Diese Seite mit anderen teilen ...

Informationen zum Thema:
Forum:
Die *Trash*Kom*Hallen* - Ort der Geschichten
Beiträge im Thema:
1
Erster Beitrag:
vor 16 Jahren, 2 Monaten
Beteiligte Autoren:
K r i t

Über die Liebe, die Hoffnung und vom Ritter, der kein Ritter mehr sein konnte

Startbeitrag von K r i t am 04.01.2001 19:26

Geschrieben von K r i t am 04. Januar 2001 20:26:32:
trollchen, hab dank für deinen Anfang der Geschichte . Ich allein weiß, wie sie wirklich weiterging, denn es ist meine Geschichte.
Und nun höre:



....
Lange verharrte der Ritter, der nun keiner mehr war, in dunkler, traumloser Leere.

In einem Schlaf, der auf keinen Morgen wartet, einem Schlaf ohne Hoffnung.

So begegnete er ihm also, dem Bruder des Todes.
Doch der Bruder verwehrte ihm die Umarmung mit der Ewigkeit und so nahm die Leere die Gestalt eines Traumes an, in dem der Ritter allein und nur mit dem wenigen bekleidet, das Leona ihm noch gelassen hatte, durch ein mit grauem Nebel verhangenes Tal irrte.

Da kam ihm aus dem verschwommenen, kalt gewordenen Dunst der Vergangenheit seine Freundin Felice entgegen, die er nicht mehr gesehen hatte, seit er mit Leona durch das Land gezogen war. Sie hatte ihn ja Stück für Stück alles vergessen lassen wollen.
Felice streckte die Hand aus und als sie ihn berührte öffnete er die Augen und sah, dass es kein Traum mehr war und erinnerte sich.

Auch das Mädchen war gezeichnet von den Kriegern Leonas, der Königin der Dunkelheit.

Sie hatten ihr die langen blonden Haare ausgerissen und ihr Blut vergiftet.

Nur die Hoffnung hatten sie ihr noch lassen müssen, sie war zu stark um sie ihr zu entreissen.
So stand sie kahlköpfig vor dem Ritter, der nun keiner mehr war, und fror.

Er zog aus was er noch am Leib hatte und hüllte sie darin ein. Sie wärmte ihn dafür mit mit der kleinen Flamme ihrer Zuversicht.
Sie machten sich auf den Weg.
Auf die Suche nach der Quelle, aus dem das Wasser des Lebens entspringt. Man sagt, dass jeder, der sich einen Funken Glauben erhalten hat aus diesem Wasser alle Kraft der Welt erhält und zum Ganzen und seinen wahren Wünschen zurückfindet.
Barfuß liefen sie über kaltes Eis und glühenden Sand und teilten Angst und Schmerz und Glauben auf ihrer Reise, Felice und der Ritter ohne Rüstung, zwei Kinder mit greisenhafter Liebe zueinander, beide von der Zuversicht des Mädchens getragen.
Leona, die Königin der Dunkelheit, die beide schon längst verloren geglaubt hatte, erspähte sie eines Tages in ihrer Glaskugel und der Anblick selbst dieser stillen, armen Liebe erzürnte sie. Wieder eilte sie zu ihrem gelbgesichtigen Berater und sie steckten die Köpfe zusammen. Nach vielen Stunden hatten sie einen Plan gefasst.
So machte dann auch Leona sich auf den Weg.

Mit sich führte sie in einer Schachtel den feisten Kobold der Dummheit, ihren zuverlässigsten Handlanger.
Ihre Glaskugel wies ihr die Richtung und als sie in die Nähe der Kinder kam verwandelte sie den Kobold in einen freundlichen Knappen und schickte ihn voraus zu den müde gewordenen Kindern.
Schnell erlangte er durch sein gewinnendes Lächeln das Vertrauen der beiden erschöpften Wanderer.

Er legte dem Mädchen frische Decken um die Schultern und versorgte sie mit Nahrung.

Der Junge, der kein Ritter mehr sein konnte, freute sich. Er war noch ein wenig müder geworden durch die Strapazen der Reise und war dankbar, dass Felice nun bekam, was er ihr alleine nicht mehr geben konnte.
So setzten sie ihre Reise zu dritt fort. Schliesslich kamen sie in eine bitterkalte Eiswüste.

Das Mädchen barg die zitternde Flamme ihrer Hoffnung in ihren klammen Händen und der Junge achtete darauf so neben ihr zu gehen, dass kein Windstoss sie zum Erlöschen bringen konnte.
Dann kam endlich wieder die Sonne heraus. Das Mädchen kam zu Kräften und ihr Feuer des Lebens brannte und leuchtete so hell, dass man es meilenweit sehen konnte.

Sie lachte, tanzte und sprang über den schmelzenden Schnee, dass es nur so spritzte.

Der traurige Ritter lächelte bei diesem Anblick, bald würde er sich wieder schlafen legen können. Er war so müde, aber zufrieden sah er, wie seine letzte große Aufgabe vor ihrer Erfüllung schien.
Aber das Glück sollte nicht lange dauern. Über Nacht kehrte der Winter zurück, ohne Vorwarnung und kälter und eisiger, als alle Winter dieser Welt je zuvor.

Sie verkrochen sich wochenlang in einer dunkeln, engen Höhle. Um ihre Flamme nicht zu gefährden verliess das Mädchen die Höhle nie. Der Ritter, der kein Ritter mehr sein konnte, versorgte sie mit allem, was er in Eis und Schnee noch finden konnte.
Leona, die alles von einem sicheren Platz aus beobachtet hatte, sah nun ihre Stunde gekommen.

In Gestalt einer dunklen, weisen Frau betrat sie die Höhle und verzauberte das Mädchen, als es gerade mit dem Kobold in Knappen Gestalt alleine war.
Von da an kam sie immer wieder wenn der Ritter, der kein Ritter mehr sein konnte und die Gefahr nicht erkannte nicht bei Felice war. Leona verschaffte sich Zugang zu der Traumwelt des Mädchens und streute heimlich und unbemerkt Sand in ihre Flamme der Hoffnung.
Als der Frühling erneut zurückzukommen schien planten der Ritter, der kein Ritter mehr sein konnte und das Mädchen die Fortsetzung ihrer Reise, sobald das Mädchen wieder kräftig genug sei.
Eines Tages verliess der Ritter ohne Rüstung die Höhle für einige Tage, um die Gegend zu erkunden und Leona erkannte, dass nun die Zeit gekommen war, ihr zerstörerisches Werk zu vollenden. Sie winkte den schwarzen Vögel des Himmels und gestattete ihnen, sich in der Höhle neben Felice niederzulassen. Ihr Gefieder war schwarz vom Ruß der vielen Feuer, die sie mit ihren Flügeln schon zum ersticken gebracht hatten.
Leona, noch immer in der Gestalt der weisen Frau, flüsterte dem Mädchen warme Zauberworte ins Ohr, eines davon war das Wort "Liebe" rückwärts gesprochen. Das Mädchen fühlte sich sicher und geborgen und merkte nicht, wie sie dabei schon dem Ruf der schwarzen Vögel lauschte.
Erst als sich diese auf ihr niederließen und sie mit ihren hässlichen kleinen schwarzen Augen anstarrten erkannte sie, dass es die Macht Leonas war die von ihr Besitz ergriffen hatte. Leona blieb noch eine Nacht bei dem Mädchen und den Vögeln und benetzte sie mit ihren giftigen Tränen.

Als sie wusste, dass nichts ihr Werk mehr aufhalten konnte, liess sie das Mädchen mit den schwarzen Vögeln und ihrem Knappen alleine.

Als die winzig gewordene Flamme des Mädchens im wilden Flügelschlag der Vögel endgültig erloschen war rief der Knappe den Ritter herbei, der jetzt auch mit der glänzendsten Rüstug der Welt nichts mehr hätte ausrichten können.
Der Knappe eilte seiner Herrin nach, während der Junge, der nun ganz vergessen hatte, dass er jemals ein Ritter gewesen war, sich ratlos und verwirrt neben seine kleine Gefährtin kauerte.

Mit ihrer Flamme war auch das Licht ihrer Augen schon erloschen. Der Junge blickte durch den Ausgang der Höhle nach draussen und sah, wie sich das Mondlicht in tausend glitzernden, tanzenden Sternen in der Kälte des Schnees spiegelte. Während er ihren Atem bewachte, der als einziges noch ihre Seele vor dem Nichts bewahrte beschrieb er dem Mädchen was er draussen sah und flehte um einen neuen Tag.
Als der Mond verschwand und die Nacht am dunkelsten war erhoben sich die schwarzen Vögel. Lautlos, ohne das leiseste Rauschen ihrer Flügel, einzig getragen vom letzten Atemstrom des Mädchens verschwanden sie und verschmolzen mit dem Dunkel der Nacht und des Nichts.
Einstmals ein großer glänzender Ritter gewesen, stand der weinende Knabe in der Kälte und der Ahnung des Nichts, in das er nicht zu folgen vermochte.
So begab er sich alleine auf seine letzte große Suche, nach dem Weg in die Unvorstellbarkeit des Nichts, in dem er nichts mehr wiederfinden würde, aber in das er eingehen könnte als das, was er nun war.
Nichts.

K r i t















Antworten:

Zur Information:
MySnip.de hat keinen Einfluss auf die Inhalte der Beiträge. Bitte kontaktieren Sie den Administrator des Forums bei Problemen oder Löschforderungen über die Kontaktseite.
Falls die Kontaktaufnahme mit dem Administrator des Forums fehlschlägt, kontaktieren Sie uns bitte über die in unserem Impressum angegebenen Daten.