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Die *Trash*Kom*Hallen* - Ort der Geschichten
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Erster Beitrag:
vor 15 Jahren, 4 Monaten
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NothingToSay

Suicidal Dream

Startbeitrag von NothingToSay am 29.08.2001 01:56

Sie sitzt bloß einfach so da am offenen Fenster und sieht in die Nacht. Es ist eine klare Nacht, man kann die Sterne sehen, es geht ein kühler, leichter Wind. Weit unten auf der Straße kann man vereinzelte Autos sehen. Es ist spät. Oder sehr früh. Wie man es will. Sie hat die Knie an den Körper gezogen und die Arme darum geschlungen. Die kühle Luft streichelt sanft ihr Gesicht. Die Arme schmerzen noch von den letzten Schnitten. Einer war recht tief und riss sie durch einen glühenden Schmerz jäh aus dem cutten heraus. Sie hatte schon befürchtet eine Sehne angeschnitten zu haben, doch scheinbar war nichts passiert. Und selbst wenn wäre es jetzt egal. Ihr Blick richtet sich zum Boden. Die Höhe macht sie schwindeln. Wie lange es wohl bis zum Aufprall dauert? Nicht lange. 2 Herzschläge? 3? Vielleicht ein paar mehr. Vielleicht schlägt das Herz sehr schnell, im freien Fall. Vielleicht setzt es auch aus. "Vertrau mir, lass dich einfach fallen, ich fange dich auf, behüte dich, beschütze dich. Hülle dich ein, in sanftes Nichts." Nichtssein. Nichts fühlen. Nicht denken. Nicht mehr sein. Einmal sich fallen lassen. Mit dem sicheren Wissen, aufgefangen zu werden. Nicht endlos in die Tiefe zu taumeln und nirgendwo ankommen. So könnte es sein. So einfach. Ein Auto fährt vorbei. Ein Nachtfalter flattert durchs Fenster. Das Licht in ihrem Zimmer hat ihn angelockt. Eigentlich müsste sie Angst haben. Angst, vor diesem großen Schritt ins Unbekannte. Sie müsste Zweifel haben. Ihr müsste alles weh tun, innerlich. Schwermütig müsste sie sich fühlen. Doch so ist es nicht. Oft saß sie hier am Fenster. Oft hat sie in den Nachthimmel geschaut, und hinunter auf die Straße. Oft wurde sie von Zweifeln gequält, von tiefem Kummer, Leid und Angst. Doch heute ist es anders. Sie fühlt sich frei. Frei, leicht und sicher. So leicht, dass sie überlegt, ob es überhaupt einen aufprall geben wird, einen fall. ob sie nicht einfach davon schweben wird, vom wind getragen, hinauf in die sterne. Sie weiß dass es nicht so ist. Doch diese Überlegung bringt sie zum Lächeln. Ihr Blick wandert zurück in das Zimmer. Aufgeräumt. Sie hat alles aufgeräumt. Das Bett ist gemacht. Es sieht aus, wie das Zimmer von jemandem, der auf eine Reise geht, und in kein unordentliches Heim zurückkehren will. Sie wird nicht zurückkehren. Aber während sie ihre Dinge geordnet hat, hatte sie Zeit, Abschied zu nehmen. Abschied, von all den Erinnerungen und Menschen, die mit den Gegenständen verknüpft waren. Während des Aufräumens haben sich auch ihre Gedanken geordnet, fast wie von allein. Nun ist alles erledigt. Sie kann gehen. Noch ein kurzer Blick in die Sterne. Und dann lässt sie sich zur seite wegkippen, übergibt sich dem freien fall - und schwebt entgegen aller erwartungen davon.

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