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Eisenbahnforum Nordostbayern
Beiträge im Thema:
10
Erster Beitrag:
vor 5 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 5 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Martin Pfeifer, Neuenmarkt, Stefan Hölzl, BR628 , Vierkant

Frage zu Agilis VT650

Startbeitrag von Stefan Hölzl am 31.03.2012 20:06

Servus,
Ich hab da mal eine Frage zu den Agilis 650.
Der ein oder andere wird sich vielleicht denken was für eine blöde Frage,
aber mich würde interessieren warum man bei den Triebwagen das normale Kuppelsystem
mit Schraubenkupplung und Puffern verwendet hat und nicht die
Scharfenbergkupplung wie sie z.B. die Oberpfalzbahn an ihren VT650 hat.
Weiß jemand mögliche Gründe? Das hat doch eher Nachteile oder liege ich falsch?

Gruß Stefan

Antworten:

Die Schraubenkupplung dürfte wesentlich günstiger sein als eine Schaku, daneben hat die Schaku auch den Nachteil, dass - gerade im Winter - das Kuppeln manchmal nicht funktioniert.
Die Schaku lohnt sich also eher bei einem Flügelbetrieb. Bei Agilis beschränken sich die Kuppelvorgänge auf Stärken und Schwächen, wobei in der Regel die paar Minuten an Zeit die das Kuppeln dauert kein Problem darstellen.

von Vierkant - am 31.03.2012 20:18
Servus,

die Schraubenkupplung hat betrieblich den Nachteil, das Schwächen bzw. Verstärken von Zugverbänden etwas aufwändiger (im kleineren Minutenbereich) ist als bei einer Scharfenberg-Kupplung. Das spielt bei Agilis keine wirkliche Rolle, da es noch keine planmäßigen Flügelungen im Stundentakt gibt. Ob eine Schraubenkupplung im Winter (Schnee und Eis) besser ist als eine "Scharfenberg"-Kupplung, mögen die Praktiker beurteilen. Die von der Bahn AG an Pendos und den 612'er angebrachten Schutzsäcke für die Schaku lassen aus meiner Sicht diesen Schluß zu.

Meiner Kenntnis nach war der Hauptgrund für den Kauf der RegioShuttle mit Schraubenkupplung schlicht und ergreifend, das die Schraubenkupplung preiswerter sind als die Schakus. Es gibt Leute die behaupten, Agilis hätte nur wegen der auf das äußerste ausgereizten Fahrzeuge (die berühmten 1001 Sitzpläze) das Netz gewonnen, aber zu diesem Thema existieren auch ganz andere Theorien in der Richtung Hungerlöhne...

von Martin Pfeifer - am 31.03.2012 20:19
Servus,
Danke für eure Antworten.
Das es was mit den Kosten zu tun hätte hab ich mir auch schon mal gedacht, aber das da so ein massiver Unterschied zu beiden Kuppelsystemen besteht hätte ich nicht gedacht. Wenn es solche Flügelungen geben würde wie bei der Bayerischen Oberlandbahn wo ein Zug von München nach einer kurzen Fahrt das erste mal in Holzkirchen getrennt wird, und kurz darauf in Schaftlach kann ich mir schon vorstellen das der Ablauf des Kuppelns mit der Schaku schneller vonstatten geht. Auch wenn es damit nichts zu tun hat aber warum macht die BOB den Flügelbetrieb eigentlich? Um Streckennutzungskosten zu sparen?

Gruß Stefan

von Stefan Hölzl - am 01.04.2012 07:11
Nun, flügeln tun wir ja nicht planmäßig, aber wie Du sagst wird bei uns (gerade im Bayreuther Raum) viel verstärkt, das geht ja früh schon in Kirchenlaibach los, dann in Bayreuth, Kulmbach, Lichtenfels usw..

Das eigentliche Kuppeln oder entkupplen geht ja in der Regel flott aber das füllen der HL nach dem Kuppeln bzw. entkuppeln dauert bei diesen Kisten ewig, und dann kann nicht wie bei einem Schakufahrzeug (ET 423, 612 usw.) die Bremsprobe mit dem Terminal gemacht werden sondern nach dem verstärken muss die gute alte Technik mit dem Mann am Fahrbremsschalter und dem Mann (oder auch Frau) am Bahnsteig mit den Bremsprobesignalen (anlegen, lösen, Bremse in Ordung) per Handzeichen oder in der Dunkelheit mit Lichtzeichen durchgeführt werden (automatische Anlagen dafür wurden ja über all abgebaut).

Und wenn man sich z.B. den 84875 im Fahrplan ansieht, so kommt der in NKL um 20:47 an und hat um 20:48 Abfahrt und dieser wird Mo-Fr (nicht in den Ferien) in NKL geschwächt.

von Neuenmarkt - am 01.04.2012 07:51
Zitat
Stefan Hölzl
Servus,
Danke für eure Antworten.
...
Auch wenn es damit nichts zu tun hat aber warum macht die BOB den Flügelbetrieb eigentlich? Um Streckennutzungskosten zu sparen?

Gruß Stefan


Servus,

das Flügeln hat bei konsequenter Ausnutzung mehrere Vorteile:
- beim EVU: Einsparung der Trassenkosten (Streckennutzung) für den gemeinsam zu fahrenden Abschnitt
- beim EIU: der gemeinsam zu fahrende Abschnitt muß nicht für zwei oder gar drei Züge kurz hintereinander ausgelegt werden. Die Anforderung "drei Minuten Zugfolgeabstand" benötigt für die Fernbahn mit einem Mix aus unterschiedlich schnellen und gut beschleunigenden Zügen Blocksignale wenigstens im Vorsignalabstand, also alle 1000 m eins (die Strecke Strecke [Nürnberg -] Abzw Reichswald - Neumarkt (Oberpfalz) ist so ausgebaut). Auf eingleisigen Strecken wird ja mitunter auch eine Flügelung praktiziert, neben dem von Dir erwähnten Netz der BOB fällt mir im hohen Norden die Vogelflug-Linie Lübeck - Puttgarden ein. Hier mag ich mir einen Zugverkehr mit zwei Zügen Puttgarden / Neustadt (Holstein) Pbf Lübeck Hbf kurz hintereinander gar nicht vorstellen, da gäbe es sicherlich negative Auswirkungen auf die Fahrplangestaltung, weil sich ja irgendwo das Zugbündel der Richtung und Gegenrichtung kreuzen müssen, das heißt die Fahrzeiten werden länger.
- Ähnlich hat das EIU auch einen Vorteil hinsichtlich der benötigten Anzahl an Bahnsteigkanten, hier kann man eine komplizierte Aufteilung des Bahnsteig in mehrere Abschnitte vermeiden.
- das EVU kann bei passender Dienstplangestaltung einen Tf auf dem gemeinsam befahrenen Abschnitt einsparen. Der Tf geht gleich auf den Gegenzug über. Wird hier in der Gegend vor allem in Pegnitz praktiziert, während das in Neukirchen (bei Sulzbach-Rosenberg) nicht klappt (weil der Weidener Zugteil auf dem Weg nach Nürnberg mit dem Schwandorfer zusammenfährt, in der Gegenrichtung aber getrennt gefahren wird)
- Auf dem gemeinsam befahrenen Abschnitt, der oftmals stark nachgefragt ist, wird die Belegung des Zuges vergleichmäßigt. Bei getrennter Führung besteht die Gefahr, das einer der beiden Züge überlaufen wird, weil er günstiger liegt (z.B. der erste nach Arbeitsende), während der andere kurz danach "leer" fährt.

von Martin Pfeifer - am 01.04.2012 08:07
Zitat
Neuenmarkt
...

Und wenn man sich z.B. den 84875 im Fahrplan ansieht, so kommt der in NKL um 20:47 an und hat um 20:48 Abfahrt und dieser wird Mo-Fr (nicht in den Ferien) in NKL geschwächt.


Servus,

schwächen geht aber deutlich schneller als verstärken, da hier keine Bremsprobe notwendig ist. Trotzdem ist eine Minute dafür eine sehr sportliche Vorgabe.

von Martin Pfeifer - am 01.04.2012 08:11

Nur bedingt

denn das führende Fahrzeug muss hierfür inaktiv werden und nach dem Handzeichen das entkuppelt wurde wieder aktiv geschalten werden und dann füllt erst mal wieder die HL Leitung und füllt und füllt und füllt und füllt, da wundert sich schon immer der TF des RE am Nachbargleis der um 20:50 Abfahrt hat warum wir nicht abfahren obwohl entkuppelt ist.

von Neuenmarkt - am 01.04.2012 08:24

Flügelung zukünftig auf Hof Hbf - Cheb

Servus,

nach der Inbetriebnahme der Linie Hof - Cheb über Selb-Plößberg - Aš soll die Linie nach meinem Kenntnisstand von Agilis befahren werden. Dabei ist planmäßig die Zugflügelung in Selb-Plößberg von/nach Selb Stadt und Cheb vorgesehen, was laut Agilis auch mit den vorhandenen Schraubenkupplungen bewerkstelligt werden soll.

von BR628 - am 01.04.2012 11:26

Re: Flügelung zukünftig auf Hof Hbf - Cheb

Zitat
BR628
Servus,

nach der Inbetriebnahme der Linie Hof - Cheb über Selb-Plößberg - Aš soll die Linie nach meinem Kenntnisstand von Agilis befahren werden. Dabei ist planmäßig die Zugflügelung in Selb-Plößberg von/nach Selb Stadt und Cheb vorgesehen, was laut Agilis auch mit den vorhandenen Schraubenkupplungen bewerkstelligt werden soll.


Servus,

DB Regio hat jahrelang solch ein Flügelzug-Konzept auch mit Schraubenkupplung (und 628'er) zwischen Lübeck und Puttgarden bzw. Neustadt (Holstein) Pbf gefahren. Es geht also, wobei ich mir das anhand der Schilderungen von Kollege Neuenmarkt bei den Agilis-RS schon sehr langweilig vorstelle. Vielleicht finden sich ja noch Pönale-Gelder der BEG um den Fahrzeug einen leistungsfähigeren Kompressor zu spendieren.

von Martin Pfeifer - am 01.04.2012 19:20
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