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Die *Trash*Kom*Hallen* - Ort der Geschichten
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Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 10 Monaten
Beteiligte Autoren:
Judith

Geschenk

Startbeitrag von Judith am 16.07.2001 21:07

Die Sonne scheint. Vielleicht ist es unwesentlich, ein unpassender Anfang einer Geschichte, aber naehere ich mich von Aussen, ist es das Erste was auffaellt. Es ist hell, es ist warm. Ich beginne diese Geschichte von hinten, da ich den Leser nicht der Kaelte ueberlassen will, welche zu Beginn vorherrscht. Es war die Kaelte, welche die Materie dazu brachte, sich zu formen, Klumpen zu bilden, Planeten wegzuschleudern. Komprimierende Kaelte war der Anfang. Mit der Ausdehnung kam die Waerme. Durch die Waerme wurden zwar auch die Abstaende zwischen den Planeten groesser, aber erst durch sie konnte Leben entstehen. Die Planeten entwickelten sich sehr unterschiedlich, und aus vielen der Klumpen wurden Sterne. Sterne, Kometen, Nebel, schwarze Loecher, weisse Riesen, Sonnen. Die Entwicklung, dass in den neu entstandenen Systemen der Kern warm war, waehrend alles weiter entfernte kuehl wurde, war verplueffend. Zu Beginn war die Kaelte im Zentrum, nun die Waerme.

Ich bin ein Komet. Da Leben als Komet ist interessant. Wohl bin ich haeufig damit beschaeftigt, meinen Staub, meine Eisbrocken, aus denen ich nunmahl bestehe, zusammenzuhalten, aber trotz dieses Dauerproblems habe ich den Vorteil, dass ich fliegen kann, dass ich mich bewegen kann. Bevor das jetzt allzu eingebildet klingt, raeume ich ein, dass sich auch die Planeten bewegen, in viel geordneteren Bahnen, dass weisse Riesen wohl noch interessanter sind, aber auch kurz vor dem Kollaps, weswegen ich lieber einen Kometen bin.



Er ist am Meer. Er hoert den Wellen zu. Sie beruhigen ihn, sein Herzschlag verlangsamt sich. Er liebt den Geruch, das Salz auf seiner Zunge, die Moewen, die Weite. Er ist alleine. Er liegt im Sand. Der Wind blaest Sand ueber ihn, ein Teil davon bleibt auf ihm liegen, deckt ihn zu. Er ist erstarrt, wobei es nebensaechlich ist warum.

Er hoert Kinderstimmen. Sie machen ihn traurig, war er doch auch mal ein Kind so voller Hoffnungen, voller Ideen und Traeumen. Seine Seele weint um diese Traeume, aber davon kommen sie nicht zurueck, er wird nur noch leerer. Er ist leer, starr und trocken. Er wird hier liegen bis er stirbt. Es ist ihm egal, ob er erfriert oder austrocknet. Es ist ein Prozess, den nicht er definiert, er laesst sich treiben.

Es ist heiss. Er ist schwach. Kaum noch kann er die Wasserflasche heben, geschweige denn aufstehen und neues Wasser holen. Es ist gut so. Er fuehlt sich friedlich, schwebend, davongleitend...er hat keine Angst. Es wird Nacht. Seine inzwischen sehr mueden Augen koennen in der Nacht besser sehen. Er schaut die Sterne an. Einer davon ist seiner, zu ihm wird er zurueckkehren, zu ihr.

Ploetzlich erhellt sich der Himmel. Er wird geblendet, will die Augen schliessen, aber die Neugier ueberwiegt. Etwas ist da. Es koennte einen Kometen sein. Aus der Kalte entstanden, durch die Hitze ins Weltall geschleudert, und nun auf seiner langen Reise. Er will mitreisen. Er vergisst, dass er keine Kraft mehr hat, steht auf, und rennt dem Kometen nach. Er schaut nur in den Himmel. Es ist phaszinierend. Noch nie hat er etwas derartiges gesehe. Er vergisst alles um sich herum. Er ist ja schon so kalt geworden, er will eines der Eisstuecke werden, welche der Komet in seinem Schweif mitfuehrt. Vielleicht kann er so wenigstens noch jemanden erfreuen, ja, Freude verbreiten.

Er vergisst seinen mueden, ausgemergelten Koerper so lange bis er stuerzt. Er stuerzt ins Meer. Er taucht ab, will wieder an die Oberflaeche, den Kometen ja nicht aus den Augen verlieren. Er schwimmt, verschluckt Salzwasser, hustet. Durch das Wasser hindurch sieht er den Kometen, so weit weg, so weit oben, er scheint ihn in seiner Langsamkeit auszulachen. Unter Wasser verliert er die Orientierung. Ist das jetzt noch der Komet, oder ein besonders leuchtender Seestern? Endlich kriegt er Boden unter die Fuesse, Land.

Nass und muede schaut er dem Kometen zu wie er sich entfernt. Er wollte ihn nicht mitnehmen. Er weiss nicht, was nun ist, er weiss es nicht, aber seine Ruhe ist gestoert, er ist rausgerissen aus seinem stillen Dahingleiten.



Eben bin ich an der Erde vorbeigeflogen, ungewoehnlich nahe. Eigentlich versuche ich eine gewisse Distanz zu wahren, denn ich bin gefaehrlich, kommt man mir zu nahe. Das ist mein Leben, ich sehe viel, bin dafuer einsam, und niemand sollte versuchen mir zu folgen, niemand.

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