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Eisenbahnforum Nordostbayern
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vor 5 Jahren, 1 Monat
Letzter Beitrag:
vor 5 Jahren
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GeorgR, JonasH, Joachim Piephans, Stilllegungskandidat, 223 061, Schwandorfer, Martin Pfeifer

OT: Kleiner Urlaub Teil: Die Strecken um Pritzwalk

Startbeitrag von JonasH am 16.07.2013 22:49

Hallo,
am Ende der Woche ging es in die Prignitz. Am Donnerstagabend stach bei der Ankunft sofort der Schienendoppeldeckerbus ins Auge:


Doppeldeckerschienenbus (BR 670)) nach Meyenburg in Pritzwalk von jonashdf auf Flickr

Aber los ging es erst am nächsten Morgen. Um circa 7.30 Uhr ist im kleinen Bahnhof Pritzwalk Rushhour. Von den drei abzweigenden Nebenbahnen dort (Putlitz, Meyenburg, Neustadt (Dosse) ) kamen die Züge der EGP (Eisenbahngesellschaft Potsdam) daher, die
seit Dezember 2012 den Betrieb auf den Nebenbahnen (nach Putlitz bereits seit 2011) übernommen haben. Vorher verkehrten dort die Züge der Prignitzer Eisenbahn GmbH mit Regioshuttle im Zweistundentakt. Auf Grund massiver Streichungen des Landes Brandenburg verkehren nach Nuestadt (Dosse) nur noch zwei Zugpaare. Und auch nach Meyenburg wurde der Takt ausgedünnt. Interessante Infos zu den Unternehmen finden sich hier und dort..


Ungewohnt wirkt der moderne 646 in verwilderten Bahnhofsemblem von jonashdf auf Flickr

Dann kommt als erstes der Zug aus Putlitz:


Die erste Fahrt des Tages von Putlitz erreicht den Bahnhof Pritzwalk von jonashdf auf Flickr

Drei Minuten später kommen gleichzeitig die Züge aus Meyenburg und Neustadt. Paar Minuten danach kommt der 646 aus Wittenberge und ermöglicht die Weiterfahrt nach Berlin Spandau.


Rushhour um 7 Uhr am Bahnhof Pritzwalk von jonashdf auf Flickr

Kurz danach verlassen die drei Privatbahnzüge wieder den Knotenpunkt in ihre Endpunkte. Ich fuhr dabei mit dem Schienenbus nach Putlitz.
In Brandenburg betreibt die Eisenbahngesellschaft Potsdam im Auftrag des Putlitz-Pritzwalker-Eisenbahnfördervereins und der Verkehrsgesellschaft Prignitz (VGP) den Schülerverkehr auf der Linie "VGP 70" von Pritzwalk nach Putlitz seit Oktober 2011. Eigentlich nur bis Dezember 2012 vorgesehen, verkehrt die Linie nun zwei Jahre länger. Darauf einigten sich Landkreis Prignitz und die Stadt Putlitz kurzfristig Anfang November 2012, die die Kosten selber übernehmen. Zuvor verkehrte hierfür auch hier die Prignitzer Eisenbahngesellschaft seit 2007 im Schülerverkehr, nachdem 2006 dort der Verkehr abbestellt worden ist. Die PEG sowie die EGP setzten dafür Schienebusse bei 5 Zugpaaren. Mehr hier!


Bei einem gemütlichen Tempo rumpelt der Schienenbus durch die Prignitz. von jonashdf auf Flickr


Nach der Ankunft in Putlitz wird zurückgesetzt, um das Kühlwasser nachzufüllen. von jonashdf auf Flickr


798 passiert den ehemaligen Hp Putlitz Süd von jonashdf auf Flickr

Nach der Fahrt war erstmal Streckenruhe bis 13 Uhr. Das ist auch nicht verwunderlich bei der geringen Fahrgastauslastung in den Ferien, die aber in der Schulzeit hoffentlich höher sein dürfte. Am ganzen Tag waren in den Fahrten durchschnittlich 1-2 Fahrgäste.
Das ist aber nicht verwunderlich, nachdem alle zwei Stunden ein Bus auf der Bundesstraße verkehrt und die Anschlüsse an den Endbahnhöfen sehr miserabel sind. Und auch die geringe Reisegeschwindigkeit dürfte hier ein Faktor spielen. Auf den gut ausgebauten Strecken nach Meyenburg und Neustadt waren wesentlich mehr Fahrgäste. Dennoch strahlt die Fahrt im ex-Mühldorfer Schienenbus einen Hauch Eisenbahnflair aus, wenn es bei schönen Motorgeräuschen gemütlich durchs Land geht.

Zurück gings nach Pritzwalk mit dem Bus:


646 fährt am Hausbahnsteig ein. von jonashdf auf Flickr


Im Pritzwalker Bahnhof wartet der Schienenbus vergeblich auf Fahrgäste in den Ferien. von jonashdf auf Flickr

Dann gings Nachmittags nach Kuhbier um paar Fahrten festzuhalten:


798 bei einem Feldwegübergang nahe Kuhbier von jonashdf auf Flickr


In Kuhbier wird die Bundesstraße nach Wittenberge von einem VT98 überquert. von jonashdf auf Flickr


Der Schienenbus rumpelt durch die Wiesen bei Kuhbier von jonashdf auf Flickr

Dann ging nach der letzten Fahrt um 16 Uhr mit dem Bus nach Hause. Am Sa stand die Strecke nach Neustadt auf den Plan.


VT504 erreicht von Neustadt (Dosse) kommend den Bahnhof Pritzwalk von jonashdf auf Flickr


VT504 wartet im Bahnhof Kyritz von jonashdf auf Flickr

Zwischen Kyritz und Neustadt (Dosse) besteht werktags zumindest noch ein Stundentakt. Nur weiter nach Pritzwalk ist der Fahrplan sehr ausgedünnt.
Ich hoffe der kleine Ausflug hat Gefallen.
Gruß, Jonas

Antworten:

Danke für die Bilder. Da fragt man sich aber doch, wielange die Region überhaupt noch Eisenbahnverkehr haben wird.

Liegt es an der Geschwindigkeit und am Takt der Züge, daß niemand mitfährt oder einfach daran, daß dort bald niemand mehr wohnt?
Der Planeinsatz eines VT98 im Jahr 2013 mag zwar das Fuzzyherz höher schlagen lassen, aber nutzenswerter, zeitgemäßer Nahverkehr sieht doch etwas anders aus. Überall im Lande werden derzeit NE81 frei - wäre das nicht ein robuster Triebwagen um den von Prototypen und Uraltfahrzeugen gespickten Fahrzeugbestand bei der EGP zu vereinheitlichen?
Ich weiß, ein solches Fahrzeug hat man dort bereits. Wie sind die Erfahrungen damit? Immerhin haben die NE bequeme Sitze und ein vergleichsweise komfortables Fahrwerk mit Drehgestellen.

Viele Grüße

Tobias

von Schwandorfer - am 17.07.2013 00:40
Servus,

sehr schöne Bilder aus einer Gegend, die ich im Mai auch besuchte. Vor allem das Bild vom Bahnübergang in Kuhbier ist allererste Sahne. Da hast Du Glück gehabt, ich hatte einen LKW im Bild...

von Martin Pfeifer - am 17.07.2013 07:25
@Schwandorfer: Ich glaube die drei Faktoren kommen dort in der Region einfach zusammen. Die Jugend verlässt nach der Schule oft die Region, da man einfach zu lange in die Großstadt braucht. Solche Strecken wird man nur halten können, wenn man stark rationalisiert, Stellwerkstechnik ändert, Strecken erneuert usw. Ist natürlich riskant in eine solche Region zu investieren. Aber ohne den Mut wird man diesen Teufelskreis nie verlassen können. (Meine Meinung dazu.)

Zu den NE81, da stehen einige in Meyenburg rum. Laut Aussage des Tf's werden dort paar aufgearbeitet. Gut möglich, dass die dann nach Putlitz kommen. Aber ich bin auch sehr gespannt, wie es in dieser Region weiter geht. Und da is der Schienenbus leider der falsche Weg.

@Martin Pfeifer: Danke. Ja auf der Straße in Kuhbier is viel los. Ist auch der Grund, dass da jetzt eine Umgehungsstraße entsteht.

von JonasH - am 17.07.2013 18:41
Eisenbahn-Romantik fast ohne Fahrgäste. Schöne Bilder aus einer recht traurigen Welt.

Wenn ich dann lese, daß es Bus-Parallelverkehr gibt, ist das natürlich doppelt ärgerlich. Erfolgreiche Nahverkehrssysteme zeichnen sich in der Regel dadurch aus, daß Bus und Bahn sinnvoll verknüpft werden statt sich Konkurrenz zu machen (siehe Schweiz, auch in der Fläche). Entsprechend dieser Aufgabenteilung müssten natürlich auch die Investitionen vorausschauend gesteuert werden, was hierzulande oft nicht der Fall ist.

Wie oft wurde schon punktuell noch viel Geld in Bahnstrecken investiert, die dann kurz danach stillgelegt wurden, während es dann woanders bei erhaltungsfähigen Strecken fehlt. Beispiel Erzgebirge: Dort fuhr ich letztens über etliche aufeinanderfolgende und mit fast nagelneu erscheinender Halbschrankentechnik ausgestattete Bahnübergänge - an einer ganz offensichtlich mittlerweile komplett stillgelegten Strecke. Und woanders fehlen die Bü.

Gruß 223 061



PS: Daß die Doppeldecker-Prototypen wieder im Planverkehr fahren, hätte ich jetzt echt nicht geglaubt.

von 223 061 - am 17.07.2013 19:12

Re: Takt der Züge

Zitat

Liegt es an der Geschwindigkeit und am Takt der Züge, daß niemand mitfährt


Der Fahrplan der Züge zwischen Pritzwalk und Putlitz ist nicht nur deswegen, sondern auch durch fehlende Anschlüsse unattraktiv:

Weshalb Züge in Pritzwalk um 9:46 und 13:17 ankommen müssen, wenn die Anschlusszüge um 9:38 (Berlin) und 13:16 (Wittenberge) fahren, erschließt sich nicht. Die Nachmittagsabfahrten 12:02, 13:59, 15:01 und 16:07 nach Putlitz haben keinen Bezug zu den in Minute :16 (aus Berlin) bzw. :37 (aus Wittenberge) ankommenden Anschlusszügen, auch wenn hier zumindest ein Teil der Fahrten auf den Schulschluss in Pritzwalk (West) ausgelegt sein wird.

Siehe dazu u. a. auch [www.drehscheibe-foren.de]

(In der Region allgemein keine unbekannte Situation; beispielsweise die -1-2 Minuten Nicht-Anschlüsse zwischen den Zügen Pritzwalk - Meyenburg und den Bussen von Meyenburg gen Norden, oder der -6-7 Minuten Nicht-Übergänge zwischen den Zügen Pritzwalk - Wittenberge und den Zügen von Wittenberge gen Norden.)


Die Internetseite des Auftraggebers, [www.vgp-prignitz.de] , vermeidet seit jeher jede Erwähnung der Bahnstrecke, geschweige denn des Fahrplans.


Grüße,
Georg

von GeorgR - am 17.07.2013 21:04

Konzepte fehlen

Zitat
223 061
Eisenbahn-Romantik fast ohne Fahrgäste. Schöne Bilder aus einer recht traurigen Welt.

Wenn ich dann lese, daß es Bus-Parallelverkehr gibt, ist das natürlich doppelt ärgerlich. Erfolgreiche Nahverkehrssysteme zeichnen sich in der Regel dadurch aus, daß Bus und Bahn sinnvoll verknüpft werden statt sich Konkurrenz zu machen (siehe Schweiz, auch in der Fläche). Entsprechend dieser Aufgabenteilung müssten natürlich auch die Investitionen vorausschauend gesteuert werden, was hierzulande oft nicht der Fall ist.


In Deutschland ist man scheinbar unfähig ein attraktives Nahverkehrssystem aufzubauen, wo der Bus eine Ergänzung zur Schiene ist und man sich nicht gegenseitig kannibalisiert und damit gegenseitig die Fahrgäste weg nimmt und beide damit unwirtschaftlicher werden.
Gerade in dünn besiedelten Gegenden ist eine Abstimmung notwendig. Es gibt jedoch viele Beispiele von dünn besiedelten Regionen mit perfektem ÖPNV. Man muss es nur wollen.
Wer natürlich den Straßenverkehr immer attraktiver macht und bei vollen Straßen einseitig auf Straßenausbau setzt, statt zu versuchen durch eine attraktive Bahn viele Fahrgäste dorthin zu verlagern, der hat schon verloren und gibt die ganze Region auf.

In Nordostbayern ist es mit Sicherheit nicht ganz so extrem, aber auch hier werden ganze Regionen ausgedünnt und vernachlässigt. Die Staatsregierung nutzt jetzt im Wahlkampf mal wieder das Wort von den gleichwertigen Lebensbedingungen, das man nach der Wahl schnell wieder vergisst.
Es wird so gut wie nichts getan um die ländlichen Regionen abseits von Oberbayern zu stärken. Firmen werden großteils nach Oberbayern gelockt, auch durch "Invest in Bavaria" gesteuert, da werden alle größeren Projekte scheinbar gezielt für Oberbayern reserviert und den Rest speist man mit ein paar kleineren Dingen ab. So ist der Eindruck und wenn man sich die Statistik ansieht, ist das nicht so unrealistisch.
Sogesehen, wir bekommen alle hier auch Probleme wenn die Staatsregierung nicht endlich ihrer Pflicht zur Förderung der Regionen nachkommt.

Wenn man sieht wie z. B. die Auslastung der Züge in Hochfranken ist, dann wird einem schlecht, vor allem wenn man dann sieht wie viele täglich dort auf den Autobahnen weite Strecken pendeln oder ganz wegziehen, weil die Staatsregierung versagt hat!

von Stilllegungskandidat - am 20.07.2013 10:38

Re: Konzepte fehlen

Zitat

Firmen werden großteils nach Oberbayern gelockt, auch durch "Invest in Bavaria" gesteuert, da werden alle größeren Projekte scheinbar gezielt für Oberbayern reserviert und den Rest speist man mit ein paar kleineren Dingen ab.


Es erscheint zweifelhaft, dass man Unternehmen gezielt nach Oberbayern locken muss --vor allem solche, die sich sonst in Nordostbayern oder der Prignitz niedergelassen hätten --, oder "Anwerbeprojekte" für Oberbayern reserviert werden.

von GeorgR - am 20.07.2013 14:49

Der denkende Bürger und Konsument spielt die erste Geige!!

Zitat
Stilllegungskandidat
In Nordostbayern ist es mit Sicherheit nicht ganz so extrem, aber auch hier werden ganze Regionen ausgedünnt und vernachlässigt. Die Staatsregierung nutzt jetzt im Wahlkampf mal wieder das Wort von den gleichwertigen Lebensbedingungen, das man nach der Wahl schnell wieder vergisst.


Mach's Dir doch bitte nicht zu einfach mit den billigen und üblichen Schuldzuweisungen. Stichwort "vernachlässigen": wer hat die Porzellanindustrie vernachlässigt, die hier einmal Weltgeltung hatte und Tausenden Familien eine Existenz geboten hat? Das war nicht irgendeine Regierung gleich welcher Couleur, sondern schlicht der gedankenlose und auf "billig, billig" schauende Konsument, gleich jenseits der Landkreisgrenzen von Wunsiedel, Hof, Tirschenreuth und Weiden. Wer hat sich die Mühe gemacht, im Fachgeschäft (!!, nicht im Discounter) nach Selber oder Arzberger oder Windischeschenbacher Ware zu fragen und entsprechend darauf zu sparen?
Hier lag der Hase in den letzten drei Jahrzehnten im Pfeffer, und liegt er noch.

Ich bin immer unverschämt und drehe bei Besuchen oder auch in öffentlichen Einrichtungen stets meine Untertasse um, weil es mich interessiert, woraus ich trinke, worauf ich esse. Ob wir unser 18-teiliges "Arzberg 1382 mit Blaurand" nochmal verstärken, da Arzberg in der Insolvenz, überlege ich schon länger, und für ein Alltagsgeschirr sind wir auf ein herabgesetztes Tirschenreuther gestoßen. Es geht nicht drum, mich herauszuheben, sondern um das eine: es geht, wenn man nur will - gerade beim bewußten Einkauf. Meine Sandalen sind aus Selbitz, meine Schuhe und Stiefel aus dem Waldviertel (das ähnlich "daherkommt" wie Nordostoberfranken). Die sind nicht teuer, sondern solide und ihren durchschnittlichen Preis wert.

Es ist doch symptomatisch, daß die produzierende Wirtschaft im Bereich Gebrauchsgüter nur noch Ruinen hinterläßt, aber die Umschlagplätze für Überseekisten immer mehr werden. Wiesau, zwischen kaolin und Brennöfen gelegen: ein Containerterminal! Die Produktion im Land der Konsumenten stirbt, einzig das Gewerbe der Logistiker, die das fern produzierte ins Land schleifen, boomt. Die Anschlußgleise zwischen Hof und Regensburg, Weiden und Nürnberg, Bamberg und Selb liegen brach, nur die Kistenzüge rollen. Das ist die Realität, die die "Geiz ist geil"-Mentalität befördert hat. Ich kann den "Tchibo"-Zug nach Sengenthal interessant finden - aber er befördert wöchentlich die Sonderangebote, die in Übersee unter fragwürdigen Bedingungen hergestellt wurden und hier das Einheimische und Werthaltige längst verdrängt haben. Insofern sollten wir uns mal fragen, was etliche hier im Forum immer so jauchzend fotografieren.

Mindestens den einen Schuh der von Dir so genannten "Vernachlässigung" müssen wir uns also schon selber anziehen, den zweiten kannst Du dann getrost den politisch Verantwortlichen reichen, aber erst dann.


Gegen die billigen Parolen, für mehr Nachdenken und Nachhaltigkeit,
Joachim

von Joachim Piephans - am 20.07.2013 15:29
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