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Eisenbahnforum Nordostbayern
Beiträge im Thema:
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Erster Beitrag:
vor 12 Jahren, 6 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 12 Jahren, 6 Monaten
Beteiligte Autoren:
Schwandorfer, KBS 855, Martin Pfeifer

Spurensuche: Die Vilstalstrecke Amberg - Schmidmühlen Teil I (m10B)

Startbeitrag von Schwandorfer am 05.02.2006 15:24

Ich habe mich mal wieder ein wenig auf Spurensuche begeben und mir diesmal die Vilstalstrecke Amberg – Schmidmühlen vorgenommen.
Im Text sind mehrere Verweise auf Bilder in verschiedenen Büchern. Das dazugehörige Quellenverzeichnis befindet sich am Schluß des Beitrags.
Über Ergänzungen (sowohl Informationen, als auch historische Bilder) freue ich mich immer!

Der erste Teil behandelt den Verlauf und die Geschichte der Strecke, sowie die Spurensuche von Amberg bis zum Bahnhof Drahthammer.

Nun viel Spaß beim Lesen!

Zuerst ein bißchen was zum Verlauf und zur Geschichte der Strecke:
Die Nebenbahn Amberg – Schmidmühlen war 23,7km lang. Betriebsstellen waren Amberg, Drahthammer, Haselmühl, Lengenfeld (Oberpf), Theuern, Wolfsbach, Leidersdorf, Ensdorf (Oberpf), Rieden (Oberpf), Vilshofen (Oberpf) und Schmidmühlen. In Drahthammer zweigte die Nebenbahn nach Lauterhofen ab, die aber bereits 1962 ihren Personenverkehr verlor und 1972 stillgelegt wurde.

Um 1900 forderten die Orte Hohenburg und Schmidmühlen einen Bahnanschluß. Nachdem viele Trassenvorschläge diskutiert worden waren, blieben am Schluß noch die Möglichkeiten Schwandorf – Schmidmühlen – Hohenburg und Amberg – Schmidmühlen – Hohenburg übrig. Man entschied sich für letztere Variante, da diese kürzer und einfacher zu bauen wäre. Die neue Strecke sollte in Drahthammer, 2,4km südlich von Amberg, von der bereits am 07.12.1903 eröffneten Strecke Amberg – Lauterhofen abzweigen, der Bahnhof Drahthammer entsprechend erweitert werden.
Am 01.05.1910 konnte dann das erste Streckenstück, der Abschnitt Drahthammer – Ensdorf, eröffnet werden. Am 18.12.1910 folgte dann Ensdorf – Schmidmühlen. Der Bau des Reststücks bis Hohenburg scheiterte an den Grunderwerbskosten, die nicht rechtzeitig aufgebracht worden waren, und wurde auch später nie realisiert.
Wie auf vielen Nebenbahnen in dünnbesiedelten Regionen, wurde auch hier Mitte der 60er Jahre, nämlich am 01.07.1966, der Personenverkehr eingestellt. Auch der Güterverkehr entwickelte sich rückläufig. Dazu trug die Schließung des Kalkwerks in Vilshofen im Jahr 1970 bei. Wie ein kleines Wunder kam es aber in den 80ern zu einem kurzen Wiederaufleben des schweren Güterverkehrs: Die neue Rauchgasentschwefelungsanlage des Schwandorfer Bayernwerks benötigte große Mengen Kalk, daher entschloß man sich 1984 dazu, das Vilshofener Kalkwerk wieder zu eröffnen und dreimal in der Woche jeweils einen 1500t-Kalkzug Vilshofen – Amberg – Schwandorf, bespannt mit bis zu drei V100, fahren zu lassen.
Auf dem Streckenabschnitt Vilshofen – Schmidmühlen jedoch wurde der Güterverkehr zum 01.06.1985 eingestellt und die Strecke im folgenden Jahr abgebaut.
Auch die Kalktransporte hielten nicht lange an. Der Kalkverkehr wurde 1987/1988 wieder eingestellt, die Strecke Amberg – Vilshofen zum 28.05.1988 stillgelegt und anschließend abgebaut. Bis 1992 entstand ein Radweg auf der einstmals sehr reizvollen Nebenbahn.

Ein Kursbuchauszug der Strecke von 1944 ist unter [www.pkjs.de] zu finden.

Nun zur eigentlichen Spurensuche:

Beginnen möchte ich im Bahnhof Amberg. Amberg ist mit ca. 48000 Einwohnern heute die zweitgrößte Stadt der Oberpfalz. Ihren Bahnanschluß erhielt die Stadt im Zuge des Baus der Ostbahn von Nürnberg über Schwandorf nach Regensburg. Später kamen noch drei Nebenbahnen (nach Schnaittenbach, Lauterhofen und eben Schmidmühlen) hinzu. Auch eine Einsatzstelle mit Lokschuppen des Bw Schwandorf war vorhanden. Im Jahr 1962 wurde das alte Bahnhofsgebäude von Amberg durch einen modernen Betonbau ersetzt (Bild des alten EG siehe [1] S. 44).


Bahnhof Amberg


Ausfahrt Richtung Nürnberg / Schnaittenbach


Bahnhof Amberg


Empfangsgebäude Amberg von der Straßenseite


Die Nebenbahn verläuft hinter dem Bahnhof Amberg ein Stück parallel zur Hauptbahn nach Schwandorf, bis sie am Stadtrand von dann ins Vilstal abschwenkt.


Bis zu diesem Bahnübergang verliefen Haupt- und Nebenbahn parallel. Hier befand sich früher auch ein Schrankenposten (Bild siehe [2] S. 46).


Blick vom Bahnübergang Richtung Bahnhof Amberg. In der Straße ist noch ein Stück Gleis der Nebenbahn zu erkennen.


Hier trennen sich die beiden Strecken.


Den weiteren Streckenverlauf durch das Amberger Stadtgebiet bis zum Bahnhof Drahthammer konnte ich nicht einwandfrei ausmachen. Die Brücke über die Vils ist scheinbar auch schon abgerissen.


Streckenverlauf kurz vor dem Bahnhof Drahthammer

Nicht wiederzuerkennen ist auch der Bahnhof Drahthammer. Das Empfangsgebäude ist heute ein Wohnhaus, statt der Gleise wurden eine Straße und eine Parkplatz angelegt. Kaum zu glauben, daß von hier mit der Bahn einmal in drei Richtungen (Amberg, Schmidmühlen und Lauterhofen) fahren konnte! Zumindest bis in die 50er-Jahre war der Bahnhof auch besetzt und hatte bayerische Form-Einfahrsignale (siehe [4] S. 180).


Bahnhof Drahthammer von der Gleisseite (!)


Bahnhof Drahthammer (direktes Vergleichsbild siehe [2] S. 48 bzw. [3] S. 56)


Damit endet der erste Teil. Im zweiten Teil (der irgendwann nächste Woche erscheint) geht es dann weiter bis Ensdorf.

Quellenverzeichnis:
[1] Walther Zeitler: Eisenbahnen in Niederbayern und der Oberpfalz
[2] Udo Kandler: Eisenbahnreviere Oberpfalz
[3] Gerald Hoch, Andreas Kuhfahl: Nebenbahnen in der Oberpfalz
[4] Siegfried Bufe: Eisenbahn in der Oberpfalz

Viele Grüße

Tobias

Antworten:

Re: Schöner Beitrag

Der Beitrag ist wirklich sehr interessant und gut gemacht.
Allerdings hat die ehem. Hauptstadt der Oberpfalz, die glaub ich schon immer die zweitgrößte Stadt der Oberpfalz war, ca. 44.000 Einwohner. Danach kommen ja Weiden mit 42.000 und Neumarkt mit ca. 39.000.
Schwandorf wäre demnach mit ca. 28.000 an 5. Stelle.
Man möge mich korrigieren, mich interessieren solche Daten aber :-)

Viele Grüße in die schöne Oberpfalz

von KBS 855 - am 05.02.2006 20:07

Re: Schöner Beitrag

Zitat

Allerdings hat die ehem. Hauptstadt der Oberpfalz, die glaub
ich schon immer die zweitgrößte Stadt der Oberpfalz war


Nein, zu der Zeit, als Regensburg noch nicht zur Oberpfalz gehörte, dürfte Amberg die größte Stadt gewesen sein. :-)

Zitat

ca.
44.000 Einwohner.


Ich habe "meine" Angabe von [www.oberpfalz.de] übernommen.

Viele Grüße

Tobias



von Schwandorfer - am 05.02.2006 20:25

Re: Schöner Beitrag

Servus,

zum Thema Einwohnerzahl von Amberg: wir "Zugereisten" in der Entwicklung bei Siemens Amberg glauben weder die 47.500 noch die 44.000. Da sind mindestens 5.000 dazugemoggelt, oder die zählen jeden Student an der FH doppelt, oder es gibt irgendwo noch eine unterirdische Kaverne für die nicht sichtbaren Einwohner...



von Martin Pfeifer - am 05.02.2006 21:19

Re: Mogeln tut doch jeder

Ich glaube das trifft auf jede Stadt zu, außerdem kann ich mir vorstellen dass die "befreundeten" Städte Amberg und Weiden gerne mogeln, keiner will ja zurückstecken in der Frage wer denn die bessere Stadt sei :-)

Ok, dann war Amberg vor 1810 (wahrscheinlich) größte Stadt der Oberpfalz, aber auch nur weil Regensburg eine freie Reichsstadt war. Wichtig ist mir nur dass es nicht zu Niederbayern gehört hat (lieber Bruckmann-Verlag), so wie Straubing :-)

von KBS 855 - am 06.02.2006 12:33
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