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vor 10 Jahren, 9 Monaten
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vor 10 Jahren, 9 Monaten
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Conan, Schütze, und außerdem, toko, tingeltangel, cube, naja, Duffy Duck

Beschwert euch bei der TAZ!

Startbeitrag von Duffy Duck am 13.02.2007 20:07



Zitat

Üble Fight-Clubberer
Brauchen wir nach der WM mehr Handball in Deutschland? Wohl kaum, meint der taz-Handballexperte, der sich die Ringkämpfe aus nächster Nähe angesehen hat

Hat eigentlich irgendjemand überlegt, was da gefeiert wird in Deutschland seit Sonntagabend? Kann irgendjemand sagen, um was es eigentlich geht beim Handball? Hat irgendwer die Sportart begriffen? Warum dürfen alle Rückraumspieler vier, fünf, sechs Schritte machen, obwohl das Regelwerk nur drei erlaubt? Warum zeigen die Schiedsrichter einmal die gelbe Karte, wenn ein Spieler seinem Gegner an die Gurgel geht, und warum verhängen sie ein anderes Mal beim selben Vergehen eine Zweiminutenstrafe? Warum bleiben die meisten Brutalo-Einlagen ungesühnt? Ja, wir sind Weltmeister. Endlich. Aber worüber haben sich die Menschen vorm Kölner Rathaus wirklich gefreut? Würden sie ihre Kinder Handballer werden lassen, Kreisläufer gar?



Johannes Bitter, der Ersatztorhüterheld des Finales, hat sich nach seiner Einwechslung den Spielball gegriffen und ihn sich etliche Male gegen den Kopf gedonnert. "Bilder wie vom Affenfelsen", meinte ein Kollege auf der Pressetribüne. Widersprochen hat ihm niemand. Und doch erschienen am nächsten Tag überall hymnische Leitartikel, die Handball als die schönste, reinste und wahrste aller Leibesübungen lobpreisten.

Szenenwechsel: Nach dem Spiel gegen Spanien wandert der Defensiv-Spezialist Oliver Roggisch mit einem blauen Auge durch die Mixed Zone. Er trägt es wie eine Auszeichnung. Dann zeigt er auf seinen geschwollenen Orden. "Hier könnt ihr sehen, wie gut ich war", soll das wohl heißen. Gesten aus der Jugendfreizeitstätte, wo selbst der begabteste Sozialpädagoge nicht verhindern kann, dass der tumbe Aufschneider das höchste Ansehen genießt.

Dominik Klein, gerade 23 Jahre alt geworden und der Jüngste im Team ("Ich trage noch die Bälle"), durfte auch ein paar Mal mitspielen. Er wirkt schmächtig, ein Fläumchen sprießt auf seinen roten Wangen. Er redet vom Spaß, den er im Handballsport sucht. Es ist eine üble Clique, die er sich da ausgesucht hat, ein wahrer Fight Club.

Handballspiele sind ritualisierte Gruppenringkämpfe im griechisch-römischen Stil bei gleichzeitiger Zirkulation des Balles. Es gibt Partien, da überwiegt das Ballspiel. Meistens aber wird eine Begegnung im Handgemenge entschieden. "Den Grundstein für unseren Erfolg haben wir in der Abwehr gelegt", sagte Trainer Heiner Brand nach jedem Sieg. Klartext: Die Deutschen waren die besten Fighter des WM-Turniers, keiner hat so zugepackt wie sie. Respekt dafür. Sie haben getan, was sie tun mussten.

In den Hallen wurden sie gefeiert von einem euphorisierten Publikum. Eine schwarz-rot-goldene Masse, ein gleichgeschaltetes Kampfsportpublikum, aufgepeitscht von einem Hobby-Moderator aus Hamburg, dessen Vorbilder in den ausgehenden 30ern des vorigen Jahrhunderts gewirkt haben müssen. Mit fuchtelnden Armen forderte er die Anwesenden immer wieder auf, "Deutschland" zu grölen. Das Publikum folgte seinem Anführer. Der ermunterte die Fans dann, den "offiziellen WM-Song der deutschen Handballnationalmannschaft" mitzuträllern. "Wenn nicht jetzt, wann dann", schallte es durch die Arenen. Ein Ohrwurm nach bester Gassenhauerart ohne ironische Brechung. Die Kölner Schunkel-Kombo "Höhner" ist Rex Gildo, nicht Guildo Horn. Ihr Song, der stilistisch zwischen Matthias Reim und Roberto Blanco angesiedelt ist, wurde zur Hymne der vergangenen zwei Wochen. Handball in Reimkultur: "Das kann keiner - wie der Heiner." Die Fußball-WM war Pop, Basketball ist, nun ja, Hiphop, Handball ist deutscher Schlager.

Und der soll den endgültigen Siegeszug antreten? Schon jetzt gibt es so gut wie keinen Schüler im Lande, der nicht irgendwann im Sportunterricht Handball spielt. Mehr als 800.000 Leute sind in den Handballklubs des Landes registriert. Die Szene ist groß genug, um sich immer wieder selbst zu reproduzieren. Der deutsche Schlagersport war nie vom Aussterben bedroht. Braucht es jetzt wirklich mehr davon? Eine Handball-WM wird so schnell nicht wieder in Deutschland stattfinden. Man darf das auch gut finden.

ANDREAS RÜTTENAUER

taz vom 6.2.2007, S. 19, 136 Z. (TAZ-Bericht), ANDREAS RÜTTENAUER


Ich habe selten so einen schlecht recherchierten Bericht gelesen. Der hier scheint von einem stark von der Fußball WM gefrusteten Sportredakteur geschrieben worden zu sein, der seinen Job hoffetlich nicht mehr lange in dieser Position ausüben darf!
Wer möchte darf sich per Email gerne bei der TAZ über diesen Quacksalber beschweren;)

Antworten:

nicht schlecht.wir sollten uns alle ein beispiel an unseren hoch gebildeten fussballern wie schweinsteiger und podolski nehmen....wir sind ja alle barbaren!har har har

von cube - am 13.02.2007 22:40
wer eine so beschissene zeitung wie die taz überhaupt nur in die hand nimmt, ist selber schuld, wenn er sich über solche berichte ärgern muss :rolleyes:

von naja - am 13.02.2007 22:42
ha, wie geil...! aber wer genau überlegt...?
in gewissen punkten hat der verfasser nicht unrecht

aber trotzdem, er scheint seit dem sportunterricht in der 7. klasse an eine handball-phobie zu leiden, lag wohl daran das er gegen einen großen bösen ganz fies unsympathisch drein schauenden gegenspieler zocken musste, naja, hab mich mal informiert, er schreibt eigentlich sonst ganz gute sachen, googelt´s mal einfach

spaß ist wer trotzdem lacht
in dem sinne, ich hoffe man versteht sich


von tingeltangel - am 13.02.2007 22:44
Naja ob Ironie dort Herr der Gedankens war, ich kann es nur hoffen! Denn klar ist Handball eine harte Sportart, aber meistens fair. Eventuell sollte der nette Mann mal einen Bericht über die POPSPORTART (ohh ja Schwarz und Weiß sehr poppig) verfassen. Eine Sportart in der jedes Wochenende mehrere hundert Spiele in Deutschland wegen Schlägereien auf dem Platz abgebrochen werden, einer Sportart in der es den Hooligan Kult unter vielen Fans gibt! So einen Bericht zu veröffentlichen ist ein ausgeprägtes Zeichen von Dummheit oder Arroganz!!!



von toko - am 14.02.2007 07:44
Hä?, das ist zu hoch für mich. Ich geh jetzt weiter Wildscheine mit bloßen Händen erlegen um besser in der Abwehr stehen zu können...

von Conan - am 14.02.2007 09:02
Ich hab einfach mal einen netten Leserbrief an die TAZ geschickt:


Sehr geehrte Damen und Herren,

vor einigen Minuten bin ich in einem Handball-Forum auf ihren Artikel vom 6.2. aufmerksam geworden.
Meiner Ansicht nach sollten Artikel über Handball nur von Leuten verfasst werden dürfen die sich auch damit auskennen (ohne damit jemandem zu nahe treten zu wollen). Mit Sicherheit war die Handball WM 2007 die härteste die es je gab allerdings sollte man bedenken, dass es dabei keinerlei Ausschreitungen gab sondern fast immer nach einem Foul eine Entschuldigung als Akt der Fairness.
Desweiteren beschränkt sich diese Art von solch "intensiven" Handball auf die Handball WM. Schaut man sich ein Spiel der Handball-Bundesliga an sieht es schon wieder ganz anders aus, denn solche Fouls wie einem in der Luft befindlichem Spieler in den Arm zu greifen werden umgehend mit einer Roten Karte bestraft.
Verletzungen wie z.B. die von Oliver Roggisch entstehen nun mal dadurch, das Handball ein Kontaktsport ist und sich das Hauptgeschehen nun mal in etwa auf Höhe des Gesichtes abspielt. Fußballer haben dafür halt blaue Flecken und weiteres im Beinbereich.
Desweiteren kann ich als aktiver Schiedsrichter Spieler und Trainer im unteren Leistungsbereich nur sagen, dass es dort nicht mit dieser körperlichen Härte zugeht, allein weil den meisten Spielern die Grundvorraussetzung (der Körper dafür) fehlt.

Zum Theme "Brutalosport" fällt mir an dieser Stelle noch etwas aktuelles ein. Unsere "Volkssportart Nr1" Fußball: Über 60 Spiele müsseen in Sachsen wegen drohender Ausschreitungen abgesetzt werden und in der Italienischen Serie A finden Spiele ohne Publikum statt. Dann schließe ich mich doch lieber einem Sport an wo alle differenzen sportlich auf dem Spielfeld geklärt werden und dabei niemand schwer verletzt oder getötet wird.

Um einmal auf den WM-Song der Gruppe "De Höhner" einzugehen finde ich persönlich diesen doch viel besser als diverse Songs zur Fußball WM, denn ich finde das z.B. "Schwarz und Weiß wir stehen auf eurer Seite" keineswegs besser ist. Außerdem kann ein Lied einen Sport nicht Auf- oder Abwerten.

Nur weil die Fußballer nicht das geschafft haben was nun die Handballer vollbracht haben sollte man dies nicht mit Neid betrachten.

Auf eine Antwort von Ihrer Seite würde ich mich sehr freuen.

Mit sportlichem Gruß


von Schütze - am 14.02.2007 09:13
http://www.taz.de/pt/2007/02/06/a0143.1/text
Zitat

Wir Randballweltmeister!
Mit ihrem Sieg gegen Polen haben die deutschen Handballer vollendet, was den Fußballern verwehrt blieb. Doch der Weltmeistertitel wird ihre Sportart nicht vom Mief der Provinzturnhallen befreien

VON DAVID DENK

Es war einmal ein "Spätsommermärchen". Am 17. September 2006 schlug die deutsche Hockeynationalmannschaft Australien mit 4:3 und wurde, was den Fußballern rund zwei Monate zuvor verwehrt blieb - Weltmeister im eigenen Land. Während die Spieler feierten, gaben die ersten Funktionäre Spaßbremsen-Interviews: Toller Erfolg. Aber bloß nicht drauf ausruhen. Kinder an unseren Sport heranführen. Strukturen schaffen. Großes Potenzial.

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Seit Sonntag ist Deutschland nun also auch Handballweltmeister. Das "Wintermärchen" ist perfekt. Während die Spieler feierten, gaben die ersten Funktionäre Spaßbremsen-Interviews: Toller Erfolg. Aber bloß nicht drauf ausruhen. Kinder an unseren Sport heranführen. Strukturen schaffen. Großes Potenzial.

Und das Schlimmste dran: Sie glauben, was sie da sagen. Adrenalin und Schampus haben ihr Hirn vernebelt. Sie sind voll drauf. Aber keine Sorge: Der Alltag wird sie schon wieder runterholen, auf den Boden der Tatsachen, den Schwingboden miefiger Turnhallen in der deutschen Provinz.

"Handball ist Gummersbach, Fußball die Welt", schrieb Jochen Arntz in der Berliner Zeitung. Ein Satz, in dem alles drinsteckt. Solange die FDP keinen Bundeskanzler stellt, wird Fußball DER deutsche Volkssport bleiben. Womöglich länger. Vielleicht für immer. Wer meint, daran rütteln zu können, ist ein Narr.

Das Schönste am Titelgewinn der deutschen Handballer ist, dass wir nun endlich diese unsägliche Jahreszeit-"Märchen"-Kombination (die sich nur Leute ausgedacht haben können, die Heine nie gelesen haben) auf dem Plattitüden-Friedhof beerdigen können.

Die Einfallslosigkeit der Journalisten entlarvt ihr Interesse für die Randsportarten Hockey und Handball als Heuchelei. Denn eigentlich ging es immer nur um Fußball. Darum, die Scharte der deutschen Halbfinalniederlage auszuwetzen. "Jetzt sind wir doch noch Weltmeister", titelte Bild gestern und degradierte damit die Handballer zu Erfüllungsgehilfen des deutschen Titel-Wahns. Sie haben zu Ende gebracht, was die Torschützen Fabio Grosso und Alessandro Del Piero der deutschen Nationalelf vereitelt haben.

Jecken in Winterjacken

Dass Deutschland trotzdem Weltmeister wurde, "Weltmeister der Herzen", zeigt, wie fixiert wir auf Erfolg sind. Bleibt der aus, basteln wir uns eine Krücke wie den Euphemismus "Weltmeister der Herzen". Oder wir schalten ab. Wer guckt schon noch Tennis, seit Steffi Graf und Boris Becker ihre Karrieren beendet haben?!

Um Handball ging es auch den 30.000 Fähnchenschwenkern auf dem Alten Markt in Köln nur am Rande. Sie haben die Siegesfeier kurzerhand in ihr Karnevalsprogramm integriert, sich warmgeschunkelt für die heiße Phase der Session. Noch nicht mal musikalisch mussten sie sich umstellen. Den Soundtrack zum Weltmeistertitel lieferte die Kölner Stimmungskapelle "De Höhner".

Für von zwei Kommentatoren doppelt sinnfrei zugelaberte Aufnahmen von Jecken in Winterjacken und Reagenzglasbier in sich reinschüttenden Handballnationalspielern räumte der WDR in seinem dritten Programm am Sonntagabend die Primetime frei - Fans der "Musikschau der Nationen 2006" (fall es die gibt) hatten das Nachsehen.

Es war grotesk - und aufschlussreich. Im Interview sagte Linksaußen Dominik Klein, er trage die Bälle, weil er der Jüngste im Team sei. Es schien ihm nichts auszumachen. Dieses unprätentiöse Auftreten kommt gut an, bietet es doch eine willkommene Abwechslung vom Starkult des Profifußballs - wohlgemerkt Abwechslung. Denn ewig will man keine Normalos anfeuern. Normal ist man schließlich selber.

Rumms und Bumms

Diese Sportart sei so deutsch wie keine andere, schrieb Peter Richter neulich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: "Handball ist Rumms und Bumms, Viervierteltakt, Rammstein."

Richter hat wohl Recht - und liefert damit gleich einen weiteren Grund, warum der Handball-Hype schnell wieder abklingen wird. Denn deutsch will niemand gerne sein. Die Staatsangehörigkeit ist schon okay, bloß anmerken sollte man sie einem nicht.

leibesübungen SEITE 19

taz vom 6.2.2007, S. 14, 143 Z. (Kommentar), DAVID DENK


von und außerdem - am 14.02.2007 09:26
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