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Eisenbahnforum Nordostbayern
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VT 612 115 , Martin Pfeifer, 628 245-2, doku-des-alltags

Die fränkische Saaletalbahn (1997, 38 B)

Startbeitrag von doku-des-alltags am 20.04.2012 21:35

Hallo zusammen,

jetzt hab ich mal wieder ein fränkisches Thema zusammengestellt, und zwar eine Fahrt auf der Strecke Gemünden – Bad Kissingen und weiter nach Schweinfurt am 30. Mai 1997.

Ich kam mit dem IR 2886 aus München nach Würzburg, der mit 111 048 bespannt war. Von Würzburg ging es dann weiter nach Gemünden und dort auf die fränkische Saaletalbahn. Bevor wir dort auf Tour gehen, noch ein kurzer geschichtlicher Umriss dieser nicht uninteressanten Bahnlinie. Berichtigungen nehme ich gern entgegen.

Die fränkische Saale ist etwa 135 km lang und mündet bei Gemünden in den Main. Ihren Ursprung hat sie im südöstlich der Rhön gelegenen Grabfeld. Mit der anderen, fast 300 km längeren Saale, die in Oberfranken entspringt und durch Thüringen und Sachsen-Anhalt zur Elbe fließt hat sie nur den Namen gemein.

Auf nicht ganz 50 km Streckenlänge folgt der fränkischen Saale die Bahnlinie Gemünden – Bad Kissingen. Diese wurde in zwei Abschnitten eröffnet. Die Sekundärbahn Gemünden – Hammelburg wurde bereits 1884 fertiggestellt und am 1. Juli des gleichen Jahres eröffnet.
Während Bad Kissingen bereits seit 1871 von Schweinfurt über Ebenhausen seinen ersten Bahnanschluss hatte, wurde die nicht ganz 20 km lange Lücke zwischen Hammelburg und Bad Kissingen erst 1924 geschlossen. Im Zuge dessen wurde die fränkische Saaletalbahn zur Hauptbahn umklassifiziert. Dies hatte auf der schon bestehenden Strecke Neutrassierungen zur Linienverbesserung zur Folge. Hatte die bisherige Lokalbahn eine größte Neigung von 25 Promille, konnte diese nach dem Umbau auf 15 Promille verringert werden. Auch die Kurvenhalbmesser konnten im wesentlichen verbessert werden und neue Brücken ersetzten schienengleiche Übergänge. Nicht zuletzt hatten auch die damals schon verkehrenden Militärzüge nach Hammelburg weniger Probleme mit der Strecke.

Im damaligen Planungsbericht heißt es außerdem: "Gegenstand eingehender Erwägung war die Frage, ob der bestehende Bahnhof Bad Kissingen den neuen Verkehrsbedürfnissen entsprechend erweitert oder ganz verlegt werden soll. Der Bahnhof könnte zwar an seiner jetzigen Stelle mit Aufwendung sehr hoher Kosten die nach dem Entwurfe unbedingt erforderliche Vergrößerung noch erfahren. Da jedoch die Möglichkeit einer später etwa noch notwendig werdenen weiteren Vergrößerung sowie auch Fortsetzung der Bahn in nördlichern Richtung nahezu ausgeschlossen wäre, so wurde es für zweckmäßig erachet, für die Erweiterung des Bahnhofes an seiner gegenwärtigen Stelle keine Kosten mehr aufzuwenden sondern einen neuen Bahnhof auf der Nordseite der Stadt anzulegen." (Quelle: W. Bleiweis/E. Martin, Fränkische Nebenbahnen – Mittel- und Unterfranken, Bufe-Verlag)

Aber anscheinend entschied man sich wieder um. Denn der Bahnhof Bad Kissingen blieb an seiner Stelle, die neue Strecke aus Hammelburg wurde wie die Ebenhausener Strecke von Süden her eingebunden und der Bahnhof wurde somit zum Spitzkehrenbahnhof. Eine Weiterführung nach Norden war dennoch geplant: eine Hauptbahn von Bad Kissingen weiter der fränkischen Saale folgend nach Bad Neustadt (Saale), wo sie auf die schon seit 1874 bestehende Strecke nach Meiningen treffen sollte. Bekanntlich wurde dies nie verwirklicht, wohl weil zwei mehr oder weniger parallel laufende Hauptbahnen wenig wirtschaftlich gewesen wären. So blieb der Bahnhof Bad Kissingen ein Endbahnhof mit Durchgangsbahnhofcharakter.

Wirklich einen Hauptbahnbetrieb gab es auf der fränkischen Saaletalbahn nie. Ab den 1920er Jahren gab es zwar zwei Schnellzugpaare von Bad Kissingen über Hammelburg nach Frankfurt/M, aber sonst blieb der Verkehr doch sehr regional. Allenfalls bis Würzburg gingen ein paar Züge. Trotz der Neutrassierung hat die Strecke bis heute ihren Nebenbahncharme gehalten. Zu Zeiten der Bundesbahn kamen Loks der Baureihen 64 und 86 vom Bw Gemünden zum Einsatz, aber auch 78er vom Bw Schweinfurt. Für Truppenzüge oder Militärtransporte nach Hammelburg die Baureihe 50. 1973 wurde die Dampflokunterhaltung im Bw Gemünden aufgegeben, die Verdieselung übernahm nun das Regiment. Zunächst kamen nagelneue 614er zum Einsatz, später alles, was das fränkische Dieselrepertoire hergab: 211 und 212 vom Bw Würzburg, 215 vom Bw Aschaffenburg, 218 vom Bw Regensburg, 614 vom Bw Nürnberg und 798 vom Bw Aschaffenburg waren vertreten.

1982 endete der Eilzugverkehr auf der Strecke – auch eine Art der Salamitaktik eine Bahnlinie unattraktiv zu machen. Die immer wieder aufkommenden Stillegungswünsche der Bahn wurden zum Glück nicht Realität. Im Dezember 2004 übernahm die Erfurter Bahn den Betrieb zwischen Bad Kissingen und Gemünden mit RegioShuttles. Über den Ebenhausener Ast fährt noch die DB mit 612ern bis nach Würzburg.

Leider erst relativ spät, am 30. Mai 1997 kam ich auf die Idee, mal diese Strecke zu bereisen. Immerhin war der westliche Abschnitt noch voll in der Hand der 212. Und zwischen Bad Kissingen und Schweinfurt waren 614er eingesetzt.





1.) Ankunft in Gemünden um kurz nach 9 Uhr mit dem RE 3158 nach Aschaffenburg, gezogen von 110 205.




2.) Bevor es mit der RB 8107 um 9.17 auf die Saaletalbahn geht, noch ein Blick auf das Vorfeld. Dem Silberling und der 212 233 auf dem Stumpfgleis werden wir später noch begegnen.





3.) Die am 10.03.1997 frisch lackierte 212 068 bespannt die RB 8107. Halt im idyllischen Bahnhof Gräfendorf beim km 12,1 um 9.30. Zwischen Gräfendorf und Gemünden liegt nur noch der Hp Wolfsmünster, früher gab es noch die Halte Kleingemünden, Josefshaus und Schönau. Kleingemünden erhielt jedoch 2011 wieder einen neuen Haltepunkt.




4.) Und schon röhrt die 212 weiter. Charakteristisch für die Strecke waren die überdimensionalen Gleisbezeichnungen, so auch in Hammelburg zu finden.





5.) Das Empfangsgebäude von Gräfendorf. Dieses dürfte noch aus der Ursprungszeit stammen. Das Bild ansich ist nichts besonderes. Es sieht hier heute noch genauso aus.





6.) Das Stellwerk, wie auch im Bahnhof Elfershausen-Trimberg, Bauart Vögele.





7.) Gemütlich schlängelt sich die Fränkische Saale dahin. Ebenso gemütlich folgt ihr die Bahn. Fast zu gemütlich. Auf meinem Fußmarsch bis nach Michelaubrück wollte mir kein einziger Zug vor die Linse laufen.





8.) Der Hp Michelaubrück liegt versteckt zwischen den Bäumen auf einer Anhöhe. Überrascht von einem Dieselgeräusch hechtete ich zum Bahnsteig hinauf. Es gelang mir gerade noch dieser Nachschuß des anfahrenden Gegenzugs nach Gemünden, gezogen von der nicht minder frisch lackierten 212 080. Da ich meine Tour nach dem Kursbuch 95/96 geplant hatte (warum ich mir das drauffolgende nicht zulegte, kann ich heute nicht mehr sagen), wo unter anderem dieser Zug nicht exisiterte, rechnete ich nicht mit dieser Begegnung. Der nächste Zug zurück nach Gemünden, RB 8110 wäre nach meiner Kenntnis erst um 12:28 fällig gewesen. Diesen Zug hier scheint es also nur in der Fahrplanperiode 96/97 gegeben zu haben.






9.) Gleich darauf ist das kurze Gespann in der grünen Hölle um die Ecke verschwunden.





10.) Ich folgte weiterhin zu Fuß den engen Flußschleifen der Saale und erreichte beim km 17.8 den ebenfalls idyllischen Hp Weickersgrüben, wo ich auf den nächsten Zug wartete, der dann trotz meiner vagen Planung auch kam.

Weikersgrüben ist geprägt von einer alten Wassermühle, einem Campingplatz und einem Haltepunkt, der von einer gemauerten Fahrwegbrücke überspannt wird. Die Brücke wurde im Zuge der Neutrassierung der Strecke erbaut. Bei dem Zug dürfte es sich nun um die RB 8111 handeln, Weikersgrüben an 11:38, wiederum bespannt mit der 212 080.





11.) Ich nahm natürlich in dem BDm Platz, denn was gab es 1997 schöneres, als in einem leeren 6er-Abteil mit offenen Fenster durch die Landschaft zu gondeln...
Beim km 21,0 haben wir bereits Morlesau hinter uns gelassen. Es geht an einer gut ausgebauten aber autolosen Straße entlang bis Diebach, wo sich das Tal öffnet.






12.) Ab hier wird die Landschaft freier und die Strecke gerader. Die Randvegetation vom Bahndamm beschränkte sich damals noch auf simples Gras, dass sich im Fahrtwind wiegt.
Wenn man bedenkt, welches Gestrüpp heute oftmals die Strecken säumt...





13.) Hammelburg kündigt sich an, neben Bad Kissingen der größte Bahnhof der Strecke.





14.) Ankunft in Hammelburg, km 27,5. Der Zug hat einen planmäßigen Aufenthalt von einer Minute.





15.) Zeit genug um sich beim Asig zu positionieren um sich den beschleunigenden Diesel voll reinzuziehen.





16.) Als bekennender Fan von Nachschüssen gibts natürlich auch noch dieses hier.





17.) Das massive Empfangsgebäude von Hammelburg enstand während des Streckenumbaus. Dabei wurde der Bahnhof Hammelburg komplett neu gestaltet.





18.) RB 8111 kreuzte RB 8110 in Elfershausen-Trimberg. Diese kommt nun wieder in Form des selben Wendezugs meiner morgendlichen RB 8107 in Hammelburg an.
Die Zugschlußscheiben hat man gleich mal dran gelassen.





19.) In Bad Kissingen hatte zwischenzeitlich einen Lokwechsel gegeben. Statt 212 068 hängt nun 212 101 am Zug. In Gräfendorf wird die nächste Zugkreuzung anstehen.





20.) Nämlich mit diesem hier: während ich nun auf den nächsten Zug nach Bad Kissingen wartete, der 1,5 Stunden auf sich warten ließ, kam es noch zu dem unerwarteten Zeitvertreib mit 212 233. Sie kam um 12:52 aus Gemünden mit dem einzelnen Silberling, der schon auf Bild 2 zu sehen ist. Dabei handelt es sich um die RB 8157 Gemünden – Hammelburg, Rückfahrt nach Gemünden um 13:06 als RB 8158.






21.) Sofort wird über Gleis 1 umgesetzt.





22.) Vorbei an den langen Ladegleisen.





23.) Pünktlich um 13:06 geht es zurück nach Gemünden. Es war der vorletzte Betriebstag dieses Zuges. Zum Fahrplanwechsel am 1. Juni 1997 entfiel diese Leistung wieder. Dafür wurde das Zugangebot etwas dichter, ein Bus wurde durch einen Zug ersetzt und die meisten Züge liefen über Bad Kissingen hinaus bis Ebenhausen und sogar bis Schweinfurt.




24.) Ich schnappte mir um 13:50 die RB 8115 und gelangte damit nach Bad Kissingen. Das war die erneute Begegnung mit 212 101 und dem Wendezug.





25. + 26.) Auf Gleis 2 war kurz zuvor 614 005 als RB 5080 aus Ebenhausen angekommen. Ich kanns immer wieder nur betonen: Mintgrün passt hervorragend zu Pop-Orange ;-)





27.) Ich ließ mir wieder Zeit. Da der 614 (mit 614 006 am anderen Ende) sogleich nach Schweinfurt aufbrach, wartete ich auf den nächsten Zug.






28. + 29.) Der kam dann in Form des mintgrünen 614 076. Hier schon bei der Ausfahrt aus Bad Kissingen im Bereich der Einfahrtsignale an der Streckentrennung nach Gemünden.





30.) Einfahrt in Ebenhausen (Unterfr). Von Nordost kommend die Erfurter Bahn, die hier gerade ihr zweites Gleis bekommt.





31.) Für 614 076 ist in Ebenhausen schon wieder Endstation.





32.) 614 006 kommt aus Schweinfurt zurück.





33.) Und wird 614 076 auf dem Weg nach Bad Kissingen erstmal links liegen lassen.





34.) Ich wartete dagegen auf den nächsten Zug nach Schweinfurt, der mit 232 076 aus Meiningen kam. Auch diesen Zug gibt es in dem Kursbuch 95/96 noch nicht, dort ist in diesem Zeitraum der IR 2013 aus Strahlsund zu finden.





35.) Kurz nach der Ankunft in Schweinfurt.





36.) Auf Gleis 6 wartet schon die Fahrgelegenheit nach Würzburg.





37.) Bei der Abfahrt fällt noch der Blick auf 212 103, die sich zwischen den Bahnsteigen ausruht.





38.) Unterwegs in Rottendorf sah ich die seit 1994 errötete 141 013.


Nächstes Ziel war Würzburg, wo ich an diesem Tag noch auf derartig viele grüne und blaue Einheitsloks stieß, dass es mir (gemessen am Jahr 1997) fast unheimlich wurde.
Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Viele Grüße,
Georg

Antworten:

Ein unglaublich schöner Bilderbogen! So was sieht man gerne!

Gruß
Jan

von 628 245-2 - am 20.04.2012 22:51
Servus,

Kinder, wie die Zeit vergeht. V100 auf der fränkischen Saaletalbahn, dazu kein vertakter Verkehr, Farbvielfalt und nicht alles als Wendezug gefahren. Da hast Du sicherlich einen schönen Tag gehabt, Danke für den Bericht!

von Martin Pfeifer - am 22.04.2012 09:09

Wunderschön! Vielen Dank! Gerne mehr! (owt)

.

von VT 612 115 - am 23.04.2012 11:23
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