, das Anpassungsprogramm:

Zur Zeit Ottenhofen, Pasing, Berg am Laim, Heimeranplatz usw. alles mit Aufzug.

Dann kommen die Bahnsteige auf der S 6 nach Tutzing drann wie z.b. Stockdorf oder Westkreuz usw.

Auf der S 5 in Herrsching wäre schon längst was passiert wenn die Gemeinde sich endlich entschließen würde was mit dem Bahnhofsgelände wird, Parkhaus etc, ein Bürgerbegehren jagt das andere.

von Neuenmarkt - am 09.07.2009 21:55
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