Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Eisenbahnforum Nordostbayern
Beiträge im Thema:
9
Erster Beitrag:
vor 2 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 1 Monat, 4 Wochen
Beteiligte Autoren:
Martin Pfeifer, KROMHOUT, der-mit-leser, apfelpfeil, Gerald H, Neuenmarkt, Bahnwärter1848

Brücken Untersteinach

Startbeitrag von Bahnwärter1848 am 15.12.2017 20:37

Das Thema Brückenhöhe 4,90 m bei der neuen "Galerie" westlich von Untersteinach, deren Bau ja aktuell begonnen wird, geistert durch die Medien und schlägt hohe Wellen, weil damit eine Elektrifizierung der Ludwig-Süd-Nord-Bahn von Hochstadt nach Hof (wie von der Politik unisono gefordert) quasi verhindert wird.

Was mich brennend interessiert: ich bin vor ein paar Tagen mit dem Zug durch die bereits weitgehend fertiggestellte neue Brücke an der Ostausfahrt gefahren. Man kann ja da schwer abschätzen, wie hoch dieses Ding ist, aber mir erschien es ziemlich niedrig.

Kann jemand bestätigen, dass auch die östliche Brücke nicht für den Draht geeignet ist? Das würde für die Diskussion eine Bereicherung darstellen...

Antworten:

Hallo,
eine "Bereicherung" für die Diskussion dürfte die heutige Meldung in der Kulmbacher Tageszeitung (Bay. Rundschau) sein:

"Herrmann: Bauen wir geplant
Die bayerische Staatsregierung sieht bei den zu niedrig geplanten Brücken (!) für die Ortsumgehung Untersteinach keinen Handlungsbedarf. Das unterstreicht Innen- und Bauminister Joachim Hermann...
Erst wenn die Bahnstrecke elektrifiziert werden solle, müsse die Höhe der Brücken angepasst oder das Gleisniveau abgesenkt werden. Das sei dann Sache der Bahn...
Einen Baustopp für die Brücken (!) lehnt Herrmann ab...".

Das Wahljahr wirft hier wohl schon seine Schatten weit voraus, mit Auswirkungen lange nach den Wahlen. Hier geht´s mal wieder um Wählerstimmen und nicht um zukünftige Projekte.
Wenn es dann "Sache der Bahn" ist, ist klar was nicht passieren wird.

Die (!) wurden von mir eingefügt.

Viel Spaß beim Diskutieren über so eine Verkehrspolitik!

von KROMHOUT - am 16.12.2017 12:12

Wenig genutzte Strecke - niedrige Fahrgastzahlen siehe Kommentar

[www.nordbayerischer-kurier.de]

von Neuenmarkt - am 17.12.2017 10:53

Re: Wenig genutzte Strecke - niedrige Fahrgastzahlen siehe Kommentar

Man könnte heulen.

Ich habe öfter mal mit oberfränkischen Straßenbaubehörden zu tun.
Bis ins kleinste Detail kommen man lange Prüfvermerke, von welchen Fachstellen und Gutachtern Nachweise einzuholen sind und man hat zu begründen, warum hier und da 5 cm mehr oder weniger Schotter am Wegrand im Unterbau eingezeichnet ist...

Und dann passiert den Fachleuten in eben jenem Bezirk, der Erfahrung mit Elektrifizierung und Streckenausbau hat, dass man nicht an Höhe für eine Oberleitung an einer zweigleisigen Strecke denkt ? Sicher nicht passiert, sondern das Kalkül: hier an einem überzüchtetem und immens teurem Vorhaben an anderer Stelle wieder was einzusparen, was ein paar Paralellwege oder Querungen für Landwirtschaft oder eine Streckenverlänerung für einen gerinfügig höheren Kurvenbogen für 190 statt 170 km/h (gemeint die Reserve für künftie Raser) kosten...

von Gerald H - am 17.12.2017 13:41

Re: Wenig genutzte Strecke - niedrige Fahrgastzahlen siehe Kommentar

Zitat
Gerald H
Man könnte heulen.

Ich habe öfter mal mit oberfränkischen Straßenbaubehörden zu tun.
Bis ins kleinste Detail kommen man lange Prüfvermerke, von welchen Fachstellen und Gutachtern Nachweise einzuholen sind und man hat zu begründen, warum hier und da 5 cm mehr oder weniger Schotter am Wegrand im Unterbau eingezeichnet ist...

Und dann passiert den Fachleuten in eben jenem Bezirk, der Erfahrung mit Elektrifizierung und Streckenausbau hat, dass man nicht an Höhe für eine Oberleitung an einer zweigleisigen Strecke denkt ? Sicher nicht passiert, sondern das Kalkül: hier an einem überzüchtetem und immens teurem Vorhaben an anderer Stelle wieder was einzusparen, was ein paar Paralellwege oder Querungen für Landwirtschaft oder eine Streckenverlänerung für einen gerinfügig höheren Kurvenbogen für 190 statt 170 km/h (gemeint die Reserve für künftie Raser) kosten...


Servus,

beim Durchlesen der bisherigen Meldungen habe ich auch den Verdacht das hier bewusst an Bauhöhe gespart wurde. Einfach um das Projekt als solches billiger zu machen. Die Kosten der jetzt zu bauenden Ortsumgehung - eine Staatsstraße - bezahlt der Freistaat Bayern. Die Kosten einer späteren Elektrifizierung bezahlt die Bundesrepublik Deutschland. Da ist es doch klar, das der Freistaat die zusätzlichen Kosten für eine höhere Durchfahrtshöhe möglichst nicht bezahlt. Da hofft man, das später(R) keiner mehr weiß, das Damals(R) eigentlich eine Brücke für eine elektrifizierte Strecke zu bauen war. Hauptsache die Straße kommt.

von Martin Pfeifer - am 20.12.2017 17:37

Re: Wenig genutzte Strecke - niedrige Fahrgastzahlen siehe Kommentar

Servus,
zu den Kosten hier einige Zahlen:

Die ca. 5 km lange Umgehung besteht aus zwei Teilbereichen: einen Tunnel zwischen Kulmbach und Kauerndorf und der Umfahrung von Untersteinach.
Die Gesamtkosten des Projektes wurden 2015 mit 81,5 Millionen Euro angegeben, davon entfallen auf den Untersteinacher Teil 36 Millionen, der "Rest" entfällt auf den Tunnelabschnitt. Die Neuplanungen der Brücken und Galeriebauwerke kosten sicher Geld, das wird bei solchen Gesamtkosten aber keine so entscheidende Rolle spielen. Aber mit diesem zusätzlichen Geld hätte man eben eine wesentlich größere Flexibilität in Bezug auf den Bahnausbau.
Ich bin noch immer davon überzeugt, dass der mit einer Neuplanung verbundene teilweise Baustopp im Wahljahr 2018 vermieden werden soll.
Dass mit dem jetzigen "Weiter so" dann irgendwann später der Bund für die Finanzierung zuständig sein wird, ist sicher ein für bayerische Politiker angenehmer und gewollter Nebeneffekt.

Viele Grüße

von KROMHOUT - am 20.12.2017 19:03

Sinn einer Elektrifizierung?

Ich meine ausgerechnet auf dieser Strecke?
Hochstadt-Neuenmarkt - und dann wie weiter? Hof? Bayreuth? Was soll da ausgerechnet elektrisch fahren?
War denn jemals überhaupt eine eventuelle Elektrifizierung der Strecke auf der Tagesordnung? Kann ich mir jetzt kaum vorstellen.
Gäbe wichtigere Projekte bei der Bahn in der Region.

von der-mit-leser - am 21.12.2017 19:27

Re: Sinn einer Elektrifizierung?

Zitat
der-mit-leser
Ich meine ausgerechnet auf dieser Strecke?
Hochstadt-Neuenmarkt - und dann wie weiter? Hof? Bayreuth? Was soll da ausgerechnet elektrisch fahren?
War denn jemals überhaupt eine eventuelle Elektrifizierung der Strecke auf der Tagesordnung? Kann ich mir jetzt kaum vorstellen.
Gäbe wichtigere Projekte bei der Bahn in der Region.


Servus,

unter heutigen Gesichtspunkten (Nutzung überwiegend im SPNV, Güterverkehr nur einzelne Sonderleistungen und kein Fernverkehr) ist eine Elektrifizierung tatsächlich nicht wirtschaftlich darstellbar. Nur, wer weiß denn heute, welche Verkehre in dreißig bis fünfzig Jahren auf dieser Strecke zu bewältigen sind? Das Zeitalter fossiler Brennstoffe, also auch des Erdöls und damit auch der Dieselbetriebenen Fahrzeuge wird in absehbarer Zeit zu Ende sein. Dann muß eine Alternative verfügbar sein. Die Entwicklung der Batterie-Technik macht zur Zeit bedingt durch die Anforderungen aus der Automobil-Industrie große Fortschritte. Aber ob damit Fahrzeuge in der Art eines 612'er realisierbar sind? Von daher ist es durchaus sinnvoll, sich eine Elektrifizierung nicht zu verbauen.

Und natürlich geht es um etwas ganz anderes: Nach meinem Kenntnisstand gibt es eine Planfeststellung, die eine elektrifizierungsfähige Durchfahrthöhe für die Bahnstrecke baut. Gebaut wird mit niedriger Durchfahrtshöhe. Was soll der gemeine Bürger vom Staat denken, der sich selber nicht einmal an seine eigenen Planfeststellungen hält? Das ist die logische Fortsetzung der Glyphosat-Entscheidung eines CSU-Ministers: ich mache es so, wie es mir im Jahre 2018 bei der nächsten Landtagswahl nützt. In logischer Fortsetzung dieser Denkweise bekommt der gemeine Bürger damit einen Freibrief sich nur noch dann an Recht und Gesetz zu halten, wenn es ihm opportun ist. Zum Beispiel im Straßenverkehr. Ist das wirklich so gewollt?

von Martin Pfeifer - am 21.12.2017 22:51

Re: Sinn einer Elektrifizierung?

Zitat
der-mit-leser
Ich meine ausgerechnet auf dieser Strecke?
Hochstadt-Neuenmarkt - und dann wie weiter? Hof? Bayreuth? Was soll da ausgerechnet elektrisch fahren?
War denn jemals überhaupt eine eventuelle Elektrifizierung der Strecke auf der Tagesordnung? Kann ich mir jetzt kaum vorstellen.
Gäbe wichtigere Projekte bei der Bahn in der Region.


Naja das sollte man aber nicht nur so isoliert betrachten, sondern in einem größeren Zusammenhang. So kleinere Lücken in einem ansonsten gut vermaschten System werden nämlich auch unverhältnismäßig teuer. Beispiel aus der Region: der Bruch in Hof auf der Achse Dresden - Nürnberg. Da will man halt schlicht durchfahren und nicht dauern wechseln mit Umsteige- und Wechselzwang. Nicht nur als Fahrgast, sondern auch als Zugbetreiber.
Wenn dann mal Hof-Marktredwitz-Nürnberg/Regensburg irgendwann elektrisch sind, dann sind als weiteres die Schließung der Lücken Hochstadt-Hof/Bayreuth und auch Schwandorf- Hohenstadt gar nicht so abwegig.
Selbst für die Schnaittachtalbahn als Zweiglinie gibt es eine Chance auf Elektrifizierung! Die soll nämlich in die Nürnberger S-Bahn integriert werden, keiner würde dafür eine Diesel S-Bahn entwickeln, das wird auch nicht billiger als eine Elektrifizierung!

Auch wenn das noch eine Weile braucht bis dahin, aber die Gemeinden in den Lücken sollten schon ein Interesse haben, nicht von dem Netz das sich um sie herum entwickelt, abgehängt zu werden, meine ich.

von apfelpfeil - am 22.12.2017 13:47
Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.