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Die *Trash*Kom*Hallen* - Ort der Geschichten
Beiträge im Thema:
6
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 5 Monaten
Letzter Beitrag:
vor 16 Jahren, 5 Monaten
Beteiligte Autoren:
Älis, franz, Ice, Brösel + Älis, Ice + Älis

Es war einmal...

Startbeitrag von Ice + Älis am 07.10.2000 18:45

Geschrieben von Ice + Älis am 07. Oktober 2000 20:45:42:
... eine junge Frau, die wusste nicht wohin und ist dann einfach losgegangen. Nichtsahnend, was ihr bevorstand. Unbeschwert und frohen Mutes schritt sie aus, bis sie auf einen alten Mann traf.

"Wohin des Wegs, junge Frau?" fragte der zahnlose Alte. "Sag Du es mir!" forderte sie ihn munter auf.














Antworten:

Geschrieben von Ice, Brösel + Älis am 08. Oktober 2000 01:16:11:
Als Antwort auf: Es war einmal... geschrieben von Ice + Älis am 07. Oktober 2000 20:45:42:
"Folge Deinem Herzen und Du wirst das Land der Unsterblichkeit finden!"

Die junge Frau erfreute sich dieses Ratschlags, wusste jedoch nicht viel damit anzufangen. Jedoch beschloss sie, diesen Gedanken im Hinterkopf zu behalten. Wer weiß, wofür er eines Tages würde benötigt werden.
Vorerst folgte sie erst mal der Straße. An einer Weggabelung hielt sie inne. Welchen Weg sollte sie nun einschlagen? 4 Wege, in jede Himmelsrichtung einer. Die Entscheidung fiel ihr schwer, so schwer, daß sie beschloß, eine Rast einzulegen. Während ihre schmerzenden Füße sich erholten, betrachtete die junge Frau jeden einzelnen Weg eingehend. Sehr unterschiedliche Wege waren das. Keinesfalls wollte sie zurück. Sollte sie den Weg nach Norden einschlagen? Nein, er sah sehr unwegsam aus, voll Gestrüpp und Geröll. Der südliche wie der östliche Weg schienen ebenfalls kaum passierbar, enge, gewundene Wege laden nicht zum hurtigen Wandern ein. Eine fast vergessene Melodie erklang in ihrem Innersten:
@@ !! GO WEST !! @@
Und sie wusste, was zu tun war!
Fröhlich summend machte sie sich auf den Weg, der nach Westen führte. Die Sonne brannte vom Himmel und sie legte ihren Rucksack ab, um eine Dose Bier zu holen und sie genüßlich zu leeren. Hicks, schmeckte das gut! Lachend kickte sie die Dose weit von sich. So ein kleiner Schwips, und sie warf ihre Prinzipien (zwei Jahre Kommunalpolitik bei den Grünen hatten ihre Spuren hinterlassen) leicht über Bord.
Schon von Weitem sah sie am Wegesrand eine Gestalt sitzen. Beim Näherkommen hörte sie die Gestalt leise vor sich hinmurmeln. Es fiel ihr schwer, des Gemurmels Sinn zu erkennen und neugierig trat sie vor die Gestalt: "Wer bist Du und was murmelst Du?"
Unendlich traurige Augen sahen sie an: "Ich war ein stolzer Blechritter. Doch durch Unachtsamkeit wurde ich dem Regen zulange ausgesetzt und nun zerfrisst mich der Rost!"
"Oh" klagte die junge Frau voll des Mitleids. "Wie kann ich Dir helfen?"
"Gib mir ein Dosenbier! Es lässt mich meine Qualen leichter ertragen!"
Während er sie mit einem Lächeln austrank, wehte ein kalter Hauch des Todes über das Land.....
















von Ice, Brösel + Älis - am 07.10.2000 23:16

Re: Es war einmal ...

Geschrieben von franz am 09. Oktober 2000 18:04:58:
Als Antwort auf: Re: Es war einmal... geschrieben von Ice, Brösel + Älis am 08. Oktober 2000 01:16:11:
Genug gespielt, hörte sie eine Stimme, genug von Blechrittern. Komm mit, wenn du die Unsterblichkeit sehen willst. Und sie spürte eine Hand sie anfassen und diese Hand war kalt wie der Hauch, den sie spürte und sie drehte sich um und sah ein Gesicht voller Eiszapfen, voller Schnee und tiefen Falten - und in den Falten bewegte es sich wie von Tränen oder Würmern, und Ekel und Abscheu packten sie - doch da öffneten sich die Augen und sie sah die Traurigkeit, große dunkle Augen mit großen dicken Tränen und der Ekel mischte sich mit Mitleid, mit Liebe zu diesen Augen, die alles zu überdecken schienen, nichts, nur noch riesengroße dunkle und traurige Augen.
Komm mit - und sie gingen, tief unter die Erde - und es hub an ein Klingen, ganz leicht, Musik, ganz leise, und wurde lauter und wurde trauriger und schien nicht enden zu wollen. Und sie kamen in einen Saal und sahen unzählige Klavierspieler, die behutsam den Tasten das Klingen entlockten, das sie gehört hatte "nur Moll" hörte sie die traurigen Augen sagen, "nur Moll", das sind all jene, die viel zu viel gelacht haben im Leben, das ist ihre Unsterblichkeit. Und sie sah, dass es nicht die Hände waren, die den Tasten das Klingen entlockten, sondern das Tränen fielen auf die elfenbeinernen Tasten, Tränen aus den Augen, die fast ebenso traurig schienen wie die ihrer Begleiter.
--- Fortsetzung folgt ---
















von franz - am 09.10.2000 16:04

Re: Es war einmal ...

Geschrieben von Älis am 09. Oktober 2000 20:32:56:
Als Antwort auf: Re: Es war einmal ... geschrieben von franz am 09. Oktober 2000 18:04:58:
"Wo nur kommen alle diese Tränen her?" Ohne es zu bemerken hatte sie ihren Gedanken laut ausgesprochen und ihr Begleiter blickte sie stumm an. Lange blickte er sie an, sie konnte diesem Blick nicht standhalten, sie wollte es nicht. Was überhaupt hatte sie hier verloren, was hatte sie mit der Traurigkeit zu schaffen?

Ein Gefühl begann Besitz von ihr zu ergreifen, sie zu umfangen, schien in sie zu kriechen.

NEIIIIINNNNN!!!!!! Nicht das! Alles, nur das nicht!

Tief in ihrem Innersten erkannte sie das Gefühl als bekannt, gekannt, in einer Zeit, die lange zurücklag, an die sie niemals dachte, eine vergessene Zeit. Und sie wusste, diesem Gefühl würden Schmerzen folgen, diesem Gefühl folgten immer Schmerzen, Messer in ihren Augen, Krämpfe in ihrem Bauch, kalte, laute, harte Schmerzen auf ihrem Körper, Schmerzen in ihrem Körper, in ihrem Herzen, es war eins, das Gefühl und der Schmerz , der Schmerz und das Gefühl, verbunden durch ein Band, das sie festhielt, sie konnte nicht entfliehen, gelähmt vom Schmerz, gefangen im Gefühl, gefesselt durch das Band.

Weg hier!

Blind rannte sie, rannte und rannte, schnell, schneller, atemlos, wegweg weg.

An der ihr bekannten Kreuzung fand sie sich wieder. Wer nun meint, sie würde dort weinend sitzen, der irrt.

So wie sie ihr Lebtag der Traurigkeit geflohen war, ihr fliehen musste, so schienen die Tränen vor ihr zu fliehen, und jede ungeweinte Träne verringerte die Chance, jemals wieder weinen zu können, zu dürfen, ohne dafür geschlagen zu werden.

Was blieb, war Leere, Hunger, Müdigkeit. Und Klaviermusik in ihrem Inneren, verbunden mit einer großen Sehnsucht.
















von Älis - am 09.10.2000 18:32

Re: Es war einmal ...

Geschrieben von franz am 09. Oktober 2000 22:57:58:
Als Antwort auf: Re: Es war einmal ... geschrieben von Älis am 09. Oktober 2000 20:32:56:
Der Blechritter lag noch da, doch seine Augen waren nicht mehr traurig, sie waren geschlossen, der kleine Blechritter war tot. Und er schien glücklich zu sein in seinem Tod, sie erinnerte sich seiner Traurigkeit und beneidete ihn um seinen Frieden. Und sie gedachte der alten zahnlosen Frau, die ihr da was erzählt hatte, von der Unsterblichkeit, die da so getan hatte, als ob diese Unsterblichkeit was Schönes wäre, erstrebenswert, ein Ziel, wert, danach zu streben.
Und wieder ward ihr kalt und wieder spürte sie den Hauch und die Hand und sie wusste, dass er sie wieder würde mitnehmen, dort hinunter, wo die Unsterblichkeit war, wo die Tränen waren, die jene in alle Ewigkeit würden weinen müssen, die zu weinen sie vergessen hatten. Und die Klaviermusik im Herzen stiegen sie wieder hinunter und sie ahnte, der Schmerz würde wiederkommen aufs Neue - und die Traurigkeit und die Tränen - und ganz langsam begann sie zu ahnen, worin Ewigkeit und Unsterblichkeit bestünde.
Und wieder kamen sie in einen großen Saal, aber dort waren keine Musiker und keine Klänge, sondern nur das Rascheln des Papiers und das Kratzen der Federn - und dort saßen alle die Dichter, die da geglaubt hatten, sie müssten sich die Unsterblichkeit erschreiben, und sie saßen da und schrieben und stachen sich mit den Federn ins Fleisch und schrieben mit ihrem eigenen Blut, auf unendlichen Bögen und ihre roten Zeichen sprachen nur von der Sehnsucht nach dem Tod, nach dem Sterbenwollen - und in ihrer Mitte saß Baudelaire auf dem Thron und schrieb mit bösen, stacheligen Blumen vom fröhlichen Tod:


In einem Boden fett und voller Schnecken

Grab ich mir selber eine Grube leer;

Dort kann nach Lust ich alte Knochen strecken,

Im Schlaf vergessen wie der Hai im Meer.




Ich hasse Grüfte wie die Testamente!

Viel lieber lüd ich mir die Raben ein,

Eh ich zur Welt um eine Träne flennte,

Bei Lebzeit mir den Leib zu benedein.


O Würmer, Freunde ohne Aug und Ohr,

Da kommt ein Toter, der euch frank erkor!

Ihr freien Weisen, der Verwesung Künder,




Durchkriecht meinen Zerfall, vergnügte Schinder,

Und sagt, ob diesem Leib, seellos und tot

Bei Toten, noch etwas mit Marter droht!


"Das also ist die Ewigkeit", meinte sie - "nein", sprachen die großen traurigen Augen, auch das ist nur ein Teil der Ewigkeit. Komm mit, komm weiter mit zu denen, die das alles lesen müssen. Und er nahm sie an der Hand und sie fühlte wieder den Hauch und die Kälte und sie gingen weiter durch die dunklen Gänge, die Klänge im Herzen und das Kratzen der Stifte im Ohr und die Schmerzen der blutigen Federn spürend.

















von franz - am 09.10.2000 20:57

Re: Es war einmal ...

Geschrieben von Älis am 10. Oktober 2000 08:02:30:
Als Antwort auf: Re: Es war einmal ... geschrieben von franz am 09. Oktober 2000 22:57:58:
Wegweg weg.....kann da nicht mit.....warum muss ich, warum soll ich.....Schläge der Tränen wegen, Tränen wegen der Schläge, tödliche Augen, die in die ihren starrten, bis sie wie Messer drin stachen, Ohnmacht, Ausgeliefertsein, gefesselt, gelähmt, wegweg weg....nicht wieder, einmal noch entfliehen, und dann nicht mehr fangen lassen, fliehen wohin, wohin, wo ist ein Ort, an dem es mich nicht findet. wegweg weg, egal wohin, nur weg..........

Und die Ahnung ihn ihrem Inneren zündete einen Funken der Gewissheit. Es würde sie immer finden.

Und sie spürte die fremde Hand an der ihren, spürte Fremdes vertraut werden, empfand wieder ein vergessenes Gefühl, der Wärme, Vertrautheit, und noch ein Funke wurde gezündet, unbennenbar, doch Hoffnung gebend, und mit klopfendem Herzen folgte sie der führenden Hand durch die dunklen Gänge.....
















von Älis - am 10.10.2000 06:02
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