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vor 11 Jahren, 2 Monaten
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Guliver

[ZM] Ilztalbahn: „Dann sind wir mitten in Europa“

Startbeitrag von Guliver am 02.06.2007 09:41

PNP vom 2.6.2007 Lokalteil Freyung
Zitat

Ilztalbahn: „Dann sind wir mitten in Europa“


Bahn-Förderer und Gesellschafter stellten nach der EBA-Empfehlung ihr Konzept für die Wiederbelebung der Strecke vor


von Elena Rüth
Waldkirchen. Am Ziel sind sie noch nicht, die Ilztal-Befürworter. Aber „es geht in die Richtung, die wir wollen“, verkündete ein strahlender Michael Liebl, Vorsitzender des Fördervereins Ilztalbahn vor 150 Zuhörern im Hotel Gottinger.
Die Stimmung war gut. Der Grund: Die Stellungnahme des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA), in der die Behörde der Bahn AG riet, den Antrag auf Entwidmung zurückzuziehen (die PNP berichtete).
Für die Ilztalbahn-Freunde ist die Sache klar: „Das EBA hat gesehen, dass die Strecke durchaus Zukunft hat“, erklärte Professor Dr. Thomas Schempf, einer der Geschäftsführer, der Ilztalbahn-GmbH. „Es gibt einige Unternehmen, die an der Strecke interessiert sind“, verkündete er. „Vor allem die Rhein-Sieg-Eisenbahn will von der Ausfahrt Güterbahnhof, bis zum Prellbock in Freyung die Strecke unterhalten.“
Jetzt müssen nur noch die Deutsche Bahn dem Angebot der Ilztalbahn-GmbH und das Wirtschaftsministerium dem Angebot der Rhein-Sieg-Eisenbahn zustimmen, und dann können die Arbeiten beginnen. Auf die Zwischenfrage, was denn passiere, wenn der Wirtschaftsminister kein grünes Licht gibt, antwortete Schempf selbstbewusst: „Wir werden alle Voraussetzungen schaffen, dass es dazu nicht kommt.“
Auch Bundestagsabgeordnete Bruni Irber hat versprochen, ihre Kontakte entsprechend spielen zu lassen. MdL Eike Hallitzky gab seiner Kollegin mit auf den Weg: „Du redest mit der Bahn, mit dem EBA und setzt dich im Tourismusausschuss ein. Dann müsste das großartige Konzept auf gehen.“
# Die Pläne, wie es weitergehen sollte, stellte der zweite Geschäftsführer, Helmut Streit, vor. Mit einem Drei-Stufen-Konzept soll die Strecke aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen. Stufe eins: Der Freizeit und Tourismusverkehr im Sommer. „Wir wollen unser Angebot mit der Donauschifffahrt verknüpfen“, kündigte Streit an. „Wenn nur zehn Prozent der Passau-Touristen anschließend in den
Holztransport per Zug: Forst ist interessiert
Zug steigen und zu uns kommen, dann ist das ein enormer Schub für die Wirtschaft.“ Außerdem soll die Bahn sowohl an die IGEL-Busse in Richtung Nationalpark und Böhmen sowie mit Rad- und Wanderwegen verknüpft werden. „Wenn das gelingt, sind wir mitten in Europa“, freute sich Streit. „Denn in Tschechien werden die Strecken bis nach Prag ausgebaut. Dann sind wir schienentechnisch genau zwischen München und Prag. “ An allen Wochenende und Feiertagen soll es dann heißen: „Zurückbleiben bitte...“ Für Stufe eins sind aber die Fahrten nur von Ende April bis Ende Oktober vorgesehen. Viermal täglich rollt dann ein Zug von Passau nach Freyung und zurück.Auch die Kurklinik Freyung habe, wie Streit mitteilte, bereits Interesse angemeldet.
# Stufe zwei: die Anbindung von Waldkirchen und Freyung an den Schienengüterverkehr. „Die Staatsforsten sind begeistert von dieser Idee“, sagte Schempf. Diese möchte die Züge vor allem dazu nutzen, Holz aus Forstschäden abzutransportieren. „Am Waldkirchner Bahnhof gibt es praktischerweise sogar eine riesige Waage, die gleich benutzt werden kann. Und vielleicht werden wir in Zukunft den Bahnhof in Waldkirchen sogar kaufen“, fügte Liebl hinzu. Nicht geäußert zu dem Schienenverkehr haben sich Verantwortliche von der Zahnradfabrik. „Da herrscht wohl Maulkorbzwang“, vermutete Schempf. Wie oft die Zuge für den Güterverkehr fahren sollen, steht noch nicht fest.
55 000 Euro Stammkapital
# Stufe drei: Wiederaufnahme des planmäßigen ganzjährigen öffentlichen Schienenverkehrs. Wie ein Stern sieht das so genannte „S-Bahn Netz Passau“ aus. Verschiedene Bahnlinien gehen von der Innstadt in Richtung Pfarrkirchen, Osterhofen oder Schärding. Und rot einfärbt, soll laut Verantwortlichen bald die Ilztallinie sein. Ab Waldkirchen wird ein Bus- Shuttle Tschechien-Reisende nach Neuthal zum nächsten Zug bringen. Ein konkretes Datum gibt es hier noch nicht. Bezüglich der Finanzierung stellte Schempf folgende Rechnung vor. Die Strecke wird von der DB AG zum Ertragswert übernommen. „Da der Ertrag derzeit bei Null liegt, sind wir in einer sehr guten Verhandlungsposition“, berichtet der Referent. Anschließend muss die Strecke hergerichtet werden. Hier rechnen die Bahn-Fans mit 50 Prozent Eigenleistung. Die andere Hälfte werde von der EU-Interreg III finanziert. Nach zwei Jahren und der Realisierung von Stufe eins und zwei rechnen die Verantwortlichen mit einer kostendeckenden Abwicklung des Betriebs.
Die Ilztalbahn-GmbH hat ihr Stammkapital mittlerweile auf 55 000 Euro erhöht. Stille Gesellschafter haben knapp 60 000 Euro eingelegt und man ist in Verhandlungen mit Geldgebern, die nachrangige Darlehen von 60 000 Euro zur Verfügung stellen. Bewilligt sind Kredite in Höhe von 125 000 Euro. „Damit können wir die Strecke aus eigenen Mitteln wiederherstellen“, verkündete Schempf. Eventuell kämen noch Zuschüsse von Euregio dazu.
Dass dieses Geld zur Sanierung der Strecke reicht, daran glauben alle ganz fest. „Das große Loch in Patriching ist in 60 Arbeitsstunden repariert“, versprach Liebl und gab eine Liste durch, auf der sich freiwillige Helfer eintragen sollten.
Eng wollen die Bahnfreunde auch mit ihren vermeintlichen Gegnern, den Radfreunden, zusammenarbeiten. „Wir alle fahren gerne Rad“, versicherte Liebl, „und sind der Meinung, dass sich Zug und Radl wunderbar ergänzen lassen.“ Die Idee: Beides gemeinsam vermarkten. Hin mit den Zug und zurück auf dem Radl - das kommt bei allen gut an, war man sich einig.

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