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Die *Trash*Kom*Hallen* - Ort der Geschichten
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vor 16 Jahren
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vor 15 Jahren, 12 Monaten
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mir unsicher, ob ich existiere:(, Trollchen

Rittergeschichte

Startbeitrag von Trollchen am 04.01.2001 16:01

Geschrieben von Trollchen am 04. Januar 2001 17:01:12:
Es war einmal.. So fängt wohl jedes Märchen an. Und doch zeugt dieser Satz von Vergangenheit. Diese Geschichte soll ein Märchen der Neuzeit sein, und ob sie vergangen ist, werde ich wohl erst erfahren, wenn sie sich zu Ende geschrieben hat. Also suche ich einen anderen Anfang.

Es ist. Irgendwo, an einem anderen Ort. Damit meine ich kein fernes Land, das Morgenland vielleicht. Ich meine ein Land, in einer anderen Welt. Weit weg von der grauen Eile der Neuzeit. Ich meine das Land der Herzen. Und wer schlau ist, wird nun wissen, um was für eine Geschichte es sich handelt: Ein Märchen der Herzen.

Sie schreibt sich hier, in einer Küche, einer ganz normalen Küche in einer kleinen Wohnung. Und doch ist es ein winziges bisschen anders, denn hier sitzt ein Troll, der letzte seiner Art, und versucht, sich trotz fordernder Rufe, knallender Türen und dem unaufhörlichen Summen der Spülmaschine nicht auf seiner Reise stören zu lassen.

Und nun schreibe ich doch, es war einmal, denn im Land der Herzen ist alles vergangen und gegenwärtig und zu gleich noch niemals da gewesen.

Es war einmal ein Ritter. Ich möchte nicht lügen, ich weiß nicht viel von ihm. Ich weiß nur, dass es ihn gegeben hat, oder immer noch gibt. Oder dass es ihn einmal geben wird. Irgendwo.

Es war einmal ein Ritter, in goldener Rüstung, die wie die Sonne strahlte. Doch eigentlich benötigte der Ritter weder Gold noch Sonne um zu glänzen. Der Ritter selbst strahlte von innen herazs, silbrig und warm. Und dieses Licht war es, das ihm alle Türen öffnete. Türen in vergessene Welten, ferne Länder. Selbst die massivsten Türen, die zugenagelten Tore verbitterter Herzen konnten, nein, wollten ihm nicht widerstehen, und gaben ihm und seinem weißen Pferd den Weg frei, sein Licht in ihre Einsamkeit zu tragen.

Das erzürnte Leona, die Königin der Dunkelheit. Denn allein die Verzweiflung, der Schmerz, die Verbitterung waren es, die ihr ihre Macht über die Menschen gaben.

Lange Zeit beobachtete sie mit zitternden Fingern den Ritter durch ihre magische Kugel. Sah, wie er Menschen heilte, durch ein einziges Lächeln, ein kleines Wort. Als sie spürte, wie ihre Macht schwand, es immer schwerer fiel, Zwietracht zu sähen, beschloss sie, etwas zu unternehmen. Sie warf ihren Umhang um sich, und schritt energisch zum dunklen Berater des Hofes.

Lange flüsterten die Beiden diese Nacht, so leise, dass sie immer wieder "was?" fragen mussten, doch aus Angst, belauscht zu werden, wagten sie es nicht, die Stimmen zu heben. Nach vielen Stunden öffnete sich die Tür und Leona begab sich in ihre kammer, wo sie die prachtvollen Gewänder ablegte, und sich kleidere wie eine arme Bettlerin. So machte sie sich auf den Weg zu ihrem größten Feind, dem Ritter der Herzen.

Viele Tage wanderte sie so, durch Regen und Sturm, und als sie dem Ritter begegnete, sah sie tatsächlich so abgerissen aus, dass sie das Herz des Ritters sofort berührte. Der Ritter wusste nicht, mit wem er es zu tun hatte, und beschloss, der armen Frau zu helfen. Die nächste Zeit vergaß er alles um sich herum, sah nur Leona, und setzte alles daran, ihr Herz zu erreichen. Er dachte, das Schicksal müsse ihr übel mitgespielt haben, setzte sie zu sich auf sein Pferd, und zeigte ihr sein Land. Er gab ihr alles was er konnte, und Leona nahm mit zufriedenem Lächeln alles in sich auf, verwahrte es, schloss es ein, und umgab es mit Dunkelheit.

Lange Zeit dauerte es, bis der Ritter spürte, dass sein Lachen schwächer wurde, die Farben seines Landes verblassten, und selbst die Sonne nicht mehr strahlte wie zuvor. Er begann zu ahnen, dass es mit Leona zusammenhing, dass sie zwar all seine Geschenke nahm, jedoch niemals etwas zurückgeben würde. Doch er konnte nicht aufgeben, selbst wenn er sein Leben dafür geben müsste, er wollte Leona retten.

Eines Tages wusste Leona, dass sie ihr Ziel erreicht hatte, dass sie dem Ritter all seine Kraft genommen hatte und er keine Gefahr mehr darstellte. Sie ging zu ihm, schenkte ihm ein zuckersüß kaltes Lächeln, warf ihre Masken ab, und offenbarte ihm, wer sie war. Als sie keine Regung in seinem Gesicht erkennen konnte, sprach sie weiter, erklärte ihm, was geschehen war, und bot ihm an, die Leere in seinem Inneren mit ihrer Farbe zu füllen, ihn in ihr Schloss zu nehmen, und an ihrer Macht teilhaben zu lassen. Doch als der Ritter ihr Angebot ausschlug wurde sie zornig und rief "So muss ich dich für immer aud meinem Land verbannen!" und sie sprach einen mächtigen Zauber, durch den der Ritter in einen tiefen Schlaf fiel und von einer schwarzen Wolke umwoben weit, weit weg getragen wurde...
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Antworten:

Geschrieben von mir unsicher, ob ich existiere:( am 26. Januar 2001 22:54:09:
Als Antwort auf: Rittergeschichte geschrieben von Trollchen am 04. Januar 2001 17:01:12:
Ich schreibe dies hier anstelle von jemandem, den es noch nicht gibt. Also, eigentlich glaube ich schon, daß es ihn gibt, aber leider hindert etwas in seinem Inneren ihn wohl daran, daß er seine Zeit für gekommen hält und sich auch würdig fühlt, diese Geschichte weiterzuschreiben.

Nicht, daß ich mich für würdiger halten würde, nein nein - aber ich habe mich dazu entschlossen, diese Geschichte weiterzuschreiben, weil ich das Gefühl hatte, daß sich mir manchmal etwas von diesem Jemand zeigt. Und da ich eben auch etwas ungeduldig bin, wollte ich einfach nicht so lange warten, bis es denjenigen wirklich gibt. So ist das.

Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht: "Wen meint der bloß? Nachher meint er sogar sich selber!" Also, den Namen kann ich Euch nicht sagen, ich weiß ihn nicht. Und mit meinem nick hat es auch nichts zu tun, falls Ihr das denkt. Es ist jemand, den man in einem Baumarkt nach Palisanderholz fragt, und der einem freundlich antwortet, daß man in einem einfachen Baumarkt kein Palisanderholz bekommt sondern in einem Holzfachhandel, weil Palisanderholz ist etwas besonderes. Man nimmt es zum Beispiel, wenn man ein Xylophon bauen will... aber das ist dann doch eine andere Geschichte.
Was geschah also mit dem Ritter... hm, Krit hat es ja schon geschrieben, ich hab es leider im Moment vergessen, aber vielleicht war ja auch alles ganz anders, oder zumindest im Prinzip könnte alles doch anders ausgehen...

Nun, am besten, ich gebe es gleich am Anfang zu: ich weiß nicht, was mit dem Ritter geschehen ist. Vielleicht hängt er immer noch in seiner schwarzen Wolke fest, vielleicht hat ihn jemand erlöst, vielleicht hat er sich selbst befreien können, vielleicht muß etwas in seinem Inneren noch erwachen... ich weiß es nicht.

Leona, die Königin der Dunkelheit, sie erhielt ihre Macht aus der Verzweiflung, aus dem Schmerz und der Verbitterung der Menschen. Aber da war noch etwas, mit dem sie über die Menschen herrschte. Dieses Etwas herrschte jedoch genauso über sie. Wie ein Stachel, den man nicht sehen kann, steckte es in ihr und beherrschte ihre Gedanken. Sie war also nicht weniger gefangen als alle anderen auch, über die sie herrschte. Sie konnte sich nicht davon befreien. Auch wenn sie ihn selbst manchmal spürte - zu tief saß der Stachel, um ihn selbst herausziehen zu können.

Dann hat sie ja die Strafe für ihre Boshaftigkeit, wird mancher jetzt vielleicht sagen. Und richtig, Strafe muß sein, so wie es sich in einem anständigen Märchen auch gehört. Nun gut, aber so richtig bringt uns das nicht weiter. Was sich also weiter zutrug, das will ich nun erzählen. Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir mit ein wenig Aufmerksamkeit lauscht.

Das Leben der Königin der Dunkelheit ging sehr lange und im großen und ganzen seinen gewohnten Weg weiter. Die Menschen unter ihr lebten weiter in ihrer Zwietracht, verbittert, ohne eigentlich zu wissen, warum sie so verbittert waren. Es war einfach das natürliche für sie. Obgleich sie auch etwas anderes kannten, aber es konnte durch die Macht der Königin nicht genug Kraft gewinnen - so wie ein Bonsaibaum, dem man sofort die Wurzeln beschneidet, wenn er zu doll wächst.

Als sie nun schon recht alt war, wurde ein Gedanke in ihr immer stärker, der ihr Sorgen bereitete. Eines Tages würde sie die Bühne des Lebens verlassen und, wenn auch nicht vor den Menschen, so doch vor sich selbst Rechenschaft ablegen müssen. Unbestreitbar hatte sie ihr ganzes Leben hindurch ihre Macht behaupten können, nicht die Spur einer Niederlage war an ihr hängengeblieben, souverän hatte sie all ihre Pläne in die Tat umgesetzt. Nur, sie war nicht zufrieden. Etwas störte sie und ließ sie nicht zur Ruhe kommen. Da war noch der Stachel in ihr. Der stach da, die ganzen Jahre lang. Unbeachtet, nicht mal gewollt. Ein Ding, aus dem ihre ganze Boshaftigkeit entsprang. Und nicht mal sie selbst konnte sagen, warum.

Was sollte sie tun? Sie konnte nicht einfach einen weisen Mann befragen. Selbst wenn es in ihrem Land einen solchen gegeben hätte, sie mußte nun allein vor sich selbst Rechenschaft ablegen. Ihr blieb die eine Möglichkeit, ihren Weg nun gerade weiter bis zum Ende zu gehen und ihren Haß zuletzt gegen sich selbst zu richten. Sich auszulöschen, sich selbst wegzuwischen und damit ihre Unfähigkeit, über sich selbst zu herrschen. Sie mußte den Spiegel zerbrechen, in den sie nicht mehr sehen wollte. Denn lieben konnte sie sich nicht, das ging nicht. Die Liebe hatte sie aus ihrem Leben verbannt.

Oder vielleicht nicht ganz. Denn tief in ihrem Innern, verborgen unter einem Mauervorsprung in den tiefsten Kerkern ihrer Seele, gab es ein Blümchen. Es war eigentlich nicht viel mehr als ein Samen. Aber es war da, es war nicht tot. Nur der Stachel in ihr war so giftig, daß es nicht wachsen konnte.

Sie hätte es wohl auch nie entdeckt, und sie war kurz davor, ihrem Leben ein angemessenes Ende zu setzen, als ihr im Traum eine Gestalt begegnete, die zu ihr sprach:

Es gilt keine Lektion mehr zu lernen. Es braucht nur geweckt zu werden, was in Dir ist. Das ist das schwerste. Der Kraft Deiner eigenen Worte sicher zu sein. Und wenn Du den Mut hast, Deine eigene Sprache zu sprechen, werden Dich die Menschen wirklich verstehen, mit ihren Herzen.


















von mir unsicher, ob ich existiere:( - am 26.01.2001 21:54
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