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Eisenbahnforum Nordostbayern
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Pendler_NKU, VT 22, 223 061, Bahnwärter1848, Bundesland Franken

Trauerspiel Anschlüsse in Hof

Startbeitrag von Bundesland Franken am 26.04.2015 22:44

Was für ein Trauerspiel:

RE Bayreuth ab 17.32 Uhr nach Hof via Münchberg: Ankunft Hof mit 11 Minuten Verspätung "wegen einem Defekt am Fahrzeug". Planmäßig wäre Ankunft um 18.23 Uhr gewesen, tatsächlich kam der Zug in Hof um 18.34 Uhr an. 18.34 Uhr ist genau die Abfahrtszeit der Erfurter Bahn nach Gera. Im RE wurde durchgesagt, dass die Erfurter Bahn nach Gera wartet. Tatsächlich ist sie jedoch ohne zu warten vor den Augen der Fahrgäste abgefahren. Immerhin konnte man noch den Agilis nach Bad Steben (ab 18.36 Uhr) erreichen, da er im selben Gleis wie der RE abfuhr, nachdem dieser das Gleis geräumt hatte. Dann noch der "garantierte Anschluss" nach Dresden (Hof ab 18.27 Uhr): Dieser RE Hof-Dresden ist dann gleich ganz ausgefallen "wegen einem Notarzteinsatz". Reisende nach Dresden wurden auf den nächsten RE um 19.36 Uhr verwiesen. Dass zwischendrin um 19.02 Uhr noch die Vogtlandbahn nach Werdau fuhr und somit Reisende nach Plauen und Reichenbach schon hätten früher weiterfahren können,wurde nicht durchgesagt (weder im RE noch im Hofer Hbf).

Kein Wunder, dass auf den Relationen via Hof die Fahrgastzahlen eingebrochen sind. So hat das wirklich keinen Sinn mehr.

Antworten:

Zitat
Bundesland Franken
RE Bayreuth ab 17.32 Uhr nach Hof via Münchberg: Ankunft Hof mit 11 Minuten Verspätung "wegen einem Defekt am Fahrzeug". Planmäßig wäre Ankunft um 18.23 Uhr gewesen, tatsächlich kam der Zug in Hof um 18.34 Uhr an. 18.34 Uhr ist genau die Abfahrtszeit der Erfurter Bahn nach Gera. Im RE wurde durchgesagt, dass die Erfurter Bahn nach Gera wartet. Tatsächlich ist sie jedoch ohne zu warten vor den Augen der Fahrgäste abgefahren ...




In die Entscheidung, ob gewartet wird oder nicht, sind meiner Meinung nach zu viele Parteien einbezogen. Neben der Transportleitung und des örtlichen Fahrdienstleiters (wie in Hof) oder örtlich zuständigen Fahrdienstleiters mischen da meines Wissens auch noch die Leitstellen beteiligter privater EVU mit, weshalb es oft gerade zwischen verschiedenen EVU schlecht klappt. Da werden Entscheidungen manchmal schneller wieder umgeworfen, als die vielen Beteiligten überhaupt darüber informiert werden können.

Daher am besten in einem solchen Fall bei der BEG beschweren unter Angabe der genauen Zugnummern, Daten und Uhrzeiten. Irgendwann steigt dann vielleicht doch mal der Druck, die Verfahren zu vereinfachen und praxistauglich zu gestalten, anstatt die notwendigen Entscheidungsabläufe immer komplizierter zu machen. Daß die Reisenden die Rücklichter des Anschlußzuges noch sehen, soll normalerweise nicht vorkommen.


Manchmal läuft es in Hof jedoch auch sehr positiv. Letztens wartete der RE nach Dresden auf den wegen der Streckensperrung verspäteten ALX aus München, obwohl dies im Fahrplan gar nicht vorgesehen war. Das war für viele Reisende im Osterverkehr sehr erfreulich. Daß in Hof wenigstens der Fdl noch vor Ort ist und nicht etliche Bhf gleichzeitig betreuen muß, dürfte von Vorteil sein. Nur wenn er nicht allein entscheiden kann ...


Gruß 223 061

von 223 061 - am 27.04.2015 18:43

Re: Trauerspiel Anschlüsse in Hof / viele Gründe

Zitat
223 061
In die Entscheidung, ob gewartet wird oder nicht, sind meiner Meinung nach zu viele Parteien einbezogen.


Jein, das Ganze hat schließlich MEHRERE Hintergründe: Nur die Leitstelle des EVU [DB: Transportleitung Personenverkehr (TP), alex/vogtlandbahn: Betriebsleitzentrale (BLZ), agilis: Leitstelle (Lst)] kennt z.B. den weiteren Einsatz des/der Tfz und des Tf, (knappe) Übergangs- bzw. Wendezeiten innerhalb der Tf-Schicht, notwendige Werkstattzuführungen des Tfz oder Arbeitsschutzpausen des Tf u.v.m.
Sollten dann größere Verspätungen anderer (eigentlich nicht betroffener) Züge hierdurch vorhersehbar sein, kann die Entscheidung des Wartens auf Anschlussreisende halt auch negativ ausfallen.

Die Tf-Regelschichten und Tfz-Regelumläufe ändern sich auch im Fahrplanjahr recht oft an einigen Tagen z.B. durch Baustellen im Netz des EVU, tarifvertraglich bedingte Änderungen oder größere/kleinere Kapazitätsanpassungen infolge von Veranstaltungen, so dass man nicht von einem Tag auf einen anderen scheinbar "gleichen" Tag schließen kann, von kurzfristigen Unregelmäßigkeiten im Bahnbetrieb mal ganz abgesehen (auch hier bekommt man als normaler Fahrgast nicht immer alle Ursachen mit, die räumlich und zeitlich von viel weiter her rühren, z.T. gar nichts mit der eigenen Strecke zu tun haben).

Zitat
223 061
Da werden Entscheidungen manchmal schneller wieder umgeworfen, als die vielen Beteiligten überhaupt darüber informiert werden können.


Richtig, ABER das hat dann auch seine Gründe (s.o.+s.u.).

Weiterhin hat die Leitstelle des EVU auch die Hauptreiseketten und/oder Gruppenanmeldungen auf dem gesamten Fahrtverlauf des betreffenden Zuges und seiner nachfolgenden Züge im Blick. Ebenso sind die Auswirkungen auf andere (eigentlich nicht betroffene) Fahrgäste zu berücksichtigen, z.B. [unterwegs] in Zwickau oder Chemnitz zusteigende Fahrgäste, die am Tag X nunmal nur mit minimaler Verspätung in Dresden [am Endbahnhof] ankommen dürfen, um wiederum keine(n) Anschlussverlust(e) zu erleiden, was besonders bei Schienenersatzverkehr/eingeschränktem Zugangebot durch Bauarbeiten sehr wichtig ist.

Es gibt in so einem Fall eigentlich KEINE FALSCHe Entscheidung!

Natürlich hat auch die zuständige BZ von DB Netz ein Mitspracherecht, denn bei Bauarbeiten/eingleisiger Betriebsführung usw. ist es auch wenig von Vorteil für alle, wenn ein vermeidbar verspäteter Zug den ganzen "Baustellendurchgangsverkehr" für längere Zeit oder den Rest des Tages durcheinanderwirft (Zugkreuzungen/Folgeverspätungen).

P.S. Für jede Zugverspätung (>5 min), ganz egal welcher Ursache(!), werden die EVU in Bayern von der BEG zur Kasse gebeten, was aber jedes EVU aufsich nimmt bzw. von vornherein einkalkuliert.

Zitat
223 061
Daher am besten in einem solchen Fall bei der BEG beschweren unter Angabe der genauen Zugnummern, Daten und Uhrzeiten.


Richtig.
Sollte sich eine Regelmäßigkeit an Ursachen und deren Folgen feststellen lassen, werden die Planungsebenen aller Beteiligten aktiv.

Zitat
223 061
Daß die Reisenden die Rücklichter des Anschlußzuges noch sehen, soll normalerweise nicht vorkommen.


Na wenn eben z.B. eine kleine Signalstörung (Vormeldung hat bereits stattgefunden) doch schneller behoben ist oder sich weniger negativ auf den Bahnbetrieb auswirkt, als eigentlich angenommen (Verspätungsprognose), kann das schon passieren. Gleiches gilt für ausgefallene Zugkreuzungen durch sehr kurzfristige Probleme bei einem Gegenzug - Vorfälle im Zug (nicht an allen Verspätungen ist "die Bahn" Schuld!) oder vorübergehende Fahrzeugstörungen - wenn dadurch beim anderen Zug "überraschend" mehr aufgeholte Verspätung zu Buche steht, als eigentlich "geplant".
Das ist dann leider so.

MfG VT 22

von VT 22 - am 27.04.2015 20:08
Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn alles auf Kante genäht ist, wird es generell schwierig.

Die Dinge, die hier alle als möglicherweise zu berücksichtigende Randbedingungen genannt wurden, kann man m.E. unmöglich alle innerhalb weniger Minuten betrachten und zwischen den vielen Beteiligten abstimmen. Das geht nur, wenn die Verspätung relativ lange zuvor bekannt ist und stabil bleibt. Ändert sich jedoch die Situation (was sie leider desöfteren tut), dann sind die auf dieser Basis getroffenen Entscheidungen häufig nicht mehr tragfähig.

Das spricht doch alles dafür, ein einfaches Verfahren festzulegen, welches flexible und schnelle Entscheidungen zwischen wenigen Beteiligten ermöglicht. Und das geht natürlich nur, wenn genügend Reserven eingeplant sind, damit bei einzelnen Betriebsstörungen nicht gleich alles wie ein Kartenhaus zusammenbricht bzw. einen Domino-Effekt auslöst.

Ich will hier nicht schlau daherreden, aber unter all den selbstgeschaffenen internen Randbedingungen und Zwängen des heutigen "reformierten" Systems Bahn geht der Blick auf die eigentlichen Interessen des Fahrgastes m.E. zunehmend verloren. Und das kann man den einzelnen Beteiligten kaum vorwerfen, da bringen auch Strafgelder für Verspätungen nichts. Das System krankt eher von der Wurzel her, also müßte man das Übel auch von der Wurzel her bekämpfen. Das wird aber nicht passieren, fürchte ich.

Gruß 223 061

von 223 061 - am 27.04.2015 21:12
Zitat
VT 22
(nicht an allen Verspätungen ist "die Bahn" Schuld!)

MfG VT 22


Ich behaupte mal an den fast allen Verspätungen ist die Bahn nicht schuld.

Verzögerungen beim Ein/Aussteigen (Fahrgäste die Türen blockieren)
Personen am Gleis
"Notarzteinsatz"
Technische Defekte
Schäden durch Unwetter
Vandalismus
Polizeiliche Ermittlungen
Feuerwehreinsätze
Zugkreuzungen mit verspäteten Zügen
Überholungen

Bin natürlich auch dafür dass die Anschlüsse bei verspäteten Zügen besser funktionieren bzw die Kommunikation zw den EVU vereinfacht wird, muss aber auch dazu sagen dass ich wirklich viel Bahn fahre und mir ist es wirklich noch NIE passiert dass ein Zug als "wartend" angekündigt wurde und dann doch weggefahren ist.

Viele Grüße

von Pendler_NKU - am 28.04.2015 07:29
Da hat Pendler_NKU ja wirklich Glück gehabt, bislang noch nie erleben zu müssen, wie ein Anschlußzug als wartend angekündigt wird und dann doch weg ist! Blicke ich da zurück, steht was anderes im Notizbuch. Ein Klassiker: RE Würzburg - Bamberg, Auskunft vom Zugpersonal: "Zugleitung" lässt Anschluß in Bamberg warten! Na ja, halt nur bis kurz vor Ankunft des Zuges von Würzburg. Ist ja auch schön, auf der Höhe vom Weyermann den Rotwal ausfahren zu sehen...

von Bahnwärter1848 - am 28.04.2015 20:14
Zitat
Bahnwärter1848
Da hat Pendler_NKU ja wirklich Glück gehabt, bislang noch nie erleben zu müssen, wie ein Anschlußzug als wartend angekündigt wird und dann doch weg ist! Blicke ich da zurück, steht was anderes im Notizbuch. Ein Klassiker: RE Würzburg - Bamberg, Auskunft vom Zugpersonal: "Zugleitung" lässt Anschluß in Bamberg warten! Na ja, halt nur bis kurz vor Ankunft des Zuges von Würzburg. Ist ja auch schön, auf der Höhe vom Weyermann den Rotwal ausfahren zu sehen...


Servus,

Das kann sein dass ich bis jetzt Glück hatte. Muss aber auch hier aus eigener Erfahrung anführen dass ich werktags fast täglich in besagtem "Rotwal" sitze und ich noch nie den Würzburger RE habe während der Ausfahrt einfahren sehen. Bin eher überrascht dass gerade das als Beispiel kommt weil ich den Eindruck habe dass der RE Hof/Bayreuth doch durchaus mal bis zu 5-10 min wartet. Aber gut repräsentativ sind meine Beobachtungen natürlich nicht. Was mich abgesehen davon interessieren würde ist wieso der RE WÜ-BA eigentlich in 9 von 10 Fällen verspätet ist.

Viele Grüße!

von Pendler_NKU - am 28.04.2015 21:02

Re: Trauerspiel Anschlüsse in Hof / DER Grund

Zitat
223 061
Das System krankt eher von der Wurzel her, also müßte man das Übel auch von der Wurzel her bekämpfen. Das wird aber nicht passieren, fürchte ich.


Dem ist nichts hinzuzufügen!

In der Schweiz... Ach, lassen wir das... *seufz*

MfG VT 22

von VT 22 - am 29.04.2015 13:38
Zitat
Pendler_NKU
Ich behaupte mal an den fast allen Verspätungen ist die Bahn nicht schuld.

Verzögerungen beim Ein/Aussteigen (Fahrgäste die Türen blockieren)
Personen am Gleis
"Notarzteinsatz"


Warum die "Gänsefüßchen"? Man verzeihe mir die Pietätlosigkeit, aber auch in so einem Fall (PU Suizid) muss das Ableben der Person durch einen Notarzt festgestellt werden.

Notarzteinsätze auf Bahngelände können allerdings auch andere (vergleichsweise seltenere) Ursachen haben:
- durch Spielen im Gleisbereich verletzte Kinder/Jugendliche
- Trainsurfer
- Stromschlag nach Klettern auf unter Oberleitung abgestellten Eisenbahnfahrzeugen
- Arbeitsunfall eines Eisenbahners
u.a.

Zitat
Pendler_NKU
Technische Defekte
Schäden durch Unwetter
Vandalismus
Polizeiliche Ermittlungen
Feuerwehreinsätze
Zugkreuzungen mit verspäteten Zügen
Überholungen


"Gegenliste" bahninterner Verzögerungsgründe:

- BÜ-Störung
- "echte" Signalstörung oder Streckenblockstörung
- Tf-Ablösung fehlt
- Fahrstraßenausschluss (zu viele Züge zur gleichen Zeit) und Zugfolge
- Personal Netz (Fehlleitung, falscher Fahrweg (ohne Bahnsteig, ggf. durch Signalstellung vorher für den Tf erkennbar), versehentlich vertauschte Gleisbelegung ohne betriebliche Notwendigkeit, oder einfach Zug "vergessen" )
- Betriebsstelle nach unterbrochener Arbeitsruhe nicht besetzt weil Personal nicht rechtzeitig vorort oder kurzfristig dienstunfähig
- fehlerhafte Zwangsbremsungen an Fahrt zeigenden Vorsignalen/Hauptsignalen oder Geschwindigkeitprüfabschnitten (z.T. durch vorhergehende Wartungsarbeiten)
- Tfz-Störungen
- Bauarbeiten, Langsamfahrstellen
- Tf hat falschen Fahrplan oder Fahrplanunterlagen fehlen (Fplo/Bfpl/GeH/FztH/La)
- Weichenstörung durch zu wenig oder "nur" nicht eingeteiltes Winterpersonal
- internes Kommunikationsproblem (durch Stress bei Unregelmäßigkeiten etc.)
- Betriebsplanungsfehler
u.v.m.

Es passiert so einiges bei der Eisenbahn (leider) immer mal wieder.

MfG VT 22

von VT 22 - am 29.04.2015 14:28
Servus,

Ich persönlich würde Signalstörung, BÜ-Störung, Tfz-Störung und die meisten technischen Störungen nicht zwingend auf diese Liste setzen. Das kann alles trotz bester Wartung einfach mal auftreten da kann man nichts machen. Ich würde der Bahn da (i.d.R.) keine Schuld im Sinne von "es währe vermeidbar gewesen" zuschieben. Klar gibt es auf deiner Liste auch Punkte wo ich dir voll zustimme (v.A. was mit fehlerhafter Personal- bzw. Betriebsplanung zusammenhängt) aber finde dennoch dass das (zumindest gefühlt) den deutlich kleineren Teil der Verspätungen ausmacht. Wenn du dich an den Gänsefüßchen störst dann denk sie dir einfach weg, wollte damit nur andeuten dass bei "Notarzteinsatz am Gleis" meistens etwas mehr dahintersteckt als dass ein Mediziner vor Ort ist.

Viele Grüße!

von Pendler_NKU - am 29.04.2015 15:00
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