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Eisenbahnforum Nordostbayern
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Guliver, 218 002-4

[ZM] Ilztalbahn: Knappe Entscheidung gegen die Bahn-Visionen

Startbeitrag von 218 002-4 am 21.03.2007 03:19

Heute in der Passauer Neuen Presse, Ausgabe A:

Stadtrat stimmt mit 22:20 für Rad- und Gehweg auf Bahntrasse Passau-Freyung - Ausbau Strauß-Brücke neues Argument

von Christian Karl
Mit 22:20 Stimmen hat sich der Stadtrat am Montagabend grundsätzlich für den Bau eines Geh- und Radwegs auf der ehemaligen Bahntrasse Passau-Freyung ausgesprochen. Das Thema stand erneut auf der Tagesordnung, weil im Januar bei einer Abstimmung im Stadtentwicklungsausschuss die mit 5:8 unterlegenen Stadträte und Bahn-Befürworter das Thema „wegen der grundsätzlichen und weitreichenden Bedeutung“ vom gesamten Stadtrat nochmals nachgeprüft, diskutiert und beschlossen haben wollten. Zwischen der ideologischen Debatte um Bahn oder Rad kam dabei erstmals auch der Aspekt Straße ins Spiel: In der Sitzung wurden neue Pläne vorgestellt, wie nach einem Wegfall von Bahngleisen das Umfeld der Strauß-Brücke verkehrstauglicher für die Zukunft gemacht werden könnte.
Die Stadt hatte mit Prof. Dr. Thomas Schempf (Gesellschafter Ilztalbahn GmbH) und Rico Bretschneider (Immobilien-Management Deutsche Bahn) zwei Experten eingeladen, die den Stadträten Fakten und Ziele präsentierten. Wie berichtet, möchte die neugegründete Ilztalbahn GmbH (ITB) die Bahnstrecke übernehmen und reaktivieren. Zunächst für den touristischen Ausflugsverkehr, mittelfristig für den regionalen Güterverkehr und als „Vision“ langfristig für den öffentlichen Schienen-Personennahverkehr. Die Kosten will die ITB zu 50 Prozent selbst aufbringen, die andere Hälfte sollen Zuschüsse abdecken.
Bahn-Manager Rico Bretschneider erwähnte, dass es seit 25 Jahren auf der Trasse keinen planmäßigen Personenverkehr, seit 2001 keinen Güterverkehr mehr gebe. Die Strecke sei mit jährlich 750 000 Euro an Unterhalt wirtschaftlich nicht tragbar, weswegen 2005 auch die Stilllegung erfolgt sei. Für die nächsten fünf Jahre hatte die Deutsche Bahn einen Investitionsbedarf von rund 6,8 Millionen Euro gesehen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das irgendwer stemmen kann“, sagte Bretschneider.
Regierungsdirektor Klaus Froschhammer (Landratsamt) informierte über das von den zwei betroffenen Landkreisen und sechs Kommunen verfolgte Ziel Radweg. Für den würde laut Froschhammer - im Gegensatz zur Bahn-Reaktivierung - die Finanzierung bereits stehen. 80 Prozent Zuschüsse gebe es, sofern das Vorhaben noch in 2008 abgewickelt würde. Ausschlaggebend aber sei unabhängig von kommunalen Beschlüssen und Stellungnahmen einzig und allein das Eisenbahn-Bundesamt. Diese Behörde müsste ein „Verkehrsbedürfnis“ für eine reaktivierte Bahnstrecke befürworten oder ablehnen. Ein Entscheid soll bis Ende April/Mitte Mai erfolgen.
Ordnungsamtsleiter Josef Zacher hat in der Sitzung erstmals neue Pläne über den Ausbau des nördlichen Brückenkopfes der Strauß-Brücke vorgestellt - ein Vorhaben, das aber nur „unter Inanspruchnahme der Gleise“ funktioniere. Mit den Umbauten, die man in Kooperation mit dem Staatlichen Bauamt plant, könne man die Brücke „für 10 bis 20 Jahre zukunftstauglich machen“. Vorgesehen ist dabei u.a. ein vierspuriger Ausbau aus bzw. in Richtung B 85. Damit solle der allmorgendliche Rückstau reduziert werden. Auch eine längere Einfädelspur von der Brücke wäre realisierbar, ebenso eine Verlegung der Kachletstraßen-Ausfahrt über die benachbarte Zugbrücken-Trasse.
Jürgen Dupper (SPD) hinterfragte die finanzielle Inanspruchnahme der Stadt bei einer Bahn-Lösung. „Keine“, antwortete Schempf und erwähnte u.a. den Betrieb der Ilztalbahn durch Güterverkehr-Einnahmen. Und wie denn die ITB die prognostizierten Unterhaltskosten von 6,8 Millionen Euro für fünf Jahre aufzubringen gedenke, fragten Andreas Scheuer (CSU) und Klaus Schürzinger (FWG). „Unser Standard ist ein anderer als der der Deutschen Bahn“, erwiderte Schempf. „Acht bis zehn Prozent davon reichen für unser Vorhaben.“ Dagmar Plenk (CSU) wollte wissen, ob es für Güterverkehr überhaupt Interesse gibt, zumal der aus wirtschaftlichen Gründen ja vor Jahren eingestellt worden ist. „Die Bayerische Staatsforsten will den Holzverkehr“, antwortete der ITB-Gesellschafter, der auf Dr. Gerhard Waschlers Frage nach Zuschüssen eingestand: „Eventuell Tourismusverkehr-Förderung, aber bisher haben wir noch keine rechtlich belastbaren Zusagen.“ Urban Mangold (ödp) meinte, dass völlige Unklarheit bestehe, was bei einem künftigen Radweg an Unterhaltskosten auf die Stadt zukomme - vor allem bei der dann von der Stadt erworbenen Bahnbrücke. Auch für Jürgen Dupper und Dr. Max Stadler sprach „finanz- und verkehrspolitisch“ mehr für die Bahn-Lösung. „Es wäre voreilig, von der Bahn Abstand zu nehmen, die dann unwiederbringbar weg ist.“
Aber mit den Stimmen der CSU, FWG und Dr. Anton Jungwirth (FDP) wurde schließlich die Radweg-Variante auf den Weg gebracht. Ein Beschluss, der aber ins Leere geht, wenn das Eisenbahn-Bundesamt demnächst ein „Verkehrsbedürfnis“ für die Bahnstrecke erkennt und die Weichen stellt für neuen Zugbetrieb.



Antworten:

PNP-Leserbrief: "Straßenausbau ist umweltfreundlich"

Es ist immer wieder erstaunlich welche Leserbriefe in der Passauer Neuen Presse veröffentlicht werden. Aber lest selbst:
Zitat

Straßenausbau ist umweltfreundlich
Zu den Berichten über die Umwandlung der Bahnstrecke Passau - Freyung in einen Radweg:
Die Bahnstrecke Passau - Freyung ist überflüssig wie ein Kropf. Jeder, der mit einigermaßen Vernunft an dieses Thema herangeht, weiß das. Selbst wenn diese Strecke optimal genutzt würde, was auszuschließen ist, dann könnte diese einspurige Strecke noch nicht einmal 5 Prozent des heute anfallenden Verkehrs verkraften, von zukünftigen, unvermeidbaren Zuwächsen nicht zu reden.
Aus ideologischer Kurzsichtigkeit versuchen so genannte „Naturschützer“, einen dringend nötigen Ausbau der Zufahrt zur Straußbrücke zu verhindern. Sie nehmen dabei in Kauf, dass im alltäglichen Stau jährlich tausende und abertausende Tonnen Co2 sinnlos in die Luft gepustet werden, von den Nerven der Fahrer und der verlorenen Zeit nicht zu reden. Merke: Nur ein flüssiger Verkehr ist ein umweltschonender Verkehr.
Helmut Stadler
Passau



PS:
Nach einer kleinen Googlesuche habe ich die starke Vermutung, das es sich bei Herrn Stadler um den Chef des größten Zweirad-Centers Deutschlands handelt.

von Guliver - am 22.03.2007 09:32
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