Neue Regeln ab Juli

Startbeitrag von Naja12 am 03.03.2016 11:28

Passives Spiel, letzte Minute, blaue Karte: IHF-Regeländerungen ab Juli gültig

Nach dem Vorwarnzeichen sind in Zukunft maximal sechs Pässe zugelassen
Foto: Ingrid Anderson-Jensen
Nun ist es offiziell: Die vorgeschlagenen Regeländerungen des Weltverbandes IHF gelten ab 1. Juli 2016, sodass bereits bei den Olympischen Spielen nach ihnen gespielt wird. Das teilte der Weltverband seinen Mitgliedsverbänden und Kontinentalföderationen am gestrigen Montag mit.

Insgesamt betrifft die Reform fünf Änderungen, die von der Regelarbeitsgruppe der IHF im Oktober 2014 in Dänemark erarbeitet und bei den Weltmeisterschaften der Junioren und der Jugend im vergangenen Jahr positiv getestet wurden. Der IHF-Rat verabschiedete die Regeln im November 2015 in Sotschi; gemäß Artikel 20, Punkt 2 der IHF-Statuten treten sie nun am 1. Juli 2016 in Kraft.

Die Regeländerungen im Überblick

1. Torwart als Feldspieler:

Der Torwart kann als siebter Feldspieler eingesetzt werden. Er muss nicht mehr zwingend mit einem Leibchen gekennzeichnet sein. Ist er das nicht, darf jedoch kein Feldspieler den Torraum betreten; der Torwart muss erst für einen Feldspieler eingewechselt werden.

2. Verletzter Spieler:

Ein verletzter Spieler muss das Spielfeld verlassen, nachdem er auf dem Spielfeld medizinisch behandelt wurde, und darf es erst wieder betreten, wenn seine Mannschaft drei Angriffe abgeschlossen hat. Ein Angriff beginnt mit Ballbesitz und endet, wenn ein Tor erzielt wurde oder die angreifende Mannschaft den Ball verliert. Betritt der Spieler das Spielfeld vor Ablauf der drei Angriffe, wird es wie ein Wechselfehler geahndet. Bei einer progressiven Bestrafung des Gegenspielers des Gefoulten gilt die Regel nicht; ebenso bei einem Torwart, der nach einem Kopftreffer liegenbleibt.

3. Passives Spiel:

Nach der Anzeige des Vorwarnzeichens hat die vorgewarnte Mannschaft maximal sechs Pässe zur Verfügung, um auf das Tor zu werfen. Wenn der angreifenden Mannschaft ein Freiwurf zugesprochen wurde, wird die Anzahl der Pässe nicht unterbrochen. Das Zählen der Pässe erfolgt durch den Schiedsrichter und ist eine Tatsachenfeststellung. 


4. Letzte Minute:

Der Wortlaut “letzte Spielminute” in den Regeln 8:5, 8:6, 8:10c und 8:10d wird durch die “letzten 30 Sekunden des Spiels” ersetzt.

Begeht ein Abwehrspieler in den letzten dreißig Sekunden eine grobe Regelwidrigkeit oder unterbindet regelwidrig eine Wurfausführung (Anwurf, Abwurf, Freiwurf, Einwurf), erhält er nun eine rote Karte ohne Bericht - und die andere Mannschaft automatisch einen Siebenmeter.

Die Siebenmeter-Regelung umfasst jedoch keineswegs jedes Foul in den letzten dreißig Sekunden: „Festmachen ist weiterhin ein einfacher Freiwurf“, stellte Manfred Prause, Vorsitzender der Regel- und Schiedsrichterkommission der IHF, im Oktober 2015 gegenüber handball-world.com bereits klar. „Es kann ja nicht sein, dass in den letzten dreißig Sekunden jedes Foul in der Spielfortsetzung ein Siebenmeter ist. Nur Fouls, die sowieso eine rote Karte nach sich ziehen, sind von der Änderung betroffen - ansonsten dreht sich die Regel um Vergehen, wenn der Ball nicht im Spiel ist.“

5. Blaue Karte:

Die Schiedsrichter haben zusätzlich zur Gelben und Roten auch eine Blaue Karte zur Verfügung, um bei einer Disqualifikation eines Spielers für mehr Klarheit zu sorgen. Wenn die Schiedsrichter - nach dem Zeigen der Roten Karte - auch noch die Blaue Karte zeigen, wird ein schriftlicher Bericht in den Spielbericht aufgenommen und die Disziplinarkommission ist für weitere Maßnahmen verantwortlich.

Antworten:

Regeln der IHF: also nur für länderspiele? von EHF, DHB, geschweige denn verbandsebenen steht da ja nichts?!

wieder ein paar dinge dabei die für diskussionen sorgen werden:

zu 1:
was ist, wenn der torwart mit nach vorne geht und den angriff des gegner (beim eigenen rückzug) unterbindet? gibts dann eine rote karte? er war ja dann feldspieler...
ausserdem: somit verschafft sich der gegner ja einen vorteil! so nach dem motto:
"den hau ich um (gelbe karte foul) damit der behandelt werden- und 3 angriffe auf die bank muss!"
das ist vor allem in der den letzten beiden minuten ein echtes taktisches mittel, wenn der gegner 1-2 schwerpunkte im angriff hat.

zu 2:
was ist, wenn der torwart (7ter feldspieler in dem falle) behandelt wird und man nur 1 torwart hat (weil evtl der Andere 2 min für meckern bekommen hat)? kommt ja evtl öfter mal vor, in unterzahl (torwart im feld). muss man dann 3 angriffe mit einem feldspieler im tor spielen?
und überhaupt, was bedeutet "medizinisch" behandelt? das Einem raufgeholfen wird oder dass das köfferchen geöffnet wurde? nur weil jemand aufs feld kommt (physio, trainer), heisst dass ja noch lange nicht, dass man medizinisch behandelt wurde. sonst kommt demnächst keiner mehr ufs feld, damit einem der spieler nicht durch diese regel blockiert wird. das wäre nebenbei vor allem im jugendbereich pädagogisch betrachtet einfach nicht gut durchdacht.

ergänzung:
diese regel könnte dazu führen, dass demnächste niemand mehr behandelt werden will- oder behandelt wird. im letzten drittel der saison kann ein fehlender leistungsträger, gerade zum ende eines spiels, ja über wichtige punkte entscheiden. abstieg, aufstieg, jeder punkt ist wichtig,
konsequenz:
es wird mehr verletzte geben, weil angeschlagene spieler weiter spielen obwohl es sinnvoller wäre diese herunter zu nehmen für 1-2 angriffe.

gilt diese regel auch für torhüter? muss ich dann 3 angriffe nur mit einem spieler im tor spielen wenn man nur 1 torwart hat und/oder der andere eine strafe absitzt?

3 angriffe:
wer kontrolliert das? was ist, wenn 2 spieler behandelt wurden (einer aus jedem team, in etwa zeitgleich, bei zusammenstössen z.B.) wer zählt dann die angriffe?!

zu 3:
was ist, wenn nach dem 6ten pass der freiwurf zugesprochen wurde? muss man dann direkt aufs tor werfen? diese situation wird beinahe in jedem spiel vorkommen, weil man sich ja mit fast jedem pass dem tor nähern muss um aussichtsreich zum abschluss zu kommen. das wäre ja eine strafe....

soll der schiri die pässe zählen? der wird ja dann noch mehr gefordert, konzentriert sich anstatt auf das spiel (versteckte fouls) nun mehr auf einfach pässe und das zählen?!

zu4:
find ich ganz gut, hätten aber ruhig bei 60 sek bleiben sollen.

zu 5:
daumen rauf. wird dann klarer definiert bzw angezeigt.

wenn das alles bis runter in die amateurligen zur regel wird, weiss ich nicht wer das alles kontrollieren soll. der elektronische spielbericht ist schon eine riesen-herausforderung (bald auch bis runter in die kreisklassen?! katastrophe, macht doch keiner, hagelt wieder strafen....), käme das noch dazu wirds bald keine ehrenamtlichen mehr geben. ganz zu schweigen von den refs, die müssen sich dann auf noch mehr dinge konzentrieren - was zu mehr fehlentscheidungen führen wird. ich denke, dass man den handball auch nicht über-reglementieren sollte. die qualität der spielleitung nimmt dadurch ja nicht gerade zu. die qualität der jungschiris ist jetzt schon zu hinterfragen, aber dass ist eine andere grosse baustelle.

so, es darf gemeckert oder ergänzt werden :-)

gs

von Oespel-90er-Coach - am 03.03.2016 20:01
das kann doch keine sau mehr bewältigen im amateurbereich...

außer vielleicht papa molle am tisch! ;)

von fragwürdig - am 07.03.2016 09:23
ja, sehe ich auch so. ergeben sich dadurch auch andere probleme:

der handball wird durch diese relgeln immer schwerer zu verstehen, vor allem für leute, die dem handball nicht so tief verbunden sind: eltern/grosseltern/ehrenamtliche, ältere menschen, TV zuschauer, selbst ehemalige (hochspielende) handballer.

der handball ansich ist schon eine sehr komplexe sportart - das macht es uns eh schon nicht einfach zuschauer für den sport zu begeistern, die eh nicht viel mit dem sport zu tun haben. in zukunft wird das alles noch viel schlimmer, weil sich jeder in der halle oder hinterm bildschirm fragt "wieso dass denn jetzt?!"

die reporter sind heute schon grauenhaft (eurosport, sky, DSF). die experten müssen sich bestimmt immer zurück nehmen (schwalb und co). in zukunft "verstehen" den sport immer weniger und das fängt auf unterster ebene an.

fußball ist dagegen eine einfache sportart (wer fussball nicht versteht, darf niemals handball spielen!), da gibts nur "abseits" was etwas schwieriger zu verstehen ist. der abstand könnte sich weiter vergrössern, weil der handball jetzt noch viel komplizierter geworden ist. viele könnten sich frustriert dem handball abwenden. da ist selbst basketball einfacher - und die verzeichnen grosse zuwächse.

ich komme mir bei manch einem gremium/verband manchmal vor wie in der EU:
"hauptsache wir tun was, egal was, soll niemand behaupten können, wir hätten nichts getan!"

gs

von Oespel-90er-Coach - am 07.03.2016 11:12
da gebe ich dir 100% recht, ich habe auch bei der em nicht jede entscheidung der sr verstanden, dann geht auch die kamera so schnell weg und zeitlupen werden nicht mehr gezeigt.
in dem moment, wo man zuschauer gewinnt durch den erfolg, macht man die regeln komplizierter...irgendwie sinnfrei!

von fragwürdig - am 08.03.2016 08:52
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