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Eisenbahnforum Nordostbayern
Beiträge im Thema:
3
Erster Beitrag:
vor 3 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 3 Jahren, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
Harald, Bahnwärter1848, Schwandorfer

Spurensuche Ranna - Auerbach - Teil 1 (m19B)

Startbeitrag von Schwandorfer am 27.12.2014 16:50

Vor einiger Zeit hatte es sich für mich ergeben, die alte Trasse der Nebenbahn Ranna – Auerbach zu begutachten. Hier der entsprechende Spurensuche-Bericht:

Auerbach wollte schon früh an die Eisenbahn angeschlossen werden, wurde jedoch beim Bau der Pegnitztalbahn nicht mit einem Bahnanschluß bedacht. Es folgten dann einige – zum Teil ziemlich verrückte – Ideen, die Bahnanschluß doch noch zu realisieren. Unter anderem wollten die Auerbacher beim zweigleisigen Ausbau der Pegnitzstrecke erwirken, daß das zweite Gleis über Auerbach verläuft. ;-)
Speziell zur Erschließung der Eisenerzvorkommen bei Auerbach, die bisher mittels einer Drahtseilbahn zum Bahnhof Ranna angebunden waren, bot sich aber durchaus eine Bahnanbindung an. Nachdem eine angedachte Nebenbahn von Neukirchen über Königstein nach Auerbach scheiterte und auch eine Verbindung nach Michelfeld nicht zustandekam, wurde schließlich die 8,1km lange Strecke Ranna – Auerbach gebaut und am 16.12.1903 eröffnet.
Unterwegsstationen waren Rauhenstein, Hohe Tanne (bis 1960) und Welluck (bis 1922).
Zur Einstellung des Personenverkehrs kam es im Februar 1970, der Güterverkehr konnte sich bis 21.05.1982 halten, war aber nach Umstellung der Eisenerztransporte auf den LKW auf ein Minimum zurückgegangen. Ab 1984 folgte der Abbau der Gleise, bis heute hat kein Radwegbau oder ähnliches stattgefunden. Auf einem kurzen Stück verläuft ein Forstweg auf der alten Trasse, im Bereich Welluck und Auerbach wurde sie z.T. Überbaut. Der Rest ist zum Teil als Wanderweg ausgewiesen, der Gleisschotter ist hier aber zum Teil noch vorhanden.

Nähere Infos zur Strecke finden sich auch auf dieser netten Homepage: [www.ulischubert.de].

Ausgangspunkt der Nebenbahn ist der mittlerweile auch schon längst aufgelassene Bahnhof Ranna zwischen Neuhaus und Michelfeld bzw. Pegnitz. Die einstigen Ein- und Ausfahrsignale dienen heute noch als Blocksignale.
Interessant ist, daß der Ort Ranna noch in der Oberpfalz liegt, während der Bahnhof, der sich nur ein paar hundert Meter weiter in Mosenberg befindet, bereits zu Mittelfranken gehört.


Bahnhof Ranna. Das Empfangsgebäude wurde von privat schön saniert. Ansonsten sind sogar noch Reste der alten Bahnsteiganlagen zu erkennen.




Am Signalschirm sieht man, daß es sich hier noch nicht immer schon um ein reines Blocksignal gehandelt hat.

Die Strecke nach Auerbach zweigte dann in nordöstliche Richtung ab.


Ehemaliger Abzweig der Strecke nach Auerbach.


Die Trasse ist hier vollkommen zugewuchert.

Nur wenige hundert Meter wurde die Pegnitz auf einer Stahlbrücke überquert. Angeblich sollen hiervon noch die Brückenpfeiler stehen. Nachdem das Gelände dort am Besuchstag ziemlich sumpfig und verkrautet war, habe ich von einer näheren Begutachtung abgesehen.


Blick in Richtung Pegnitzbrücke.

Es folgt dann eine ordentliche Steigung hinauf nach Rauhenstein, auch in diesem Bereich ist die Trasse total überwuchert. An der Verbindungsstraße Ranna – Rauhenstein gab es einst einen Bahnübergang:


Blick Richtung Ranna.


Blick von der Straße auf den früheren Bahnübergang und den weiteren Streckenverlauf Richtung Auerbach (rechts anhand des Nadelbaums nachvollziehbar).


Blick Richtung Bahnübergang und hinunter nach Ranna.


Ein Stück weiter erneut ein Blick zurück entlang der Trasse, die hier in einem kleinen Einschnitt verläuft, Richtung Ranna. Im Hintergrund ist wieder die Ortsverbindungsstraße zu sehen.


An einem früheren Feldwegübergang kann man den Einschnitt durchqueren. Auch hier: Alles zugewachsen. Aber man erkennt noch den originalen Schotter unter dem Laub!


Vom selben Standpunkt ein Blick Richtung Auerbach.

Irgendwo hier muß sich einst die Haltestelle Rauhenstein befunden haben, wo auch ein Anschlußgleis zu einem holzverarbeitenden Betrieb vorhanden war.
Man mag sich heute fragen, warum ausgerechnet hier in dieser totalen Einsamkeit (Rauhenstein besteht auf der Landkarte nur aus dem Namen) der Personenverkehrshalt bis zum Schluß überlebt hat, während man am Ausflugslokal Hohe Tanne oder gar im Auerbacher Ortsteil Welluck schon lange nicht mehr hielt.
Nun, Rauhenstein war noch nicht immer so ausgestorben. Hier gab es wirklich mal einen florierenden Ort. Als allerdings 1960 beschlossen wurde, das Gelände als Wasserschutzgebiet für die Trinkwasserversorgung der Nürnberger auszuweisen, wurden die Bewohner nach und nach umgesiedelt und die Gebäude abgerissen. Diese Maßnahme wurde in den 80ern abgeschlossen.
Siehe auch: [www.weber-rudolf.de]


Blick Richtung Auerbach. Irgendwo hier muß die Haltestelle Rauhenstein gewesen sein.


Blick von der Rauhensteiner „Dorfstraße“ hinauf zum Bahndamm.


Blick am Bahndamm entlang zurück Richtung Ranna.


Trassenverlauf im Bereich der Haltestelle Rauhenstein.


Trassenverlauf im Bereich der Haltestelle Rauhenstein.

Nur ein kurzes Stück weiter überquerte die Strecke die Staatsstraße 2161 nach Auerbach. An dieser Stelle erinnert noch eine Bushaltestelle an den Ort Rauhenstein.


Der ehemalige Bahnübergang. Bei der Fahrt mit dem Auto merkt man auch heute noch die veränderten Neigungsverhältnisse der Straße.


Blick zurück Richtung Ranna.

Teil 2 folgt sogleich.

Viele Grüße

Tobias

Antworten:

Mal wieder ein toller Bildbericht zum aktuellen Zustand! Meine letzte Begehung im Bereich Rauhenstein ist schon gut 10 Jahre her, war im April 2003. Da konnte man am der ehem. Haltestelle Rauhenstein noch die Reste des hölzernen Prellbockes gut erkennen! Damals habe ich mich auch über den "fehlenden Ort" gewundert, jetzt bin ich schlauer. Danke für den Dreiteiler!

von Bahnwärter1848 - am 27.12.2014 21:42
Zitat
Schwandorfer

Interessant ist, daß der Ort Ranna noch in der Oberpfalz liegt, während der Bahnhof, der sich nur ein paar hundert Meter weiter in Mosenberg befindet, bereits zu Mittelfranken gehört.


Das war übrigens nicht immer so: vor der Gebietsreform 1972-78 gehörte Mosenberg zum Landkreis Pegnitz und damit zu Oberfranken. Neuhaus/Pegnitz gehörte wie auch Ranna (genauso wie Auerbach) zum Landkreis Eschenbach in der Oberpfalz. Heute bekommt man das Kfz-Kennzeichen "ESB" für Eschenbach als Altkennzeichen daher auch im Landkreis Nürnberger Land genauso wie im Landkreis Amberg-Sulzbach und Neustadt an der Waldnaab.

von Harald - am 27.12.2014 22:44
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