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Eisenbahnforum Nordostbayern
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vor 3 Wochen, 5 Tagen
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vor 5 Tagen, 1 Stunde
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628 245-2, schiene29, 223 061, Bahnwärter1848, bahnrentner, JimKnopff, Bernecker

Zum Stadtfest nach Becov

Startbeitrag von Bernecker am 20.07.2018 10:47

Hallo !
Am letzten Wochenende ging es für mich erstmals nach Becov nad Teplou in Tschechien: Hintergrund war eine Einladung unserer Kommune zum Stadtfest Becov. Wir vertiefen nämlich gerade mit meiner Heimatstadt Bad Berneck – wo ich in der Touristinfo arbeite – unsere inoffizielle Städtepartnerschaft mit Becov, da unsere beiden Orte die Burgengeschichte und der Botanische Garten verbinden. In Vorbereitung auf den Wochenendausflug sah ich, dass Becov einen Bahnhof hat und dass eine unserer beiden Pensionen recht nah am Bahnhof liegt. Also bat ich im Rathaus darum, „dass ich unbedingt in die Pension Alte Post möchte.“ „Aber die Unterkunft am Schloss hat schönere Zimmer und liegt zentral in der Altstadt“ bekam ich zunächst zu hören, aber ich erklärte, dass ich - wenn möglich - auf jeden Fall in die Alte Post möchte.
Die Anreise war teilweise etwas abenteuerlich, aber wir kamen um 11.10 Uhr in Becov mit dem Bus am Bahnhof an. Dank der netten Hilfe von Achim Ender (Danke nochmals !) hatte ich im Vorraus einen Fahrplan des Bahnhofs Becov bekommen und dort stand, dass 11.21 Uhr ein Zug aus Rakovnik ankommt. Mein Wunsch war, die putzigen tschechischen „Schienenbusse“ Kufr 810 zu erwischen. Also hatte ich größtes Interesse, möglichst rasch aus dem Bus zu kommen und gleich an den Bahnsteig zu stürmen. Dort erwartete mich ein vermutlich von der letzten Übergabe abgestellter Transistor 742. Eine erfreuliche Überraschung !

Und es dauerte nicht lange, da fuhr der Kufr pünktlich im Bahnhof Becov ein

Während die anderen gemütlich in die Stadt liefen, wo um 12.00 Uhr der Festumzug starten sollte, lief ich im Affenzahn zu den Einfahrsignalen vor Becov. Die alten Flügelsignale stehen leider nicht mehr, aber das Licht passte wenigstens.

Danach ging es wieder im Affenzahn in die Altstadt von Becov. Ziemlich verschwitzt angekommen schaffte ich gerade noch den Festumzug. Wir waren als Bad Bernecker Delegation gebeten worden, dort mitzumarschieren.

Auf einer Bühne am Marktplatz wurden dann Eröffnungsreden gehalten und mehrere Musikgruppen – darunter auch der Gesangsverein und ein Zitherspieler aus meinem Heimatort – sorgten dann für Unterhaltung.

Die Altstadt von Becov mit Schloss und Burg ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Umringt von kleinen Ständen, duftenden Buden und zahlreichen Restaurants war das ein Genuss für alle Sinne.

Um 15.00 Uhr war dann Einchecken in der Pension angesagt. Da meine Unterkunft ja strategisch gut lag, verschwand ich danach erstmals wieder zum Bahnhof. Dort ging der Transistor nun lichttechnisch von der anderen Seite.

Danach ging es zur Bahnhofsausfahrt. Die Züge zwischen Karlsbad und Marienbad bestehen leider mittlerweile aus modernen Triebwagen.

Der Kufr kam dann wenige Minuten später mit Ziel Zlutice.

Im Bahnhof abgestellt war dieser Kufr von GW-Train.

Und an der alten Drehscheibe stand dieser nicht mehr ganz frische Kufr.

Da ein Kufr max. alle 2h fährt, hatte ich etwas Zeit, die Strecke zu erkunden. Dabei ergaben sich auch schöne Ansichten auf die Stadt.
Leider kam nichts, als das Licht an dieser Stelle passte. Allerdings kommen von Norden her auch nur moderne Triebwagen und das fast parallel zur Einfahrt eines Kufr. Man hätte also nur das eine oder andere machen können.

Altstadt von Becov nad Teplou


Während die Kollegen bereits gemütlich im Biergarten saßen, ließ mir der nächste Kufr keine Ruhe. Also wieder zum anderen Ende des Ortes laufen um Streiflicht zu haben.

Im Bahnhof stand dann der Zug nach Marienbad. Überhaupt war die Auslastung der Züge erstaunlich hoch wenn man das mit Deutschland vergleicht.

Der Kufr hatte dann rund 20min Aufenthalt im Bahnhof Becov

Bei der Ausfahrt hatte ich dann Glück mit den Wolken. Im Hintergrund wurde es schon dunkel.

Auf dem Rückweg habe ich nochmal dem Transistor „Servus“ gesagt.

Das Abendprogramm des Stadtfestes sah dann Livemusik mit Grillen im Botanischen Garten vor. Dieser wurde in den Jahren 2005-2012 liebevoll restauriert und bietet ein hübsches Kleinod im Naturpark Kaiserwald.



Ich konnte es aber nicht lassen… Kurz vor 20 Uhr sollte noch ein letzter Kufr kommen und obwohl mittlerweile zahlreiche Wolken am Himmel waren, überquerte ich den Fluss über einen Schleichweg auf 2 wackeligen Brettern, um nochmal zum Bahnhof zu kommen. Die Wolken zogen zwar rechtzeitig raus, aber ich musste feststellen, dass im Bahnhof kein Licht mehr war. Immerhin kam ein Kufr in der alten roten Lackierung. Hier bei der Ausfahrt 20.04 Uhr.

Danach ging es dann wieder zurück in den Botanischen Garten, wo dann endlich auch ich mal saß. Und das natürlich noch viele Stunden, so dass es 1:30 Uhr wurde, bis man wieder in der Pension war.
Am nächsten Morgen wachte ich schon wieder um 5.30 Uhr auf und mir spukte im Kopf herum, dass gegen 6.30 Uhr ein Kufr einfahren sollte. Das Wetter war perfekt, so dass ich mich aus dem Bett quälte und kurz nach 6.00 Uhr wieder zur hinteren Bahnhofseinfahrt wanderte. Nicht ohne zuvor dem Transistor kurz „Guten Morgen“ zu sagen.

Ziemlich müde wartete ich und wartete und wartete. Aber es kam kein Kufr. Lediglich dieser Triebwagen schaute vorbei.

Am Bahnhof entdeckte ich dann am Fahrplan, dass der morgendliche Kufr nur Werktags fährt. So ein Mist ! Da hätte man sich das frühe Aufstehen sparen können. Mit einer kalten Dusche kämpfte ich dann gegen meine Müdigkeit an und machte mich in den Botanischen Garten auf.

Besonders reizend fand ich dort diese Blockhütte im Hang mit einem Lesezimmer.


Von der Liege aus genoss ich dann für ein paar Minuten den Ausblick.

Ab 9.00 Uhr wurde dann Frühstück im Kiosk des Botanischen Gartens für uns angeboten. Um 10.00 Uhr war mein Fotovortrag über „Bad Berneck und seinen Dendrologischer Garten“ ein fester Bestandteil des Sonntagsprogramms des Botanischen Gartens. Wir haben in Bad Berneck als Gegenstück einen Garten mit fremdländischen Bäumen (Dendrologie), den ich mit Hilfe einer Übersetzerin in Becov vorstellen sollte. Nun hieß es Frühstücken oder Kufr. Ich entschied mich für den Kufr. Und welch Überraschung: ein roter Kufr bog um die Ecke.

Der war es mir wert, wieder zum Bahnhof zu laufen, um dort noch ein Foto zu machen. Im Hintergrund ist der Bahnhofsvorsteher, der jedem Zug die Abfahrt erteilt.

Danach ging es im Stechschritt wieder in den Botanischen Garten, wo in Kürze mein Vortrag starten sollte. Aber fast alle saßen noch ganz entspannt beim Frühstück und so wurde ich gefragt, ob es für mich OK wäre, wenn sich der Vortragsbeginn um ca. 20min nach hinten verschiebt. Sehr gerne stimmte ich zu, da dies die Möglichkeit schaffte, auch noch die Ausfahrt des roten Kufr schnell mitzunehmen. Also war wieder Laufen angesagt …

Als ich wieder zurück war, konnte ich mir sogar noch ein schnelles Frühstück genehmigen, ehe mein Vortrag vor vollen Reihen begann. Anbei 2 Fotos vom Vortrag und von unserem Dendrologischen Garten in Bad Berneck.


Im Anschluss an den 45 minütigen Vortrag fand dann eine Pflanzung eines kleinen Mammutbaumes als Symbol der Städtefreundschaft statt. Für die örtliche Presse wurde dort ein Bild mit unserem Bürgermeister und dem Leiter des Botanischen Gartens Becov gemacht. Auf der anderen Flussseite fuhr gerade ein roter Kufr aus dem Bahnhof, aber jetzt konnte ich wirklich nicht mehr weg.

Zum Abschluss gab es dann noch ein kleines Mittagessen mit Bratwurst und Spanferkel am See des Botanischen Gartens Becov, ehe unsere Bad Bernecker Delegation wieder in die Heimat aufbrach.

Während die meisten von uns gemütlich die Biergärten in den 1,5 Tagen austesteten, hatte ich am Ende vom vielen Rumlaufen Blasen an den Füßen. Aber es war in jeder Hinsicht ein sehr erfolgreiches und schönes Wochenende in Becov nad Teplou. Dieser Ort ist einen Ausflug wert und sicher wäre auch eine Mitfahrt im Kufr von Becov nach Rakovnik ein tolles Erlebnis. Denn dort herrscht noch echte Nebenbahnidylle !
Viele Grüße !
Florian

Antworten:

Sehr schöner Bericht!
Hat mir gut gefallen.
Habe in Becov Anfang der 90er Jahre dort 2 Tage lang Dampfzüge zwischen Marienbad und Karlsbad für einen kleinen Kreis, organisiert.

Grüße aus Hersbruck

Werner

von bahnrentner - am 21.07.2018 08:30
Servus Florian!

Ein herrlicher und kurzweiliger Bericht mit schönen Fotos! Wenn ich mal in die Ecke komme, werd ich mir das kleine Städtchen mit Sicherheit mal anschauen! :spos:

Schönen Gruß
Gabriel

von JimKnopff - am 21.07.2018 17:21
Toll, wo sich der Bernecker so rumtreibt! Kurz vor Ende dieses unseres Forums mal wieder ein qualitativ hochwertiger Beitrag...

von Bahnwärter1848 - am 21.07.2018 21:18

RegioSprinter in VBG-Farben?

Auch von mir vielen Dank für die gelungenen Fotos.

Eine Frage zu Bild 8: Erkenne ich das richtig, daß es sich um den früheren „VT47“ der Vogtlandbahn handelt? Demnach wäre der nun doch wieder in Betrieb genommen worden. Zuvor hatte es geheißen, er diene nur noch als Ersatzteilspender:

[www.flickr.com]


Auch der in Farben der GWTR umlackierte und modernisierte RegioSprinter im Bildbeitrag weiter unten scheint von der Vogtlandbahn zu stammen. Denn die Fahrzeuge von der Rurtalbahn haben noch so auffällige Aufbauten am Dach, die hier fehlen.

Gruß
223 061

von 223 061 - am 22.07.2018 05:50

Re: RegioSprinter in VBG-Farben?

Zitat
223 061
Eine Frage zu Bild 8: Erkenne ich das richtig, daß es sich um den früheren „VT47“ der Vogtlandbahn handelt? Demnach wäre der nun doch wieder in Betrieb genommen worden. Zuvor hatte es geheißen, er diene nur noch als Ersatzteilspender:


Exakt, das ist VT 47. Wenn du die Bilder anklickst, werden sie (etwas) größer - dann kann man ganz klar und deutlich "VT 47" ablesen. ;-)

Zitat
223 061
Auch der in Farben der GWTR umlackierte und modernisierte RegioSprinter im Bildbeitrag weiter unten scheint von der Vogtlandbahn zu stammen. Denn die Fahrzeuge von der Rurtalbahn haben noch so auffällige Aufbauten am Dach, die hier fehlen.


Richtig, das ist auch ein ehemaliges VBG-Fahrzeug - wenn ich es richtig erkannt habe, ist das der VT 45 (654 045). Die ehemaligen Vogtlandbahn-Fahrzeuge erkennt man in erster Linie an der Scharfenbergkupplung und den dadurch nicht vorhandenen Puffern ;-)

Gruß
Jan

von 628 245-2 - am 22.07.2018 22:13
Danke für den interessanten Bericht und die tollen Fotos!!

Die tschechischen Fahrplantabellen lassen sich übrigens einfach im Internet abrufen:

[www.cd.cz]

[www.cd.cz]

(Das Werktagssymbol bedeutet in CZ nur Mo - Fr).

Man sieht im zweiten Fahrplan auch schön die wiederbelebte Strecke von Krásný Jez nach Horní Slavkov-Kounice, die nur am Wochenende im Sommer bedient wird.

Für Fahrten von Bad Berneck nach Tschechien bietet sich übrigens das sehr günstige Egronet(tages)ticket an, das im Geltungsbereich in den Zügen (in Deutschland in Nahverkehrszügen, in Tschechien in ALLEN Zügen) und Bussen gilt (auch schon vor 9 Uhr):

[egronet.de]

[egronet.de]

von schiene29 - am 10.08.2018 23:36
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