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Neuenmarkt

ZM 2,7 Millionen für Ertüchtigung von Untersteinach b. Stadtsteinach

Startbeitrag von Neuenmarkt am 23.11.2015 15:26

[www.frankenpost.de]


2,7 Millionen Euro für Bahnstation Untersteinach
Bayern nutzt ein Förderprogramm des Bundes für den barrierefreien Ausbau kleiner Bahnhöfe. Ein Projekt im Kreis Kulmbach soll zugleich Verspätungen der Züge vermeiden.

Von Werner Rost

Untersteinach - Am 7. Dezember feiert Deutschland das Jubiläum "180 Jahre Eisenbahn". Doch während die Bahn in puncto Geschwindigkeit im Vergleich zu anno dazumal durchaus Fortschritte aufzuweisen hat, sieht es bei der Zugänglichkeit der Züge nicht viel besser aus als an jenem 7. Dezember 1835, als der legendäre Adler mit seinem Wagenzug seine erste offizielle Fahrt von Nürnberg nach Fürth unternahm.

Rund 180 Jahre später haben die Reisenden im Kulmbacher Land an vielen Stationen noch immer ähnliche Hürden zu überwinden wie die Fahrgäste des Adlerzugs. Zwar sind moderne Triebwagen, wie die "Walfische" (VT 641) von DB Regio und die "Regioshuttle" (VT 650) von Agilis in Niederflurbauweise mit einer Einstiegshöhe von 55 Zentimetern konstruiert. Doch die Bahnsteige sind seit dem Bau der Ludwig-Süd-Nord-Bahn in den Jahren 1843 bis 1848 kaum höher geworden. Im Kreis Kulmbach haben nur Trebgast, Harsdorf und einer der Bahnsteige in Neuenmarkt-Wirsberg eine "55er-Kante". Alle anderen Bahnsteige sind niedriger. Kulmbach hat die zur Bundesbahn-Zeit üblichen 38 Zentimeter, Untersteinach und andere kleinere Stationen nur 28 Zentimeter.

Niedrige Bahnsteige und hohe Einstiege sind noch immer ein schwer zu überwindendes Hindernis für "mobilitätseingeschränkte Reisende", wie dies in Amtsdeutsch heißt. Dabei hat man bei anderen öffentlichen Verkehrsmitteln - bei den U- und S-Bahnen - von vorneherein darauf geachtet, dass die Bahnsteige und Einstiege das gleiche Niveau haben. Doch bei der deutschlandweiten Eisenbahn ist das an Tausenden von Stationen für viele Fahrgäste noch immer ein Wunschtraum. Der Nachholbedarf ist immens.

Die Deutsche Bahn (DB) ist mit ihrer Tochter DB Station & Service an bundesweit 5400 Bahnhöfen für 9700 Bahnsteige zuständig. Laut DB sind an 3920 Bahnhöfen die Bahnsteige im Bedarfsfall auch ohne Stufen durch Aufzüge, Rampen oder höhengleiche Bahnübergänge erreichbar. "Die Erhöhung niedriger Bahnsteige von 38 Zentimeter und weniger wird aufgrund ihrer großen Anzahl eine Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte bleiben", heißt es in einer DB-Presseerklärung.

Dabei hofft die Bahn auf Förderprogramme. Ein derartiges Programm hat der Bund für die Jahre 2016 bis 2018 aufgelegt. Das Bundesverkehrsministerium stellt bundesweit 50 Millionen Euro für den barrierefreien Ausbau kleiner Bahnstationen mit weniger als 1000 Ein- und Aussteigern pro Tag zur Verfügung. "Gerade im ländlichen Raum sorgen Nahverkehrszüge für die notwendige Mobilität", erklärte dazu Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Mit dem neuen Programm wolle man den Zugang zu diesem Angebot entscheidend verbessern.

Das Bundesverkehrsministerium hat im Sommer die Länder aufgefordert, bis zum Herbst geeignete Projekte zu benennen. Wie das Bayerische Innen-, Bau- und Verkehrsministerium (STMI) auf Anfrage der Frankenpost mitteilt, hat der Freistaat bayernweit 21 Bahnstationen sowie drei ergänzende "Nachrückerprojekte" angemeldet. Die Entscheidung, welche Maßnahmen tatsächlich gefördert werden und in welchem Umfang Bayern von diesem Programm profitiert, obliege dem Bund, betont STMI-Pressesprecher Michael Siefener. Laut Siefener hat das Ministerium im Bereich von Oberfranken die Station Untersteinach angemeldet und Bad Staffelstein und Kirchenlaibach als Nachrückerprojekte benannt.

Dem Ministeriumssprecher zufolge sind die Um- und Neubaumaßnahmen am Bahnhof Untersteinach auf 2,7 Millionen Euro veranschlagt. Zu diesem Projekt gehören neben der Erneuerung des Bahnsteigs am Empfangsgebäude der Neubau eines zusätzlichen Bahnsteigs auf der gegenüberliegende Seite am zweiten Gleis, jeweils ein Wetterschutz, Beleuchtung und digitale Anzeigen für die Reisenden-Information, ein Blindenleitsystem sowie zwei zusätzliche Aufzugsanlagen für die Fußgängerüberführung, die als separates Projekt zwischen den beiden Bahnsteigen bereits von der DB geplant ist.

Doch warum ausgerechnet so hohe Investitionen in Untersteinach? Wie das Ministerium auf Nachfrage bestätigte, hat man bei der Auswahl dieses Projekts den Augenmerk zugleich auf die Beseitigung einer "betrieblichen Einschränkung des Zugverkehrs gerichtet".

Das derzeitige Problem: Die Züge aus Richtung Kulmbach müssen, um am bislang einzigen Bahnsteig in Untersteinach halten zu können, über Weichen auf das Gegengleis fahren und anschließend wieder zurück auf das rechte Gleis. Wenn dieser Zug nun Verspätung hat, muss unter Umständen ein Gegenzug an einem Signal halten und bekommt dann seinerseits ebenfalls Verspätung. Durch das Konzept mit zwei Bahnsteigen ließe sich dieses Problem aus der oberfränkischen Eisenbahnwelt schaffen.

Die Eisenbahnfreunde in der Region betrachten dieses Ausbau-Projekt mit gemischten Gefühlen. Roland Fraas aus Neuenmarkt, ein ausgewiesener Experte der historischen Ludwig-Süd-Nord-Bahn, macht im Gespräch mit unserer Zeitung keinen Hehl daraus, dass er eine entsprechende Fußgängerbrücke am denkmalgeschützten Bahnhof Marktschorgast ablehnt, wie sie die DB dort plant. Im Falle der Station Untersteinach hält Fraas die optische Beeinträchtigung durch eine Fußgängerüberführung für weniger problematisch.

Der Eisenbahn-Experte hält jedoch grundsätzlich auch eine andere Lösung für denkbar, die er als "alternative Vision" in den Raum stellt. Demnach kann sich Fraas auch vorstellen, die Station um zirka 400 Meter in Richtung Kulmbach zu verlegen. Für den barrierefreien Zugang könnte man laut Fraas den Bahnübergang der Seer Straße nutzen. Parallel zur Eisenbahnbrücke, die über die Untere Steinach führt, könnte man nach seiner "alternativen Vision" zwei neue Bahnsteige bauen, die dann teilweise ebenfalls als Brücke über den Bachlauf führen würden. "Das wäre sicherlich nicht teuerer", betont Fraas und verweist auf die Standardkosten von Fußgängerüberführungen von zirka 1,2 Millionen Euro.

Sollte das Projekt mit der Brücken- und Aufzugslösung in Untersteinach umgesetzt werden, muss der Freistaat als Besteller der Regionalzüge künftig tiefer in die Kasse greifen. Denn für jeden Regionalzug, der in Untersteinach hält, berechnet die DB Stationsgebühren. Die Höhe dieser "Landegebühren" richtet sich nach der Ausstattung und dem Wartungsaufwand. Und der ist für Aufzugsanlagen enorm hoch. Die DB beziffert die jährlichen Wartungskosten pro Aufzug auf 10 000 Euro.

Laut der Stationspreisliste kostet ein Zughalt in Untersteinach zurzeit 3,34 Euro. In Marktredwitz sind bislang zwei der drei Bahnsteige mit Aufzügen ausgestattet. Dort kostet ein Zughalt 5,81 Euro. Allerdings fließen dort auch die Kosten für die Service-Mitarbeiter vor Ort mit in diese Gebühren ein. Somit sind Kosten von knapp über vier Euro pro Zughalt realistisch, wie sie die DB an vergleichbaren Stationen mit Aufzügen, aber ohne Personal, im Netz der Vogtlandbahn berechnet.

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