Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Eisenbahnforum Nordostbayern
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 2 Jahren, 8 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 2 Jahren, 8 Monaten
Beteiligte Autoren:
Cargonaut, Martin Pfeifer, 403, Siemensianer, Gradausfahrer, Neuenmarkt

OT: Untersuchungsbericht Zugunglück Mannheim

Startbeitrag von Neuenmarkt am 05.10.2015 19:04

Nur weil hier im Forum ab und zu über Ausbildung, Streckenkenntniss usw. diskutiert wird, ist ganz interessant zu lesen die Flankenfahrt des DGS 40635 mit dem EC 216

[www.eisenbahn-unfalluntersuchung.de]

Zitat:

Untersuchungsbericht

Der Streckenkenntnisnachweis in detaillierter Form des Triebfahrzeugführers des DGS
40635 konnte nicht vorgelegt werden. Anhand eines Schichtprotokolls konnte zumindest
nachvollzogen werden, dass die Strecke vor dem Ereignis vom bereits Tf befahren wurde.

Nach § 5 Abs.1 Arbeitszeitgesetz (ArbzG) muss nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit
eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 11 Stunden gewährleistet sein. Bei Ver­
kehrsbetrieben kann die geforderte Mindestruhezeit unter bestimmten Voraussetzungen um
1 Stunde gekürzt werden.

Am 01.08.2014 um 3:00 Uhr wurde das Triebfahrzeug abgerüstet
und um 8:30 Uhr erneut durch diesen Triebfahrzeugführer wieder aufgerüstet. Vor Abfahrt
des Zuges DGS 40635 gegen 14:30 Uhr wurden Rangierbewegungen in geringem Umfang
durchgeführt.
Somit ist festzustellen, dass die geforderte Mindestruhezeit nicht eingehalten
wurde.

Zur Erklärung der betrieblichen Handlungen des Triebfahrzeugführers wurden mögliche Ein­flussfaktoren, wie Aus- und Fortbildung, Tauglichkeit, Streckenkenntnis, Arbeitszeitdauer und
auch eine Ablenkung durch die unmittelbar bevorstehende Ablösung sowie die zugehörigen

Dispositionsgespräche, in die Untersuchungen einbezogen.

So kann es durchaus sein, dass das vorherige Befahren der freien Strecke im Gegengleis dazu führte, dass der Tf die im Bf links stehenden Signale weiterhin auf seine Zugfahrt be­zog. Hierbei könnte das letzte im Bereich des Einfahrsignals geführte Ablösetelefonat sowie

die bevorstehende Ablösung selbst zur Ablenkung des Tf beigetragen haben.
Die Information des Fdl an den Tf, die Ablösung solle an Gleis 3 erfolgen, führte möglicher­weise bei dem Tf zu der Erwartung, ohne Halt an den Bahnsteig fahren zu dürfen.

Das bei der Annäherung an die Zwischensignale in Fahrtbegriff wechselnde Signal S 184 bezog der Tf ohne jeden Zweifel auf seine Zugfahrt.
Da die vorhandenen Zugbeeinflussungseinrichtungen wie vorgesehen zur sicheren Seite
funktionierten und der Zug zunächst zum Halten kam, stellt sich die weitergehende Frage,
warum die technische Sicherungseinrichtung unterlaufen und die Zwangsbremsung nicht
gemäß Ril 408.0531 und Ril 408.0652 abgearbeitet wurde.

Im vorliegenden Fall ging der Tf offensichtlich davon aus, einen eindeutigen Fahrtbegriff auf­genommen zu haben und sah daher die Ursache der PZB-Zwangsbremsung nicht in einer

unzulässigen Vorbeifahrt am Haupt- oder Sperrsignal, sondern vielmehr in einer fehlerhaften
Wachsamkeitsbedienung. Diese Einschätzung könnte durch die links noch vor ihm stehen­
den und Sh 1 zeigenden Sperrsignale bestärkt worden sein.

Zitat Ende

Antworten:

Servus,

danke für den Auszug. Das bestärkt mich wieder in meiner Forderung, dass das EBA die gleichen strengen Regeln für alle EVU abzuprüfen hat. Und dass EVU, die die Arbeits- und Ruhezeiten unterlaufen, sofort die Konzession abgeben müssen.

mfg
gradausfahrer

von Gradausfahrer - am 06.10.2015 04:47
Ich finde ja aber auch heftig (entschuldigt natürlich nicht den Vorfall), dass das Regelgleis hier seit 29.07.1989 Baugleis ist. So langsames Arbeiten hätte ich nicht mal der DB zugetraut...

von Siemensianer - am 06.10.2015 19:14
Es dürften dort wohl auch keine Bauabsichten bestehen.
Das Betriebsverfahren dient wohl schlichtweg dazu, dass man keine Anpassungen an den Stellwerken vornehmen muss inkl. Genehmigungsverfahren.

So bleibt es bei einer zweigleisigen Strecke und es fallen keine Umbaukosten/Genehmigungsverfahren für eine eingleisige Strecke an.

Aus ähnlichen Gründen gibt es ja beispielsweise genug Signale die ins "Nichts" (also dorhin wo kein Gleis mehr existiert) leuchten nur damit man sich Anpassungen am Stellwerk erspart.

von 403 - am 06.10.2015 19:38
Zitat
Gradausfahrer
Und dass EVU, die die Arbeits- und Ruhezeiten unterlaufen, sofort die Konzession abgeben müssen.


Das Problem ist, das nachweisen zu können, wenn ein Kollege beispielsweise mehrere PZB-Nummern hat.

Grüße

von Cargonaut - am 08.10.2015 09:55
Zitat
403
Es dürften dort wohl auch keine Bauabsichten bestehen.
Das Betriebsverfahren dient wohl schlichtweg dazu, dass man keine Anpassungen an den Stellwerken vornehmen muss inkl. Genehmigungsverfahren.

So bleibt es bei einer zweigleisigen Strecke und es fallen keine Umbaukosten/Genehmigungsverfahren für eine eingleisige Strecke an.
...


Servus,

ich kenne die Situation aus meiner badisch-hessischen Zeit. Die Brücke des Streckengleises Mannheim-Käfertal - Mannheim Hbf / Rbf über den Neckat bzw. den Neckarkanal ist derartig fertig, das dieses Streckengleis nach der Inbetriebnahme der neuen westlichen Einführung der Riedbahn krzerhand gesperrt wurde. Ein wirklicher Bedarf für den zweigleisigen Betrieb bestand durch die neue westliche Einführung nicht mehr, so wurde ohne weiteren Umbau irgendwelcher Anlagen der "zeitweise eingleisige Betrieb" entsprechend einer Baustelle zwischen Mannheim-Käfertal und Mannheim Hbf sowie Mannheim Rbf eingeführt. Am Abzw Rennplatz trennen sich die Strecken Ri Hbf und Ri Rbf. Nun ja, was zu tiefsten Bundesbahn-Zeiten schon funktionierte, wird natürlich auch zu Bahn-AG_Zeiten weitergeführt. Warum denn Geld für eine Strecke ausgeben, die weitgehend unbenutzt ist.

Fairerweise muß man aber auch anerkennen, das die Einfahrt Mannheim von Ost durch die hier zusammenlaufenden 5 jeweils zweigleisigen Strecken alles andere als einfach ist - da stehen mehrere Gruppen Zwischensignale in Reih und Glied nebeneinander. Ich hatte beim Blick von der Neckerauer Brücke oder eine die Gleise überquerende Fußgängerbrücke auch immer meine Schwierigkeiten.

Das soll allerdings nichts entschuldigen!

von Martin Pfeifer - am 17.10.2015 21:50
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.