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Neuenmarkt

Weidenberg-Warmensteinach Entscheidung im Oktober, 2. Gutachten wird erstellt

Startbeitrag von Neuenmarkt am 17.03.2015 20:37

Nach dem Motto man erstellt solange Gutachten bis es einem passt

aus dem Nordbayerischen Kurier von morgen:

Warmensteinach

17.03.2015 11:00 Uhr
Bahn nach Warmensteinach: Entscheidung im August

Von Andreas Gewinner

Warmensteinach. Ein neues, zweites Gutachten soll erneut das Fahrgastpotenzial auf der Bahnstrecke zwischen Weidenberg und Warmensteinach ausloten. Danach soll endgültig entschieden werden, ob die Strecke eine Zukunft hat. Mit dem Gutachten ist der VGN beauftragt. Das Ergebnis wird bis August erwartet. So oder so neigt sich eine mehr als zehnjährige Hängepartie dem Ende entgegen.

Anfangs des Jahres hatte Warmensteinachs Bürgermeister Axel Herrmann eine rote Linie gezogen: Bis Ostern muss klar sein, ob die Bahn doch noch kommt. Oder ob die Gemeinde in ihrem Rathausumfeld ohne die Bahn planen kann. Das Rathaus, der ehemalige Bahnhof, liegt direkt an der derzeit abgebauten Strecke; der Kommune sind teilweise die Hände gebunden bei der Umgestaltung des Rathausumfelds. Die für Ostern angepeilte Entscheidung ist nun also in den Spätsommer verschoben.
Eins hängt am anderen

Zwei Voraussetzungen, von denen eine an der anderen hängt, müssen erfüllt sein, damit jemals wieder ein Zug nach Warmensteinach fährt. Der Streckeneigentümer, die DRE, will die Strecke aus eigener Kraft sanieren, wenn mindestens zehn Jahre bezahlter Bahnverkehr auf der Strecke stattfindet. "Die Planungen sind abgeschlossen, wir können loslegen", so DRE-Geschäftsführer Gerhard J. Curth. Die Kostenkalkulation von gut vier Millionen Euro bezeichnet er als seriös, zumal viele Arbeiten selbst ausgeführt würden.

Bestellen und bezahlen müsste den Verkehr die BEG im Auftrag des Freistaats. Doch die BEG bestellt nur, wenn mindestens 1000 Beförderungen am Tag auf der Strecke realistisch sind. Ein früheres Gutachten war zu einem Potenzial von annähernd 1000 gekommen. Das hatte die BEG nicht anerkannt. Und hielt sich an die tatsächlichen Zahlen auf dem Streckenabchnitt zwischen Weidenberg und Bayreuth: rund 800 laut BEG.
Sauberste Grundlage

Der VGN nutzt ein standardisiertes Verfahren bei der Ermittlung des Fahrgastpotenzials zwischen Weidenberg und Warmensteinach. Ein Verfahren, dass auch das Ministerium anerkennt. Das sei das Ergebnis eines Gesprächs in München von Landrat Hermann Hübner und ihm, so Detlev Schmidt, im Landratsamt zuständig für Öffentlichen Personennahverkehr: "Wir wollen die endgültige Entscheidung nochmal auf die sauberste Grundlage stellen."

Einer, der 100 Prozent hinter der Bahn steht, ist Tourismus-Manager Andreas Munder. Mangels Bahnverkehr in die Ochsenkopfregion ist das hohe Fichtelgebirge auf bahnbezogenen Vermarktungsplattformen nicht existent. Eine Ausnahme ist die Website bahn.de, die mittlerweile Verbindungen bis Warmensteinach ausweist. Harald Keller betreibt in Oberwarmensteinach das Seminar- und Gästehaus Bergfriede. Er sagt: "Ich bekomme oft Gästeanfragen, verbunden mit der Frage, wie man mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Warmensteinach kommt."
Nicht existent

Andreas Munder zückt eine Faltkarte mit dem Titel "Ausflugstipps Bayernland". Auf der einen Seite eine übersichtliche Karte mit dem gesamten Bahnstreckennetz Bayerns mit jedem einzelnen Bahnhof. Das hohe Fichtelgebirge taucht hier nicht auf, in Weidenberg ist Schluss. Auf der anderen Seite 16 Ausflugstipps, die mit der Bahn absolviert werden können. Nur einer führt nach Oberfranken, nach Kronach. Das Fichtelgebirge: ein "Produkt", das werbetechnisch nicht existiert - der GAU für jeden Marketingmenschen. Doch Munder sieht die fehlende Bahn keineswegs nur unter werblichen Gesichtspunkten: "Fakt ist, das derzeit 7,5 Prozent der Bundesbürger die Bahn als Verkehrsmittel in ihren Urlaubsort nutzen. Ein bemerkenswertes Reisepotenzial, bei dem das Fichtelgebirge lediglich die Rolle eines Zaungastes einnimmt." In den vergangenen zehn Jahren sei die Zahl der Bahnreisen von knapp 1,8 Milliarden auf 2,2 Milliarden im Jahr gestiegen. Munder nennt Beispiele von reaktivierten Bahnstrecken.Und den Fahrgaststeigerungen. Gäubahn Eutingen-Freudenstadt (2006 eröffnet): 180 Prozent Plus in zwei Jahren. Prignitzer Eisenbahn: 140 Prozent Plus in sechs Jahren.Orlabahn Orlamünde-Pößneck: 208 Prozent in zehn Jahren.

Und Munder versucht derzeit, selbst mehr Ochsenkopfurlauber auf die existierende Bahnstrecke Weidenberg-Bayreuth zu bringen. Mit dem VGN laufen Verhandlungen, die Bahnfahrt für Gästekarteninhaber kostenlos zu machen. Allerdings liegt man bei der Höhe der Kompensation noch auseinander.

Was macht die DRE mit der Strecke, wenn im VGN-Gutachten die Schwelle von 1000 Beförderungen am Tag verfehlt wird? Und eine Wiederbelebung in unerreichbare Ferne rückt? "Darüber denken wir nach, wenn es so weit ist", so Curth. Am 11. Oktober tagt der DRE-Aufsichstrat das nächste Mal. Dann könnte das Thema auf der Tagesordnung stehen.

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