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Eisenbahnforum Nordostbayern
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Erster Beitrag:
vor 4 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 4 Jahren, 8 Monaten
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Martin Pfeifer, Joachim Piephans

Nördlingen - Dombühl historisch: "Schotterwahnsinn" anno 1987 (m. 8 B.)

Startbeitrag von Joachim Piephans am 15.05.2013 20:06

Neulich hatte Nutzer "schumi" nach aktuellem Betrieb in und um Feuchtwangen gefragt. Die Antwort mußte mager ausfallen. Aber allemal Grund genug, in den Diakästen mit den Aufnahmen meiner damaligen Nachbarstrecke zu kramen. Bayerische Signale und Akkutriebwagen gibts allerdings heute keine, vielleicht ein andermal ...

"Schotterwahnsinn" ist das Stichwort: damit belegen Fotofreunde den umfangreichen Verkehr auf den ansonsten ziemlich abgewirtschafteten Strecken in Niederschlesien, mit dem die Berge des Eulengebirges und anderer wunderschöner Landschaften, in handliche Stücke zerkleinert, auf die Autobahnbaustellen Polens gekarrt werden. Ein Stichwort, das ich nicht sonderlich intelligent finde (klar, ST43 am laufenden Band vor schweren Schotterzügen hat schon was), höchstens den Wahnsinn, was das Überziehen eines Landes mit neuen Pisten betrifft.
1987 wurde dagegen hierzulande das letzte Teilstück der A 7, wenn ich mich recht erinnere, der Lückenschluß beim Kreuz Feuchtwangen, fertiggestellt. Wegen der Nähe zur aktuellen Baustelle wurde in Schopfloch, damals schon nur noch Anst. zwischen Dinkelsbühl und Feuchtwangen, eine Umladestelle Bahn/Baustellen-Lkw am Ladegleis eingerichtet. Der Schotter/Splitt kam in Ganzzügen via Dombühl, also "von oben rein". Eingesetzt wurden damals noch reichlich vorhandene Muldenkippwagen der Gattung Fz, bespannt vorn und hinten mit je einer Ulmer 215. So mußte nicht bis Dinkelsbühl zum Umsetzen gefahren und es konnte mit der Schiebelok ein zweiter Zugteil ins Ladegleis geschoben werden. Am 23. April 1987 - wahrscheinlich hatte ich Semesterferien, denn in den Tagen zuvor war ich beim Hofheimerle (Haßfurt - Hofheim) und darauf mit den Propanern auf Mitfahrt nach Schlüsselfeld - habe ich in Schopfloch vorbeigeschaut.

Allerdings war vom angekündigten Schotterzug noch nichts zu sehen, außerdem war auch noch die Übergabe auf der Strecke. Also erst mal deren Rückfahrt von Feuchtwangen abgelichtet:



212 180, eine alte Augsburger Bekannte, von Feuchtwangen kommend kurz vor Schopfloch. Der Zug führt Leerwagen vom Deichmann-Zentrallager in Dorfgütingen mit sich, am Schluß den Dinkelsbühler Pwghs 054, der zu jener Zeit aber bereits in Nördlingen übernachtete. In Dinkelsbühl wird erneut rangiert werden.




Dann auf in den Wald bei Feuchtwangen - man erkennt die Stadt noch im Hintergrund. Der Gag dröhnt heran, es führt 215 149 vom Bw Ulm. Beide Maschinen haben schwer zu arbeiten, geht es doch über die Wasserscheide zwischen Sulzach und Wörnitz.




Rückschuß - leider versemmelt und zu früh ausgelöst, Jugendfehler. Das ärgert heutzutage natürlich, aber das Dia bleibt trotzdem drin. Schublok war 215 080, ebenfalls Bw Ulm. Beide Maschinen wurden, wenn die Netzseite v160.de recht hat, nicht in 225 umgebaut/umgezeichnet, sondern recht früh als 215er ausgemustert.




In Schopfloch blieb die Fuhre gleich vor der Anschlußweiche stehen, es wurde aufgesperrt und dann rollte alles ohne großes Rangieren ins Ladegleis. Man war natürlich als Sperrfahrt unterwegs.




Eisenbahner trugen damals noch traditionelles Schwarz. Zwei Rangierer waren für den örtlichen Dienst abgeordnet. Rangierer Ackermann vom Bahnhof Dinkelsbühl entriegelt eine Mulde und hebt sie an, während ein Arbeiter der Baufirma mit einem langen "Enterhaken" tüchtig nachhilft. Günter Bold von der Nördlinger Rangierpartie steht als Reserve bereit ... Auf der anderen Gleisseite war auf etwa zwei Wagenlängen ein niedriges Bord aus Schwellen eingerichtet, hinter das der Schotter geschüttet wurde. Ein Radlader kippte alles zu Haufen auf bzw. in die Lkw. Wagen für Wagen wurde der ganze Zug vorgezogen.




215 080 stand weit draußen auf dem Streckengleis.




Irgendwann stand die 149 am Prellbock, aber der Zug war ja länger. Also zurückgedrückt auf die Strecke, Weiche rum und mit der ganze Fuhre bis zum ehemaligen Betriebsgebäude vorgezogen. Der Meister der Zuglok konnte absteigen - hinten wurden die noch beladenen Wagen von der 080 abgezogen und ins Ladegleis geschoben. Links ist das freie Planum des ehemaligen Kreuzungsgleises zu erkennen.




Irgendwann bin ich wieder fort, von der Rückfahrt habe ich keine Aufnahmen. Stattdessen stand wohl die 212 180 mit ihrer Übergabe inzwischen fertig in Dinkelsbühl, ich fuhr voraus und erwartete sie kurz vor Wilburgstetten. Hier bei der Kreuzkapelle ist die Fuhre schon ein ganzes Stück länger geworden. Der leere Emil hatte Kohlen für die Dinkelsbühler BayWa gebracht, Schwartenabfall aus umliegenden Sägewerken (oder vom Rettenmeier?) ging damals noch nach Kelheim in die Zellstoffabrik. Es folgen die schon bekannten drei leeren G, der Begleitwagen sowie ein Hbis. Kundschaft gab es damals noch genug. Etwa dort, wo das Zugende zu sehen ist, zweigt heute die Umfahrungsstrecke um das erweiterte Rettenmeier-Betriebsgelände ab (in Blickrichtung), das alte Streckengleis wurde zum erweiterten Anschluß.

Die Bildqualität ist damaligen Verhältnissen geschuldet (Minolta XG-1, war mir bis zur Leica eine treue Begleiterin durch die 80er und frühen 90er; Fujichrome 100), aber für ein paar schöne Eindrücke aus der Bundesbahnzeit (wenn auch ein Anlaß mit gemischten Gefühlen) in der nördlichsten Ecke der BD München - nahe der württembergischen Grenze und doch in Franken - sollten sie genügen. Vielleicht ein andermal mehr von der Dinkelsbühler Strecke, aus den Zeiten, bevor die Dampfzüge und die Hackschnitzel kamen.

Gruß,
Joachim

Antworten:

Servus,

sehr interessante Bilder, die sich in ihrer Qualität durchaus mit heutigen Bildern messen können!

von Martin Pfeifer - am 15.05.2013 20:24
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