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Forum:
Eisenbahnforum Nordostbayern
Beiträge im Thema:
8
Erster Beitrag:
vor 10 Jahren, 12 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 10 Jahren, 12 Monaten
Beteiligte Autoren:
Guliver, Cargonaut, awp, derSchlömener, 614 049-5, KBS 867, KBS 860, Neuenmarkt

Aus DSO, zukünftig keine Schaffner und Tickets mehr im Zug

Startbeitrag von Neuenmarkt am 01.12.2006 10:36

[www.tz-online.de]

Antworten:

Wo führt das hin?

Servus,

also wenn es wirklich soweit kommt dann wird ja wohl kaum noch jemand eine Fahrkarte kaufen, wenn er weiß das nur noch wenig kontrolliert wird.
Mir ist es bis jetzt nur einmal passiert, daß in der RB zwischen NBY und NKL ein privater Kontrolleur meine Fahrkarte sehen wollte.

Schon jetzt passiert es zwischen NN und NBY oft genug, daß Leute in der 1. Klasse sitzen, die hierfür nicht einmal die erforderliche Fahrkarte haben. Die Leute wissen anscheinend, daß der Zub bis Hersbruck oder Neuhaus nicht durch diesen Zugteil kommt und benutzen dann die 1. Klasse wenn der Zug ansonsten wieder mal voll ist.
Wenn der Zug ab Neuhaus, spätestens ab Pegnitz dann relativ leer ist, wird in die 2. Klasse gewechselt, wo bei der Kontrolle auch brav die Fahrkarte vorgezeigt wird. Viele sind aber wohl Pendler, die noch vorher aussteigen.
Derjenige, der "so blöd ist" und eine gültige Fahrkarte 1. Klasse hat, wird doch in so einem Fall betrogen.

Gruß
Andreas



von KBS 867 - am 01.12.2006 11:25

Der Niedergang des Nahverkehrs

Servus,

Ein paar Gedanken dazu.

Wem soll ich Bescheid geben, wenn mein Zug Verspätung hat und der Anschluß in Gefahr ist ?
Insbesondere:
- Im Dosto ?
- Bei mehreren Zugteilen ?

Und wenn der Automat defekt ist, kann ich gleich wieder nach Hause und mich ins Auto setzten, wenn ich kein Schwarzfahrer sein will, oder wie?

Vandalismus und Scheibenzerkratzerei werden sich sicherlich verschlimmern.
Rowdies haben dann grundsätzlich einen Freibrief, sich im Zug aufzuführen wie die Sau, ohne dass jemand einschreiten könnte.
"Gesittete" Fahrgäste werden weiter vertrieben.
Das Image der Nahverkehrsbahn sinkt weiter rapide.

Das ist - wenn es denn so kommen sollte- ein weiterer, großer Schritt, den Nahverkehr unattraktiv zu gestalten.

Wer garantiert mir eigentlich für die "vorschriftsgerechte" Betreuung der Fahrgäste, z.B. bei störungsbedingten Nothalten ? (Brand, PU, etc.?) Was meint das EBA dazu ?? Nichts !?
Wenn ich (auch beruflich) mitbekomme, bei welchen -selbst wenig sicherheitsrelevanten- Dingen das EBA Einspruch erhebt, kann ich hier nur noch mit dem Kopf schütteln.
Es gibt ausgeklügelte Vorschriften und Sicherheitskonzepte für Zugevakuierung im Fernverkehr- speziell auf Neubaustrecken, die vom Sicherheitsstandard her sowieso schon WELTEN über denen des Bestandnetztes stehen - aber im Nahverkehr haben solche Vorschriften anscheinend keine Gültigkeit.
Wer geleitet die bis zu 600 Fahrgäste z.B. aus dem Gefahrenbereich, wenn eine 4 fach Traktion 612 in irgendeinem Tunnel auf der KBS 860 liegen bleibt? Mit Rauchentwicklung ? Der Lokführer alleine??? Ich lach mich krank...

Wie hoch war die Prämie eigentlich diesmal ? Kriegen diejenigen, die sich so einen Müll ausdenken, einen Anteil der eingesparten Kosten der Zugbegleiter ??
Ich könnte langsam nur noch kotzen, wenn ich sehe wie hier das System Bahn besonders im Nahverkehr mutwillig und vorsätzlich von den Verantwortlichen bei Bahn, BEG und EBA demontiert wird bzw. eine solche Demontage nicht VERHINDERT wird.

Gruß
Heiko

von KBS 860 - am 01.12.2006 12:27

Bei solchen Nachrichten frag ich mich immer,

wie unsere Freunde in Tschechien das eigentlich alles finanziell so auf die Reihe bekommen.

Wenn man sich mal anschaut, wie personalintensiv dort in Stellwerken, Bahnhöfen und Zügen gearbeitet wird, kann man sich beim Blick auf die Fahrpreise nur verwundert die Augen reiben. Mit dem Lohnkostengefälle alleine ist das jedenfalls nicht zu erklären.

Mich würde wirklich mal interessieren, was dort anders läuft. Gibt es strategische Unterschiede, die sich langfristig auszahlen? Beispielsweise, daß die Eisenbahn dort mit allen Konsequenzen zu sich selbst steht? Also beispielsweise Massentransport zum kleinen Preis anbietet und nicht ständig versucht, Preissystem und Rollmaterial in kostspieligen und kundenvergraulenden Aktionen an vermeintlich erfolgreicheren Verkehrsträgern auszurichten?

Oder liegt der Unterschied einfach nur beim Staat, der relativ gesehen einfach viel mehr Geld in die Hand nimmt als der unsere, um nahezu 24/7-Schalteröffnungszeiten mit Mehrfachbesetzung auch in kleineren Städten, besetzte Bahnhöfe selbst in den kleinsten böhmischen Dörfern und die ganzen netten Services auf den Bahnhöfen und in den Zügen (Stichwort Gepäck) zu subventionieren?

Konkrete Daten und Zahlen zu dem Thema würden mich brennend interessieren.

Zum Ausgangsposting noch das: Der Wegfall der Schaffner würde zumindest für Oftfahrer die Reise in das oben erwähnte Traumland der Eisenbahn deutlich verbilligen! :-)

von 614 049-5 - am 01.12.2006 15:12

Uneingeschränkte Zustimmung!

Du sprichst mir aus der Seele!
Was ist denn mit der tollen Bahn-Gewerkschaft? Ist eine Gewerkschaft nicht eigentlich dazu da, sich um die Belange ihrer Mitarbeiter zu kümmern?
Aber bei der Bahn ist alles etwas anders... Hauptsache das Netz bleibt bei der Bahn. Da kann man als transnet dann auch schonmal streiken. Super!

von derSchlömener - am 01.12.2006 15:30

Anscheinend kriegt die DB genug von der BEG...

... das sie auf die Gelder aus dem Fahrkartenverkauf nicht angewiesen ist. (Überspitzt formuliert).

Wenn ich mir die Waldbahn rund um Zwiesel so um Mittag rum ansehe, wenn Schülerverkehr herrscht, und den Zustand dann in den Zügen sehe, dann graut es mir davor, dass diese Zustände bald in ganz Bayern herrschen sollen.

Finde es einfach schlimm, dass man einfach rein Kosten/Nutzen rechnet. "Müllentsorgung alle 2 Tage, Stühle neubeziehen jeden Monat, Scheibenaustauschen alle 6 Monate usw.... kommt uns billiger als 4 Schaffner zu bezahlen..." Toll, das dieser Schaffner Auskünfte gibt, das er Vandalismus verhindern könnte, das er auch mal eine Fahrkarte verkaufen könnte, die es nicht am Automaten gibt usw. Das er einfach viel mehr bringt als es eine Maschine je könnte, dass er nicht nur ein Kostenfaktor ist, sondern auch einen sehr hohen immateriellen Mehrwert bringt, dass interessiert heute nicht mehr.

Bald wird dieses Denken gegen die Wand laufen. Und das wird schmerzhaft werden.

Grüße,
Peter

von Guliver - am 01.12.2006 20:44

dann kommen die 1¤-Jobber

und überwachen die Sicherheit, wie schon in Leipzigs Straßenbahn. Das schaffst billigst Arbeitsplätze. Was will man mehr? ;-)

Ich denke dabei an das Arme 1-Mann-Personal in den Zügen....

MfG Cargonaut



von Cargonaut - am 01.12.2006 22:03

Antwortversuch

Was läuft anders? Zunächst einmal im Kopf - ein Tscheche sagt: Unsere Eisenbahn. Oder: Unser Fernsehen. Dann natürlich das, was die Bahn hierzulande in den 1930ern anfangend lange verschlafen hat - die konsequente Verdieselung des Ergänzungsnetzes, mit einfachen, betrieblich preiswerten Triebwagen. In dieser Tradition von Turm und Hurvinek ging es ja auch bis zum M 152, der deutlich zur Kostensenkung beiträgt. Inzwischen sind die ja nun buchmäßig abgeschrieben. Auch der jetzt eingeschlagene Weg mit dem Umbau von Altfahrzeugen statt sündhaft neuer Desastros fügt sich da ein. Man bedenke, die Eisenbahn wird dort ja nur von 10 Mio Menschen geschultert und nicht wie bei uns von 80. Ergo wird also wirklich mehr Geld pro Kopf in die Hand genommen. Tschechien als zentralistischer Staat wie Frankreich ist darauf orientiert, daß man aus allen Winkeln des Landes morgens nach Prag und abends wieder zurückkommen kann. Deshalb daneben auch ein gutes Fernbusnetz.
Dennoch: Ab 1990 hat sich die Mitarbeiterzahl bei den CD halbiert (letzte mir bekannte Zahl ist um 75.000), der Straßengütertransport um über 200 Prozent zugenommen. Letzterer vor allem mit dem EU-Beitritt beginnend. Selbst Vaclav Klaus, ein Erfinder der Marktwirtschaft - unter Regierung der ODS begann ja Mitte der 1990er eine erste "Stillegungswelle" - ist inzwischen umgeschwenkt auf einen moderateren Kurs zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit und Modernisierung. Das Elektrifizierungstempo ist spürbar, der Rückgang an Streckendieselloks auch. Ebenso der Gv auf den Lokalbahnen, wo meist nur noch Brennstoffe und Holz befördert werden. Vielleicht auch die starke Stellung der Gewerkschaft. Manche Idee nach deutschem Vorbild (obwohl sie sonst doch vernünftigerweise äußerst kritisch sind zu dem, was wir treiben) ist natürlich kontraproduktiv: Schaffnerloser Betrieb als ein Beispiel. Habe das in Horni Berkovice erlebt, als ein Dutzend Reisende einstiegen und jeder wohl ein anderes Fahrtziel hatte. Mit +15 ging es weiter. Dabei brauchte ich gar nicht soviel Zeit als Fotohalt für meine Motive... Die Frage muß doch sein, ob ich als Staat eine vernünftige Daseinsvorsorge organisieren will und dafür die Leute bezahle - oder sie andernfalls auch löhnen muß, und verwalte sie im Nixtun. Ob das im Sinne der Volkswohlfahrt ist?

von awp - am 02.12.2006 12:24
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