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Bundesland Franken, derSchlömener

aus der Bayerischen Rundschau: "Kein VGN-Anschluss in Lichtenfels in Sicht"

Startbeitrag von derSchlömener am 06.10.2013 19:39

(2. 10. 2013)

Kein VGN-Anschluss in Lichtenfels in Sicht

Im Juli hatte Agilis mitgeteilt, dass es nichts wird mit dem Beitritt des Landkreises zum Januar 2014 in den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg. Nun zeichnet sich ab: Es könnte noch schlimmer kommen.


Ein Dieseltriebzug der Agilis steht im Bahnhof Lichtenfels. Wer von hier aus in Richtung Bamberg starten will, kommt auf absehbare Zeit nicht in den Genuss des VGN-Tarifes. Fotos: Tobias Kindermann


Agilis will erst Erhebungen über Fahrgastzahlen abwarten, bis man einem VGN-Beitritt zustimmt. Das verzögert den VGN-Beitritt des Landkreises.



Die Szene hat etwas Symbolisches. An den Triebwagen der Agilis, der jeden Mittag im Bahnhof Lichtenfels auf Gleis 3 hält, wird ein zweites Exemplar angehängt. "Bitte nicht einsteigen" zeigt die Anzeige hinter der Scheibe an dessen Front.

Nicht einsteigen, das bekommt im Augenblick auch der Landkreis aus der Zentrale von Agilis in Regensburg zu hören. Im Prinzip stehen alle Signale auf Grün für einen Beitritt der Region in den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN), aber eben nur im Prinzip. Denn es gibt Probleme mit Agilis.

Tatsächlich mehren sich die Anzeichen dafür, dass man in Lichtenfels und Umgebung noch lange warten muss, um als Einwohner von den Vorteilen des VGN profitieren zu können. Die bestehen nicht darin, da täuscht der Name, allein günstiger nach Nürnberg zu kommen. Hinter dem System VGN steckt ein Prinzip: die Vernetzung von Bus und Bahn über ein Ticket. Und allgemein günstigere Tarife: Vor allem Leute, die weiter fahren, zahlen weniger. Je nach Lage vor Ort kann es im Einzelfall aber auch teurer werden.

Vorteile für die Region
Der Kreisausschuss sah in seiner Sitzung Mitte April dieses Jahres unter dem Strich Vorteile für die Region. In Kulmbach war das anders, dort lehnte man im März einen VGN-Beitritt ab, weil sich dort im Nahverkehr die Preise zu sehr erhöhen würden. Lichtenfels votierte einstimmig dafür. Der Schritt in den VGN kostet einmalig 330 000 Euro (damit werden Haltestellen umgerüstet oder Logos angebracht), zudem fallen Ausgleichszahlungen an, die man zunächst als Subventionierung der Fahrpreise ansehen kann, von dem Geld profitieren also die Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs. Im ersten Jahr sollen es 200 000 Euro sein, dann immer weniger, bis ein Grundbetrag von 45 000 Euro erreicht ist.

Die Überlegung, die dahinter steht: Die niedrigeren Tarife - und damit die geringeren Einnahmen der Anbieter, sollen durch einen Zuwachs an Fahrgastzahlen langfristig ausgeglichen werden. Die Ausgleichszahlungen dienen also dazu, die Anbieter zunächst einmal überhaupt in den VGN zu locken, und sind nicht dauerhaft.

Doch Agilis ist ausgeschert. Zwar ist der Betreiber der grün-weißen Dieseltriebwagen beispielsweise im Raum Bamberg mit der VGN im Geschäft, doch man will für eine Erweiterung der Tarifzone in den Landkreis Lichtenfels erst eigene Zahlen erheben, damit man bei der Fahrt in Richtung Norden künftig nicht drauflegt.

Erhebungen dauern lange
Das dauert. "Wir haben zwar schon Untersuchungen laufen, aber die Ergebnisse bekommen wir erst Ende 2014", sagt Stefanie Schaller von der Marketingabteilung bei Agilis. Bereits im Juli hat Agilis es abgelehnt, für den Landkreis im VGN-Tarif ab Januar 2014 unterwegs zu sein. Bleibt das Unternehmen bei seiner Haltung, würde sich der VGN-Beitritt mindestens auf Januar 2016 verzögern.

"Ohne Zug-Anbindung macht der VGN-Beitritt keinen Sinn. So lange Agilis sich in der Sache nicht bewegt, hält sich auch die DB-Regio zurück. Wir stimmen zu, wenn alle anderen auch zustimmen, sagt man da - und schon sind wir wieder bei Agilis", sagt Landrat Christian Meißner (CSU). Er vertritt die Position: Agilis hat Erfahrung im VGN - so hoch muss man die Messlatte nicht legen.

"Es waren alle Hürden abgeräumt", ärgert er sich, nur Agilis stelle sich quer. "Ich habe mit der Geschäftsführung zahlreiche Gespräche geführt, regelrecht gebettelt." Doch bisher ohne Erfolg. Man beziehe sich dort darauf, dass die Ausschreibung für die Strecke nicht eine mögliche VGN-Erweiterung bis nach Lichtenfels enthalte. Auch den bayerischen Wirtschaftsminister Zeil (FDP) ist Meißner angegangen, vom Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly kam ebenfalls Unterstützung. Zeil fand in einem Schreiben an Agilis deutliche Worte. "Der Minister versteht es nicht, dass Agilis uns so hängen lässt", betont Meißner. Doch er wolle ein ausgeglichenes Gesprächsklima, betont der Landrat. "Für den 1.1.2014 ist das Kind in den Brunnen gefallen, aber zum 1.1.2015 sollte man doch eine Lösung finden." Nun müsse man erst einmal abwarten, wer neuer bayerischer Wirtschaftsminister wird.

Suche nach einer Lösung
Doch wie könnte eine Lösung aussehen? Wäre etwa ein Beitritt zu einem anderen Zeitpunkt als im Januar eines Jahres möglich?
"Das gibt Probleme bei der Abrechnung, dem Fahrplan und dem Vertrieb", zählt VGN-Pressesprecher Manfred Rupp auf. Und mit höheren Kosten sei das auch verbunden. Ohne Agilis sei ein Start auch nicht denkbar: "Wenn Integration, dann bitte alle, das sagen auch die VGN-Gesellschafter."
Geschäftsführer Fritz Czeschka von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, die die Ausschreibungen für den Bahnverkehr steuert, meint: "Ich habe Verständnis für beide Positionen. Der Landkreis möchte schnell in den VGN und Agilis nicht auf Kosten sitzen bleiben."
Stefanie Schaller von Agilis macht klar, dass man sich einem dritten Weg nicht verschließen werde.
Nur, wie der aussehen könnte, weiß im Augenblick niemand: "Und da können wir von Agilis sicher auch nicht im Alleingang handeln."

Antworten:

Mit anderen Worten: Die Verantwortlichen im fernen München haben es versäumt, einen möglichen VGN-Beitritt in die Ausschreibungsbedingungen mit aufzunehmen. Nun rächt es sich auch, bei einem Billigunternehmen wie Agilis den Zugverkehr bestellt zu haben. Ausbaden darf das mal wieder die fränkische Bevölkerung vor Ort.

von Bundesland Franken - am 12.10.2013 21:28
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