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Eisenbahnforum Nordostbayern
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Erster Beitrag:
vor 2 Jahren, 4 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 2 Jahren, 4 Monaten
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doku-des-alltags, Joachim Piephans, ChristianMUC, Mannerl, Falkensteiner Bockerl

Rund um Spiegelau (aktuell und früher, 20 B)

Startbeitrag von doku-des-alltags am 06.10.2015 21:20

Hallo zusammen,

letzte Woche war ich mal wieder im Bayerischen Wald unterwegs und das Wetter war ein Traum! Besonders die Grafenauer Strecke hatte ich im Fokus, weil ich da noch einige Details in versteckten Ecken "konservieren" wollte und auch um einige weitere Vergleiche zu früher zu schaffen. Von den "Einst"-Bildern hatte ich einige schon mal gezeigt. Jetzt hab ich sie aber nochmal neu gescannt, deshalb wandern einige hier jetzt auch nochmal mit rein.
Hier gehts jetzt hauptsächlich um Spiegelau, ansonsten hatte ich mal den weiteren Verlauf oberhalb der Steinklamm bis Großarmschlag und Rosenau genauer unter die Lupe genommen, davon gibts dann noch einen Folgebeitrag.





1.) VT 21 verlässt Spiegelau und quert den BÜ an der Hauptstraße, der auf der einen Seite noch immer seinen Ausleger mit dem dritten Blicklicht hat.





2.) Im Schritttempo verschwindet er in Licht und Schatten um die Kurve um gleich die Große Ohe und einen Werkskanal zu überqueren.





3.) Am frühen Abend des selben Tages liegt nun diese Stelle prächtig in der Sonne, während der Blicklicht-BÜ schon im Schatten liegt. Nun ist VT 16 auf dem Weg nach Grafenau. Die Regental Bahnbetriebs GmbH verfügt für die wald∆bahn über 12 RegioShuttles von ADtranz (Bj 1996 und 1997) sowie über zwei RegioShuttles von Stadler (Bj. 2003). Die ersten wurden am 29. April 1997 bei der RGB in Dienst gestellt, so auch der VT 16.




4.) Gemächlich gehts auf die Brücke über die Ohe und sogleich wird beschleunigt. Es geht in den Wald hinein, in dem sich die Trasse weit oberhalb der hier beginnenden Steinklamm am Steilhang entlang windet, bis kurz vor Großarmschlag.








5. + 6.) Passend dazu ein Vergleich, 14 Jahre vorher. VT 20 im August 2001 noch im vormaligen Waldbahn-Look. Die Strecke hat noch Holzschwellen, die später durch Y-Schwellen ersetzt wurden.






7.) Die Brücke von unten, vor nunmehr 27 Jahren. 211 031 schiebt ihren Zug nach Zwiesel. Mit der Brücke wird sowohl die Große Ohe, als auch ein von der großen Ohe gespeister Kanal überquert, der ein Stück weiter im Rücken des Betrachters durch ein Fallrohr in die Tiefe der Klamm stürzt, in einen Stollen hinein, der unterirdisch bis zum Stausee bei Großarmschlag führt.







8. + 9.) Noch ein Vergleich einst und jetzt am BÜ an der Hauptstraße. Ein bisschen was hat sich in 27 Jahren verändert, aber gar nicht so viel. Auch die Vmax an dieser Stelle ist unverändert.







10. + 11.) Der Blick in die Gegenrichtung zum Bahnhof hin zeigt damals wie heute viel Grün. Heute scheint es aber schon fast durch einen grünen Tunnel zu gehen.




12.) Nordwestlich des Bahnhofs führt die Strecke entlang der Schwarzachstraße.




13.) Im Bereich der Ne1-Trapeztafel findet sich am Straßenrand noch immer ein Gleis in Spurweite 600 mm. Reste der Spiegelauer Waldbahn, die hier ihren Ausgang fand. Die Bahn wurde 1909/10 erbaut und immer wieder erweitert. Bis Ende der 1920er Jahre hatte das Netz eine Gesamtlänge von 110 km. Ein Ast ging Richtung Klingenbrunn, einer zur St. Oswalder Diensthütte (heute Rachel-Diensthütte) und der längste über Graupsäge – Sagwassersäge bis nach Mauth und folgte damit der Route der heutigen Nationalparkstraße. Vereinzelt lassen sich dort noch einige Wege eindeutig als Bahndamm identifizieren.

In den 1930er Jahren wurden bis zu 40 000 Festmeter Holz jährlich abgefahren. Eingesetzt wurden zuerst 2 O&K-Dampfloks und eine von Krauss Maffei. Der Holztransport erfolgte mit Drehschemelwagen, Trucks genannt. Zuletzt waren 11 Dieselloks im Einsatz. 1957 endete der Betrieb auf der Spiegelauer Waldbahn, bis 1960 war die Strecke abgebaut.

Wer das Buch "Eisenbahn in Niederbayern" vom Bufe-Verlag besitzt, kann auf Seite 221 mit einem Bild von 1959 einen guten Vergleich zu dieser Stelle ziehen. Darauf ist zu sehen: links die Straße mit dem 600-mm-Gleis. Rechts verlässt ein VT 95 Spiegelau und passiert gerade die Trapeztafel. Davor kreuzt ein abzweigendes 600-mm-Gleis das Regelspurgleis. Jenseits davon, wo heute Baumaschinen und -material lagern, war früher ein großes Sägewerk und der Bahnhof der Waldbahn.





14.) VT 20 mit VT 18 bei der Einfahrt in Spiegelau.





15.) Die Bahnhofstraße mit Bahnhofsgebäude vor Sägewerkskulisse.





16.) Die Gleisseite des EG. Es wurde wohl in der letzten Zeit renoviert und ist nach wie vor ein Schmuckstück. Links wird der BÜ an der Hauptstraße geschlüsselt.





17.) 1988 war der Bahnhof noch besetzt. Der Fdl hatte zwei Weichenhebel vorm Dienstraum. Daneben der alte Fernsprecher, verdeckt von Stückgut Expressgut (danke an Joachim Piephans). Dazu gab es auch noch eine Gepäckwaage und eine Gepäckkarre. Im Hintergrund der noch voll bestückte Lagerplatz des Sägewerks.





18.) 211 031 mit der morgendlichen Üg beim Betriebshalt in Spiegelau. Die Bahnsteigkanten der Gleise 1 und zwei waren gerade ganz frisch erneuert, der Hausbahnsteig neu asphaltiert. Im Gegensatz zu Bild 17 stehen hier beide Weichenhebel nach unten. Der Güterzug wird wohl gekreuzt, oder noch wahrscheinlicher überholt, vom N 8435. Davon habe ich leider kein Bild.





19.) 13 Jahre später an dieser Stelle, der bei der Regentalbahn zum VT09 umgebaute frühere 515 511.





20.) Nach kurzem Halt geht es weiter nach Zwiesel. Bereits 1993 übernahm die Regentalbahn den Betrieb auf den Strecken nach Bodenmais und Grafenau, vorwiegend mit Esslinger Triebwagen. In dieser Zeit entstanden auch die beiden dieselelektrischen Exoten VT09 und VT10, die aus den beiden ETA 515 511 und 515 523 in der Viechtacher Werkstatt umgebaut wurden.




Viele Grüße,
Georg

Antworten:

Schön! Danke für die sorgfältigen Vergleiche und die vielen Detailbeobachtungen.

Gruß,
Joachim

von Joachim Piephans - am 06.10.2015 21:33
sehr schön, war für Güterverkehrskunden gab es denn damals?
Immerwieder beachtlich welchen Zustand die Bahnhöfe hatten

MFG
Mannerl

von Mannerl - am 07.10.2015 07:39
Zitat
Mannerl
sehr schön, war für Güterverkehrskunden gab es denn damals?


Servus,

zuletzt vermutlich hauptsächlich Holzabfuhr und vielleicht teilweise auch noch Glas, sofern dieser Transport noch nicht auf die Straße verlagert war. Und dann halt Stückgut.
In Grafenau gab es noch einen BayWa-Anschluss, dessen Bedienung ich noch miterlebt habe. Ein Heizöllager war dort auch am Bahnhof.

Noch früher wurde wohl auch Kohle angeliefert, womit die Glashütten ihre Öfen schürten. Sicherlich kamen auch andere Rohstoffe, Maschinenteile, Werkzeuge etc. mit der Bahn.

Zwiesel war bis in die 90er Jahre auch noch ein bedeutender Güterknotenpunkt. Dort gab/gibt es diverse Industriebetriebe und es gab auch ein Anschlussgleis.

Viele Grüße,
Georg

von doku-des-alltags - am 07.10.2015 09:15
Stückgut zum Zeitpunkt der gezeigten Bilder sicher nicht mehr. 1975 trat das "Modell 400" in Kraft mit Reduzierung der Stückgutbahnhöfe auf eben diese Zahl. Von dort aus wurde mit Lkw die Fläche bedient. Beriebsstellen von der Größe Spiegelaus hatten da keine Chance, ihre Ga zu behalten.

Die Kisten auf dem Bild sind Expreßgut, das direkt am Schalter abgefertigt und mit den Reisezügen befördert wurde (in Ausnahmefällen bzw. auf vom Reiseverkehr befreiten Strecken auch im Begleitwagen der Übergabe).

Gruß,
Joachim

von Joachim Piephans - am 07.10.2015 12:36
Danke für die Korrektur, Expreßgut ist natürlich richtig. Habe es ausgebessert.

Gruß,
Georg

von doku-des-alltags - am 07.10.2015 20:47
Gab es eigentlich nie Signale in Spiegelau ? Wie wurde denn das kreuzende 600mm-Gleis damals gesichert ?

von Falkensteiner Bockerl - am 08.10.2015 16:09
Hallo Georg,

die beiden Stadler-RS (VT 27 und 28) wurden mit Beginn des neuen Verkehrsvertrages im Dezember 2013 in die Oberpfalz abgegeben und fahren jetzt in gelb-grün durch die Gegend. Danke für die zahlreichen Eindrücke - vorallem für die aus der Vergangenheit.

von ChristianMUC - am 08.10.2015 19:48
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