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Eisenbahnforum Nordostbayern
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Erster Beitrag:
vor 2 Jahren, 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 2 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
Martin Pfeifer, Peter Gisder, Bimmelbahnfan, Bahnwärter1848, nix mehr

Heilig Abend 1992 (im Forenrandgebiet...)

Startbeitrag von nix mehr am 22.12.2015 15:07

Heilig Abend 1992

und die Folgen jener weihnachtlichen Veranstaltung...


Mit einigen Vogtländern war man ab November 1989 bestens befreundet. Das Glück, das es sich hierbei selbst fast nur um gestandene Reichsbahner handelte, ich aus einem Eisenbahnerhause in Hof stamme, brachte uns seither im Hobby doch so manche Spezialitäten, ja sogar Eskapaden ein. Die sich 1992 auf und davon machende Deutsche Reichsbahn war noch immer das Hauptaugenmerk. Später fanden fast alle ihre Nische in einem Hobbybereich. Fast könnte man sagen: Extreme! Und darin sind heute alle noch mehr oder weniger aktiv.

Das Jahresende 1992 kam uns damals schon fast extrem vor. Heute besehen? Gut das wir es durchgezogen haben!

Der Dienstplan bei moki zeichnete bereits im späten Herbst 1992 das Schichtende für den 24.12. in Schleiz ab. Man könnte doch... So die Überlegung zu einem bunten Abend bei einem allseits bekannten Hobbyfreund im Oberen Vogtland.
Ja, warum nicht!

Schließlich war es so weit! Die Weihnachten damals leider so schneefrei wie wohl heuer.
Nach Bratwürsten und Kraut am Heiligen Abend, was im Fränkischen Vogtland, also meiner damaligen Heimatstadt Hof, genauso wie drüben im sächsischen Vogtland mit Rostern, und viel weiter in der Region drum herum ebenso, Tradition und Sitte ist, packte ich abends die Kamera und das Stativ. Vater und Mutter schüttelten den Kopf. Ob nicht auch ein normaler Heilig Abend ginge? Ja in wie weit? Sich bei Freunden mit Spielen und Besäufnissen den Abend vertun? Ein Discobesuch? Heute ist das unter dem Jungvolk wohl üblich. Exzesse zum Teil. Ich stieg damals schon höheren Weihen in der Freizeit hinterher. Es sollte sich grundsätzlich von der Masse unterscheiden.
So jagte ich um nach 21 Uhr vom Wohnort hinaus in die dunkle Nacht. Die Schleizer Straße Hof nördlich verlassend, Bundesstrasse B2, ab der Landesgrenze da bei Juchhöh als "Fernstrasse" F2.
Ankunft am Bahnhof Schleiz, ca. 22.30 Uhr, der 7615 mit Kollegen Säxi war schon um 21.19 Uhr angekommen.


Moki trudelte schließlich um 23.18 Uhr daher. Aufsitzen auf dem Bock, ein bissel rangieren in "Schleiz Hbf" und die Lok zum Schuppen stellen.
Motor aus, das Treiben in hochheiliger Nacht begann. Welche der beiden Loks damals welchen Personenzug gebracht hat, ist leider nicht mehr nachvollziehbar. Damals war Leben in der Bude! Lange Jahre war es das nicht, "moderne" Welt der DB. Heut sorgt der Verein der Wisentatalbahn für einen gewissen Weitergang der Geschichte der Eisenbahn in der thüringischen Kreisstadt.


Da standen sie also, die beiden Kandidaten. Ganz planmäßig und ordentlich.


Das Hinterstellen im Schuppen, so wie es zu damaliger Zeit immer alltäglich war. Belanglos, Dienst eben! Das Foto war in jener Nacht das wichtigste. Wenn man heute so eine Szenerie nachstellen würde, brauchbare Loks gibt es bei privaten EVU sicher einige, würden wohl die Massen pilgern.


Dann verschlossen sich die Tore. Und es war schon nach Mitternacht, da gingen die Flügel wieder auf. "Geschmückt" mit Pockauer Platten und etwas Nadelgrün mit Glaskugeln.


Es sollte nur eine Weihnachtsgrußkarte werden. Für später mal. Irgendwas. Zum Spaß eben.


Ein weiterer Freund aus dem Vogtland kam noch daher und hatte Beleuchtungstechnik mitgebracht.


Und die Bildvariante "Planbetrieb 1992".


Das Personal jener Nacht beim Kaffee. Ausklang einer "verlängerten" Schicht. "Säxi" und "Moki". Am Lügentisch so man will. Die Lügen hingen/stehen hinten an den Wänden. Zwei originale Blechplatten, gekauft als Souvenir Ende 1991 zur Umzeichnung der Loks, in der Materialbeschaffungsstelle der Rbd Dresden. Die anderen Platten waren selbst angefertigte Papiertafeln. "Ersatzschilder".
Ein Problem war die Befestigung der Schilder. Seitlich am Führerhaus erledigte dies bei den Papptafeln doppelseitiges Klebeband. Natürlich gab es die Gewindelöcher zur Befestigung der Schrauben nicht mehr. Alles war damals ordentlich verspachtelt und überlackiert worden. Doch rot isolierter Draht taugte dem genauso und das Metall hing ordentlich an den Fronten.


Zu guter Letzt die komplette "Mannschaft" jener Nacht. 2 v l: "Bele" und ganz rechts "malo" ;-)Was für eine Nacht in einem Lokschuppen der Deutschen Reichsbahn!
Und ganz klar, es gab Pfefferkuchen, Gebäck aus heimischen Backröhren und Dresdner Stollen. Nichts fertig gekauftes. So gehört sich das auch! Und die Räucherkerzen säuselten vor sich hin ;-)


Ein Bildchen im Aufenthaltsraum gab uns Inspiration...

Zumindest mir. Kein langwieriges Denken ging voraus. Beinahe ein Geistesblitz!
"Fried, hast Du in naher Zukunft noch einmal die Nacht?" Ein Blick auf den Dienstplan im Schaukasten an der Wand. "Joo, Silvester! Woss willsde denn scho wieder machn?"
Nichts weiter... Wir brauchen nur Papier, Tapetenkleister und eine Lok...

Verabschiedung, Bernd stieb nach Plauen heim, ich über die Autobahn A9 Richtung Hof. Und die beiden Herren Lokführer legten sich in ihre Kojen.

Bis zum Silvestertage 1992 war etwas Zeit. Eine große Rolle unbedrucktes Zeitungspapier lag daheim am Dachboden. Irgend wann mal organisiert. Als Abdeckmaterial bei Renovierungen oder Verpackungshilfe zu gebrauchen. Ich schnitt mehrere schmale Streifen von dieser Rolle... Der Leim quellte im Eimer ab dem Silvesternachmittag vor sich hin. Ja und eine "Weissberschdn" für diese Tapezierarbeiten brauchte es auch noch.


Wieder fuhr ich abends gen Schleiz. Wieder waren zwei Loks der Personenzüge zur Übernachtung da. Diesmal gab es andere Nummern. Planbetrieb die zweite. Die wichtigste Einstellung.


Natürlich in original Pockau und Pappe nachgestellt.


Ein bissel Gezündel bis Mitternacht. Dann gegenseitiges Neujahrwünschen.
Einige Minuten betrachteten wir zur Ortschaft, da hinüber zur Bergkirche von Schleiz, die Knallerei und den Raketenflug. Und dann gings drinnen im Schuppen ans Werk...


Moki in Aktion. Wenn Frankenpostpapier nass wird, schaut es dunkler daher und einem beigen Zierstreifen an einer DR-farbenen Lok noch ähnlicher aus. Die Breite des Streifens? Hatten wir geschätzt, Orientierung gaben die Schlusslichter an der Stirnfront. Und das der Leim in jener feuchtkalten Nacht nicht antrocknet war so gut wie sicher. So sollte es keine Sauerei mit der Entfernung geben.


Schließlich stellte moki das Prachtstück nach draußen!
V100 020 wie einst auf dem Bild vom Aufenthaltsraum... Die Inspiration von Heilig Abend ward umgesetzt.


Was für eine Nacht!
Da standen wir selbst mit offenen Mündern ungläubig davor, so echt sah das aus.
Die Lok ganz klar, der Experte sieht es sofort, entsprach nicht dem ersten Baulos der V100D. Unterschiede gibt es leicht zu erkennen an der Motorhaube. Aber das war von vorne herein klar, eine 100%ige Illusion erschaffen ging nicht mehr. Der Spaß war uns dennoch gegönnt.
Die Lok durfte zurück ins Haus. Moki nahm den Wasserschlauch und mühelos ließ sich Kleister und Papier abwaschen. Ich blieb noch bis ca. 2:00 Uhr. Etwas Schlaf brauchte der Lokführer auch. So fuhr ich abermals zufrieden auf leergefegten Straßen über Gefell und Dobareuth zurück nach Hof.

Allen ein Frohes Fest und besinnliche Feiertage
malo

Antworten:

Genial - diese Weihnachtsgeschichte...
Malo hat sich einen Orden, ähem, einen geschmückten Weihnachtsbaum verdient!

von Bahnwärter1848 - am 22.12.2015 18:31
Einer der besten Beiträge der letzten Zeit. Vielen Dank für die gemachte Mühe! :)

von Bimmelbahnfan - am 22.12.2015 21:46
Super! Da wäre man gerne dabeigewesen.

von Peter Gisder - am 23.12.2015 09:38
Zitat
Bimmelbahnfan
Einer der besten Beiträge der letzten Zeit. Vielen Dank für die gemachte Mühe! :)


Servus,

dem Lob der Vorredner schließe ich mich gerne an - auf solche Idee muß man erst einmal kommen. Und dann braucht man gute Geister, die mitmachen. Echte Eisenbahner halt, heute eine aussterbende Spezies.

Ich wünsche Dir, Malo, und den hoffentlich hier mitlesenden Kollegen alles Gute für Weihnachten und das neue Jahr!

von Martin Pfeifer - am 23.12.2015 11:12
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