ZM: Intercity hat ausgedient:

Startbeitrag von Neuenmarkt am 29.11.2006 12:25

Einer der letzten Intercitys verlässt den Hofer Hauptbahnhof. Am 10. Dezember ist die IC-Ära in Hof zu Ende – statt dessen setzt die Bahn auf den „Franken-Sachsen-Express“.



Der Intercity hat ausgedient – die Zukunft gehört dem „Franken-Sachsen-Express“: Der Fahrplanwechsel bringt Veränderungen für Bahnkunden aus Hof und Umgebung mit sich.
HOF – „Schneller, öfter, günstiger“ – mit diesem Slogan wirbt die Bahn für die neuen Angebote ab dem 10. Dezember. Aus Perspektive des Unternehmens könnte man auch noch „ertragreicher“ hinzufügen. Uwe Domke, technischer Geschäftsleiter der DB Regio Oberfranken, macht denn auch gegenüber unserer Zeitung deutlich: „Wir wollen einen erheblichen Zuwachs an Reisenden – und ein Plus beim Erlös.“

Der Auftrag für Domke als Projektleiter für den „Franken-Sachsen-Express“ war eindeutig: Er sollte ein Konzept für die Strecke Nürnberg – Hof – Dresden vorlegen, das sich rechnet und das mit Marketing-Bemühungen zum Erfolg führt.

Dabei setzt DB Regio verstärkt auf die Neigetechnik. Statt bisher 16 sind künftig 52 Züge mit Neigetechnik im Einsatz. Im Neigetechnikzentrum Hof sind sie ausgerüstet worden. Noch in diesen Tagen werden – nach Domkes Worten – neue Achsen für bogenschnellen Verkehr gebaut. Die Abnahme stehe aus, sie dürfte aber Formsache sein.

Die Gretchenfrage lautet: Wie zuverlässig ist die Neigetechnik, deren Geschichte von Pannen geprägt war? Domke ist sich sicher: „Die Neigetechnik für die Baureihe 612 funktioniert.“ Nur bei extremen Wetterverhältnissen im Winter – „wenn auf den Straßen nichts mehr geht“ – könne es vorkommen, dass die Technik nicht wie gewünscht arbeite. Dann müsse DB Regio aus Sicherheitsgründen die Neigetechnik abschalten.

Mit dem Fahrplanwechsel endet für die Region Hof die Ära der Intercitys (IC). Mit diesen Zügen war bisher vier Mal täglich eine durchgehende Verbindung von Hof nach Karlsruhe möglich. Diese Verbindung wird es künftig nicht mehr geben. Die Bahn setzt stattdessen auf den verstärkten Einsatz von Regionalexpressen (RE) und Interregio-Expressen (IRE). Eben diese IRE bedienen vom 10. Dezember rund die 390 Kilometer lange Franken-Sachsen-Magistrale zwischen Nürnberg und Dresden mit einem Mittelpunkt am Hofer Hauptbahnhof.

Domke erklärt die Abkehr vom IC: „Die Reisendenzahlen waren so schlecht, dass es für uns ein Draufzahlgeschäft war.“ Deshalb habe man nach Alternativen suchen müssen.

Die Fahrzeit sei nun deutlich geringer, betont der Regio-Chef. Ein zusätzlicher Halt in Münchberg sei geschaffen worden. Ein weiterer Vorteil: „Fernverkehr kann künftig zu Nahverkehrspreisen angeboten werden.“

Das einzige Manko sei, dass der „Knoten Hof“ noch nicht optimal angebunden sei. Wer vom IRE auf einen RE in Richtung Würzburg umsteigen will, muss lange Wartezeiten in Kauf nehmen. „Daran arbeiten wir“, betont Domke. „Bis 2009 soll dieser Anschluss stehen.“

An die Politik (siehe Artikel unten) hat der Geschäftsleiter einen Wunsch: „Man sollte einen realistischen Blick haben.“ Der erste Schritt sei ein Angebot, das Reisende auf die Schiene bringe – erst dann könne man über weitere Schritte wie eine Elektrifizierung einzelner Strecken nachdenken.

Eine ICE-Verbindung von und nach Hof sei derzeit völlig unrealistisch. Dazu seien die Reisendenzahlen in der strukturschwachen Region Hochfranken einfach zu gering. Derzeit werden täglich 35 000 Bahnreisende in ganz Oberfranken gezählt. Der Hofer Hauptbahnhof gilt dabei als stark frequentierter Umstiegsbahnhof – aber, so Domke, „hier gibt es relativ wenig Zusteiger“.

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„Chance geben“

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Er weist darauf hin, dass die DB Regio in Oberfranken Arbeitsplätze sichere und schaffe. Erst kürzlich seien 20 Mitarbeiter in Hof zusätzlich eingestellt worden; weitere junge Leute hätten einen Ausbildungsplatz in Aussicht gestellt bekommen.

Uwe Domke bittet darum, erst einmal die Entwicklung nach dem Fahrplanwechsel abzuwarten, anstatt schon im Vorfeld – wie Landtagsabgeordneter Alexander König – herbe Kritik zu üben. „Es wäre nur fair, uns eine Chance zu geben.“ JAN FISCHER



Erweist sich die Einführung des Franken-Sachsen-Express als cleverer Zug? Der Erfolg des neuen Angebots hängt entscheidend von der Neigetechnik ab, mit der künftig 52 Züge fahren. FOTOS: GIEGOLD



POLITIKER LOBEN NEUERUNGEN BEI DER BAHN
„Wesentlich schneller von Hof nach München“





„Hof wird systematisch vom Fernverkehr abgehängt.“ Mit deutlichen Worten hat sich Landtagsabgeordneter Alexander König zum Fahrplanwechsel der Bahn geäußert. Was sagen andere Politiker?
HOF – Hof sei eher ein Gewinner des neuen Bahn-Fahrplans, meint Bundestagsabgeordneter Dr. Hans-Peter Friedrich (CSU). Die Strategie der Bahn, lieber mehr Züge, diese aber kostengünstiger einzusetzen, begrüßt er ausdrücklich. „Man spürt das Bemühen der Bahn, das Produkt auf der Strecke Nürnberg – Dresden zu verbessern.“ Und es sei auch wichtig, dass die Verbindung schneller werde, gerade im Hinblick auf die Konkurrenz der Autobahnen. Der Stundentakt nach Nürnberg mache das Angebot attraktiver.

Friedrich sieht eine „Wechselwirkung zwischen der Nachfrage und der Qualität des Produkts“. Wenn Preis und Takt stimmen, so seine Einschätzung, seien auch wieder mehr Menschen bereit, mit der Bahn zu fahren. Wenn das neue Angebot angenommen werde, „dann haben wir auch gute Argumente, um weitere Verbesserungen durchzusetzen“.

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„Wenn die Bahn das
Angebot publik
macht, kommen auch die Kunden“

Landrat Bernd Hering

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Eine Verbesserung, die in Angriff genommen werden sollte, sei die Elektrifizierung zwischen Hof und Reichenbach. Mit diesem Lückenschluss wäre die Strecke Hof – Leipzig komplett elektrifiziert. Der CSU-Politiker zeigt sich optimistisch: „Wir machen noch in dieser Wahlperiode Nägel mit Köpfen.“

Der Forderung nach der Elektrifizierung schließt sich der Hofer Landrat Bernd Hering an. Er erkennt in der Einführung des „Franken-Sachsen-Express“ eine „eindeutige Verbesserung“. Dadurch werde eine bessere Verbindung zu den ICE-Bahnhöfen hergestellt. Ab dem 10. Dezember sei München von Hof aus in nur noch drei Stunden zu erreichen. „Das muss die Bahn publik machen – dann kommen auch die Kunden.“ Hering weiß aber auch, dass alle Verbesserungen mit der Neigetechnik stehen und fallen.

Ein häufiger Fahrgast der Deutschen Bahn AG ist Klaus Wolfrum, Landtagsabgeordneter von der SPD. Im Gegensatz zu seinem CSU-Kollegen König sieht er den „Franken-Sachsen-Express“ als gute Alternative. „Jetzt ist man wesentlich schneller von Hof in München – da wird sich manch einer überlegen, wieder öfter mit der Bahn zu fahren.“

Für den Helmbrechtser Wolfrum sei das neue Angebot „super“. Denn künftig könne er in Münchberg zusteigen, „Das werde ich am 10. Dezember gleich testen.“ Von Münchberg will er mit dem IRE nach Nürnberg fahren und dort in den ICE nach München umsteigen.

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„Jetzt für optimale
Anschlüsse
in Hof sorgen“

OB Dr. Harald Fichtner

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Der Abgeordnete pocht darauf, dass nun auch Verbindung von Hof nach Regensburg verbessert wird. „Eine Elektrifizierung zwischen Regensburg und Hof wäre nicht so kompliziert wie zwischen Marktredwitz und Nürnberg.“ Auch der Berlin-Verkehr per Bahn solle noch schneller werden. Zur Neigetechnik sagt Klaus Wolfrum nur: „Welche Technik, ist für mich fast egal – so lange es schneller geht und funktioniert.“

Der Hofer Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner freut sich, dass man nun mit Neigetechnik schneller und öfter fahren könne – noch dazu mit dem Sachsen-, Bayern- oder Schönes-Wochenende-Ticket. „Das spart Zeit und schont den Geldbeutel.“

Der „Franken-Sachsen-Express“ sei aber nur ein erster Schritt, meint Fichtner. „Es gilt in der näheren Zukunft auf der Sachsen-Franken-Magistrale den so genannten integralen Taktfahrplan einzuführen, um für optimale Anschlüsse zu sorgen.“ Der OB fordert, der Hauptbahnhof Hof – dessen Umbau pünktlich zum 10. Dezember fertig sein soll – müsse zur Drehscheibe des Verkehrs zwischen Würzburg, Regensburg, Leipzig und Dresden werden.

Im Sächsisch-bayerischen Städtenetz kämpfe die Stadt Hof für eine rasche Schließung der Elektrifizierungslücken zwischen Reichenbach und Nürnberg. Das sei auch notwendig vor dem Hintergrund, dass der Citytunnel in Leipzig nur noch für elektrische Züge nutzbar sein wird. Harald Fichtner: „Sonst droht der Verlust der Direktverbindung Hof – Leipzig.“ J. F.

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