Nasskalt und frei

Startbeitrag von Trollchen am 04.03.2001 18:37

Geschrieben von Torsten am 04. März 2001 19:37:23:
Stina trottet nach Hause. Es muss seltsam aussehen. Ein klatschnasses mädchen, die schuhe unter dem einen arm, die jacke unter dem anderen, wie es durch die Straßen irrt, die Hose so lang, dass sie darauf tritt und die feuchtigkeit staub und dreck vom bürgersteig in die hose saugt.

Doch niemand kümmert sich um Stina, niemand beachtet sie, wie sie auf einmal lachen muss. Das lachen einer irren? Nein, eigentlich nicht. Stina ist nur froh. Einen Moment in ihrem Leben lustig und befreit.

Als sie aus der Wohnung raus gerannt ist, geflohen, wusste sie nicht was sie machen wollte. Einfach nur raus, frische Luft, abkühlen bevor ihr die Decke auf den Kopf fiel. Doch im Freien war es nicht so kalt wie sie erwartet hatte, eigentlich war die luft gar nicht frisch, eher staubig und warm. Es reichte nicht ihren Kopf zu kühlen, sie frei und lebendig zu machen.

Dennoch, besser als in der wohnung war es allemal.

So lief Stina weiter, durch einen Park, den Fluss entlang, bis sie an irgendeiner Stelle über das Geländer zum Fluss hinunterstieg, mehr rutschend und fallend als laufend, und sich auf einen Stein nahe ans wasser setzte.

Dort saß sie eine weile, den autos lauschend, das licht im Strom spielen sehend, warf Steine ins wasser und war fast zufrieden.

Und dann, ohne weiter darüber nachzudenken, warf sie sich selbst ins wasser, spürte feuchtigkeit in ihre glieder dringen, weiches kühles wasser, das gut roch. Wie ein Regentag. Die Kälte zwang sie schneller zu atmen, heftiger. Dennoch blieb sie liegen. Am Körper die Strömung spürend, klar und fließend.

Nur langsam rappelte sie sich auf, in dem Wissen, sonst krank zu werden. Stieg aus dem Wasser, setzte sich noch eine Weile auf den Stein, die Wolken beobachtend, bis sie sich schließlich, mit den Boden berührender Hose und klammen, kalten Kleidern auf den Heimweg machte.

Einen Moment war sie frei, einen guten Moment.

Und sie wusste, sie würde wieder ins Wasser gehen. Nicht um zu sterben, sondern um einige Momente am Leben sein zu können, die Freiheit im Herzen, und einen kühlen Kopf.













Antworten:

Geschrieben von Rellik am 11. März 2001 01:25:54:
Als Antwort auf: Nasskalt und frei geschrieben von Torsten am 04. März 2001 19:37:23:
Es ist eine schöne Geschichte mit offenem Ende aber das Ende ist klar.

Alleine versunken in Gedanken und keine/n der/die sich für das interessiert was einem so wichtig scheint. Der Freitod oder noch besser, Opfer eines Killer. Ich bin bereit.

Die Geschichte hat mir gefallen.

Gruss Rellik.


















von Rellik - am 11.03.2001 00:25
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