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Eisenbahnforum Nordostbayern
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vor 1 Monat, 1 Woche
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vor 1 Monat
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223 061, Martin Pfeifer, Fahrdienstleiter.., BD Regensburg, 403

NRH: Mal wieder - Qualität der Fahrgastinformation

Startbeitrag von 223 061 am 08.11.2017 20:13

Vor längerer Zeit hatte ich schon mal das Thema falsche/verwirrende Fahrgastinformation in Regensburg Hauptbahnhof (und nicht nur dort) aufgebracht.

In den letzten Jahren schien sich die Situation gebessert zu haben. Derzeit ist allerdings wieder etwas der Wurm drin ...
- Heute zum Beispiel kam gleich dreimal kurz hintereinander die Durchsage, daß der ALX nach Hof - obwohl pünktlich - abweichend von Gleis 4 statt von Gleis 5 abfährt. Dort stand aber ein ebenfalls pünktlicher Agilis-Triebzug. Erst Minuten nach der dann doch planmäßig erfolgten Einfahrt des ALX-Zuges nach Gleis 5 wurde die Anzeige wieder korrigiert. Die Fahrgäste kostete das nur ein müdes Lächeln, weil es ja der gleiche Bahnsteig gegenüber ist. Etwas peinlich und für Fremde verwirrend ist es dennoch.
- Wesentlich kritischer ist die mehrfach von mir beobachtete, sehr kurzfristige Verlegung der Oberpfalzbahn von Gleis 4 auf Gleis 101 erst ganz knapp vor der Abfahrtszeit. Geschätzter Fußweg ca. 250m - 300m incl. 2 langen Treppen. In einem Fall erfolgte die Ansage/Anzeige der Gleisänderung an Gleis 4 erst, als der Zug auf Gleis 101 bereits freie Ausfahrt hatte (und er war dort nur kurz vorher verspätet bereitgestellt worden). Pikanterweise war auch die Zugbegleiterin selbst von der unerwarteten Gleisänderung betroffen, die dann dafür sorgte, daß auch die Fahrgäste ohne Sprinterqualitäten noch ihren Zug erreichten. Andernfalls hätten sie jedoch klar das Nachsehen gehabt.
- u.v.a.


Nun ist das sicher nicht nur ein Regensburger Phänomen. Wer viel mit der Bahn reist, kann da bestimmt aus vielen Orten Deutschlands solche Beispiele nennen ...


Konsequenz für mich: Die Reisendeninformation an Bahnhöfen gehört generell wieder in die Hände von DB Netz. Denn nur die Mitarbeiter von DB Netz wissen aus erster Hand und für alle EVU rechtzeitig, in welchem Gleis aktuell welcher Zug verkehrt, auch und gerade bei Abweichungen vom Planbetrieb. Natürlich muß dann die personelle und technische Ausstattung so ausgelegt sein, daß die zusätzlichen Aufgaben verlässlich erledigt werden können. Immer nur Zusatzaufgaben oben drauf satteln geht halt nicht!

So wie es derzeit bei der Reisendeninformation auf Deutschlands Bahnhöfen oft läuft, ist es für eines der (angeblich) weltweit führenden Industrieländer und Exporteure moderner Bahntechnik einfach nur peinlich.

Gruß
223 061

Antworten:

Nach meinem Kenntnisstand erhalten die Reisendeninformationssysteme über eine Schnittstelle die Informationen von den betrieblichen Dispositionssystemen von DB Netz.

Wenn von Netz-Seite Gleisänderungen zu spät oder gar nicht eingegeben werden, kann auch keine entsprechende Kundeninformation erfolgen. Insofern liegt da die Verantwortung auch bislang bei DB Netz.

von 403 - am 09.11.2017 11:08
Zitat
223 061
Konsequenz für mich: Die Reisendeninformation an Bahnhöfen gehört generell wieder in die Hände von DB Netz. Denn nur die Mitarbeiter von DB Netz wissen aus erster Hand und für alle EVU rechtzeitig, in welchem Gleis aktuell welcher Zug verkehrt, auch und gerade bei Abweichungen vom Planbetrieb. Natürlich muß dann die personelle und technische Ausstattung so ausgelegt sein, daß die zusätzlichen Aufgaben verlässlich erledigt werden können. Immer nur Zusatzaufgaben oben drauf satteln geht halt nicht!


Die Informationspolitik ist generell ein Problem bei der Eisenbahn.
Auch Änderungsanzeigen im kleinen weißen Lauffeld oben, während sonst ganz normal der Zug angezeigt wird, verwirren die Leute. Die weißen Lauffelder werden einfach nicht so wahrgenommen.

DB Station&Service ist doch gänzlich überflüssig. Wieso nicht mit Netz fusionieren zu einer DB Infra?
In anderen Ländern hat man wenigstens die gesamte Infrastruktur in einer Hand, denn die Abstimmung zwischen Netz und Station&Service funktioniert sehr oft nicht.

von BD Regensburg - am 09.11.2017 15:23
Zitat
403
Nach meinem Kenntnisstand erhalten die Reisendeninformationssysteme über eine Schnittstelle die Informationen von den betrieblichen Dispositionssystemen von DB Netz. Wenn von Netz-Seite Gleisänderungen zu spät oder gar nicht eingegeben werden, kann auch keine entsprechende Kundeninformation erfolgen. Insofern liegt da die Verantwortung auch bislang bei DB Netz.



Sicher, die Basisinformation muß letztlich immer von DB Netz kommen. Ich würde mir halt trotzdem eine Qualitätsverbesserung versprechen, wenn die ganze Informationskette bis zum Reisenden in einer Hand liegt und nicht mehr auf mehrere Unternehmen verteilt ist. Aber vielleicht ist das nur die Illusion eines Außenstehenden.

Wichtiger ist ohnehin die Frage, wer die Information über Änderungen eingeben muß und ob dafür in der Praxis auch Zeit da ist. Bei Bahnhöfen von der Größe Regensburgs ohne Fernsteuerung dürften der/die Fdl allein mit betrieblichen Aufgaben schon sehr gut ausgelastet sein, insbesondere dann, wenn es größere Abweichungen vom Regelbetrieb und Störungen gibt. Gerade in letzteren Fällen ist aber gleichzeitig auch die Reisendeninformation am meisten von Bedeutung und erfordert genau dann den größten Aufwand. Gibt es dafür überhaupt noch separates Personal?

Weiterhin ist die Frage, wie komfortabel und fehlerarm die bereitgestellten Eingabetools zu bedienen sind. In Regensburg kam auch schon häufiger eine Durchsage "Zug fährt heute abweichend von Gleis X", obwohl dies doch das Plangleis war. Fragende Gesichter bei den Reisenden ... kurz danach kam dann die Durchsage nochmal in korrigierter Form "Zug fährt heute abweichend von Gleis Y". Wenn das einmal passiert, denkt man sich nichts dabei. Aber da es häufiger vorkam, muß auch da eine Ursache dahinterstecken, wie z.B. unübersichtliche bzw. fehleranfällige Eingabetools?

Es gibt zwar heutzutage viele Manager und "Bürohengste" im "Elfenbeinturm" bei Bahnunternehmen und Aufgabenträgern, aber es gibt m.E. zu wenige, die die reale Qualität in der Praxis prüfen und dann auch ernsthaft nach tragfähigen Lösungen suchen. Ab einer gewissen Ebene ist die Realität wohl eher störend fürs eigene Weltbild der optimierten Kosten. Das kennt man ja auch aus anderen Bereichen.

Gruß
223 061

von 223 061 - am 09.11.2017 18:12
Zitat
223 061
In Regensburg kam auch schon häufiger eine Durchsage "Zug fährt heute abweichend von Gleis X", obwohl dies doch das Plangleis war. Fragende Gesichter bei den Reisenden ...


Diese Ansage kommt immer, wenn eine eingegebene Gleisänderung wieder geändert wurde - in dem Fall halt wieder zurück auf das Plangleis.

Gruß

von Fahrdienstleiter.. - am 10.11.2017 05:44
Zitat
Fahrdienstleiter..
Zitat
223 061
In Regensburg kam auch schon häufiger eine Durchsage "Zug fährt heute abweichend von Gleis X", obwohl dies doch das Plangleis war. Fragende Gesichter bei den Reisenden ...


Diese Ansage kommt immer, wenn eine eingegebene Gleisänderung wieder geändert wurde - in dem Fall halt wieder zurück auf das Plangleis.




Ja, aber in den von mir oben genannten Fällen wurde ja nichts zurückgeändert. Sondern es kam erst die Gleisänderungs-Durchsage unter Nennung des Plangleises, und ein Stück später dann in korrigierter Form mit dem geänderten Gleis. Vermutlich einfach ein Versehen bzw. Verwechselung bei der Eingabe ...


Heute gegen 17:30 Uhr war ich wieder mal in NRH unterwegs. Trotz vieler Gleisänderungen und Verspätungen lief die Information der Reisenden heute völlig einwandfrei und rechtzeitig. Es ist also nicht immer so wie oben geschildert.

Gruß
223 061

von 223 061 - am 10.11.2017 17:49
Zitat
BD Regensburg
Zitat
223 061
Konsequenz für mich: Die Reisendeninformation an Bahnhöfen gehört generell wieder in die Hände von DB Netz. Denn nur die Mitarbeiter von DB Netz wissen aus erster Hand und für alle EVU rechtzeitig, in welchem Gleis aktuell welcher Zug verkehrt, auch und gerade bei Abweichungen vom Planbetrieb. Natürlich muß dann die personelle und technische Ausstattung so ausgelegt sein, daß die zusätzlichen Aufgaben verlässlich erledigt werden können. Immer nur Zusatzaufgaben oben drauf satteln geht halt nicht!


Die Informationspolitik ist generell ein Problem bei der Eisenbahn.
Auch Änderungsanzeigen im kleinen weißen Lauffeld oben, während sonst ganz normal der Zug angezeigt wird, verwirren die Leute. Die weißen Lauffelder werden einfach nicht so wahrgenommen.

DB Station&Service ist doch gänzlich überflüssig. Wieso nicht mit Netz fusionieren zu einer DB Infra?
In anderen Ländern hat man wenigstens die gesamte Infrastruktur in einer Hand, denn die Abstimmung zwischen Netz und Station&Service funktioniert sehr oft nicht.


Servus,

ich möchte Dir da aus eigener Erfahrung Recht geben. Aber nur zum Teil. Meiner Meinung ist die Trennung der Infrastruktur an der Grenze des Lichtraum-Profils unsinnig. Die Bahnsteigkante samt der Zuwege gehört ganz eindeutig genauso zum Betrieb und damit zu DB Netz wie das Hauptsignal.

Diese Trennung hat in den vergangenen Jahren für viel Verdruß auch bei den Bahnern vor Ort gesorgt. Da DB Netz ja DB StuS eine Rechnung für Durchsagen des Fdl auf Bahnsteigen schickt, wurde das wegrationalisiert. In der Denkweise von DB StuS ist die Aufstellung eines Anzeigers auf dem Bahnsteig preiswerter als das Einkaufen der Dienstleistung bei DB Netz.

Anders herum stellt sich die Frage: muß ein Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen auch solche Sachen wie das Empfangsgebäude in Nürnberg Hbf, Regensburg Hbf oder auch in mittleren Stationen wie Amberg (Oberpfalz) oder Schwandorf betreiben? Für den eigentlichen Zugverkehr wird es nicht gebraucht, man kann heutzutage vielerorts auch einfach daran vorbei gehen. Also muß man irgendwo eine Schnittstelle definieren, wo lege ich die hin? Gehört der Bahnsteigtunnel oder die Treppe noch zu DB Netz oder schon zu DB Station und Service?

Eine organisatorische Änderung lässt sich sicherlich recht einfach umsetzen. Aber muß man auch betrachten, ob sich diese organisatorische Änderung auch in der Praxis umsetzen lässt. DB StuS hat in den letzten Jahren aufgrund der Struktur halt vieles für sich und dementsprechend zentral aufgebaut. Da steckt auch eine Menge Hardware dahinter, deren Änderung wiederrum Kosten verursacht. Damit wären wir bei der Gretchen-Frage des BWL'er: was kostet es, was bringt es uns ein? Gerade der zweite Teil ist wohl nicht so einfach zu beantworten. Wenn die Reisendeninformation klappt, werden vielleicht mehr Leute mit der Bahn fahren. Aber deshalb fahren kaum mehr Züge.

von Martin Pfeifer - am 10.11.2017 20:40
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